check/call Turn mit Initiative
Einleitung |
von schiep |
Dieses Mal geht es um Situationen, in denen man bewusst die Intiative am Turn aufgibt. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Wann genau man diesen Move anwenden kann, darum geht es heute.
Hand 1
Preflop: Hero is BB with A
MP2 calls, 4 folds, Hero checks.
Flop: (2.50 SB) A


Hero bets, MP2 calls.
Turn: (2.25 BB) 9
Hero checks, MP2 checks.
River: (2.25 BB) 2
Hero bets, MP2 calls.
Final Pot: 4.25 BB
Wir halten A4o und bekommen ein Freeplay aus dem Big Blind, wir spielen nur gegen den MP2-Limper. Dieser sei einigermaßen reasonable. Wir floppen Top Pair auf einem ungefährlichen, rainbow board, was natürlich gebettet wird; MP2 callt.
Am Turn paired sich die 9. Wir sollten nicht betten, dies hat verschiedene Gründe:
- Protection ist bei dem Board nicht im geringsten notwendig, insbesondere bei dem kleinen Pot.
- Unser Gegner soll kleinere Pocket Pairs, die 5 oder eventuell gar King High nicht folden, sondern betten. Und selbst wenn er dieses nicht tut, induzieren wir oft einen Rivercall von einer Hand, die gegen eine Turnbet gefoldet hätte. Sollte unser Gegner tatsächlich nur King High halten, ist zusätzlich dazu die Chance gegeben, dass seine Hand sich noch verbessert.
- Möglicherweise hat unser Gegner "bluffgecallt", das heißt, er hat am Flop mit nichts gecallt, in der Hoffnung, dass wir am Turn zu ihm checken und er uns mit einer einfachen Bet herausbluffen kann. Wenn wir allerdings selber betten, ist das logischerweise nicht möglich und er wird folden.
- Der Hauptaspekt: Wir entgehen dem Risiko eines Raises, auf welchen wir eine schwierige Entscheidung hätten. Denn MP2 könnte ja auch eine 9 oder ein Ass mit besserem Kicker halten.
Daher ist unser Plan, check/call zu spielen.
Unser Gegner checkt behind. Jetzt sollten wir aber den River betten; wir haben nämlich durch unseren Turncheck Schwäche signalisiert, dementsprechend wird unser Gegner uns auch mit äußerst marginalen Händen callen.
Übrigens: Diese Hand ist eine der wenigen Ausnahmen, in denen man Top Pair mit Initiative in einer Heads-Up-Situation nicht betten sollte - im Zweifelsfalls also besser immer betten!
Hand 2
BB: LAG
Preflop: Hero is SB with A
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) J


Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 9
Hero checks, BB bets, Hero calls.
River: (5.00 BB) 3
Hero checks, BB bets, Hero calls.
Final Pot: 7.00 BB
In dieser Hand haben wie AK und openraisen als SB. Der BB, ein LAG, callt. Am Flop treffen wir nichts; dennoch könnten wir bei dieser Boardstruktur noch gut vorne liegen; unsere Contibet wird gecallt.
Am Turn paired sich die 9. Auch hier ist ein Check besser. Der LAG könnte durchaus mit einem Flush- oder Straightdraw unsere Bet als Semibluff raisen - möglicherweise macht er das sogar als pure Bluff oder als Freeshowdownraise mit einem schlechteren Ass. In all diesen Fällen würden wir die bessere Hand wegwerfen, was nicht wünschenswert ist. Der LAG bettet wie erwartet nach unserem Check, wir callen natürlich.
Die Riverkarte ist eine Blank. Der LAG wird meistens mit seinen nicht angekommen Draws bluffbetten, daher gehen wir auf Bluffinduce und spielen mit unserer Hand, die viel Showdownvalue hat, Check/Call River.
Fazit
Wenn man diese Beispielhände mit jenen vom letzten Mal vergleicht, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Check/Call Turn, Check/Call River in genau den gleichen Situationen angewendet und gehandhabt werden kann, wie der Move Checkbehind Turn, Call River. Dies ist so nicht korrekt.
Zum einen hat Checkbehind Turn, Call River folgenden Vorzug: Angenommen wir checken behind und unser Gegner checkt am River erneut zu uns. Dann haben wir eine einfache und klare Valuebet mit unserer marginalen Hand.
Sind wir hingegen out of position, ist dies nicht so einfach. Checken wir am Turn und unser Gegner checkt behind, haben wir am River häufig eine schwierige Entscheidung. Sollen wir erneut Check/Call spielen for Bluffinduce oder dünn gegen eine schlechtere Hand valuebetten? Dies ist natürlich gegner- und boardstrukturabhängig und kann nicht pauschal beantwortet werden. Grundsätzlich gilt allerdings, je schwächer unsere Hand, desto eher sollten wir geneigt sein, Check/Call zu spielen.
Schließlich ist Check/Call Turn in gewisser Sicht "unprofitabler" als Checkbehind Turn. Der Hauptgrund dieser Moves ist ja, dass wir dem Risiko eines Turnraises entgehen und damit Geld sparen. Bei Checkbehind Turn, Call River können wir bis zu zwei Big Bets sparen unter der Annahme, dass der Gegner am Turn geraist hätte und wir zum Showdown gehen.
Bei Check/Call Turn, Check/Call River ist es aber nur eine gesparte Big Bet (wenn er am Turn und River bettet).
Daher muss es schon gute Gründe geben für diesen Move - bessere, als für Checkbehind Turn! Folglich sollte er auch viel seltener angewandt werden.
Quiz
Hand 1
BU: Unknown
Preflop: Hero is SB with A
3 folds, Button raises Hero 3-Bets, BB folds.
Flop: (7.00 SB) 7


Hero bets, Button calls.
Turn: (4.5 BB) 6
Hero ?
Hand 2
BB: LAG
Preflop: Hero is SB with A
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) J


Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 2
Hero ?
Hand 3
BB: Unknown
Preflop: Hero is SB with J
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) J


Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 9
Hero ?
Hand 4
BB: TAG
Preflop: Hero is SB with A
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) 3


Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 4
Hero ?
Auflösung
Hand 1
Wir sollten am Turn betten. Unsere Hand ist einfach zu stark in Anbetracht der Boardstruktur, um direkt auf Check/Call zu gehen. Sollte unser Gegner raisen, müssen wir wohl folden. Aber dass er hier mit einer schlechteren Hand raist, ist bei einem Unknown Gegner eher unwahrscheinlich; dieses Risiko müssen wir eingehen. Am River sollten wir bei einer Blank erneut for Value betten, weil wir oft noch von einem schlechteren Ass ausbezahlt werden. Checken wir hingegen am River, so würde BB meist Ace high Hände behind checken und Pocket Pairs for Value betten, daher ist Check/Call keine gute Option.
Hand 2
Bet/Calldown Turn. Wir haben zu oft die stärkste Hand und bei dem drawlastigen Board wollen wir keine Freecard verteilen. Außerdem wir der LAG sehr häufig bluffraisen, wodurch wir noch mehr Value extrahieren können. [Nach einem Raise haben wir einen ganz, ganz einfachen Calldown!]
Hand 3
Bet Turn. Wir haben immerhin ein Set und sollten wir hintenliegen, einige Redrawouts. Wenn wir am Turn nur checken, verpassen wir viel Value; sehr oft auch von stärkeren Händen wie 2-Pair, welche aus Angst vor der Straight nicht gebettet werden. Nach einem Raise müssen wir aufgrund der 10 Outs natürlich callen, am River ist es unimproved auch ein klarer Call, denn unser Gegner könnte durchaus bluffen.
Hand 4
Dies ist ein ganz guter Spot für Check/Call Turn. Unser Gegner ist ein TAG; das heißt: Er wird oft seine schlechteren Hände folden, sollten wir betten. Mit dem Turncheck induzieren wir vielleicht eine Bluffbet oder - viel wichtiger - einen Call am River von einer Hand, die gegen eine Turnbet gefoldet hätte.
Was machen wir am River? Wenn der TAG am Turn gebettet hat, dann sollten wir am River Check/Fold spielen - denn er würde zu selten zwei mal hintereinander bei dieser Boardtextur bluffbetten. Wenn er hingegen am Turn behind gecheckt hat, dann sollten wir betten, denn er wird oft - aufgrund von unserer am Turn signalisierten Schwäche - mit einem schlechteren König oder gar nur einer Zehn callen.