Steals und Resteals
Einleitung
In diesem Artikel
- Warum du überhaupt stealen solltest
- Steals und Resteals mit und ohne Stats
- Wie du auf Resteals reagieren solltest
- Sklansky-Chubukov Pushes
Dieser Artikel führt dich ins Thema Steals/Resteals ein. Hintergründe zum Thema Steals und Resteals sowie Annäherung an das Thema Steals/Resteals ohne Statistiken helfen dir, dein Spiel zu verbessern.
Dieses grundlegende Wissen bildet die Basis für das Stealen und Restealen mit Statistiken. In diesem Punkt wird auch das Steal- und Restealverhalten gegen andere Shortstacks angesprochen. Anschließend lernst du das Konzept der Sklansky-Chubukov Pushes kennen. Ein kleiner Abschnitt am Ende gibt dir einige Tipps, wie du deine Stealhände postflop erfolgreich weiterspielen kannst.
Steals
Die deutsche Übersetzung zeigt dir ja bereits, was du mit einem Steal bezwecken willst. Du willst die Blinds möglichst ohne Gegenwehr mitnehmen, schließlich sind das 1,5BB, die du ohne Rakeabzug in deine Tasche wandern lassen kannst. Um erfolgreich stealen zu können, musst du dir bei jedem Steal über vier Faktoren Gedanken machen.
- 1. Deine Position
- 2. Die Aktionen vor dir
- 3. Deine Hand
- 4. Deine Gegner
Diese vier Punkte machen ein erfolgreiches Stealen aus. Im Folgenden werden diese Punkte einzeln behandelt.
Du kannst nur stealen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass du die Blinds auch kassierst. Je mehr Gegner nach dir noch an der Reihe sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass mindestens einer noch eine starke Hand hat. Also ist es umso unwahrscheinlicher, dass dein Steal erfolgreich sein wird. Daher kannst du nur aus den späten Positionen (CO und BU) und aus dem Small Blind (SB) stealen. Hier sind nur noch wenige Gegner nach dir dran und du hast damit eine erste Grundlage für einen Steal geschaffen.
Poker ist ein Spiel, bei dem du nicht nur deine Karten spielen kannst, du musst auch darauf achten, was deine Gegner machen. Dies ist auch beim Stealen wichtig. Du kannst nur stealen, wenn vor dir alle Gegner gefoldet haben. Wenn du nun erhöhst, bist du der erste, der überhaupt ins Spiel einsteigt, du bist "first in". Der Grund hierfür ist recht simpel: Dein Ziel ist es, die Blinds zu kassieren.
Dies ist jedoch nicht so einfach möglich, wenn bereits jemand Gefallen an seiner Hand gefunden hat und ins Spiel eingestiegen ist. Selbst wenn beide Blinds folden, hast du die Hand nicht gewonnen und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand foldet, der bereits Geld investiert hat, ist deutlich kleiner. Deswegen kannst du nur stealen, wenn du first in bist. Du machst dann ein sogenanntes Openraise (eröffnest also die Runde mit einer Erhöhung).
Ausnahme: Manchmal kommt es vor, dass ein Spieler, der neu an den Tisch gekommen ist, den Big Blind postet, obwohl er z.B. in MP3 sitzt. Hier hat der Spieler Geld investiert ohne zu wissen, welche Hand er hat. Sollte er also, wenn er dran ist, nur checken, ist das ein Zeichen dafür, dass er eine schlechte Hand hat. Bessere Hände sind unwahrscheinlich geworden.
Solltest du nun in einer Situation sein, in der du stealen kannst, kannst du den Blind-Poster ignorieren, da dieser eben sehr oft folden wird. Der seltene Fall, dass er erhöht und du folden musst, wird dadurch ausgeglichen, dass du für den Fall das er foldet, einen Big Blind mehr gewinnst.
Dieser Aspekt wird im späteren Verlauf des Artikels noch genauer angesprochen, wenn es um Ranges und ähnliches geht. Hier sei nur kurz gesagt: Du kannst prinzipiell (Ausnahmen bestätigen die Regel) nicht mit jeder Hand stealen. Du kannst zwar mit mehr Händen stealen, als du normal raisen kannst, aber trotzdem muss eine gewisse Handstärke immer gewahrt werden. Denn die Gegner werden eben nicht immer nur fold oder raise spielen, sondern auch den Call-Button zu betätigen wissen und du musst deine Hände dann auch postflop spielen können. Das geht mit 95o nicht so gut. Hierzu aber später noch mehr.
Du kannst nicht gegen jeden Gegner gleich spielen. Beim Stealen gilt da eine allgemeine Faustregel:
Je looser dein Gegner, desto tighter musst du stealen. Je tighter dein Gegner, desto looser kannst du stealen.
Gegen einen Gegner der keine Ahnung vom Verteidigen der Blinds hat, kannst du sehr viel stealen, da er eben sehr oft foldet und nur seine stärksten Hände weiterspielt. Ist dein Gegner im Gegensatz dazu sehr loose, solltest du nicht anfangen, wie ein Irrer zu stealen, da du sehr oft in schwer zu spielende Postflopsituationen kommst oder auf ein Reraise folden musst. Warte gegen solche Gegner lieber auf deine wirklich starken Hände und lasse dich mit diesen Ausbezahlen.
Warum du stealen solltest
Stealen ist ein wichtiges Schlüsselelement im Pokern und es ist unabdinglich, dies in dein Spiel zu integrieren. Die Gründe dafür sind:
- 1. Du bekommst die Chance, preflop einfach so 1,5BB zu gewinnen. Die Winrate mit der Shortstackstrategie ist eher klein (0,5 - 2BB/100) und wenn du nur einmal in 100 Händen die Blinds einkassierst, wäre das eine Erhöhung der Winrate um 1,5BB/100 Hände. Das ist für einen Shortstack sehr viel.
- 2. Du wirst im Laufe der Zeit beginnen Statistiken zu benutzen und deine Gegner machen das auch. Durch das Stealen wirst du automatisch looser sein und das wird sich auch in deinen Statistiken wiederspiegeln. Dadurch wirst du auch auf deine Raises mit den stärksten Händen öfter Reraises bekommen, wodurch du profitabel spielst.
Steals sind also eine sehr profitable Sache, die dir helfen werden, in den Limits aufzusteigen und Gewinne einzufahren.
Wie stealst du?
Wenn die oben genannten Rahmenbedingungen erfüllt sind, kannst du stealen. Nun stellt sich aber die Frage, wie so ein Steal überhaupt durchgeführt werden sollte.
Als Shortstack raist oder foldest du preflop nur. Beim Stealen wird sich dies nicht ändern. Auch hier steigst du mit einer Erhöhung ein, allerdings nicht mit den üblichen 4BB, sondern nur mit 3BB. Auch hierfür gibt es mehrere Gründe:
- 1. Du stealst mit deutlich mehr Händen, als du normalerweise raisen würdest. Daher werden sich deine Gegner daran anpassen und auch mit deutlich mehr Händen restealen. Gegen Resteals wirst du oft folden müssen und zwar deutlich öfter, als wenn du normal raist, da du normalerweise nur die stärksten Hände raist. Hier raist du auch schwächere Hände, die gegen einen Resteal schlecht aussehen. Wenn du nun also nur auf 3BB, statt auf 4BB geraist hast, hast du nach dem Fold einen Big Blind gespart. Dies wird sich langfristig in deiner Winrate wiederspiegeln.
- 2. Damit einhergehend kann dein Gegner auch weniger profitabel gegen dich Restealen, da er mit einem Resteal eben nur 3 statt 4BB gewinnen kann. Du erhöhst somit also auch die Wahrscheinlichkeit, dass dein Steal erfolgreich sein wird.
- 3. Dein Steal muss seltener funktionieren, damit er profitabel wird. Du kannst dies mathematisch berechnen, indem du folgende Formel benutzt:
EV = x•1,5 bb – (1-x)•y bb > 0
Erklärung:
Der EV (expected Value – Erwartungswert) einer Aktion sollte beim Pokern immer positiv sein, denn das bedeutet, dass man langfristig Gewinne einfährt. Daher ist das Ziel, dass der EV einer Aktion größer als Null ist.
y ist in dieser Ungleichung die Raisegröße. Hier kannst du, um die gleich folgenden Ergebnisse nachzuvollziehen, verschiedene Raisegrößen einsetzen und die Ungleichung dann nach x umformen. x stellt hierbei dar, wie oft der Steal funktionieren muss (1 entspricht 100%, 0,345 also 34,5%). Solltest du bei der Umformung Schwierigkeiten haben, kannst du im Forum nachfragen. Dies soll hier im Artikel nicht genauer erläutert werden.
Es ergibt sich:
Wenn du mit 4BB stealst, muss dein Steal in 72,7% der Fälle erfolgreich sein, wenn du mit 3BB stealst nur in 66,6% der Fälle, also in zwei von drei Fällen. In diese Rechnung ist nicht eingerechnet, dass deine Gegner manchmal auch callen und du postflop mit einer Continationbet und ähnlichem noch höhere Gewinne herausholen kannst.
Auch wird hierbei davon ausgegangen, dass du auf einen Resteal immer foldest, was auch nicht der Realtität entspricht, da du manchmal ja auch eine Premiumhand halten wirst, mit der du eben nicht auf einen Resteal folden wirst.
Du siehst also, dass es sinnvoll ist kleiner zu stealen, als du normal erhöhst. Wichtig ist hierbei, dass du mit deinen starken Händen wie AA oder AK in einer Stealsituation genauso nur auf 3BB erhöhst, wie wenn du z.B. KTs halten würdest. Nur dadurch bleiben deine Steals verschleiert, ansonsten bist du lesbar wie ein offenes Buch und das ist im Poker nicht so profitabel.
Steals ohne Stats
Um dich langsam ans Stealen heranzutasten, ist es sinnvoll, wenn du dies zuerst ohne Statistiken lernst. Dies ist sicherlich nicht optimal und du wirst viele Situationen nicht perfekt spielen und somit nicht den maximalen Gewinn herausholen, aber es gibt dir ein Gefühl dafür, wie du stealen musst. Genauso wie du mit dem SHC einen Einstieg in die SSS bekommen hast, ist das Stealen ohne Stats ein Einstieg ins richtige Stealen.
Es ist sinnvoll, sich zu Beginn pauschale Stealingranges zurecht zu legen. Hier wird empfohlen, dass man sich am SHC orientiert und etwas looser wird. Genauer heißt das: Im CO stealst du eine Stufe looser als nach SHC, im BU und SB zwei Stufen looser.
In genauen Ranges bedeutet das:
CO: 66+/A9+/KJ+/QJ
BU/SB: 55+/A8+/KT+/QT+/JT
Nun wirst du dir die Frage stellen, warum für BU und SB dieselbe Range empfohlen wird. Dies ist folgendermaßen zu erklären: Im BU sind noch zwei Gegner nach dir dran. Solltest du aber gecallt werden, hast du postflop Position und hast es somit leichter, deinen Gegner auszuspielen. Im SB wirst du immer out of Position spielen, hast aber nur einen Gegner nach dir, daher wird der Steal hier öfter funktionieren. Da man postflop ooP leichter Fehler macht als iP, solltest du, wenn du postflop spielen musst, nicht unbedingt die schwächsten Hände spielen müssen.
Beim Stealen mit pauschalen Ranges, fällt der Aspekt der Gegnereinschätzung größtenteils unter den Tisch. Dies wird erst mit Statistiken wirklich relevant. Hast du von einem Gegner allerdings spezielle Notizen, kannst du auch jetzt deine Ranges leicht anpassen. Hast du einen absoluten Maniac in den Blinds, solltest du also evtl. doch etwas tighter stealen. Gegen andere Gegnertypen gibt es noch andere Anpassungen. Dazu aber später mehr.
Steals mit Stats
Mit Statistiken kannst du deutlich looser stealen. Gegen manche Gegner sind die pauschalen Ranges zu loose, gegen andere zu tight. Deswegen solltest du Statistiken in dein Spiel einbauen, um Gegner besser einschätzen zu können. Zwei Werte sind besonders wichtig:
- FoldBBtoSteal, für den im BB sitzenden Spieler
- FoldSBtoSteal, für den im SB sitzenden Spieler
Diese Werte geben dir an, in wie viel % der Fälle deine Gegner ihre Blinds gegen einen Steal aufgeben. Stealst du vom BU oder CO, musst du beide Werte beachten, stealst du vom SB aus eben nur den FoldBBtoSteal des BigBlinds, da du ja selber im Small Blind bist. Du musst nun nach den Regeln der Stochastik einfach die beiden Wahrscheinlichkeiten miteinander multiplizieren. Dazu zwei Rechenbeispiele (dabei ist p allgemein der Ausdruck für die Wahrscheinlichkeit):
- Beispiel 1: Steal vom BU – SB Fold to Steal: 83 // BB Fold to Steal: 76
=> p(Steal wird funktionieren) = 0,83 • 0,76 = 0,6308 = 63,08% - Beispiel 2: Steal vom BU – SB Fold to Steal: 45 // BB Fold to Steal: 63
=> p(Steal wird funktionieren) = 0,45 • 0,63 = 0,2835 = 28,35%
In Beispiel 1 wird dein Steal in 63,08% erfolgreich sein, in Beispiel 2 nur in 28,35% der Fälle. Hierbei wird nur berücksichtigt, dass bei Erfolg die Gegner immer folden und du auf ein Reraise immer aufgibst.
In der Realität ist das natürlich anders. Du callst manchmal einen Resteal oder wirst gecallt und musst postflop spielen. Erinnerst du dich an die 66,6% zurück in denen dein Steal funktionieren muss, ist Beispiel 1 also eine Situation, in der du recht loose stealen kannst, in Beispiel 2 wiederum ist es sinnvoller, auf deine starken Hände zu warten, da du hier nur selten die Blinds direkt einsammelst. Je öfter die Gegner also preflop folden, desto besser ist die Gelegenheit zu stealen.
Du kannst anhand der Fold-Statistiken bei manchen Programmen auch noch einen Schritt weitergehen. Manche Programme zeigen dir noch detaillierter an, wie der Gegner seine Blinds verteidigt, also in wieviel Prozent der Fälle der Gegner auf einen Steal foldet, callt oder 3-bettet. Hier kannst du noch detaillierter vorgehen.
Wenn dein Gegner zwar nur 65% der Big Blinds foldet und du mit A9o auf jeden Fall einen profitablen Steal hast, der Gegner aber nur 5% seiner Blinds per 3-Bet verteidigt und 30% passiv per Call, solltest du auf eine 3-Bet einen recht einfachen Fold finden. Verteidigt der Gegner hingegen seinen Blind sehr aggressiv und verteidigt in 30% der Fälle per 3-Bet, hast du mit A9o einen einfachen Call.
Grade gegen Gegner die viel callen, ist es sinnvoll, vor allem mit Händen zu stealen, die gute Toppairs floppen können, da du eben oft postflop spielen musst. Schwache Pockets sind eher weniger sinnvoll, da du mit z.B. 44 eigentlich nie einen Flop treffen wirst, auf dem du weiterspielen willst, es sei denn du triffst dein Set, was aber sehr selten passiert.
Gegen Gegner die ihre Blinds oft passiv (also per Call) verteidigen, ist es außerdem sinnvoll, den FoldtoCBet zu beachten. Wird der Blind also oft passiv verteidigt, foldet der Gegner jedoch sehr oft auf deine Continuationbet, ist dies trotz der passiven Blindverteidigung eine sehr gute Gelegenheit. Dadurch dass der Gegner deinen Steal noch bezahlt und erst danach foldet, ist dieser Steal sogar noch profitabler.
Statistiken ermöglichen dir, dein Spiel deutlich besser an deine Gegner anzupassen und damit deutlich profitabler zu gestalten. Du wirst fast immer eine Entscheidung mit positivem Erwartungswert treffen können.
Stealen gegen Shortstacks
Gegen andere Shortstacks kannst du dein Stealverhalten noch auf eine andere Weise ändern. Shortstacks werden auf deinen Steal hin entweder 3-betten/pushen oder folden. Den Call-Button kennt ein normaler Shortstack nicht. Daher kannst du gegen Shortstacks noch kleiner stealen. Es reicht ein Raise auf 2,5 BB, da du eben nie postflop spielen wirst.
Der Sinn des 3BB-Raises liegt auch darin, deine Entscheidungen postflop etwas einfacher zu machen, da du etwas schneller All-In bist. Gegen den Shortstack ist dieser Aspekt zu vernachlässigen und du machst deinem Gegner den Resteal noch unprofitabler und kannst auf ein Resteal hin noch günstiger folden.
Da Shortstacks allgemein sehr tight spielen und sehr viel folden, sind Shortstacks auch Gegnertypen, gegen die du sehr viel stealen solltest. Grade auf den Limits bis NL100 verteidigen viele Shorties ihre Blinds zu wenig und sind gute Gegner für loose Steals. Gegen besonders tighte SSSler kannst du sogar any 2 stealen.
Sitzt du also im SB und ein anderer Shortstack im BB, hast du hier eine sehr profitable Situation. Doch aufgepasst, manche Shortstacks wissen, wie loose du gegen sie stealst und passen sich an. Grade auf höheren Limits ist dies Standard.
Resteals
Resteals sind der natürliche Konter zu einem Steal. Sollte dein Gegner also ein Raise machen, das nach Definition ein Steal ist und du 3-bettest, dann hast du einen Resteal durchgeführt. Du stealst also sozusagen seinen Steal. Auch beim Restealen musst du dir über verschiedene Faktoren Gedanken machen:
- 1. Deine Hand
- 2. Den Gegner
- 3. Die Position des Stealers und deine eigene Position
Dein Gegner hat mit seinem Steal ein gewisses Maß an Stärke gezeigt, er muss hier zwar kein Monster halten, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass er sich für einen Steal mit 84o entschieden hat. Daher musst du, wenn du restealen willst, eine gewisse Handstärke haben, um dich bei einem Call noch vorne sehen zu können. Es reicht nicht, mit 76s zu restealen, nur weil du annimmst, dass dein Gegner stealt.
Im Falle eines Calls, den du immer mit einbeziehen musst, stehst du mit 76s einfach nur miserabel da. Etwas später wirst du noch genauer erfahren, wie du einschätzen kannst, ob deine Hand stark genug für einen Resteal ist.
Ein Resteal ist eine Reaktion auf einen Steal und damit automatisch auch eine Reaktion auf den agierenden Gegner. Daher sind besonders beim Restealen Notes und Statistiken wichtig. Nur diese gewährleisten ein wirklich gutes Resteal-Verhalten.
Vom CO wird tighter gestealt als vom BU und die meisten Spieler sind im SB noch ein deutliches Stück looser. Gegen einen CO-Steal musst du also tighter restealen als gegen einen SB-Steal, da der SB eben looser ist und du mit mehr Händen gegen seine Range vorne bist. Auch deine eigene Position ist wichtig. Wenn du aus dem BU restealst, darfst du nicht vergessen, dass immer noch zwei Leute hinter dir sind, die mit einer starken Hand aufwachen können.
Daher ist es nicht sinnvoll, im BU zu knappe Spots (z.B. Equity 50,05%) einzugehen. Zwar wäre es gegen den CO mathematisch gesehen +EV, im BU solltest du bei 50,05%-Spot aber noch folden, da diese Wahrscheinlichkeit noch dadurch gedrückt wird, dass manchmal ein Spieler nach dir mit einem Monster aufwacht. Du könntest dich also dort in eine unprofitable Situation begeben, obwohl du gegen den ursprünglichen Stealer gut dastehst.
Warum du restealen solltest
Stealen und Restealen ist ein fundamentales Konzept des fortgeschrittenen SSSlers. Auf den höheren Limits sind Steals und Resteals wahrscheinlich die Aktionen, mit denen du am meisten Gewinn machst und vor allem ein gutes Resteal-Verhalten wird deine Winrate stark beeinflussen.
Mit Toppair/Topkicker broke gehen kann jeder Shortstack, der NL50 erreicht hat. Doch wie gut man stealen und vor allem restealen kann, macht den Unterschied zwischen 0,5 und 2 BB/100-Shortstacks. Es sollte ein großes Ziel von dir sein, deine Blinds aktiver als mit der Basic SSS zu verteidigen.
Wie restealst du?
Gegen einen normalen Steal solltest du einfach direkt pushen. Gegen Minraises ist ein direkter Push allerdings nicht zu empfehlen. Minsteals sind etwas komplizierter. Du wehrst dich am besten, indem du nur klein 3-bettest und zwar auf 5BB. Deine 3-Bet zeigt allgemein Stärke und dein Gegner muss sich schon Gedanken machen, ob er hier wirklich wieder drüber ballern will.
Oft muss er sich hier für einen Fold entscheiden und die kleine 3-Bet ist bereits profitabel, wenn dein Gegner in 60% der Fälle foldet. Gleichzeitig kann dein Gegner durch eine 4-Bet nicht so viel von dir gewinnen, muss aber Angst haben, dass du ein Monster hast.
Bei den 60% ist natürlich nicht eingerechnet, dass du gelegentlich eine 4-Bet callen wirst oder dein Gegner manchmal eine 3-Bet callt und du ihm postflop noch einiges an Geld abnehmen kannst. Sollte er dich 4-betten, musst du die Situation neu einschätzen. Hier sind Notes sehr wichtig. Allgemein ist das Spiel gegen Minsteals nicht ganz einfach, da es sehr readabhängig ist. Hier kann kein allgemeines Rezept genannt werden.
Du kannst gegen einen Gegner profitabel restealen, wenn du gegen seine Stealrange eine Equity von mehr als 50% hast. Dies berechnest du einfach mit dem PokerStrategy.com Equilator. Gib deinem Gegner eine Range und schaue, mit welchen Händen du gegen diese Range ausreichend Equity hast.
Wie bereits oben erwähnt, sind grade bei Resteals Stats und Notizen sehr wichtig. Deswegen ist grade das Resteal-Spiel ohne Stats noch sehr weit vom möglichen Optimum entfernt. Da deine Gegner looser stealen, wird eine pauschale Restealrange empfohlen. Diese lautet: 88+/AJ+
Mit dieser Range wirst du gegen die meisten Gegner gut fahren, da sie eben sehr tight gewählt ist. Nur wenige Spieler stealen so tight, dass diese Range zu loose wäre. Du wirst dich mit dieser Range also nicht in unprofitable Spots begeben, ähnlich wie mit dem SHC, nur lässt du viel Potential liegen. Diese Range unterscheidet nicht, aus welcher Position dein Gegner stealt, wo du sitzt, welchen Eindruck dein Gegner gemacht hat, ob er Bigstack oder Shortstack ist. Aber sie ist ein Anfang.
Die Theorie hinter dem Restealen mit Stats ist einfach, ihre Umsetzung hingegen nicht ganz so leicht. Für eine Restealbetrachtung musst du dir den Wert „Attempt to Steal“ (ATS) anschauen. Dieser gibt an, in wie viel Prozent der Fälle dein Gegner einen Steal versucht. Du kannst somit auch automatisch Rückschlüsse auf seine Range ziehen. Hat dein Gegner einen ATS von 18, ist auch zu erwarten, dass er mit den Top 18% seiner Range stealt.
Manche Statistikprogramme erlauben dir sogar noch detaillierte Steal-Statistiken zu benutzen, indem sie den jeweiligen ATS von den drei Stealpositionen – CO,BU,SB – getrennt anzeigen. Dies ist vorteilhaft, da der CO-ATS meistens unter den Durchschnitts-ATS liegt und du gegen einen CO-Steal zu loose restealen würdest, weil der ATS eben höher aussieht, als er ist.
Wie berechnest du einen profitablen Resteal? Dazu gibt es zwei Möglichkeiten. Bei beiden öffnest du deinen Equilator und gibst zuerst eine Range an, die der Stealende hält. Nun hast du zwei Möglichkeiten:
Willst du wissen, wie du dich in einer konkreten Situation verhalten musst, gibst du in eine andere Zeile deine Hand ein und equilierst. Du kannst aber auch schauen, welche Hände gegen diese Range 50% Equity haben? Dazu gehst du in den Abschnitt „Handbereich Berechnung“ und stellst da auf 50,00.
Dein Gegner stealt gegen dich aus dem CO und hat dort einen ATS von 16. Er stealt also mit einer 16% Range. Diese gibst du im Equilator ein (Es wird empfohlen, hier immer die Ranges von Hand einzugeben).
16% entsprechen etwa: 55+, A7s+, KTs+, QJs, A8o+, KTo+ (Ranges variieren von Spieler zu Spieler etwas, manche stealen eher mit Pocketpairs, andere eher mit Aces und andere wiederrum mehr mit Broadway Händen).
Nun willst du wissen, ob du hier mit AJo und mit 77 profitabel restealen kannst:
AJo hat gegen diese Range eine Equity von 51,715%, 77 hat gegen diese Range eine Equity von 48,526%.
Mit AJo hättest du hier also eine Situation, in der du profitabel restealen könntest, während 77 hier nicht profitabel restealbar ist.
Nun willst du wissen, mit welchen Händen du restealen kannst: 88+,ATs+,AJo+.
So kannst du nun für jede Situation durchrechnen, wie du gut restealen kannst und kein Geld liegen lässt.
Resteals gegen Shortstacks
Das Restealspiel gegen Shortstacks gestaltet sich auf zwei Wegen. Es gibt Shortstacks, die noch näher an der Einsteigerstrategie sind und sich auf die vorgefertigten Stealranges berufen. Diese sind sehr tight und du kannst gegen sie eben auch nur sehr tight restealen.
Shortstacks die etwas mehr advanced spielen, werden sehr viel gegen dich stealen, da sie eben wissen, dass du sehr viel folden wirst. Da ihre Range entsprechend groß ist, kannst du looser restealen. Allerdings passen sich diese Shortstacks an und callen deine Resteals auch looser, wodurch du wiederum tighter restealen müsstest, was ihnen aber erlaubt looser zu stealen. Hier können dir reine Statistiken nicht mehr weiterhelfen und es kommt auf Notizen und die persönlich Steal/Resteal-Vergangenheit mit diesem Spieler an.
Wie du auf Resteals reagierst
Wenn du nur looser stealst, aber auf jeden Resteal tight foldest, kann das nicht profitabel sein. Gegen Gegner die ihre Blinds viel verteidigen und auch viel restealen, kannst du etwas looser All-In gehen. Dies geht natürlich nur noch mit Statistiken. Du kannst dann nachsehen, wie viel Prozent dein Gegner aktiv per 3-Bet restealt und wie du gegen diese Range läufst. Du brauchst hier keine 50% Equity mehr, da du ja bereits Geld investiert hast. Dies musst du von Situation zu Situation spezifisch ausrechnen, da deine Stackgröße variieren wird.
Die benötigte Equity kannst du nach folgender Formel errechnen:
EQ(needed) = (Reststack)/(Gesamtpot nach deinem Call).
Du hast einen Stack von $20 (Gegner ist Bigstack) und du stealst 3BB aus dem BU. Dein Gegner restealt gegen dich. Nun musst du noch $17 bezahlen, danach ist der Pot $40,50 groß ($0,5 des Small Blinds). Also berechnet sich die Equity wie folgt:
EQ(needed) = $17/$40,50 = 0,41975 = 41,975%.
Du brauchst in dieser Situation also noch 41,975% Equity gegen seine Restealrange. Du kannst nun wie beim Restealen bestimmen, mit welchen Händen du den Resteal callen kannst.
Wie man Stealhände postflop spielt
Du wirst immer wieder in die Situation kommen, dass deine Gegner ihre Blinds passiv, also per Call, defenden. Es kann hier kein Rezept gegeben werden, wie du postflop weiterspielen solltest, da dieses Thema viel zu groß und zu komplex ist.
Da in Steal/Restealsituationen alles looser ist, kannst du auch tendenziell mit einem etwas schwächeren Kicker wie A9 broke gehen. Trotzdem ist dies sehr statistikabhängig, da gegen sehr tight verteidigende Gegner A9 kein gutes Toppair mehr ist, gegen aktiver verteidigende Gegner aber auf jeden Fall ausreicht.
Auch solltest du beim Postflopplay beachten, aus welcher Position du gestealt hast. Gegen CO-Steals sind deine Gegner tighter als gegen deine SB-Steals. Während im SB vs. BB ein Midpair oftmals eine starke Hand ist, musst du im CO vs. SB deutlich skeptischer sein.
Gegen Gegner mit einem hohen FoldtoCBet-Wert solltest du auch hier deine Contibet setzen, da der Steal dann sehr profitabel wird, da du ja noch Geld preflop erhälst, welches du dann postflop einfach abgreifst.
Auch wenn in solchen Situationen alles looser ist, solltest du aufpassen, nicht zu schnell All-In zu gehen. Eine Overcard bleibt eine Overcard und ein Checkraise ist weiterhin eher ein starkes Zeichen.
Sklansky-Chubukov Pushes
Sklansky-Chubukov (SC) Pushes sind eine taktische Variante, die dir nur als Shortstack offen steht, da sie nur mit einer Stackgröße um 20bb funktioniert. Bigstacks können diesen Zug nicht in ihr Spiel integrieren. Das Prinzip hinter diesen Pushes ist sehr interessant und trickreich, doch für dich sehr simpel umzusetzen.
Nimm folgende Situation an: Du sitzt im Livegame im Small Blind mit deiner Hand und vor dir folden alle. Du hast hier also einen Stealspot. Nun, ganz unvermittelt, drehst du deine Hand offen um, so dass dein Gegner genau sehen kann was du hältst. Da dein Gegner deine genauen Karten kennt, kann er sich nun also genau an dich anpassen.
Bei SC Pushes gehst du entweder direkt All-In oder foldest. Je nach Abhängigkeit von deiner Stackgröße gibt es mehr oder weniger Hände, mit denen du hier profitabel All-In pushen kannst, obwohl dein Gegner deine genaue Hand kennt und sich perfekt daran anpassen kann.
Das Prinzip hinter dieser Finesse ist folgendes: Deine Hand ist nicht schwach, sie hat eine gewissen Stärke. Wenn dein Gegner nur Hände callt, die equitytechnisch 50% Equity haben (mehr braucht er nicht, da er bereits den Blind gezahlt hat), muss er einen Großteil seiner Range folden.
Diese Foldequity spielt dir bereits oft das Geld in die Hände. Wenn er dann mal callt, stehst du gegen seine Callingrange zwar schlecht da, hast aber immer noch Equity, was bedeutet, dass du manchmal auch gewinnen wirst. Das Aufsummieren dieser beiden Fakten – der hohen Foldequity und der Equity- machen diese SC Pushes immer profitabel, egal was der Gegner macht.
Callt er noch tighter, steigt deine Foldequity. Callt er looser, callt er Hände mit denen er hinten liegt und deine Equity gegen die Callingrange steigt an. Solange du dich an die Stackgrößen-Beschränkung hältst und keine anderen Hände pushst, kannst du damit keine Entscheidungen mit einem negativen Erwartungswert treffen. Der Erwartungswert einer richtig gespielten SC Hand ist immer positiv. Im Vergleich ist der Erwartungswert eines Folds gleich Null. Daraus folgt, dass es immer besser ist, eine SC Hand zu pushen und der Fold niemals vorzuziehen ist.
Welches sind nun die Hände, die du nach Sklansky-Chubukov profitabel pushen kannst? Dies zeigt dir die folgende Tabelle. Dabei ist zu beachten, dass SC Pushes eben nur funktionieren, wenn du first in – also in einer Stealsituation (und auch nur im SB) – bist.
| Stacksize/Position | SB |
| 10 BB | 22+, A2+, K2+, Q6s+, Q9o+, J8s+, JTo |
| 15 BB | 22+, A2+, K8o+, K4s+, Q9s+, QJo, JTs |
| 20 BB | 22+, A2+, KT+, K9s+, QTs+ |
| 25 BB | 33+, A2s+, A4+, KJ+, KTs |
Mit diesen Händen ist es also immer besser zu pushen als zu folden. Es ist allerdings wichtig zu beachten, dass der EV eines Sklansky-Chubukov Pushes niemals maximal ist. Mit einem normalen Raise auf 3BB und dann entsprechendem Weiterspielen wirst du immer einen höheren Erwartungswert erzielen, vorausgesetzt du spielst richtig.
Gerade als Shortstack hat man jedoch einige Probleme, postflop mit Händen wie A2o weiterzuspielen. Daher ist mit solchen Händen der direkte Push, solange man sich postflop nicht unheimlich sicher fühlt, sicherlich vorzuziehen. Zu Beginn ist es also empfehlenswert, alle nicht so starken Hände direkt zu pushen und mit steigender Erfahrung immer weniger SC Pushes in sein Spiel einzubauen.
Du wirst dich nun vielleicht fragen, warum du denn hier deine Monster weiterhin normal raisen kannst, deine schwachen Hände aber direkt pushen kannst. Das ist doch viel zu lesbar für die Gegner?! Nein! Da bei SC Pushes dein Gegner deine exakte Hand kennen kann und es trotzdem profitabel ist, brauchst du hier nicht zu balancen. Du kannst mit SC Händen nichts falsch machen, wenn du sie aus dem SB first in pushst, solange du dich an die Stackgrenzen hältst.
Es ist also empfehlenswert, SC Pushes in sein Spiel aufzunehmen, da man mit Folds viel Geld liegen lässt. Da es auf den höheren Limits aber später auch um jeden Cent geht, ist es unausweichlich, dass du dich weiterentwickelst und langsam von den SC Pushes wieder abkehrst. Ab NL200 etwa, spätestens ab NL400 haben die wenigsten Shortstacks mehr SC Pushes in ihrem Repertoire, da sie eben postflop erfahren genug sind und kein Geld liegen lassen wollen.
Zusammenfassung
Dieser Artikel hat dich in das fundamentale Konzept der Steals und Resteals eingeführt und dich angeleitet, wie du dich in jeweiligen Situationen verhalten solltest.
Dir wird aufgefallen sein, dass es hier deutlich weniger starre Vorgaben gab, als in Bronze-Artikeln, da der Silber-Status eben der Eingang zu fortgeschrittenem Spiel ist.
Artikel erfüllen den Sinn, dir einen Denkanstoß zu geben und dir eine Richtung zu weisen. Mit der Materie musst du dich aber auch selber beschäftigten, eigene Equityberechnungen durchführen und die anderen von PokerStrategy.com angebotenen Medien nutzen. Solltest du dies tun, steht deinem Aufstieg nur etwas Varianz im Weg. Langfristig wird dein Spiel profitabel sein und du wirst gutes Geld verdienen können. Viel Spaß beim Stealen!
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