Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Raise/fold turn & raise Flop

Einleitung

von arschholio

Oft spielt man gegen Donkeys und kommt in Spots, wo sich mit guten Reads ein sonst dünn erscheinendes Value Play lohnt. Auf einen solchen Spot werde ich in Hand 1 eingehen. Hand 2 behandelt eine Situation am Flop, wo wir mit einer weaken Hand zwei TAGs gegenüber stehen.

Hand 1

Valueraise/Fold Turn

SB: (45, 10, 0.8, 47)

Preflop: Hero is MP3 with A, A
Hero raises, CO calls, SB calls.

Flop: (8.00 SB) 9, J, 5
SB Bets, Hero raises, CO folds, SB calls.

Turn: (6.00 BB) 7 (4 players)
SB bets, Hero raises, SB 3-Bets, Hero folds.

Hier raisen wir Aces aus MP3 und kriegen 2 Caller. CO ist unknown und SB der Grund, warum wir am Tisch sitzen, er ist ein Showdown gebunder Fisch.

Am Flop donkt SB in uns rein und wir raisen standardmäßig for Protection und Value.

Nachdem wir am Turn HU sind, donkt SB bei einer Karte die Flushs und Straights kompletiert, erneut in uns rein.
Gegen die meisten Gegner wäre hier ein einfacher Calldown Standard.

Raise/Calldown kommt gegen überaggressive Gegner in Frage, bei der die Donk gar keine Stärke zeigt und ein Raise sogar eine Bluff 3-Bet induced, wir nach dieser also auch noch oft genug vorne liegen, um downzucallen.

Zwei Bedingungen müssen für die gespielte Line erfüllt sein:

  • Der Gegner donkt hier eine große Menge an Händen, die er auch gegen Raise zum SD bringt, bzw. zumindestens den Turnraise noch mit callt.
  • Er 3-bettet nur Hände, die uns schlagen und bei diesem Board meist drawing dead zurücklassen (Flush, straight, Set).

Anmerkung: Wäre das Board ragged, würde eine 3-bet von ihm oft nur ein Twopair sein, in dem Falle könnten wir nicht folden, da wir meist viele (hidden) Outs haben und müssten dann wohl auch den River noch crying callen.

Um diese beiden Sachen sicher sagen zu können, reicht es nicht, die Pokertracker Daten heranzuziehen.

Um zu wissen, das er hier selten donk/fold spielen wird, reicht die Betrachtung seines WtSD. Da dieser sehr hoch ist, können wir sicher sein, das er hier jedes Pair zum SD bringt, was schonmal für einen Raise mit Valuebet River spricht.

Um zu wissen, wie groß seine Donking-Range v.a. am Turn ist, reicht allerdings die Betrachtung des AF nicht aus.
Der Aggression Factor ist definiert als (Raise % + Bet %) / Call %.
Es fließt hier also sowohl ein, wie häufig der Gegner bettet (also auch donkt), als auch wie häufig er raist.
Was von diesen beiden Sachen dabei die Oberhand hat, erfasst das Programm nicht.

Wir brauchen also spezifische Reads auf den Gegner.
Es gibt einen Gegnertyp, der fast immer nur (check/)raist oder callt, aber selten selber bettet.
Recht häufig sind aber eben die Fische, die gerne selbst betten, vor allem ständig und mit allen möglichen Händen donken, aber selbst fast nie raisen und erst recht nicht 3-betten.
Typisch für diesen Typ ist die Line donk/call und das gerne noch mehrmals hintereinander und bevorzugt bei Scarecards.

Haben wir unseren Gegner auf den 2. Typ gereadet und ihn schon lange beobachtet, bietet sich Raise/fold Turn an.
Unser Gegner hier könnte also sehr gut ein Pair vom Flop erneut am Turn donken, weil er eine Freecard verhindern will (gerade wo das Board Flush-gefährlich ist), oder einen Flushdraw (+Pair).

Daher raisen wir for Value mit einer geplanten Riverbet und folden auf die 3-Bet, weil wir jetzt sicher sind, hinten zu sein und in der Regel drawing dead.

Hat man diese guten Reads nicht, sollte man Call Turn und Call River spielen.

Grundsätzlich ist diese Line natürlich auch für den River geeignet.

Hand 2

Raise Flop als (Semi-)Bluff 3-handed

MP3: weaker TAG
SB: TAG

Preflop: Hero is BB with 6, 8
MP3 calls, SB raises, Hero calls.

Flop: 7, T, 3
SB Bets, Hero raises, MP3 folds, SB calls.

Turn: 4 (4 players)
SB checks, Hero bets, SB folds.

Hier callen wir unseren suited Two-Gapper für 1:5.5 im BB und treffen einen Gutshot und Backdoorflushdraw.

Am Flop kriegen wir nach der Contibet 1:6,5 und hinter uns kann noch geraist werden - ein Call wäre mit gutem Willen drin.

Deutlich besser bei diesem Board und der Gegnerkonstellation ist aber, eine SB mehr zu investieren und zu raisen.

3-handed wir diesem deutlich mehr Stärke eingeräumt als HU. Der Gegner hinter uns ist keine Calling Station, wird also durchaus von Pockets < T, Bottom- und Midpairs kommen können.

Da das Board hier fast Drawless ist und wir ein solides Image haben, repräsentieren wir sehr gut die T und haben am Flop direkt Foldequity gegen Ax, Kx. Betten wir erneut den Turn, bringen wir any Two Overcards beim ihm zum folden.

Fazit

Heute haben wir erneut gesehen, dass sich, korrekt angewandt, tightes und aggressives Spiel bezahlt macht. Einmal durch einen Valueraise, mit dem man zusätzlich einen easy Fold auf weitere Aggression hat und somit das Maximum an Value extrahiert, wobei man außerdem genau herausfindet, wann man beat ist.
Andererseits durch einen (Semi-)Bluff gg. einen weaken und einen soliden TAG, bei denen wir durch diesen Raise massiv FE gg. bessere Hände erzeugen können.

Quizfrage

Wir spielen Heads-Up. Villain ist ein aggressiver PS.de TAG, der weiß, dass wir auch einer sind.

Preflop: Hero is BB with 2 2
SB raises, Hero calls.

Flop: (8.00 SB) 2 7 5
SB Bets, Hero raises, SB 3-Bets, Hero caps, SB calls.

Was haltet ihr von dieser Line?
Wie würdet ihr spielen?
Was sind die Vorteile/Nachteile von Heros Spielweise?


Auflösung

Da unser Gegner ein thinking TAG ist und er weiß, wir sind ebenso einer, setzt er uns nach dem Cap häufig auf einen Cap for Freecard und donkt erneut den Turn, um auf ein Raise runterzucallen. Dies ist der perfekte Spot, um solche Freecard Raises zu balancen. Somit können wir den Flop cappen und die Donk am Turn raisen, um so mehr Value aus unserer Hand zu ziehen.