Aktualisiert am 06 Juli 26 von

LAG oder TAG

Einleitung

In diesem Artikel setzen wir uns mit den beiden Spielstilen Loose-Aggressive (LAG) und Tight-Aggressive (TAG) auseinander. Die Merkmale und die Vor- und Nachteile dieser grundlegenden und daher sehr häufig auftretenden Spielweisen werden aufgezeigt und untereinander verglichen.

Was ist ein LAG?

LAG bedeutet loose-aggressive. Loose heißt wörtlich übersetzt locker und bezeichnet eine Spielweise, bei der preflop viele Hände gespielt werden. Aggressive bedeutet aggressiv und steht in diesem Zusammenhang für ein aggressives Postflop-Spiel.

Typischerweise besitzt ein LAG einen VP$IP von über 25% und einen hohen Aggression Factor.

Was ist ein TAG?

TAG steht für tight-aggressive. Tight bedeutet wörtlich übersetzt eng und bezeichnet eine Spielweise, bei der preflop wenige Hände gespielt werden. Ebenso wie der LAG betreibt der TAG ein aggressives Postflop-Spiel.

Dementsprechend weist ein typischer TAG einen VP$IP von unter 25% und einen hohen Aggressionswert auf.

Die Vor- und Nachteile eines LAGs

Aufgrund der looseren Handrange eines LAGs tendieren gegnerische Spieler dazu, seltener eine Hand gegen ihn zu folden als gegen einen tighten Spieler. In direkter Konsequenz sinkt daher auch die Fold Equity bei Spielzügen wie der Continuation Bet. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Equity eines LAGs am Flop aufgrund seiner größeren Range geringer als die eines tighten Spielers. Er findet sich oft in marginalen Situationen wieder und steht häufiger vor schwierigen Entscheidungen.

Andererseits liegt darin aber auch der Vorteil eines LAGs. Seine Gegner werden häufiger versuchen, ihm den Pot zu stehlen, und er wird mit seinen Händen generell mehr „Action" generieren, was umso mehr von Vorteil ist, wenn er eine starke Hand hält.

Die Vor- und Nachteile eines TAGs

Das tighte und aggressive Image eines TAGs resultiert postflop in zwei Konsequenzen: Erstens erkauft er sich mit seinem tighten Preflop-Spiel die Möglichkeit, den Pot postflop direkt mitzunehmen, da er von seinen Gegnern meistens auf eine starke Hand gesetzt wird, wodurch die Erfolgsaussichten einer Continuation Bet steigen. Zweitens besitzt ein TAG am Flop im Durchschnitt eine starke Hand, dementsprechend eine hohe Equity und kann aus diesem Grund auch bei Gegenwehr häufig weiterspielen.

Darin liegt aber auch der Nachteil eines TAGs, denn trifft ein tighter Spieler eine sehr starke Hand, wird er oft nicht ausbezahlt.

Welcher Spielstil ist einfacher zu spielen?

Der TAG-Stil ist deutlich einfacher zu spielen. Das liegt vor allem daran, dass man postflop wesentlich seltener vor schwierigen Entscheidungen steht. Wenn ein TAG den Flop sieht, hält er meistens eine akzeptable Hand und kann diese spätestens am Flop entscheiden. Als LAG spielt man hingegen oft mit marginalen Händen, ist weitaus öfter in einer Hand involviert und steht in Folge häufiger vor schwierigen Entscheidungen, die falsches Spiel sehr kostspielig machen können.

Dementsprechend lautet auch die Empfehlung, unbedingt mit einer klassischen TAG Spielweise anzufangen (wie sie hier in der Silber Sektion vorgestellt wird)!

Welcher Spielstil ist profitabler?

Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Sie hängt vielmehr stark von der eigenen Spielstärke ab und dem Tisch, an dem man spielt. Ein LAG lebt von seinen Reads und von Fold Equity, die vor allem auf den niedrigen Limits oft nicht gegeben ist.

Wann kann / sollte ich von TAG auf LAG wechseln?

Denke nicht an einen Wechsel der Spielweise bevor du mindestens winning Player auf NL 400 bist. Zusätzlich solltest du schon sehr gut im Lesen der gegnerischen Hände sein. Kannst du das noch nicht, wirst du sehr wahrscheinlich viel Geld verlieren.

Außerdem macht es wenig Sinn, von heute auf morgen seinen Spielstil komplett umzustellen. Vielmehr bietet es sich an, langsam looser zu werden. Erweitere Schritt für Schritt deine Handrange und taste dich so an einen loosen Spielstil heran.

Abschließende Worte

Die Frage von tight oder loose sollte bei weitem nicht der entscheidende Faktor für euer Pokerspiel sein. Wesentlich wichtiger ist das Postflop-Spiel. Spielt postflop aggressiv, lernt Gegner richtig zu lesen, lernt schlechte Spieler zu finden und zu isolieren!

Erst wenn ihr postflop überdurchschnittlich gut seid, könnt ihr daran gehen, euer Preflop-Spiel looser zu gestalten. Andernfalls begebt ihr euch in sehr viele schwierige Situationen, in denen ihr viel zu oft die falschen Entscheidungen treffen werdet. Gutes TAG-Spiel ist schwer zu erlernen und es wird lange dauern, es gut zu beherrschen. Es ist einfacher als andere Stile, aber trotzdem alles andere als leicht.