Adapten gegen LAGs und Maniacs
Einleitung |
von Stane1985 |
Diese Woche gehe ich speziell auf Situationen ein, in denen ihr mit aggressiven Gegnern, also mit LAGs oder Maniacs, involviert seid. Besonders ab dem Limit 1/2 kommt diese Spielerart immer öfter vor und ich höre immer wieder, dass Spieler, die so eine aggressive Spielweise nicht gewöhnt sind, an dem Limit scheitern. Mit dem Spiel, mit dem man auf den unteren Limits gegen Callingstations erfolgreich war, kommt man nicht mehr weit. Anhand der folgenden Beispiele versuche ich klarzumachen, worauf es beim Spiel gegen solche Leute ankommt und wie man richtig gegen sie adapted!
Achtung: Die hier gezeigten Moves bedürfen guter Gegnerkenntnis und dürfen nicht auf Plays gegen andere Spielertypen übertragen werden!
Hand 1
Aggressives Spiel mit A High
MP: (75/69/4,3/58)
Preflop: Hero is UTG with Q

Hero raises, MP 3-bets, 4 folds, Hero caps, MP calls.
Flop: (9.40 SB) 5


Hero bets, MP calls.
Turn: (5.70 BB) T
Hero bets, MP calls.
River: (7.70 BB) T
Hero bets, MP raises, Hero 3-bets, MP calls.
Preflop raisen wir standardmäßig unser AQs und bekommen auch sofort vom Maniac eine 3-Bet. Gegen seine Range (sie sollte ca 40-50% betragen) haben wir natürlich eine Equity Edge und können cappen.
Am Flop bleiben wir unimproved, was uns aber erstmal keinen Grund zu Sorge geben sollte. Wir machen unsere Continuation BEt und der Maniac callt uns nur. Schon jetzt können wir sagen, dass er wohl keine starke Hand halten wird, da er, wenn er irgendwas getroffen hätte, den Flop geraist hätte.
Am Turn paired sich das Board und spätestens hier hätte ich mit einem Raise von ihm gerechnet. Da er wiederum nur callt, können wir nun zu 100% sicher sein vorne zu liegen.
Am River erscheint die dritte T und da er uns wohl mit vielen K Highs und jedem A High callen wird, machen wir eine erneute Valuebet. Der Raise von ihm ist total unlogisch und darf uns überhaupt keine Angst machen!
Was bedeutet der Raise von ihm?
a) Er hat eine schwache Hand und denkt, uns rausbluffen zu können.
b) Er hat in seinen Augen, in Relation auf das Board gesehen, eine starke Hand und denkt, er kann for Value raisen. Dies bedeutet meist ein A High.
c) Er hat eine starke Hand und raist for Value.
Wir können c) sofort ausschließen weil er mit jedem Pair spätestens den Turn geraist hätte.
Auch a) können wir nahezu ausschließen, da der perfekte Zeitpunkt, uns raus zu bluffen, wohl am Turn gewesen wäre, als sich das Board paired.
Meistens wird er also auf einer schwachen Hand sitzen, mit der er denkt noch vorne zu sein.
Auf diesem Board ist unser A High also eine sehr starke Hand gegen ihn und wir sind auf jeden Fall oft genug vorne um for Value zu 3-betten.
Results:
SB shows [4

Hero shows [A

Hand 2
Ausnutzen der Aggressivität des Maniacs for Protection
SB: TAG (25/19/2,6/37)
BB: Aggressiver LAG (47/28/3,6/43)
Preflop: Hero is CO with 6
1 folds, MP calls, Hero raises, 1 folds, SB calls, BB calls, MP calls.
Flop: (8.00 SB) 8


SB checks, BB bets, MP folds, Hero raises, SB calls, BB calls.
Turn: (7.00 BB) A
SB checks, BB bets, Hero raises, SB calls, BB folds.
River: (12.00 BB) 9
SB checks, Hero checks.
Final Pot: 12.00 BB.
Preflop wollen wir mit unseren 66 einen loosen Fisch isolieren. Dies klappt leider nicht wie geplant und sowohl der TAG in der SB als auch der Lag/Maniac in der BB callen unseren Raise.
Der Flop kommt relativ gut für uns, da nur eine Overcard fällt, die wohl selten in der Range unserer Gegner liegt. Der LAG entscheidet sich den Flop zu donken, was erstmal nicht viel heißen muss. Die 8 hätte dieser Spieler wohl eher gecheckraist und so ist es wahrscheinlicher, dass er einen Straight- oder Flushdraw hält oder ein schwaches Paar gefloppt hat. Seine Donkbet können wir dazu nutzen, um unsere verwundbare Hand gegen den TAG zu protecten. Dieser coldcallt unseren Raise und wir sehen ohne weitere Action zu dritt die nächste Karte.
Am Turn erscheint das Ace und der LAG donkt erneut. Dies ist eine knifflige Situation.
Wir haben folgende Möglichkeiten:
Fold
Da der Pot schon ziemlich groß ist, ist fold meiner Meinung nach die schlechteste Lösung. Der LAG hätte wohl viele seiner Aces Preflop ge3bettet und wird wohl oft nur als Bluff oder Semibluff in uns hinein betten.
Call
Call ist ebenso nicht vertretbar, weil wir sehr wahrscheinlich viele Outs gegen uns haben werden. Flush und Straightdraws sind möglich und es gibt viele Overcards zu unserem Pocket.
Raise
Ein Raise for free Showdown ist hier der perfekte Spielzug. Wir könnten noch die beste Hand halten, protecten optimal gegen Draws und bringen möglicherweise bessere Hände zum folden.
Der LAG foldet und der TAG callt unseren Raise erneut.
Am River haben wir keine Bet mehr, weil bessere Hände die am Turn callen, eine Bet am River auch noch callen würden und wir von Draws keinen Walue mehr bekommen.
Results:
SB shows [Q

Hero shows [6 

Hero collected $117 from pot
Hand 3
c/r River mit starker Hand
BU: (85/36/2,6/45)
Preflop: Hero is BB with 6
3 folds, BU raises, 1 folds, Hero calls.
Flop: (4.40 SB) K


Hero checks, BU bets, Hero calls
Turn: (3.20 BB) Q
Hero bets, BU calls.
River: (5.20 BB) 3
Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Final Pot: 10.20 BB.
Preflop können wir mit 65s easy unseren BB gegen den BU defenden.
Am Flop treffen wir einen Flushdraw und weichen von der Standardline c/r Flop, bet turn als semi bluff ab. Wir kriegen hier gegen so einen Spieler einfach zu selten bessere Hände zum folden, kassieren stattdessen oft eine 3-Bet am Flop oder einen Raise am turn und machen uns das drawen teuer. Deswegen sollte man gegen aggressive, showdowngebundene Gegner auch seine starken Draws lieber passiv spielen.
Am Turn treffen wir glücklicherweise unseren Flush und müssen nun entscheiden, ob wir donken. Die Donkbet ist dem Checkraise hier vorzuziehen, weil ein LAG/Maniac unsere Donkbet oft als Schwäche deutet und uns auch mit seinen schwachen Pairs raist, so dass wir 3-betten können.
Da er uns hier nur callt, wird er wohl eine Hand halten, die selbst ihm zu schwach ist um sie zu raisen und womit er lieber billig zum Showdown gehen will.
Die 3 am River wird ihm selten bis nie weitergeholfen haben und wir müssen uns nun entscheiden, ob wir hier valuebetten oder einen Checkraise versuchen. Da er eine Hand zu haben scheint, die ihm gut genug gefällt, um zum River zu gehen, wird er unseren check als Schwäche deuten.
Auf einen check hin wird er folgendes tun:
- Mit einer Hand, die er auf unsere Bet gefoldet hätte, bluffen.
- Ein dünne Valuebet mit einer schwachen made hand machen, die er nach einem Raise von uns nochmal callt, weil er sich nicht rausbluffen lassen will.
In beiden Fällen gewinnen wir also eine BB mehr von ihm als mit einer Bet.
Results:
SB shows [8

Hero shows [6

Hero collected $100 from pot
Hand 4
Calldown mit K High
MP: (75/69/4,3/58)
Preflop: Hero is BB with K

UTG raises, 3 folds, Hero 3-bets, UTG caps, Hero calls.
Flop: (8.40 SB) 4


Hero checks, UTG bets, Hero calls.
Turn: (5.20 BB) 7
Hero checks, UTG bets, Hero calls.
River: (7.20 BB) 6
Hero checks, UTG bets, Hero calls.
Final Pot: 9.20 BB
In dieser Hand spielen wir wieder gegen den Maniac aus Hand 1 . Da er Preflop mehr als jede 2. Hand raist und auf eine 3-Bet auch cappt, haben wir mit KQo hier eine Equity von knapp 55% und können hier easy 3-betten. Auf seinen Cap callen wir und schauen uns den Flop an. Da dieser Spieler auf allen 3 Streets betten wird, egal was für eine Hand er hält, ist es nun sinnvoll auf passenden Boards, auch mit K High runter zu callen, da wir auch mit dieser, sonst schwachen, Hand oft genug noch vorne liegen.
Results:
SB shows [9

Hero shows [K

Hero collected $90 from pot
Fazit
Gerade auf den Limits, auf denen die eigene Edge immer kleiner wird, ist es wichtig, in jeder Situation soviel Value aus den Gegnern zu ziehen, wie möglich. Das erfordert gegen Maniacs dünne Valuebets, Raises und Calldowns mit "marginalen" Händen. Versteht die Beispielhände nicht falsch und callt ab sofort jedes Underpair runter, egal was auf dem Board liegt. Die Relation zum Board muss immer stimmen.
In den gezeigten Beispielen sind Maniacs die Gegner, d.h. aber nicht, dass ihr nicht auch gegen LAGs oder TAGs in einer abgeschwächten Form ähnlich gegen sie adapten könnt, wenn ihr merkt, dass sie euch durch eine aggressive Spielweise exploiten wollen.