MSS Advanced (2) - Preflop I
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du mit der Midstackstrategie vor dem Flop spielst
- Welche Hände du openraisen solltest
- Wann es sich lohnt, passiv in den Pot einzusteigen
In diesem Artikel lernst du die Grundlagen der Midstackstrategie für das Preflopspiel sowie zwei verschiedene Openraisingcharts kennen.
Openraisen
Du steigst in den Pot immer mit einem Openraise ein. Mit welchen Händen du dies tust, kannst du weiter unten den beiden Charts entnehmen. Ein Limp kommt normalerweise grundsätzlich nicht in Frage. Dennoch gibt es einige Ausnahmen, in denen ein Limp sinnvoll sein kann.
Der Call preflop auf Setvalue mit kleinen Pockets ist mit der MSS generell nicht profitabel, da du nicht genügend Implied Odds hast. Dies ist erst gegeben, wenn du weißt, dass hinter dir immer overcallt wird oder vor dir schon Spieler gecoldcallt haben.
Ein weiterer Faktor ist der Skill des Gegners. Wenn der Gegner schlecht ist und dich oft ausbezahlt, wenn du dein Set triffst, sollte natürlich mehr auf Setvalue gelimpt und in Ausnahmefällen auch ein Raise gecallt werden.
Du limpst nur dann, wenn bereits einige Limper eingestiegen sind und die Gefahr eines späteren Raises relativ gering ist. Es ist nicht sinnvoll, wenn ein Regular hinter dir immer ein Isolationraise machen wird. Aufgrund der geringeren Stacksize kannst du dann nicht profitabel callen.
Ähnliches wie für das Limpen gillt für das Completen im Small Blind. Wenn du es tust, dann mit suited Ax, suited Connectors und Pockets. Auch hier sollten zwei bis drei Limper vor dir sein. Am besten für einen Limp nach mehreren Callern sind niedrige Pocketpairs wie 22-66 geignet. Mit z.B. 77+ solltest du meistens raisen, abhängig von den Statistiken der Limper.
Limpen
NL400, Fullring
Notes:
UTG1: Fish
MP1: Schlechter Regular, auf den du eine Note hast, dass er AA limpt.
Preflop: Hero is MP2 with
UTG1 calls $4, MP1 calls $4, Hero calls $4,
Dieser Spot ist aus zwei Gründen gut zum Limpen. Da alle Spieler eher passiv sind und du ein Isolationraise also eher nicht zu fürchten brauchst, kannst du hier über einen Call nachdenken. Deine Hand hat sehr viele Implied Odds und deine Gegner werden vor allem gegen einen Midstack kaum Toppair good Kicker weglegen. Der Fish wird dich also oft auszahlen, wenn er etwas trifft. Der Regular in MP1 kann sogar laut deinen Notes AA limpen und du stackst ihn wohl in den meisten Fällen, wenn du das Set triffst.
Diese beiden Gründe sprechen dafür, in dieser speziellen Situation ein kleines Pocketpaar zu limpen. Das sollte jedoch immer die absolute Ausnahme bleiben, denn mit der MSS verfolgst du einen tight-aggressiven Preflopstil. Das Openraise sollte immer dein Standard-Einstieg in den Pot sein.
Callen
Generell gillt, dass du so wenig wie möglich Openraises coldcallen willst. Nur wenn deine Hand eine gute Playability hat, aber zu schwach zum 3-Bet/callen ist, kommt ein Coldcall in Frage. Du kannst diese Line dann auch mit deinen Monstern balancen. Allerdings kannst du die MSS auch ohne diese tricky Plays einfach straightforward spielen und auf Coldcalls in der Regel verzichten.
Ein Beispiel soll dir verdeutlichen, wann ein Coldcall doch eine sinnvolle Option sein kann.
NL400, Fullring
Notes:
MP1: 11% Openraise, Fold to 3-Bet: 57%
Preflop: Hero is BU with
2 folds, MP1 bets $12, 1 fold, MP3 calls $12, 1 fold, Hero calls $12
Ein relativ tighter Spieler mit niedrigem Fold-to-3-Bet Wert openraist aus MP1 und bekommt einen Caller.
Hier kannst du nicht profitabel 3-betten, weil du auf eine 4-Bet folden müsstest und weil Villain nicht viel auf 3-Bets foldet. Dazu hat deine Hand eine gute Playability. Deshalb kannst du in dieser Situation auch coldcallen und versuchen deine Hand nach dem Flop weiterzuspielen. Optimal ist es hier natürlich, wenn du bei deinem Coldcall in Position bist. OOP solltest du trotz deiner starken Hand eher folden, da du sie wohl nicht profitabel spielen kannst.
Raisesizes
Die Standardraisesize auf NL 200 sollte 2,5BB betragen. Du kannst sie jedoch zwischen 2BB bis 4BB variieren. Die Raisesize geht mit deinem Spielstil einher. Spielst du sehr tight, solltest du etwas größer openraisen, bei loosem Spiel natürlich etwas kleiner.
Das gleiche gilt auch für deine Position am Tisch und deine Gegner. Hast du sehr aggressive Spieler hinter dir, solltest du nur eine tighte Range mit Standardraisesizes spielen. Hast du sehr passive Spieler hinter dir, die viel callen, kannst du auch mit deiner tighten Range bis 4BB raisen, um maximalen Value zu extrahieren. Das hängt wie so oft von deinem Spielstil und deinen Gewohnheiten ab.
Standard ORC
Im folgenden findest du das Standard-ORC für die MSS. Diese Standardrange sollte verwendet werden, wenn folgendes zutrifft:
- Loose/Aggressive Gegner hinter dir.
- Du fühlst dich postflop mit der weiten Range unsicher.
Selbstverständlich gilt hier wie bei allen Charts, dass du deine Ranges auch an deine persönliche Bedürfnisse und deinen Stil anpassen musst. Verstehe den Chart lediglich als Hinweis und als Anhaltspunkt, von dem aus du deinen persönlichen Preflopstil finden kannst.
Je mehr Erfahrung du sammelst und je tiefer du einzelne Situationen analysierst, wird sich dein Spiel vom Chart hin zu deinem eigenen Stil weiterentwickeln. Ein Chart stellt nie das Optimum, sondern lediglich Ahaltspunkte dar, denn im Poker steht die einzelne Situation weit vor allgemeinen Regeln.
| Position | Range in % | Hände im Detail |
| Early |
6% | 77+, AJs+, AQo+ |
| Middle |
10% | 66+, ATs+, KQs, ATo+, KQo |
| Cutoff |
15% | 66+, A5s+, KJs+, QJs+, A9o+, KJo+, QJo |
| Button |
25% | 22+, A2s+, KTs+, QTs+, JTs+, A5o+, KTo+, QTo+, JTo |
| Small Blind |
25% | 22+, A2s+, KTs+, QTs+, JTs+, A5o+, KTo+, QTo+, JTo |
Standard- und erweitertes ORC downloaden
Erweitertes ORC
Durch die Erweiterung der Openraisingrange kannst du mehr Hände mit positivem Erwartungswert (EV) spielen. Gerade an passiven und sehr tighten Tischen bekommen deine Openraises sehr viel Respekt. Eine Datenbankauswertung hat folgendes ergeben:
- Du wirst selten ge-3-bettet.
- Preflop gewinnst du den Pot in 52% der Fälle -> alle folden
- Continuationbets sind in 45% der Fälle erfolgreich. Das bedeutet, dass du Profit machst da du nur einen Erfolg von 33% brauchst (½ Pot C-Bet).
- Hinzu kommt natürlich die Equity und die Playability, die du mit deinen Händen hast.
Diese Faktoren führen dazu, dass du mit der erweiterten 10%-Range aus early Position im Vergleich zur 6%-Standardrange einen um 3,65ptBB höheren EV erreichst. Dennoch ist es kein No-Brainer, die erweiterte Range zu spielen. Du musst die Aktionen und Stats deiner Gegner sehr viel detaillierter beobachten, auf ihr Spiel eingehen und sie exploiten, damit du erfolgreich bist.
| Position | Range in % | Hände im Detail |
| Early |
10% | 55+, ATs+, KJs+, AJo+, KQo |
| Middle |
15% | 55+, A5s+, KTs, QTs+, JTs, A9o+, KJo+ |
| Cutoff |
20% | 55+, A2s+, KTs+, QTs, JTs, T9s, 98s, 87s, 76s, A9o, KTo, QJo, JTo |
| Button |
35% | 22+, A2s+, K2s+, Q8s+, J8s+, T8s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, A2o+, K9o+, Q9o+, JTo |
| Small Blind |
35% | 22+, A2s+, K2s+, Q8s+, J8s+, T8s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, A2o+, K9o+, Q9o+, JTo |
| WICHTIG | |
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Was sind die Kriterien die gegen eine erweiterte Openraisingrange sprechen?
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Es ist nicht verkehrt, eine tightere Range zu wählen, wenn du dich nicht sicher mit den looseren Range fühlst. Wie aus den Kriterien abzuleiten ist, gibt es Tische, an denen loose Openraises –EV sind. Wenn du der Meinung bist, dass dies an deinem Tisch der Fall ist, gilt immernoch: Tight is right. Bevor du deine Openraisingrange erweiterst, analysiere sehr genau die Spieler hinter dir.
Zusammenfassung
In diesem Artikel hast du gelernt, wie du mit der MSS dein Preflopspiel gestaltest und welche Faktoren du dabei berücksichtigen musst. In der nächsten Folge der MSS-Reihe lernst du die Konzepte hinter der 3-Bet und 4-Bet- Strategie kennen.
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