Check behind Turn, call River
Einleitung |
von schiep |
In diesen Beispielhänden geht es um den Move Checkbehind Turn, Call River. Wann dieser angewendet werden soll und wann besser nicht soll mit folgenden Beispielhänden veranschaulicht werden.
Hand 1
Preflop: Hero is CO with Q

5 folds, MP3 raises, Hero 3-Bets, 2 folds, MP3 calls
Flop: (7.5 SB) J


MP3 checks, Hero bets, MP3 calls.
Turn: (4.75 BB) A
MP3 checks, Hero checks.
River: (4.75 BB) 2
MP3 bets, Hero calls.
Final Pot: 6.75 BB
Wir halten QQ und 3-Betten im Cut Off den Openraise vom MP3. Der Flop ist gut für uns und wir betten natürlich. Doch am Turn erscheint leider das Ass, der Gegner checkt zu uns.
Sollten wir nun betten? Nein, eine Bet ist hier schlecht aus folgenden Gründen:
- Sollte unser Gegner sowas wie KJ halten, wird er sicherlich auf eine Bet folden (möglicherweise foldet er sogar kleinere Pocket Pairs). Das wollen wir allerdings nicht. Vielmehr soll er uns am River bluffbetten. Denn wir haben ja meistens nur drei Outs gegen uns; bei so wenigen Outs ist das Induzieren von Bluffbets in einer Heads-Up-Situation profitabler als Protection.
- Da unser Gegner Preflop geraist hat, haben wir keine "doppelte Valuebet", das heißt, wir können nicht am Turn und River for Value betten. Das Ass liegt zu sehr in seiner playing zone.
- Der wichtigste Punkt: Wir wollen einen unnötig teuren Check/Raise vermeiden.
Daher lautet die korrekte Spielweise: Checkbehind Turn, Call River.
Wie sieht es aber aus, wenn MP3 Preflop nicht geraist, sondern nur reingelimpt hätte? Nun müssten wir am Turn betten. Denn nun liegt das Ass nicht so sehr in der Playing Zone; die Wahrscheinlichkeit, dass er nur Pockets oder einen Jack / eine 8 hält, ist viel höher. Wir haben in dem Fall deswegen eine doppelte Valuebet. Gegen einen Raise haben wir eine schwierige Entscheidung; gegen Unknown sollten wir downcallen, denn dieser könnte das Ass für einen Bluff ausnutzen.
Hand 2
BB: LAG
Preflop: Hero is Button with Q
4 folds, Hero raises, SB folds, BB calls
Flop: (4.5 SB) T


BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: (3.25 BB) 4
BB checks, Hero checks.
River: (3.25 BB) 4
BB bets, Hero calls.
Final Pot: 5.25 BB
Wir halten AQo und openraisen diese Hand als Button, der Big Blind callt. Der Flop ist gar nicht so schlecht für uns, wir haben ein Gutshot und oft noch die beste Hand. Wir betten natürlich; BB callt. Am Turn fällt eine Blank und er checkt zu uns. Sollten wir nun erneut betten? Nein, das ist ein ganz klarer Spot für Checkbehind Turn, Call River.
Wir könnten nämlich noch die beste Hand halten und wollen nicht gebluffraist werden. Eine bessere Hand wird nicht folden; außerdem könnten wir eine Bluffbet am River induzieren. Natürlich sind drawing hands möglich, vor denen wir protecten müssen - da unser Gegner allerdings ein LAG ist, hat das Induzieren von Bluffbets mehr Value.
Gegen eine Callingstation hingegen müssten wir am Turn Bet/Fold spielen; diese sind weniger bluffinduzierbar und bluffraisen werden sie fast nie. Daher ist Protection jetzt profitabler.
Grundsätzlich gilt also: Gegen einen passiven Spieler sollte man am Turn bei solchen "Checkbehind-verdächtigen" Spots betten und gegen einen aggressiven eher checken.
Fazit
Folgende Grundregeln werden euch bei der Entscheidungsfindung bet or check helfen:
- Ein Turn check behind kommt nur in Frage, wenn die Chance, dass man hinten liegt relativ groß ist, man aber dennoch unimproved guten Gewissens eine River Bet callen kann.
- Ein Turn check behind kommt nicht in Frage, wenn die Chance besteht, dass der Gegner am Turn eine bessere Hand foldet.
- Ein Turn check behind kommt meistens nicht in Frage, wenn man, falls der Gegner am Turn callt, am River erneut for value betten kann. D.h. ein Turn check behind kommt nicht in Frage, wenn ihr glaubt, dass ein Gegner häufig mit einer schlechteren made Hand einen Calldown macht.
- Je größer der Pot ist, desto weniger kommt eine Turn check behind in Frage. Denn je größer der Pot, desto höher sind die Kosten, wenn ihr dem Gegner mit einer Hand die er eigentlich gefoldet hätte, eine Freecard gebt.
- Der größte Vorteil von einem Turn check-behind ist dass Vermeiden von toughen check-raises. Wenn die Chance, dass der Gegner check-raist, groß ist und uns zudem ein check-raise vor eine sehr schwierige Entscheidung stellen würde, sollten wir einen check-behind in Erwägung ziehen.
Quiz
Hand 1
MP3: Maniac
Preflop: Hero is CO with K
5 folds, MP3 raises, Hero 3-Bets, 2 folds, MP3 calls
Flop: (7.5 SB) 8


MP3 checks, Hero bets, MP3 calls.
Turn: (4.75 BB) A
MP3 checks, Hero ?
Hand 2
BB: TAG
Preflop: Hero is Button with J
4 folds, Hero raises, SB folds, BB calls
Flop: (4.5 SB) 2


BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: (3.25 BB) J
BB checks, Hero ?
Hand 3
BB: LAG
Preflop: Hero is Button with Q
4 folds, Hero raises, SB folds, BB calls
Flop: (4.5 SB) Q


BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: (3.25 BB) 4
BB checks, Hero ?
Hand 4
BB: LAG
Preflop: Hero is Button with 7
4 folds, Hero raises, SB folds, BB calls
Flop: (4.5 SB) 4


BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: (3.25 BB) K
BB checks, Hero ?
Auflösung
Hand 1
Unbedingt Bet/Calldown Turn. Unser Gegner ist ein Maniac, das heißt, er wird das Ass sehr oft als Scarecard ausnutzen und bluffen => mit der Bet induzieren wir einen Bluffraise, wir extrahieren so also das meiste an Value.
Hand 2
Die Spielweise des TAGs (Check/Call Flop) kann eigentlich nur bedeuten, dass er entweder einen König way ahead/way behind downcallt oder dass er ein Pocket Pair hat. Gegen einen König wäre eine Turnbet schlecht, gegen ein Pocket Pair auch, denn er wird sowas wie TT, 99 sehr oft folden. Er soll aber nicht folden, daher checken wir behind und callen eine Riverbet, bzw. betten, wenn er am River zu uns checkt.
Hand 3
Bet/Calldown Turn. Es sind drawing hands möglich, eine Freecard wollen wir also nicht vergeben. Gegen einen Raise hat man einen sehr, sehr einfachen Calldown, da unser Gegner ein LAG ist und häufig semiblufft.
Hand 4Bet/Fold Turn. Klar, unser Gegner ist ein LAG und wir werfen manchmal nach einem Raise die noch beste Hand weg. Aber wenn wir uns das Board anschauen, dann sollte klar sein, dass eine Freecard eine Katastrophe wäre. Unser Gegner hat einfach zu viele Outs gegen uns; so viele, dass Protection hier diesmal viel wichtiger ist als Bluffinducing und das Vermeiden eines Check/Raises zusammengenommen.