3-handed Situationen: wa/wb und Turnplay
Einleitung
Oft müssen wir mit Situationen umgehen, wo postflop drei Spieler und weniger involviert sind. Diese Woche gehen wir auf Situationen 3-handed ein. Im Heads-Up kennt jeder den Move wa/wb calldown. Heute sehen wir, dass man diesen Move auch 3-handed profitabel anwenden kann. Das wird an einem Beispiel näher behandelt und ein Gegenbeispiel wird gegeben.
Außerdem behandeln wir eine Situation am Turn, die man öfter erlebt: man 3-bettet am Flop und den Turn donkt jemand. Wir gehen nun an einem Beispiel näher auf die Optionen ein, die man am Turn hat.
Hand 1
Pre-flop: (6 players) Hero is UTG+1 with A

UTG folds, Hero raises, 2 folds, SB calls, BB calls.
Flop: 7


SB bets, BB raises, Hero calls, SB calls.
Turn: J
SB checks, BB bets, Hero calls, SB calls.
River: J
SB checks, BB bets, Hero calls, SB calls.
Results:
Final pot: 12BB
Diese Hand ist nur mit Reads zu verstehen, gegen unknown ist diese Spielweise eher nicht empfehlenswert.
SB war ein recht schlechter Spieler, der aber eher weak war, ich habe ihn zuvor schon mehrfach bei Laydowns gesehen, nachdem er schon Bets eingezahlt hatte.
BB war ein TAG, ihn kann ich daher recht gut auf Hände setzen und die Spielweise mit den verschiedenen Händen voraussagen.
Wir haben schon 200 Hände miteinander gespielt und ich bin noch nicht durch Moves oder Bluffs aufgefallen.
Worauf setze ich die Gegner und warum spiele ich nicht standardmäßig 3Bet Flop mit Valuebets an Turn und River?
Es sieht ja hier so aus, als sei ich gescared, das jemand die 7 hat.
Dies ist aber nur ein kleiner Grund, hauptsächlich habe ich genau so gespielt, weil ich so das Maximum an Value hole.
Was sind die wahrscheinlichen Holdings der Gegner?
SB kann ich nicht genau auf einer Hand sehen. Ihm ist zuzutrauen, dass er hier die 7 donkt. Viel öfter hat er aber einfach eine weake Madehand, mit der er antestet, wo er steht.
Wenn ich, nach meinem Preflopraise, auf diesem trockenen Board die 3-Bet am Flop mache, sollte selbst dem schlechten SB klar sein, das er hinten liegt mit einem Pair of Fives oder einem Pocket.
BB ist nach seinem Raise leicht auf eine Hand zu setzen. Eine 7 liegt zwar in seiner Preflop Range, damit würde er aber niemals den Flop raisen, weil er mich damit in der Hand halten wollte und eben nicht von Overcards bringen.
Er hat also hier eine Hand die er protecten will, 5x, oder ein Pocket Pair.
Er ist reasonable, wird also nach einer 3-Bet meinerseits leicht von seiner Hand loskommen, da er mich ganz klar auf ein Overpair readen kann.
Tatsächlich ist fast keine Hand denkbar, die ein TAG hier raist und die gegen meine 3-Bet noch downcallt.
Calle ich hingegen nur cold, wird er 2 Valuebets sehen können und auch den SB in der Hand halten.
Warum ist die passive Spielweise hier besser?
- Das Board ist paired (wichtig!) und rainbow, daher muss ich gar nicht protecten. Die Gegner haben maximal 2 Outs gegen mich (68 ausgenommen).
- Aus dem selben Grund werden die Gegner auch leicht auf 3-Bet folden können, da sie sich dann drawing dead sehen müssen.
- Die beiden sind keine Calling Stations, können also von den weaken Hands, die sie repräsentieren, leicht loskommen.
- Ich bin In Position, riskiere also keine Freecard zu vergeben. Wird zu mir hingecheckt, bette ich for Value.
- ich verliere am wenigsten gegen die 7.
Die Hand erfüllt also alle wa/wb Kriterien, obwohl es 3-handed ist.
Hand 2
Pre-flop: (6 players) Hero is UTG+1 with A

UTG folds, Hero raises, 2 folds, SB calls, BB calls.
Flop: 9


SB bets, BB raises, Hero 3-Bets, SB calls, BB calls
Hier ist die Hand und die Action vor mir gleich und doch erfordert das Board eine ganz andere Spielweise.
Hier ist es:
1) wahrscheinlicher, dass ich auf einem Draw bin-> Die Gegner werden schwächere Hände downcallen, auch weil sie sich noch auf 5 Outs sehen.
2) wahrscheinlicher, dass die Gegner auf einem Draw sind-> Ich muss stärker protecten und bringe unwahrscheinlicher jemanden zum Folden mit der 3-Bet, auch weil sie mit Pairs noch 5 Outs haben.
=> 3-Bet Flop mit geplanter Valuebet an Turn und River.
Turn: Q
SB checks, BB bets, Hero calls, SB calls.
Am Turn donkt BB in mich rein.
Ich sehe mich hier nicht mehr sehr oft vorne, aber noch gelegentlich gegen z.B. QT, vielleicht sogar mit Flushdraw.
Ein Raise ist hier nicht gut:
- Ich halte selber den Redraw to the Nuts, muss also weniger Protecten.
- Ich kann auf 3-Bet nicht folden wegen meines Flushdraws, bin dann aber sicher beat.
Ich calle daher, auch in der Hoffnung den SB mit einer schwachen Hand noch drin zu halten.
River: 2
SB checks, BB bets, Hero calls, SB calls.
Hier kommt eine Blank und BB bettet erneut. Raise ist sicher keine Option.
Da der Pot am Ende wohl 13BB groß sein wird, calle ich wieder for Overcall, da ich mich in den nötigen 7,7% der Fälle gegen beide vorne sehe.
Hand 3
Ändern wir die Hand geringfügig:
Pre-flop: (6 players) Hero is UTG+1 with A

UTG folds, Hero raises, 2 folds, SB calls, BB calls.
Flop: 9


SB bets, BB raises, Hero 3-Bets, SB calls, BB calls
Turn: Q
SB checks, BB bets, Hero ?
In dieser Hand haben wir keinen Flushdraw, dies macht eine andere Spielweise möglich, die -mit gutem Read- dem Calldown vorzuziehen ist:
Raise/fold Turn.
Gründe für raise/fold Turn:
- Wir haben auf eine 3-Bet gegen einen reasonable Gegner einen easy Fold, weil wir dann fast immer drawing dead sind und selbst keine Redraws halten.
- Wir müssen aber stärker protecten, weil schon jedes einzelne Kreuz 9 Outs gegen uns hat.
So holen wir auch das Maximum, wenn wir vorne liegen.
Unter welchen Vorrausetzungen sollte man vom oben genannten "Call for Overcall" abweichen?
Fold
Gegen unknown können wir in dem großen Pot keinen Fold finden, da der Gegner durchaus eine schlechtere Hand donken könnte (TJ,QT, sonstige Pairs +Draws), bzw. eine Hand halten kann, gegen die wir viele Outs haben (QJ).
Möglich ist der Fold lediglich gegen sehr passive Gegner, auf die wir einen guten Read haben.
Raise/Calldown
Dafür ist unsere Hand zu schwach. Twopairs, Flushs, Straights sind alles gut
möglich nach dieser Turnkarte.
Möglich wäre diese Spielweise gegen einen Maniac-Donker und eine Calling-Station hinter uns, weil wir da noch oft genug vorne liegen.
Raise/Fold
Dies ist nur mit dem Read spielbar, dass der Donker hier nur Hände auch 3-betten würde, die uns drawing dead zurücklassen (Flush/Straight).
Die Entscheidung welche Line man spielt, hängt also jeweils vom Read auf die Gegner ab, vom Board und der eigenen Handstärke und ihrem (Re)draw Potential.
Fazit
Mit diesen Beispielhänden ist es euch nun hoffentlich besser möglich, in 3-handed Situationen an Flop und Turn zu agieren. Wir haben gesehen, man kann auch wa/wb auf 3-handed anwenden und haben mehr darüber erfahren, welche Optionen man bei Donks am Turn hat, sofern man über Reads des Gegners verfügt.