Das Denken in Ranges - Downcalls mit Q high
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Das Denken in Ranges - Downcalls mit Q high
von Makomar
In dieser Kolumne möchte ich aufzeigen, wie wichtig ein Denken in Ranges ist. Mit etwas Übung sind viele Situationen viel leichter zu bewältigen, da wir wissen, ob wir Foldequity gegen eine stärkere Hand haben (Bluff, Semibluff), ob wir hinten (Fold) oder vorne (Raise) liegen, oder ob wir way ahead / way behind sind (Calldown).
Mit A high gehen wir sehr oft zum Showdown, wenn wir glauben, dass der Gegner einen Bluff/Semibluff spielen könnte. Aber dies können wir mit jeder beliebigen Hand machen, sofern wir annehmen, dass wir gegen seine Range vorne sind, die wir aus seinem Preflop- und Postflop-Spiel ableiten. In folgender Beispielhand habe ich deswegen den Showdown mit Q high gesehen.
Beispielhand 1
Diese Hand ist aus einem Heads-up, in welchem die Ranges immer sehr groß sind und die Aggressivität sehr hoch. Aber wie wir sehen werden, ist das Spiel postflop in Relation mit dem Board meist entscheidender. Mein Gegenspieler ist aggressiv, mehr Reads sind in dieser Hand nicht notwendig.
Full Tilt 15/30 Hold'em (2 handed)
Preflop: Hero is Button with Q

Hero raises, BB calls.
Q9o ist ein Raise, klar. Er callt mich, darum hat er kein A oder K mit einem starken Kicker oder ein starkes Pocketpair 88+. Im Heads-up wechseln die Spieler oft ihre Strategie, sind „tricky“ (callen nur mit JJ, AK, etc.), aber auch nur selten, außer ihre gesamte Strategie basiert darauf, preflop immer nur zu callen.
Flop: (4.66 SB) 7


BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls.
BB checkraist mich am Flop. Mit welchen Händen tut er dies? Vielleicht mit Pocketpairs 22-55, mit denen er preflop nicht geraist hat, jede 7 oder 6, aber auch eine Menge an Draws: 43, 53, 54, 85, 89, T8, T9. Mit K und A high würde er wahrscheinlich passiv bleiben und mir die Initiative lassen.
Weil es viel mehr Kombinationen gibt, die nur einen Draw haben, und ich gegen diese vorne bin, entschließe ich mich, zum Showdown zu gehen, falls das Board sich nicht entscheidend verändert.
Ich habe Outs, wenn er eine made Hand hat (abgesehen von einer 7, 66, 77), aber hier ist wichtig, dass ich nicht aufgrund meiner Outs calle, sondern weil ich Showdownvalue habe.
Wie wir sehen, könnten wir auch mit J high zum Showdown gehen, weil wir gegen seine Range vorne sind!
Unsere Equity am Flop mit Q

Mit J

Mit J

Mit T

Wie wir sehen, sind wir mit J high noch Favorit und mit T high und zwei Backdoorstraights nur knapper Underdog. Dadurch, dass wir mit J5/T5 durch die 5 auch die möglichen Kombinationen unseres Gegners verringern, performen diese Hände hier natürlich sehr gut.
Turn: (4.33 BB) 4
BB bets, Hero calls.
Mit der 4 am Turn haben 43 und 54 ein Pair, aber gegen alle anderen Draws sind wir noch immer vorne. Darum calle ich erneut und sehe auf eine Blank am River den Showdown.
Q

J

J

T

Q9 und JT haben dieselbe Equity am Turn gegen seine Range. Mit 32.5% haben wir natürlich einen easy Call.
Und wie wir sehen ist Straightdraw nicht gleich Straightdraw. Während wir mit J5 wohl eher passiv bleiben sollten, da wir Showdownvalue haben, sind wir T5 ziemlicher Underdog und sollten hier rebluffen, um vielleicht einen besseren Draw zum Folden zu bekommen.
River: (6.33 BB) K
BB bets, Hero calls.
Der River ist ein K. Ändert er etwas? Nein! Wie ich zuvor geschrieben habe, würden K und A high wahrscheinlich passiv bleiben. Ich bin immer noch gegen seine busted Draws vorne und calle, da ich überzeugt bin, den Pot oft genug zu gewinnen.
Q

J

J

T

Spätestens jetzt sollten wir uns mit T5 überlegen, zu bluffraisen. Callen steht außer Frage. Alle anderen Hände sind natürlich einfache Calls.
Final Pot: 8.33 BB
Results:
BB has 8c Th (one pair, sevens).
Hero has Qc 9h (one pair, sevens).
Outcome: Hero wins 8.33 BB
Er zeigt mir T8o. Er hatte Outs, aber nichts getroffen. Meine Hand war stark genug, um den Pot zu gewinnen. Meine Interpretation der Situation (seine Range in Relation mit seinem Spiel pre- und postflop) war ok. Ich werde diesen Pot natürlich auch einige Male verlieren, aber oft genug ist er meiner!
Beispielhand 2
Hier befinde ich mich in einer ähnlichen Situation. Ich spiele aus dem CO gegen den BB. Die Stats meines Gegners: 38/25/2.4/70 – 60 Hände. Er ist also ein sehr aggressiver Spieler und preflop ziemlich loose. Sein WTS ist so hoch, da er bis jetzt immer eine gute Hand hatte. Meine Samplesize ist sehr klein von ihm, mit nur 60 Händen, aber das war mein Read in diesem Moment des Spiels.
PokerStars 30/60 Hold'em (5 handed)
Preflop: Hero is Button with J

UTG calls, 1 fold, Hero raises, 1 fold, BB calls, UTG calls.
Ich erhöhe mit QJs, um den Fish zu isolieren, aber BB callt. Nach ihren Aktionen preflop: Welche Ranges haben UTG und BB?
Die Ranges von UTG und BB sind sehr groß, aber beide haben keine Hand, um zu erhöhen (UTG) bzw. zu 3-betten (BB). Sie haben also kein starkes Pocketpair oder starke Ax oder Kx, sondern mehr Hände dieses Typs: 86s, T9o, 33, etc.
Flop: (6.50 SB) 8


BB checks, UTG checks, Hero bets, BB raises, UTG folds, Hero calls.
Ich verfehle den Flop, mache meine Continuation-Bet, BB erhöht und UTG foldet seine Hand.
BB ist mit Sicherheit eines Semibluffs fähig. Seine Range ist also:
- Jedes Pair (2,5,8) oder Pocketpair (22-66; mit 77+ hätte er preflop ge-3-bettet)
- Aber natürlich auch viele Draws: verschiedene Flushdraws, obwohl er wahrscheinlich mit einem A high Flushdraw passiv bleiben würde, da meine Range sehr groß ist vom CO und ich mich auf einem solchen Board auch nur selten von einem starken Ax trennen würde, sollte sich das Board nicht sehr zu meinen Ungunsten verändern. Dasselbe gilt für einen K high Flushdraw. Das einzige, was bleibt, wäre ein aggressives Spiel mit einem Q high Flushdraw, abhängig von seinem Read von mir (ob ich K high folden kann, oder nicht) und seines Kickers (mit einem schlechten Kicker kann er aggressiv gegen eine Q mit besserem spielen).
Natürlich kann er seinen A und K high Flushdraw aggressiv spielen, wenn
- Er zu aggressiv ist und nicht weiß, dass ich hier A oder K high nicht wegwerfe, falls Turn und River blanken.
- Er nicht weiß, dass meine Range ziemlich groß ist vom CO und er Showdownvalue hätte gegen meine Range.
- Er seinen A high Flushdraw aggressiv als Valueplay gegen einen loosen Downcall von mir spielt.
Auch sind viele Straightdraws möglich: 43, 64, 65, 73s, 74s, 76, 96s, 97.
Ich bin gegen diese gesamte Range seiner Straightdraws vorne und könnte eigentlich mit T high zum Showdown gehen! Das ist natürlich ein Problem, abgesehen von seiner Spielweise mit A und K high Flushdraws, wenn er
- einen J-high Flushdraw hat, den er mit Sicherheit aggressiv spielt.
- einen Semibluff mit Overcards macht, z.B.: J9, JT.
Darum wäre ein Showdown mit T high hier “ein wenig” loose und wir würden eher einen Rebluff z.B. mit T9 in Betracht ziehen.
Aber wir haben ja QJ und wegen der oben genannten Gründe gebe ich mir hier genügend Showdownvalue. Auch da er mit vielen Axs und Kxs Kombinationen preflop wahrscheinlich ge-3-bettet hätte (KTs+, A9s+) bin ich gegen einen Flushdraw meistens „vorne“ - gut, momentan nicht gegen seine 15 Outs, aber so einfach können wir natürlich nicht aufgeben.
Ich calle nicht für meine Outs, aber um einen Showdown zu sehen.
Ich gebe ihm diese Range: 22-66, A8s, A5s, A2s, K8s, K5s, K2s, Q2s+, J2s+, T2s+, 95s+, 92s, 82s+, 72s+, 65s, 62s, 52s+, 42s+, 32s, A8o, A5o, A2o, T8o, 97o+, 75o+, 64o+, 54o, 43o, 32o
Ich nehme an, er wird sehr loose completen: any two suited, any Connector und auch einige One-Gapper.
Q

Ich werde ab hier auch zwei Hände dazunehmen, die wir in dieser exakten Situation nie halten werden, aber die ich trotzdem interessant finde, zu analysieren:
J

J

Reichen also alle locker für einen Call!
Nehmen wir nun die A und K high Flushdraws ohne Pair dazu: 22-66, ATs-A2s, KJs-K2s, Q2s+, J2s+, T2s+, 95s+, 92s, 82s+, 72s+, 65s, 62s, 52s+, 42s+, 32s, A8o, A5o, A2o, T8o, 97o+, 75o+, 64o+, 54o, 43o, 32o
Q

J

J

Da performen wir nicht mehr ganz so gut, aber für einen Call reicht es noch immer locker.
Turn: (5.25 BB) T
BB bets, Hero calls
Die T ändert nicht viel. Sie gibt mir einige Outs gegen eine mögliche made Hand von BB und vielleicht hat sein T high Flushdraw nun ein Pair. Aber die T hat seinen Straightdraws nicht geholfen, darum calle ich auch den Turn und calle einen guten River.
Zuerst müssen wir sehen, welche Equity wir nötig haben:
EV (Preis für Showdown)/EV (Pot am Showdown) = 2/9.25 = 0.216
Wir sollten also mehr als 21.6% haben, um einen Call am Turn zu rechtfertigen. Durch das dead Money von UTG müssen wir natürlich weit weniger oft diesen Pot gewinnen, als wenn ich nur gegen den BB spielen würde.
Ohne A und K high Flushdraws:
Q

J

J

Sowohl QJ als auch J7 sind easy Call, und auch J6 reicht hier noch gerade, um zu callen.
Mit A und K high Flushdraws:
Q

J

J

QJ und J7 bleiben easy Calls. Mit J6 wird die Sache schon knapp, aber es wäre gerade noch ein Call.
Turn: (5.25 BB) T
BB bets, Hero calls.
Der Flushdraw ist komplett, aber ich bin immer noch gegen die ganzen Straightdraws vorne. Auch habe ich Outs gegen ein Pair. Wenn der River ein 
Ohne A und K high Flushdraws:
Q

J

J

Mit A und K high Flushdraws:
Q

J

J

J6 ist jeweils ein klarer Fold, mit J7 können wir noch mal profitabel callen.
Turn: (5.25 BB) 7
BB bets, Hero folds.
Ohne A und K high Flushdraws:
Q

J

J

Mit A und K high Flushdraws:
Q

J

J

Mit Q

Unimproved müssen wir J

Turn: (5.25 BB) T
BB bets, Hero calls
River: (7.25 BB) 8
BB bets, Hero calls.
Der Turn war in der Version A, also eine T

Mit A und K high Flushdraws:
Q

J

J

Auf diese Riverkarte müssen wir alle Hände callen, selbst wenn er seine starken Flushdraws hier aggressiv spielt!
Turn: (5.25 BB) T
BB bets, Hero calls.
River: (7.25 BB) Q
BB bets, Hero ?.
Der Turn war in der Version B, eine T
Q

Wir wären deutlicher Favorit, haben aber natürlich Implieds gegen uns und er muss auch oft genug eine Hand haben, mit der er uns tatsächlich ausbezahlt.
Final Pot: 9.25 BB
Results:
BB has 7d 4c (one pair, eights).
Hero has Jh Qh (one pair, eights).
Outcome: Hero wins 9.25 BB.
Er zeigt mir 74o. Offensichtlicher ist er looser preflop, als ich gedacht hatte, aber meine Interpretation der Situation war ok, und ich werde hier meistens den Pot gewinnen in ähnlichen Situationen.
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Wie wir sehen können, ist in allen gezeigten Händen das Denken in Ranges sehr wichtig. Wir können so Pötte gewinnen, die wir sonst aufgegeben hätten. Dies waren Beispiele für Downcalls, aber Denken in Ranges ist entscheidend in sehr vielen Situationen. Auch ist die Potgröße immer zu berücksichtigen, da wir dadurch mit manchen Händen (J |