Grundlagen zum NL Postflop Spiel
Wie bereits im Preflop-Artikel beschrieben, ist No Limit Hold'em ein sehr situationsbezogenes Spiel. Es ist praktisch nicht möglich, feste Betsequenzen für die verschiedenen Situationen anzugeben, da die Gegner sehr viele Möglichkeiten haben, ins Spielgeschehen einzugreifen (Vergleich mit Fixed Limit: Euer Gegner kann folden, callen oder raisen). Bei No Limit ist die Betsize variabel, und es können so die verschiedensten Situationen entstehen. Einmal wird man mit einer Minimum Bet konfrontiert, ein anderes Mal mit einem All-In.
Die folgenden Richtlinien werden sich dementsprechend nach Handstärke orientieren und allgemeine Konzepte aufzeigen, wie es möglich ist, Gewinne zu maximieren und Verluste zu minimieren.
Unbedingt gelesen und verstanden werden sollte der Artikel „Grundlagen zum NL Pre-Flop Spiel" und die unter Punkt 1 aufgeführten Konzepte. Auf diesen baut der komplette folgende Artikel auf.
Grundlegende Konzepte
Protection und Bet Sizes
Protection heißt übersetzt "Schutz". Bei diesem Spielkonzept geht es hauptsächlich um 2 Punkte:
-
Die Gegneranzahl zu reduzieren, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass man selbst die Hand gewinnt.
-
Geeignete Bet Größen wählen, um den Gegnern inkorrekte Odds / Implied Odds zu geben.
Anzuwenden ist Protection nur, wenn man selbst wahrscheinlich die beste Hand hält. Es macht keinen Sinn, eine Hand zu protecten, die wahrscheinlich nicht die beste Hand ist.
Diesbezüglich zunächst ein kleiner Einschub zu den Bet Sizes. Bei NL hat man bekanntermaßen die Möglichkeit, die Bet Size frei zu bestimmen.
Betrachten wir zunächst die Pot Odds, die wir einem Gegner bei bestimmten Bet Sizes geben:
|
Bet Size |
Pot Odds, die unser Gegner bekommt |
|
1/3 Pot |
1:4 |
|
1/2 |
1:3 |
|
2/3 |
1:2,5 |
|
1 Pot |
1:2 |
|
Mehr als Pot |
Schlechtere Pot Odds als 1:2. |
Je nachdem, was der Gegner halten könnte, muss die Bet Size gewählt werden. Mehr dazu in den folgenden Kapiteln.
Pot Control
Es ist bei No Limit Hold'em sehr wichtig, den Pot mit schwächeren Händen, mit denen man trotzdem den Showdown sehen möchte, klein zu halten, um nicht seinen kompletten Stack zu riskieren. Riskiert man jedesmal, wenn man irgendeine Made Hand hat, seinen kompletten Stack, wird man zwangsläufig Verlust machen. Es ist bei No Limit nur in den wenigsten Situationen sinnvoll, einfach einen Calldown zu machen, da dieses eine sehr kostspielige Angelegenheit ist, wie folgendes Beispiel zeigt:
Stacks: Hero und Villian jeweils 100BB.
Preflop Raise: 4 BB + 1,5 BB durch die Blinds.
Pot am Flop: 9,5 BB.
Bet und folgender Call am Flop: jeweils 7 BB.
Pot am Turn: 23,5 BB.
Bet und folgender Call am Turn: jeweils 20 BB.
Pot am River: 63,5 BB.
Bet und folgender Call am River: jeweils 45 BB.
Pot am Showdown: 153,5 BB.
Zu dem Pot am Showdown haben wir insgesamt 76 BBs beigesteuert. Das sind ca. 3/4 unseres gesamten Stacks.
Um den Pot mit Händen, die zwar nicht allzu stark sind, aber trotzdem Showdown Value (Hände, mit denen man realistische Chancen hat, am Showdown noch vorne zu liegen) haben, möglichst klein zu halten, haben wir nun folgende Möglichkeiten:
-
Geeignete Bet Sequenzen wählen (wird in den Hand Kategorien genauer drauf eingegangen).
-
Die Betsize entsprechend anpassen. Eine Pot Size Bet läßt den Pot sehr schnell größer werden, bei 1/2 Pot Size Bet sieht es schon anders aus.
Dieses Konzept steht im genauen Gegensatz zu Protection. Es ist nicht möglich, den Pot klein zu halten und gleichzeitig dem Gegner schlechte Odds zu geben. Welches der Konzepte anzuwenden ist, hängt von der speziellen Situation ab und ist nicht allgemein beantwortbar.
Continuation Bets
Eine Continuation Bet ist eine Bluff Bet vom Preflop Aggressor (derjenigen, der preflop geraised hat) mit der Absicht, den Pot direkt zu gewinnen, obwohl er nichts getroffen hat. Die Situation, nichts am Flop getroffen zu haben, kommt recht häufig vor. Allerdings trifft der Gegner meistens ebenfalls nichts. Als Preflop Aggressor hat man nun allerdings den Vorteil, bereits preflop eine starke Hand signalisiert zu haben, so dass man durch eine Bet sehr oft den Pot direkt gewinnt.
Größe der Continuation Bet:
Hier muss eine Größe gefunden werden, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis mit sich bringt. Einerseits soll dem Gegner signalisiert werden, dass man eine starke Hand hat; andererseits soll die Continuation Bet möglichst billig sein, wenn sie scheitert.
Ein guter empirischer Wert für die Größe der Continuation Bet ist ½ Pot Size. Hier muss der Gegner nur in einem von drei Fällen folden, damit die Continuation Bet profitabel ist. Auf der anderen Seite signalisiert eine ½ Pot Size Bet schon eine Hand, die etwas getroffen hat, so dass die Gegner meistens folden, wenn sie selber nichts getroffen haben.
Meine Empfehlung für den Einsteiger ist, zunächst „fit or fold" zu spielen, die Zahl der Continuation Bets mit nur Overcards oder ähnlichem auf ein geringes Maß zu beschränken und sie gegen mehr als einen Gegner fast gänzlich einzustellen. Die wenigsten Gegner sind besonders aufmerksam, und die Fluktuation an den Tischen ist so groß, so dass kaum ein Gegner merken wird, dass man nur mit starken Händen am Flop spielt. Mit der Zeit erkennt man dann, gegen welche Gegner und in welchen Situationen sich eine Continuation Bet lohnt, und man kann deren Zahl dann langsam steigern.
Für den Erfolg von Continuation Bets sind zwei Faktoren wesentlich: Eine Idee zu haben, wie callfreudig der Gegner ist, und wie das Board aussieht. Die Textur des Boards am Flop gibt einem des Weiteren einen Eindruck davon, wie wahrscheinlich der Gegner am Flop etwas getroffen hat. Ein Flop T, T
, 2
ist wesentlich günstiger zum Bluffen als ein Flop J
, 9
, 8
.
Allgemeine Grundlagen beim NL Postflop Spiel
Hier werden zunächst die allgemeinen, theoretischen Grundlagen erläutert. In den folgenden zwei Abschnitten folgt dann die praktische Anwendung.
Wann sollte ich betten?
(Im Folgenden kann für Bet auch immer Raise eingesetzt werden.)
Dieses ist natürlich immer eine entscheidende Frage. Hier einige Richtlinien, an denen man entscheiden kann, ob man Betten bzw. Raisen sollte:
-
Besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass mein Gegner auf eine Bet foldet?
Diese Frage ist nur bei einem Bluff oder Semi-Bluff interessant. Bluffs sollten, bis auf die oben angesprochene Continuation Bet, vor allem am Anfang nicht gemacht werden. Semi-Bluffs werden in Kapitel 4 unter dem Punkt „Drawing Hands" erklärt. -
Gibt es schlechtere Hände als die eigene, die mein Gegner halten könnte, mit denen er callt?
Gibt es solche Hände nicht, bringt eine Bet nichts (außer als Bluff, aber auf den niedrigen Limits empfehle ich keine Bluffs).
In welcher Situation sollte ich welche Bet Size wählen?
Auch hier sollte man sich zunächst über folgende Fragen Gedanken machen:
-
Habe ich eine Hand, mit der ich einen Call oder einen Fold möchte?
Tendenziell gilt: Je eher ich möchte, dass ich gecallt werde, desto kleiner sollte die Bet sein. -
Ist das Board drawlastig? Kann ich es mir leisten, dem Gegner gute Pot Odds/Implied Odds zu geben?
Je drawgefährlicher das Board, desto höher muss natürlich die Bet sein, um ausreichend zu protecten. -
Falls ich bette: Bin ich danach pot committed, so dass ich sowieso einen weiteren Raise callen müßte?
Wenn dieses der Fall ist, kann ich auch selbst gleich so viel raisen, um meinen Gegner oder mich selbst all-in zu setzen. -
Wie callfreudig ist der Gegner? Callt er auch mit schlechten Händen größere Bets?
Je callfreudiger mein Gegner ist, desto höher kann ich natürlich die Bets ansetzen, um so möglichst viel Value aus ihm herauszuholen.
Es ist nicht möglich, hier einen genauen Überlick zu geben, wann genau welche Bet Size ideal ist. Dieses ist sowohl hand-, board-, gegner- und situationsabhängig. Ich werde hier nur allgemein Richtlinien angeben, wie man sich am Anfang am besten verhält. Auf diesem Wissen kann dann weiter aufgebaut werden. Hier zunächst die Richtlinien:
-
Bettet minimal 1/2 Pot Size. Kleinere Bet Sizes geben dem Gegner viel zu gute Odds. Außerdem callen die Gegner, speziell auf den niedrigen Limits, auch mit recht schwachen Händen noch recht große Bets.
-
Je drawgefährlicher das Board ist, desto höher sollten eure Bets sein, um dem Gegner bei möglichen Draws schlechte Odds/Implied Odds zu geben. Hier kann die Bet Size (je nach Drawgefahr) zwischen halber und Pot Size variiert werden.
Was bedeutet es, wenn man mit einer bestimmten Bet Size vom Gegner konfrontiert wird?
Auch dies ist wieder sehr gegner- und situationsabhängig, so dass keine allgemeinen Aussagen gemacht werden können. Als allgemeine Richtlinie kann man aber folgendes sagen:
Je größer die Bet eures Gegner, desto stärker ist in der Regel seine Hand!
Dies hört sich zunächst recht trivial an. Allerdings denken viele - vor allem Anfänger - hier anders. Der Gedankengang verläuft dann folgendermaßen: "Je größer die Bet meines Gegner, desto eher blufft er. Je kleiner die Bet meines Gegner, desto eher will er, dass ich ihn calle". Dies mag in speziellen Situationen seine Richtigkeit haben, im Allgemeinen ist es aber definitiv falsch.
Wann sollte ich meine Hand folden?
Hier ist natürlich nicht nur die absolute Stärke der eigenen Hand entscheidend, sondern die Stärke der eigenen Hand in Relation zu der möglichen Hand meines Gegners. Man sollte sich zunächst über folgende Punkte einen Überlick verschaffen:
-
Wie verlief die Hand preflop und an vorherigen Streets? Hat mein Gegner schon Stärke demonstriert?
Grundlegend gilt hier natürlich: Je mehr Stärke mein Gegner demonstriert, desto stärker ist seine Hand (Es wird nicht allzu viel geblufft auf den niedrigen Limits). -
Wie ist die Textur des Boards? Ist es wahrscheinlich, dass mein Gegner hier etwas getroffen hat?
Je wahrscheinlicher es ist, dass mein Gegner etwas getroffen, desto eher denke ich natürlich über einen Fold nach. -
Was für Pot Odds bekomme ich auf einen möglichen Call?
Je schlechter die Pot Odds sind, desto öfters muss ich vorne liegen, damit der Call profitabel ist. Dementsprechend: Je schlechter die Pot Odds, desto eher muss ich folden, wenn ich eine Hand habe, die nicht allzu stark ist. -
Bei einer Hand, mit der ich gerne bis zum Showdown gehen würde: Wie teuer wird es, wenn ich bis zum Showdown gehen will?
Bei No Limit kann ein Calldown sehr teuer werden (wie weiter oben bereits beschrieben). Es bringt oft nichts, eine große Bet an einer Street zu callen, wenn man davon ausgeht, dass an der nächsten Street eine weitere Bet kommt, die man nicht callen würde. Dann kann man auch gleich an der vorherigen Street folden, das spart natürlich Geld.
Ob man nun tatsächlich folden sollte, hängt davon ab, ob man glaubt, eine bessere Hand als der Gegner zu haben oder nicht. Es ist bei No Limit, aufgrund der sehr hohen Kosten bei einem Calldown, nicht möglich, schnell und billig mit einer schwachen Hand zum Showdown zu kommen. Aus diesem Grund sollte bei schwachen Händen immer sehr stark zu Fold tendiert werden, sobald irgendeine Gegenwehr kommt (ob die Gegenwehr nun aus einem Raise oder einem Call besteht, ist oft egal). Hierzu aber mehr bei der Besprechung der unterschiedlichen Hände in den nächsten Kapiteln.
Kategorisierung der Hände
Um entscheiden zu können, wie man sich in einer bestimmten Spielsituation richtig zu verhalten hat, muss zunächst klar sein, was für eine Hand man besitzt, und wie diese zu bewerten ist. Die verschiedenen Hände werden in fünf grobe Kategorien unterteilt, wobei die Hände nicht starr einer Kategorie zugewiesen werden (die Handstärke kann natürlich auch von einer Street zur nächsten variieren), so dass je nach Spielsituation die gleiche Hand in unterschiedlichen Kategorien sein kann
Die verschiedenen Faktoren, durch welche eine Hand in eine der folgenden Kategorien einsortiert wird, sind folgende:
-
Art der Hand (Set, Pair, Draw, etc.)
-
Textur des Boards (3-suited / 3 von einer Farbe, 4-connectet / 4 in einer Reihe, etc.)
-
Anzahl der Gegner
-
Preflop Aktion (Hand Range / Mögliche Hände des Gegners)
Mit jeder dieser Handkategorien werden postflop andere Ziele verfolgt (nächster Abschnitt). Hier zunächst die 5 Kategorien:
Strong Made Hands
Unter Strong Made Hands ist die Gruppe von Händen zu verstehen, mit der nahezu immer davon ausgegangen werden kann, dass man vorne liegt. Zu dieser Gruppe zählen vor allem Sets, Straights oder Flushes, aber auch Hände wie Top Two Pair (natürlich immer unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte).
Hierzu einige Beispiele:
Flop: Q, 8
, 2
Hero hält: Q, Q
Hier hat Hero die Nuts (Set Queens). Es gibt keine bessere Hand, die auf diesem Board möglich ist.
Hero hält: 2, 2
Hier hat Hero die Third Nuts (Set of Deuces). Es schlagen ihn hier nur ein Set of Queens oder ein Set of Eights. Obwohl Hero nicht die bestmögliche Hand hat, zählt diese Hand als Strong Made Hand, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass ein Gegner ein weiteres Set getroffen hat (Set-over-Set-Situationen kommen bei NL zwar ab und zu vor, aber recht selten. Es ist absolut nicht schlimm, in so einer Situation seinen ganzen Stack zu verlieren).
Flop: Q, J
, T
Hero hält: Q, Q
Hero hat in diesem Beispiel erneut ein Set of Queens. Diesmal ist die Hand allerdings nicht die Nuts. Auf diesem Board sind weiterhin Straights und Flushes möglich. Die Hand muss je nach Anzahl der Gegner und der Preflop Aktion bewertet werden. Gegen einen Gegner liegt Hero hier fast immer noch vorne, die Hand ist also als Strong Made Hand einzuordnen. Je mehr Gegner nun am Flop sind, desto unwahrscheinlicher wird es, dass Hero hier noch vorne liegt. Bei beispielsweise sechs Gegnern gehört die Hand nicht mehr in die Kategorie Strong Made Hands. Es ist hier einfach viel zu wahrscheinlich, dass bereits jemand die Straight oder den Flush hat.
Medium Made Hands
Unter Medium Made Hands ist die Gruppe von Händen zu verstehen, die einerseits Showdown Value hat (man möchte gerne mit ihnen den Showdown sehen), andererseits aber nicht stark genug dafür ist, seinen ganzen Stack zu riskieren. Folgender Grund spricht dagegen, mit solchen Händen den ganzen Stack zu riskieren:
Es gibt nicht viele Hände, die ein Gegner haben könnte, die schlechter sind als die eigene, und mit der er ebenfalls seinen ganzen Stack riskieren würde. Ist dies der Fall, gewinnen wir einen kleinen Pot, sollte der Gegner folden, und verlieren einen großen Pot, sollte der Gegner mitgehen.
Zu diesen Händen zählen vor allem Top Pair Top Kicker (oder mit gutem Kicker) sowie schwache Two Pairs. Ebenfalls Sets oder Top Two Pair Hände auf extrem gefährlichen Boards, wie beim letzten Beispiel von Strong Made Hands.
Hierzu einige Beispiele:
Flop: K, Q
, 3
Hero hält: A, K
Hero hat auf diesem Board Top Pair Top Kicker (TPTK). Es ist recht wahrscheinlich, dass er in dieser Situation vorne liegt. Allerdings sind trotzdem Hände möglich, die ihn deutlich schlagen, wie Sets oder Two Pairs.
Hero hält: Q, 3
Hero hat hier ein Two Pair getroffen. Auch hier liegt er meistens vorne. Im Vergleich zum Beispiel I gibt es allerdings nur eine einzige Hand mehr, die er schlägt, und zwar AK. Gegen alle anderen Hände, gegen die er in Beispiel I hinten gelegen ist, verliert er hier ebenfalls. Ein schwaches Two Pair ist generell also nicht viel stärker als TPTK einzuschätzen.
Marginal Made Hands
Unter Marginal Made Hands ist die Gruppe von Händen zu verstehen, die zwar als fertige Hand gilt, mit der Hero (bei Gegenwehr der Gegner) jedoch praktisch keinen Showdown Value hat.
Zu dieser Gruppe zählen alle Pairs (außer Top Pair mit gutem Kicker), aber auch "Medium Made Hands" auf sehr gefährlichen Boards.
Hierzu einige Beispiele:
Flop: Q, T
, 4
Hero hält: T, 9
In dieser Situation hat Hero Middle Pair mit recht schlechtem Kicker. Mit so einer Hand hat man praktisch kein Showdown Value, es gibt nahezu keine schlechteren Hände, die einen ausbezahlen.
Flop: T, 9
, 8
Hero hält: T, K
In dieser Sitation hat Hero zwar Top Pair mit Second Best Kicker, allerdings sind auf diesem Board Straights, Flushes möglich sowie Two Pairs recht wahrscheinlich. Vorne liegt Hero hier nur gegen One Pair Hände (Bei Pair T mit schlechterem Kicker als K).
Drawing Hands
Unter Drawing Hands ist die Gruppe von Händen zu verstehen, die im gegenwärtigen Zustand keinen Showdown Value hat, aber durch eine (oder mehrere) entsprechende Karten zu einer starken Hand werden kann. Hierzu zählen hauptsächlich Flush und Straight Draws.
Unter Strong Drawing Hands sind Draws mit mindestens 8 klaren Outs zu verstehen, wie zum Beispiel Open Ended Straight Draws (OESD, 8 Outs) oder Flush Draws (9 Outs).
Unter Weak Drawing Hands sind Draws mit weniger als 8 Outs zu verstehen, wie zum Beispiel Gutshot Straight Draws (4 Outs).
Hierzu einige Beispiele:
Flop: A, 6
, 3
Hero hält: 5, 4
In diesem Fall hat Hero eine OESD. Bei jeder 2 oder jeder 7 hat Hero die Nut Straight (dementsprechend 8 Outs auf die Nuts).
Hero hält: 2, 4
Hier hat Hero ein Gutshot Straight Draw. Bei jeder 5 hat Hero eine Straight. Er hat demnach 4 Outs.
Flop: A, 8
, 3
Hero hält:. K, 2
Hier hat Hero den Nut Flush Draw und hat dementsprechend 9 Outs.
Trash Hands
Unter Trash Hands ist die Gruppe von Händen zu verstehen, die weder an der betreffenden Street Showdown Value hat, noch im Verlauf der nächsten Runden eine gute Chance hat, Showdown Value zu bekommen.
Hierzu einige Beispiele:
Flop: A, T
, 2
Hero hält: K, 5
Hero hat nichts und auch im Verlauf von späteren Streets kaum Möglichkeiten, eine gute Hand zu bekommen (selbst wenn der K kommt, kann Hero gegen ein A schon hinten liegen), dementsprechend eine Trash Hand.
Hero hält: 8, 3
Gleicher Fall wie im ersten Beispiel. Hero hat nichts, dementsprechend eine Trash Hand.
Ziele des Postflop Spiels und deren Umsetzung
Alle Handkategorien haben eins gemeinsam. Mit Allen wird das gleiche Ziel verfolgt, und zwar:
Gewinn Maximierung, falls die beste Hand gehalten wird und Verlust Minimierung, falls die schlechtere Hand gehalten wird.
Je nach Handkategorie variiert die Priorität. Je stärker die Hand ist, desto eher rückt die Verlust-Minimierung in den Hintergrund und die Gewinn-Maximierung in den Vordergrund. Je schwächer die Hand, desto eher rückt die Gewinn-Maximierung in den Hintegrund und die Verlust-Minimierung in den Vordergrund.
Mit Strong Made Hands
Mit Strong Made Hands ist das oberste Ziel, möglichst viel Geld in den Pot zu bekommen. Zu beachten ist aber auch bei solch starken Händen, dass auf ausreichende Protection bei drawlastigen Boards geachtet wird.
Im besten Fall bekommen wir den ganzen Stack des Gegners. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:
-
Slowplay: Der Versuch, dem Gegner durch passives spielen eine schlechte Hand zu signalisieren und ihn dadurch dazu zu bringen, mehr Geld in den Pot zu legen.
-
Aggressiv Spielen um so den Pot zu vergrößern
Zunächst zum Slowplay:
Vor allem auf niedrigen Limits empfehle ich, praktisch kein Slowplay zu machen. Dies liegt an folgenden Gründen:
-
Die Gegner (speziell auf niedrigen Limits) bezahlen einen (sofern sie etwas getroffen haben) sowieso oft genug aus.
-
Die Gefahr besteht (diese ist sogar recht groß), dass der Gegner nicht wie gewünscht mitspielt und der Pot klein bleibt.
-
Bei sehr drawlastigen Boards muss sowieso protected werden. Da wir eine starke Hand haben, geben wir unserem Gegner natürlich sehr hohe Implied Odds (wir können unsere Hand nicht einfach folden, wenn ein möglicher Draw eingetroffen ist).
Mehr Value von den Gegnern erhält man in der Regel durch konsequentes Betten und Raisen. Normalerweise bieten sich eine Bet Size von 1/2 - 1 Pot Size an, je nachdem, was die Gegner bereit sind zu callen. Bei sehr drawlastigen Boards bietet sich normalerweise 2/3 - 1 mal Pot Size an, um den Gegnern schlechte Odds/Implied Odds zu geben.
Beispielhand 1
No Limit Hold'em (Blinds: 0.5/1 Dollar)
SB ($99)
Hero ($99)
Villain (UTG) ($95)
CO ($135)
Button ($145)
Preflop: Hero is BB with Q, 4
.
Villain (UTG) calls $1.00, 3 folds, Hero checks.
Flop: ($2.50) 5, T
, 7
(2 players)
Hero bets $2.00, Villain (UTG) raises to $4.00, Hero raises to $15.00, Villain (UTG) calls $11.
Turn: ($32.50) 6 (2 players)
Hero bets $25.00, Villain (UTG) calls $25.00.
River: ($82.50) 9 (2 players)
Hero bets $58.00, Villain (UTG) calls $54.
In dieser Hand trifft Hero am Flop einen Flush. Diese Hand ist zwar nicht die Nuts (das wäre ein A-high Flush), aber sicherlich eine Strong Made Hand, da es extrem unwahrscheinlich ist, dass Hero hier hinten liegt.
Der bestmögliche Fall hier wäre, wenn es am Flop direkt auf ein all-in hinauslaufen würde. Direkt all-in zu pushen ist natürlich nicht ideal, da so in der Regel keine schlechteren Hände callen. Also betten wir zunächst ca. 2/3 Pot Size, um den Pot zu builden, und natürlich um gegen das A und den K
(und womöglich gegen ein Set, welches durch ein Paired Board zu einem Full House werden würde) zu protecten. Villain macht nun einen Minimum Raise (den kleinstmöglichen Raise). Aus den gleichen Gründen wie bei unserer Bet am Flop (Pot Building, Protection) entscheiden wir uns für einen Reraise auf ca. Pot Size (Wir geben Villain in diesem Beispiel Odds von 1:1,9). Villain callt.
Am Turn kommt nun eine Karte, die nichts an der Situation geändert hat. Wir liegen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit immer noch vorne und betten erneut (wieder aus den gleichen Gründen, Pot Building und Protection).
Am River ist der Pot nun $82,5 groß und Villain hat noch $54 in seinem Stack. Also pushen wir hier for Value all-in. Alternativ wäre eine kleine Value Bet von vielleicht 30$ (die sicherlich mit leicht größerer Wahrscheinlichkeit gecallt wird), aber vor allem auf niedrigen Limits bezahlen einen sehr viele Gegner auch bei einem Push mit deutlich schlechteren Händen aus.
Beispielhand 2
No Limit Hold'em (Blinds: 0.25/0.5 Dollar)
MP3 ($51)
Villain2 (CO) ($73)
Button ($51)
Villain1 (SB) ($56)
Hero ($50)
UTG ($86)
UTG+1 ($15)
UTG+2 ($75)
MP1 ($55)
MP2 ($75)
Preflop: Hero is BB with 9, 5
. SB posts a blind of $0.25.
4 folds, MP2 calls $0.50, MP3 calls $0.50, Villain2 (CO) calls $0.50, 1 fold, Villain1 (SB) completes, Hero checks.
Flop: ($2.50) 8, 7
, 6
(5 players)
Villain1 (SB) bets $2, Hero raises to $8, 2 folds, Villain2 (CO) calls $8, Villain1 (SB) calls $6.
Turn: ($26,50) 3 (3 players)
Villain1 (SB) checks, Hero bets $15, Villain2 (CO) raises to $65.50 (All-In), Villain1 (SB) folds, Hero calls $36 (All-In).
In dieser Hand trifft Hero am Flop die Second Nut Straight (Die Nut Straight wäre mit T9). Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit halten wir hier die beste Hand. Am Flop entscheiden wir uns nun für einen Raise auf ca. Pot Size. Dies liegt vor allem daran, dass wir natürlich Value von unseren Gegnern haben wollen. Ein weiterer Grund ist das Protecten gegen die 5 oder 9. Bei der 5 wäre das Problem, dass das Board somit 4-connected wäre, und es somit sehr offensichtlich für die Gegner ist, dass jemand eine Straight hat (wir bekommen kaum noch Value von den Gegnern). Bei der 9 besteht das gleiche Problem. Dazu kommt noch, dass uns bei einer 9 jede T schlagen würde und unsere Hand somit fast wertlos wäre.
Wir bekommen zwei Caller, und am Turn kommt eine vollkommen ungefährliche Karte. Wir betten hier aus den gleichen Gründen erneut, und zwar ca. 2/3 Pot Size (gutes Mittelmaß zwischen Protection und Value extrahieren), und callen natürlich den Push von Villain2.
Mit Medium Made Hands
Bei Medium Made Hands muss nun ein Mittelmaß zwischen dem Minimieren des Verlustes (sollte man hinten liegen) und dem Maximieren des Gewinns (sollte man vorne liegen) gefunden werden.
Medium Made Hands haben oft die Eigenschaft, entweder einen kleinen Pot zu gewinnen oder einen großen Pot zu verlieren.
Dies wird recht deutlich, wenn man sich folgende Frage stellt:
„Würde mein Gegner mit einer schlechteren Hand als der eigenen bis zum Showdown gehen, wenn ich Stärke zeige?"
Dieses ist bei Medium Made Hands meistens nicht der Fall. Haben wir beispielsweise Top Pair Top Kicker (TPTK), so kann unser Gegner maximal Top Pair mit schlechterem Kicker haben, damit wir gewinnen. Top Pair mit schwachem Kicker ist bei No Limit allerdings oft keine Hand, mit der bis zum Showdown gegangen wird (es wird einfach zu teuer, wenn man auf drei Streets große Bets callen muss), bzw. mit der man all-in geht.
Hieraus folgt auch direkt ein wichtiger Punkt:
Es ist meistens nicht richtig, sich mit einer „Medium Made Hand" stacken zu lassen!
Es geht also allgemein mit Medium Made Hands darum, einen Mittelweg zu finden zwischen dem Extrahieren von Value, Protection und Pot Control. Auf den ganz niedrigen Limits (NL 1/2c bis NL 0.15/0.25$) ist Pot Control noch nicht so entscheidend. Dies liegt vor allem daran, dass die Gegner sehr schlechte Hände bis zum Showdown durchcallen. Sobald man in den Limits aufsteigt, werden die Gegner allerdings besser, und Pot Control nimmt mehr und mehr an Bedeutung zu.
Um den Pot klein zu halten, bieten sich in verschiedensten Situationen verschiedenste Betsequenzen an. Ich kann hier nicht auf alle eingehen, das würde den Rahmen des Artikels sprengen, sondern nur allgemeine Hinweise und ein paar Beispiele geben.
Zunächst einmal kann der Pot natürlich über die Bet Sizes kontrolliert klein gehalten werden. Wieso eine Pot Size Bet auf einem drawungefährlichen Board (wo nicht gegen Draws protectet werden muss), wenn man nicht auch eine ½ Pot Size Bet machen kann. Der Vorteil einer kleineren Bet ist zum einen, dass auch schlechtere Hände callen (Hände, die wir schlagen), auf der anderen Seite wird der Pot klein gehalten (wir verlieren also weniger, wenn wir hinten liegen).
Eine weitere Möglichkeit ist, den Pot durch eine geeignete Betsequenz klein zu halten. In den folgenden Beispielhänden werde ich noch die eine oder andere Betsequenz aufzeigen.
Allgemein kann man sagen, dass Medium Made Hands in den Micro Limits auf Flop und Turn fast immer gebettet werden können (solange keine Gegenwehr vom Gegner kommt), zum einen um Value zu bekommen, und zum anderen, um gegen mögliche Draws zu protecten. Wie hoch die Bet Sizes gemacht werden, hängt zum größten Teil vom Board ab. Je drawgefährlicher es ist (je mehr Karten es an der nächsten Street gibt, die man nicht sehen will), desto größer sollte die Bet Size ausfallen, um gegen mögliche Draws zu protecten. Die Bet Size sollte zwischen ½ - 1 Pot Size liegen.
Am River sieht es ein wenig anders aus. Hier muss man sich zunächst über folgenden Punkt klar werden:
Gibt es schlechtere Hände als unsere eigene, die eine weitere Bet von uns callen?
Ist dies der Fall, können wir eine Value Bet machen. Je nachdem wie callfreudig der Gegner ist, können wir die Bet Size variieren. Die Größe kann zwischen ½ und 1 Pot Size liegen.
Ist es eher unwahrscheinlich, dass uns schlechtere Hände bei einer Bet callen, bringt eine Bet nichts. Hier haben wir nun die Wahl zwischen Check/Call und Check/Fold. Hier zunächst einige Richtlinien, wann wir besser Check/Call und wann lieber Check/Fold spielen:
-
Sind viele Draws am River eingetroffen?
Ist dies der Fall, liegen wir oftmals hinten und sollten eventuell gegen eine größere Bet vom Gegner folden. Ist dies nicht der Fall, kann es sehr gut sein, dass unser Gegner auf einem Draw sitzt, der nicht gekommen ist und eventuell in uns reinblufft. Hier sollte man eher zu einem Call tendieren. -
Ist der Gegner aggressiv?
Je aggressiver der Gegner, desto mehr bettet er hier, desto eher sollten wir zu einem Call tendieren. -
Wie groß ist die Bet des Gegners, was für Pot Odds bekomme ich auf den Call?
Je größer die Bet des Gegner, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er eine starke Hand hat. Bettet er 1/2 Pot Size, müssen wir nur in 1 von 4 Fällen vorne liegen, damit sich der Call rentiert. Bettet er hingegen Pot Size, müssen wir in 1 von 3 Fällen vorne liegen, damit sich der Call rentiert.
Zusammenfassung:
-
Bei Medium Made Hands muss ein Mittelweg zwischen dem Extrahieren von Value, Protection und Pot Control gewählt werden, wobei auf den Micro Limits Pot Control eine eher untergeordnete Rolle spielt.
-
Solange kein weiterer Gegner Stärke zeigt, sollte man seine Medium Made Hands meistens aggressiv betten, um Value zu bekommen und gegen Draws zu protecten (Bet Sizes zwischen 1/2 und 1,25 Pot).
-
Es ist selten richtig, sich mit einer Medium Made Hand stacken zu lassen.
-
Steht man vor einer schwierigen Entscheidung, am Anfang besser folden als callen.
Beispielhand 3:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.05/0.1 Dollar)
Button ($11)
SB ($16)
BB ($11)
UTG ($10)
Hero ($10)
Villain (CO) ($12)
Preflop: Hero is MP with A, Q
.
1 fold, Hero raises to $0.4, Villain (CO) calls $0.40, 3 folds.
Flop: ($0.95) A, 6
, 3
(2 players)
UTG checks, Hero bets $0.8, Villain (CO) calls $0.8, UTG folds.
Turn: ($2.55) 7 (2 players)
Hero bets $1.5, Villain (CO) calls $1.5.
River: ($5.55) 4 (2 players)
Hero checks, Villain (CO) bets $3, Hero calls $3.
In dieser Beispielhand hält Hero AQo in MP und macht einen Raise von 4 BBs. Am Flop treffen wir Top Pair mit Second Best Kicker. Es ist recht wahrscheinlich, dass wir hier die beste Hand halten und betten dementsprechend zwischen 2/3 und 1 Pot Size (hier muss natürlich ausreichend gegen Flush Draws protectet werden). Villain callt uns.
Am Turn eine ähnliche Situation. Es kommt eine Rag (eine Karte, die wohl niemandem weiter geholfen hat). Wir betten erneut, wieder zwischen 2/3 und 1 Pot Size und werden erneut gecallt.
Am River dann eine weitere Rag. Wir liegen hier (vor allem auf niedrigen Limits) noch recht oft vorne. Die Frage ist hier nun, ob wir eine Value Bet machen oder Check/Call spielen. Da der Flop recht drawlastig war, und Villain recht passiv gespielt, ist die Chance hier recht groß, dass Villain einen Draw hat. Aus diesem Grund entscheiden wir uns, hier zu checken und abzuwarten (Begründung in Kapitel 4 zu finden). Villain bettet nun 3$, wir bekommen Odds von 1:2.85 auf den Call, müssen also nur in knapp 1 von 4 Fällen (in 25% der Fälle) vorne liegen, damit der Call profitabel ist. Da Villain hier eine recht große Range hat (von schwachem A bis zu einem Bluff mit Busted Draw) callen wir hier.
Beispielhand 4:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.10/0.25 Dollar)
UTG ($12)
UTG+1 ($42)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Villain (MP3) ($31)
CO ($7)
Button ($21)
SB ($24)
Hero ($45)
Preflop: Hero is BB with 9, J
. SB posts a blind of $0.10.
UTG calls $0.25, 1 fold, MP1 calls $0.25, MP2 calls $0.25, MP3 calls $0.25, 3 folds, Hero checks.
Flop: ($1.35) J, 9
, K
(5 players)
Hero bets $1.2, UTG calls $1.2, MP1 folds, MP2 calls $1.2, Villain (MP3) raises to $5, Hero ...
Eine Situation, wie sie in den sehr kleinen Limits häufiger vorkommt. Wir sind im BB, bekommen J9o und checken nach mehreren Limpern vor uns. Am Flop treffen wir Bottom Two Pair, welches wie oben bereits begründet, nicht wirklich stärker als TPTK einzuordnen ist.
Da es natürlich trotzdem gut sein kann, dass wir hier vorne liegen, betten wir hier nahe der Pot Size hinein. Hinter uns haben wir zwei Caller und einen Raiser. Nun stehen wir vor einer nicht so schönen Entscheidung. Auf dem Board sind sowohl Straight Draws, also auch fertige Straights sowie bessere Two Pairs wie auch One Pair Hände möglich. Wir könnten hier durchaus noch vorne liegen, aufgrund der zwei Caller und des Raisers (nach einer Bet und zwei Callern zeigt der Raise schon enorm Stärke) ist dies allerdings eher unwahrscheinlich. Aus diesem Grund entscheiden wir und hier für einen Fold.
Beispielhand 5:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.10/0.25 Dollar)
Villain (CO) ($31)
Button ($7)
SB ($24)
BB ($23)
UTG ($26)
Hero ($36)
Preflop: Hero is MP with A, Q
.
1 fold, Hero raises to $1, Villain (CO) calls $1, 3 folds.
Flop: ($2.35) 9, J
, Q
(2 players)
Hero bets $2, Villain (CO) raises to $6, Hero folds.
In dieser Beispielhand raisen wir first in mit AQs und bekommen einen Caller. Am Flop treffen wir nun Top Pair Top Kicker (TPTK) und entscheiden uns aufgrund des sehr drawgefährlichen Boards für eine Bet in der Nähe der Pot Size (Protection). Villain raised uns auf 6$. Mögliche Hände von Villain sind hier: Straight Draw, Flush Draw, Set, Two Pair, Overpair, Top Pair, Straight oder Bluff.
Gegen diese Handrange liegen wir entweder hinten oder haben sehr schlechte Reverse Implied Odds. Da vor allem am Anfang, wenn man noch nicht so sicher postflop spielt, im Zweifelsfall eher gefoldet werden sollte als gecallt, entscheiden wir uns hier für einen Fold. Wir sind out of position (OOP), wissen überhaupt nicht, wo wir stehen, und bringen uns mit einem Call nur vor eine schwierige Entscheidung am Turn.
Beispielhand 6:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.02/0.04 Dollar)
MP3 ($6.06)
Hero ($4.60)
Button ($3)
SB ($2.04)
BB ($1.32)
UTG ($5.14)
UTG+1 ($5.20)
MP1 ($4.68)
MP2 ($8.90)
Preflop: Hero is CO with A, A
. SB posts a blind of $0.02.
4 folds, MP3 calls $0.04, Hero raises to $0.2, Button calls $0.20, 2 folds, MP3 folds.
Flop: ($0.50) 9, 8
, 8
(2 players)
Hero bets $0.25, Button raises to $0.75, Hero calls $0.50.
Turn: ($2) 6 (2 players)
Hero bets $2.05 (All-In), Button calls $2.05.
In dieser Situation haben wir Pocket Aces und raisen natürlich preflop. Wir bekommen einen Caller und haben am Flop ein Overpair auf einem paired Board. Hände, die uns hier bereits schlagen, sind jede 8 und Pocket 9er. Diese Hände sind aber natürlich recht unwahrscheinlich. Dazu kommt, dass das Board recht drawungefährlich ist. Es ist also nicht allzu schlimm, wenn wir hier Freecards verteilen.
Da wir nun allerdings eine starke Hand am Flop haben, der Preflop Raiser sind und Value von unserem Gegner haben wollen, entscheiden wir uns für eine Bet am Flop in der Höhe von ½ Pot Size. Diese Bet Size reicht vollkommen aus, da wir keine Angst vor weitere Karten am Turn haben müssen (welche Karte soll kommen, bei der sich die Situation ändert, ob wir vorne oder hinten liegen?). Auf der anderen Seite wollen wir hier natürlich, dass uns unser Gegner callt, und wir somit Value von ihm bekommen.
In dieser Beispielhand raised uns unser Gegner nun. Damit zeigt er in der Regel, dass er eine spielbare Hand hat. Allerdings schlagen uns hier nur die oben genannten Hände, gegen weitaus mehr, ebenfalls plausible Hände liegen wir vorne. Dazu gehören sämtliche Pocket Pairs außer 88 und 99, Hände wie A9, vielleicht sogar eine High Card Ace Hand, die meint, auf dem Board vorne zu liegen.
Die Frage ist, wie wir hier am meisten Value aus dem Gegner herausholen, falls wir vorne liegen. Eine direkte 3-Bet am Flop verschreckt die Gegner oft, da sie sehr viel Stärke zeigt. Da wir auch nicht protecten müssen auf dem Board, entscheiden wir uns also für einen Call mit der Absicht (bei den restlichen Stacks), am Turn den Gegner all-in zu setzen (Was am Turn auch nur einer PSB entspricht).
Beispielhand 7:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.10/0.25 Dollar)
Villain (CO) ($23)
Button ($23)
SB ($57)
BB ($25)
UTG ($15)
UTG+1 ($24)
UTG+2 ($12)
Hero ($25)
MP2 ($46)
MP3 ($27)
Preflop: Hero is MP2 with Q, A
. SB posts a blind of $0.10.
2 folds, UTG+2 calls $0.25, Villain (MP1) calls $0.25, Hero raises to $1.5, 4 folds, UTG+2 calls $1, Villain (MP1) calls $1.
Flop: ($4.10) 3, A
, 9
(3 players)
UTG+2 checks, Villain (MP1) checks, Hero bets $3, UTG+2 folds, Villain (MP1) calls $3.
Turn: ($10.10) 4 (2 players)
Villain (MP1) checks, Hero checks.
In dieser Beispielhand hält Hero AQo im MP2 und macht einen Standard Raise preflop und bekommt zwei Caller. Am Flop treffen wir unser Top Pair mit Second Best Kicker und machen ebenfalls eine Standard Bet von ca. 2/3 Pot Size. Villain callt uns.
Am Turn kommt nun eine Karte, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit niemandem weitergeholfen hat, und Villain checkt erneut zu uns. Hier kommt nun das Spielkonzept „Pot Control" ins Spiel. Die Frage ist, welche schlechtere Hand uns hier callt. Das Board auf dem Flop war extrem dry (ein Board, auf dem keine Draws möglich sind), somit kann uns Villain nur mit einer Made Hand gecallt haben. Ein Check behind hat nun folgende Vorteile:
-
Hat Villain eine schwache Hand, die er gegen eine erneute Bet gefoldet hätte, würden wir kein Value mehr bekommen. Durch den Check behind am Turn bettet er allerdings oft nochmal am River (als Bluff oder kleine Value Bet). So bekommen wir noch Value von schwachen Händen.
-
Wir geben einer stärkeren Hand nicht die Möglichkeit, uns am Turn zu checkraisen. Bei einem Checkraise würden wir vor einer schwierigen Entscheidung stehen. Wir haben eine Hand, die durchaus Showdown Value hat (also die beste Hand sein kann), auf der anderen Seite werden wir von AK, Two Pair, Set oder besser geschlagen. Wir sorgen durch den Check behind am Turn also dafür, dass der Pot klein bleibt und ersparen uns womöglich eine schwierige Entscheidung am Turn.
Wenn wir hier Check behind am Turn spielen, machen wir dieses natürlich mit dem Hintergedanken, eine River Bet vom Gegner zu callen (natürlich nur eine moderate Bet, auf ein direktes All-In folden wir trotzdem). Als Richtlinie kann gesagt werden, dass wir jede Riverbet callen, solange wir bessere Odds als 1:2 auf den Call bekommen, also maximal in 1 von 3 Fällen (33%) vorne liegen müssen, damit sich der Call schon rentiert.
Mit Marginal Made Hands
Mit Marginal Made Hands rückt das Minimieren des Verlustes nun eindeutig in den Vordergrund. Diese Hände haben in der Regel wenig Showdown Value. Sobald Gegenwehr der Gegner zu erkennen ist, können sie fast immer gefoldet werden.
Grundsätzlich können diese Hände am Flop (sofern nicht mehr als maximal drei Gegner da sind) häufig gebettet werden, in der Hoffnung, den Pot direkt mitzunehmen. Dies hängt natürlich von der Textur des Boards ab. Je drawlastiger es ist, und je mehr Broadway Cards liegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Gegner etwas getroffen haben (oder zumindest einen Draw haben), mit dem sie callen werden.
Beispielhand 8:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.25/0.5 Dollar)
MP3 ($51)
Villain2 (CO) ($73)
Button ($51)
SB ($56)
Hero ($50)
UTG ($86)
UTG+1 ($15)
UTG+2 ($75)
MP1 ($55)
MP2 ($75)
Preflop: Hero is BB with 9, T
. SB posts a blind of $0.25.
4 folds, MP2 calls $0.50, MP3 calls $0.50, Villain2 (CO) calls $0.50, 1 fold, SB completes, Hero checks.
Flop: ($2.50) A, T
, 3
(5 players)
Villain1 (SB) checks, Hero checks, ...
In dieser Hand hält Hero T9s und trifft am Flop Middle Pair mit schlechtem Kicker. Es sind vier weitere Spieler am Flop. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir hier vorne liegen, vor allem, da ein A im Flop liegt. Wir liegen hier natürlich gegen jedes A hinten, allerdings auch gegen eine weitere T mit einem besseren Kicker. Aus diesem Grund entscheiden wir uns hier zu checken mit der Intention, auf eine Bet hinter uns direkt zu folden.
Beispielhand 9:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.02/0.04 Dollar)
MP3 ($8)
CO ($5)
Hero ($11)
SB ($3)
BB ($9)
UTG ($4)
UTG+1 ($5)
UTG+2 ($2)
MP1 ($13)
MP2 ($7)
Preflop: Hero is Button with Q, T
.
5 folds, MP3 calls $0.04, 1 fold, Hero calls $0.04, 1 fold, BB checks.
Flop: ($0.14) K, T
, 3
(3 players)
BB checks, MP3 checks, Hero bets $0.08, BB folds, MP3 folds.
In dieser Situationen hält Hero QTs auf dem Button und trifft am Flop Middle Pair mit mittelmäßigem Kicker. Beide Gegner checken, also entscheiden wir uns hier für eine Bet, da es recht wahrscheinlich ist, dass wir vorne liegen. In diesem Fall folden auch beide Gegner direkt.
Würden wir hier in einen Checkraise laufen, würden wir natürlich sofort folden. Würde hier jemand in uns hinein betten, würden wir ebenfalls folden. Da aber zwei Gegner Schwäche zeigen, und wir zumindest eine Marginal Made Hand haben, liegen wir oft vorne.
Mit Drawing Hands
Weak Drawing Hands
Meine Empfehlung für Weak Drawing Hands ist, am Anfang einfach Check/Fold zu spielen. In diesen Händen liegt nicht allzu viel Value, allerdings kann hier durch schlechte Calls viel Geld verloren werden.
Strong Drawing Hands
Ob und wie man Strong Drawing Hands spielen sollte, hängt sehr stark von der Gesamtsituation und den Gegnern ab. Allgemein haben wir die Wahl zwischen Fold, Call und einem Semi-Bluff Raise. Hier zunächst einige Grundregeln für das Spielen von Strong Drawing Hands:
Einen Semi-Bluff Raise sollte man machen, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner foldet, sehr hoch ist. Dieses bietet sich vor allem mit sehr starken Draws an (12 Outs oder mehr), da man mit diesen, sollte man gecallt werden, eine Menge Outs hat, die einem die beste Hand geben können. Ein positiver Nebeneffekt eines Semi-Bluff Raises ist: Sollten wir gecallt werden, und wir treffen unseren Draw, dann ist der Pot schon um einiges größer, und wir können viel größere Value Bets machen.
Callen sollte man, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner foldet, sehr niedrig ist, und man zusätzlich ausreichende Implied Odds für einen Call hat (der Gegner hat wahrscheinlich eine stärkere Hand, von der wir noch Value bekommen, sollten wir unser Draw treffen).
Folden sollte man, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner bei einem Raise foldet, sehr niedrig ist, und man für einen Call nicht ausreichende Implied Odds hat.
Beispielhand 10:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.10/0.25 Dollar)
MP ($15)
CO ($25)
Villain 2 (Button) ($22)
Hero ($24)
Villain1 (BB) ($62)
UTG ($9)
Preflop: Hero is SB with T, K
.
UTG calls $0.25, 1 folds, CO calls $0.25, Villain 2 (Button) calls $0.25, Hero calls $0.15, Villain1 (BB) raises to $0.75, 1 folds, CO calls $0.75, Button calls $0.75, Hero calls $0.75.
Flop: ($4.25) A, 2
, 5
(4 players)
Hero checks, Villain1 (BB) bets $2.00, CO folds, Villain 2 (Button) raises to $4.00, Hero fold, ...
In dieser Hand hält Hero KTs auf dem SB und callt preflop aufgrund der guten Odds. Am Flop haben wir den Second Nut Flush Draw. Allerdings haben wir hier vier weitere Gegner, darunter einen Preflop Raiser und ein A im Flop. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass zumindest einer das A getroffen hat. Aus diesem Grund bietet sich hier schon einmal keine Semi-Bluff Bet an, da wir kaum Fold Equity haben. Also checken wir zunächst. Hinter uns kommt von Villain1 eine Bet von ca. ½ Pot Size und ein Minimum Raise von Villain2. Ein Raise bietet sich hier nicht an, da wir nach so viel Stärke, die gezeigt wurde, praktisch gar keine Fold Equity haben. Bei einem möglichen Call haben wir das Problem, dass Villain1 hinter uns erneut an der Reihe ist und uns somit aus der Hand hinausraisen könnte. Aus diesem Grund entscheiden wir uns hier für einen Fold.
Beispielhand 11:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.02/0.04 Dollar)
UTG+1 ($5)
Villain (MP1) ($6)
MP2 ($4)
MP3 ($4)
CO ($1)
Hero ($4)
SB ($5)
BB ($2)
UTG ($5)
Preflop: Hero is Button with J, Q
.
2 folds, Villain (MP1) calls $0.04, 1 fold, MP3 calls $0.04, CO calls $0.04, Hero calls $0.04, 1 fold, BB checks.
Flop: ($0.22) K, 5
, 7
(5 players)
BB checks, Villain (MP1) bets $0.08, MP3 calls $0.08, CO calls $0.08, Hero calls $0.08, BB folds.
Turn: ($0.54) T (3 players)
Villain (MP1) bets $0.5, MP3 folds, Hero raises to $1.5, ...
In dieser Beispielhand hält Hero QJs und callt preflop. Am Flop haben wir einen Flush Draw, also mit sehr großer Wahrscheinlichkeit 9 sichere Outs. Am Flop werden wir mit einer Bet und zwei Callern vor uns konfrontiert. Aufgrund dieser Situation bietet sich kein Raise an; die Wahrscheinlichkeit, dass alle Gegner folden, ist recht niedrig. Aufgrund der sehr guten Odds, die wir bekommen, callen wir aber natürlich. Die Odds belaufen sich auf 1:5.75. Hier können wir also allein aufgrund der richtigen Odds korrekt callen (wir brauchen ca. 1:4 bei einem 9-Outer), wir müssen die Implied Odds gar nicht erst betrachten.
Am Turn bekommen wir nun unseren Flush, und Villain bettet Pot Size in uns hinein. Da wir hier nun nahezu immer vorne liegen, können wir direkt raisen.
Beispielhand 12:
No Limit Hold'em (Blinds: 0.10/0.25 Dollar)
Villain (BB) ($52.25)
UTG ($21.83)
MP ($26.20)
Button ($22.42)
Hero ($24.75)
Preflop: Hero is SB with 9, T
. Hero posts a blind of $0.10.
UTG calls $0.25, 1 fold, Button calls $0.25, Hero (poster) completes, Villain (BB) checks.
Flop: ($1) 4, 6
, 2
(4 players)
Hero bets $1, Villain (BB) raises to $3, UTG folds, Button folds, Hero calls.
In dieser Situation halten wir T9s auf dem Small Blind und completen preflop. Am Flop haben wir einen Flush Draw und entscheiden uns direkt für eine Pot Size Bet am Flop. Das Board hat nur niedrige Karten und preflop hat niemand Stärke gezeigt; die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier den Pot direkt gewinnen, ist also recht groß. Hier werden wir nun allerdings von Villain geraised.
Wir bekommen auf den Call Odds von 1:2.5 und bräuchten für einen korrekten Call 1:4. Allerdings haben wir hier noch nicht die Implied Odds berücksichtigt. Unser Gegner zeigt uns mit seinem Raise, dass er womöglich eine starke Hand hat. Das bedeutet, dass wir, falls wir unseren Flush treffen, recht wahrscheinlich noch Value von ihm bekommen. Wir haben also Implied Odds, die höher sind als die Odds.
Gehen wir einfach einmal davon aus, dass wir, wenn wir unseren Flush am Turn treffen, noch im Schnitt eine ½ Pot Size Bet vom Villain bekommen. So bekommen wir Implied Odds von 1:4.5 auf den Call am Flop (Zur genauen Rechnung Beispiele im Thread "Outs, Odds, Implied Odds und Reverse Implied Odds" angucken), brauchen aber nur 1:4 für einen Draw mit 9 Outs. Wir können also korrekt callen.
Mit Trash Hands
Am Anfang sollte man diese Hände einfach Check / Fold spielen. Bluffs sind bei den callfreudigen Gegnern auf den Micro Limits alles andere als profitabel.
Nachbetrachtung und Ausblick
Mit diesem Artikel solltet Ihr die notwendigsten Postflop Grundlagen haben, um in den Micro Limits zu bestehen. Sehr hilfreich und meiner Meinung nach auch absolut notwendig ist allerdings noch das regelmäßige Lesen und Posten von Beispielhänden im Forum. Des Weiteren sollte man an öffentlichen Coachings zu den Limits, die man selbst spielt, teilnehmen. Dieses dient alles dem besseren Verständnis und der Verinnerlichung von verschiedensten Bet Sequenzen sowie dem allgemeinen Spielverständnis. Außerdem fallen einem so oftmals Fehler auf, die man sonst selbst nicht bemerkt hätte.
Für die Zukunft sind zu jeder Handkategorie spezielle Artikel geplant, die weitaus genauer als hier im Anfängerartikel möglich auf die verschiedenen Spielsituationen eingehen.