Spiel am River II
Einleitung |
von schiep |
Diese Woche geht es um das Spielen am River. Dazu gibt es zwei Beispielhände und ein Quiz.
Hand 1
Wir wissen von MP1: passiver Fisch
Wie lese ich eine Beispielhand?
0.10/0.20 Fixed-Limit Hold'em (10 handed)
Preflop: Hero is BB with 7
3 folds, MP1 raises, 5 folds, Hero calls.
Flop: (4.50 SB) J


Hero checks, MP1 bets, Hero raises, MP1 calls.
Turn: (4.25 BB) 3
Hero bets, MP1 calls.
River: (6.25 BB) T
Hero bets, MP1 calls.
Final Pot: 8.25 BB
Wir halten als Big Blind 77 und callen die Erhöhung von MP1 gemäß SHC.
Der Flop ist nicht so schön, da wir aber durchaus die beste Hand halten können, wäre Aussteigen nicht gut. Wir schieben also und erhöhen den Einsatz des Gegners. Auf weitere Gegenwehr wären wir ausgestiegen, glücklicherweise geht unser Gegner nur mit.
Am Turn müssen wir unsere wahrscheinlich oft vorne liegende Hand schützen und setzen erneut (wieder mit der Intention, die Hand bei Gegenwehr aufzugeben).
Der River ist keine so schlechte Karte. Wir könnten noch vorne liegen, daher können wir sie selbstverständlich nicht schieben und aussteigen. Wir haben nur zwei Optionen: Schieben und Mitgehen oder Setzen und auf Gegenwehr aussteigen.
Gegen aggressive Spieler, die die zweite Zehn zum bluffen ausnutzen könnten, sollten wir den ersten Zug wählen, um einen Bluff zu induzieren. Wenn wir stattdessen setzen, dann könnte unser Gegner als Bluff erhöhen, woraufhin wir die bessere Hand weglegen müssten.
Unser Gegner ist allerdings ein passiver Spieler. Er wird daher auf schlechtere Hände nicht setzen - nur bessere -, aber mit diesen durchaus noch mitgehen; man kann fast sicher sagen, dass er hier Ass Hoch nicht weglegen wird. Daher haben wir in der Hand einen ganz klaren Einsatz! Nach einer Erhöhung können wir unsere marginale Hand gegen diesen Gegner natürlich weglegen.
Die richtige Spielweise für den River lautet deshalb Setzen und auf weitere Aggression aussteigen.
Hand 2
Wie lese ich eine Beispielhand?
0.10/0.20 Fixed-Limit Hold'em (10 handed)
Preflop: Hero is CO with 5
6 folds, Hero raises, BU calls, SB folds, BB calls.
Flop: (6.50 SB) 8


BB checks, Hero bets, BU calls, BB folds.
Turn: (4.25 BB) 2
Hero bets, BU calls.
River: (6.25 BB) Q
Hero checks, BU bets, Hero calls.
Final Pot: 8.25 BB
Wir erhöhen aus später Position mit 55, zwei nachfolgende Gegner gehen mit.
Der Flop ist nicht so schön, dennoch müssen wir natürlich als Aggressor einen Einsatz bringen, zumal wir ja noch die beste Hand halten könnten.
Am Turn spielen wir nur noch gegen den Button und setzen daher erneut, um unsere sehr verwundbare Hand zu schützen und Freecards zu vermeiden; gegen eine Erhöhung müssen wir folden. Unser Gegner geht mit.
Am River kommt noch eine Überkarte und zwar eine Dame. Unsere Hand ist gemessen an der Textur der Gemeinschaftskarten ziemlich schwach, es liegen immerhin drei Überkarten.
Was ist nun die beste Spielweise? Wir haben folgende Optionen:
- Setzen und auf Gegenwehr aussteigen: Hier zu setzen kommt nicht infrage. Unser Gegner wird nur mit besseren Händen mitgehen und schlechtere weglegen. Selbst gegen einen passiven Fisch wäre ein Einsatz nicht sinnvoll, da auch so ein Gegnertyp bei der Boardstruktur oft sein Ass Hoch weglegen wird. Man könnte natürlich setzen und hoffen, dass unser Gegner eine bessere Hand wegwirft, doch das ist fast nie der Fall.
- Schieben und aussteigen: Klingt wohl einigermaßen plausibel und gegen einen "ehrlichen", durchschaubaren Gegner ist dieses ja völlig ok. Gegen einen unbekannten, potenziell aggressiven Gegner allerdings nicht. Am Flop sind viele unfertige Hände möglich (Flush- und Straßenchancen). Wir können deswegen noch vorne liegen, weshalb aussteigen nicht so gut ist.
- Schieben und mitgehen: Da obige Optionen nicht infrage kommen, muss die richtige Spielweise logischerweise diese sein. Oft blufft der Gegner hier seine nicht angekommenen Chancen, weil er schieben als Schwäche interpretiert und die Dame als Scarecard (eine Karte, die angsteinflößend wirkt und der Gegner dadurch bessere Hände weglegen könnte) nutzen könnte.
Fazit
Zusammenfassend kann man nun sagen: Wenn der Gegner eher passiv ist und selten auf schlechtere Hände am River setzen wird, wir aber selber noch vorne liegen können, sollte man eher setzen. Haben wir gegen einen aggressiven Gegner eine schwere Entscheidung gegen eine Erhöhung, sofern man setzt, sollte man eher schieben und einen Einsatz mitgehen.
Quiz
Hand 1
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is CO with J
6 folds, Hero raises, BU 3-bets, 2 folds, Hero calls.
Flop: (7.50 SB) T


Hero checks, BU bets, Hero raises, BU 3-bets, Hero calls.
Turn: (6.75 BB) 3
Hero checks, BU bets, Hero calls.
River: (8.75 BB) J
Hero?
Hand 2
a)
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is UTG+1 with A
UTG folds, Hero raises, UTG+2 folds, MP1 calls, 2 folds, CO calls, 3 folds.
Flop: (7.50 SB) Q


Hero bets, MP1 raises, CO calls, Hero 3-bets, MP1 calls, CO calls.
Turn: (8.25 BB) 4
Hero bets, MP1 calls, CO calls.
River: (11.25 BB) 6
Hero?
b)
River: (11.25 BB) A
Hero?
Hand 3
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is CO with 5
6 folds, Hero raises, BU calls, SB folds, BB calls.
Flop: (6.50 SB) 4


BB checks, Hero bets, BU calls, BB folds.
Turn: (4.25 BB) 2
Hero bets, BU calls.
River: (6.25 BB) Q
Hero?
Hand 4
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is UTG with A
Hero calls, 4 folds, MP3 raises, 2 folds, SB calls, BB folds, Hero calls.
Flop: (7.00 SB) A


SB bets, Hero raises, MP3 calls, SB folds.
Turn: (6.00 BB) 3
Hero bets, MP3 calls.
River: (8.00 BB) J
Hero ?
Auflösung
Hand 1
Dies ist ein gute Situation, um zu Schieben und den Einsatz des Gegners zu erhöhen. Auf weitere Aggression gehen wir wegen der Gefahr von Drillingen nur noch mit. Die Begründung ist simpel, einen Einsatz wird er oft nur mitgehen mit seinem Top Paar/Überpaar, mit Schieben und Erhöhen hingegen bekommen wir eine Big Bet mehr. Abgesehen davon könnte er ja eventuell nur eine Flush-Chance halten, die er auf einen Einsatz hin weglegt, aber eventuell blufft, wenn wir zu ihm schieben.
Hand 2
a) Schieben und Mitgehen. Wir liegen oft hinten wegen der Straßen- und Flushgefahr, der Pot ist groß und bei großen Pötten wollen wir keine großartigen Laydowns machen.
b) Hier sieht die Situation etwas anders aus, wir sollten besser setzen und eine Erhöhung mitgehen.
Das hat drei Gründe:
- Es gibt hier keine Straßen-Chancen.
- Wir besiegen nun jedes 2-Paar (weshalb Setzen und auf Gegenwehr aussteigen natürlich nicht infrage kommt).
- Das Ass lässt die Wahrscheinlichkeit drastisch sinken, dass mit einer Dame von einem unserer Gegner gesetzt wird. Mit schieben lassen wir uns also viel mehr Geld entgehen, als bei a).
Hand 3
Klarer Fall für schieben und aussteigen. Hier sind keine Flush-Chancen möglich, sondern nur Straßen-Chancen. Und ein mögliche Straßen-Chance wäre sogar noch am River angekommen. Klar könnte er immernoch sowas wie 87/76 halten; aber das sind einfach so wenig Hände, dass mitgehen nicht gerechtfertigt ist.
Hand 4
Schieben und mitgehen. Unser 2-Paar ist nichts mehr wert, jeder Bube besiegt uns. Viel Wert hat ein Einsatz also nicht. Allerdings wollen wir unser Top Paar gegen einen unbekannten Gegner nicht einfach wegwerfen. Mit etwas Glück induzieren wir sogar einen Bluff von irgendeinem Gutshot.