Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Gemischte Hände

Einleitung

von firsttsunami

Diese Woche werden wir uns mit drei verschiedenen Themen befassen. In Hand 1 wird ein Flopplay näher daraufhin analysiert, ob donk/3-bet oder c/r besser ist. Hand 2 ist nicht wirklich eine Hand. Es geht um das Thema c/c und c/r in unraised Pots. Ich werde genau darauf eingehen, wann solche Moves Sinn machen. Zum Schluss gibts noch ein Turn-Spot, wo wir mit den Rockets eine Entscheidung treffen müssen.

Hand 1

Donk/3-Bet Flop

CO: Callingstation
BU: LAG

2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with 8, 9
2 folds, CO calls, BU raises, SB folds, Hero calls, CO calls.

Flop: (6.50 SB) J, 8, 9 (3 players)
Hero bets, CO calls, BU raises, Hero 3-bets, CO calls, BU calls.

Turn: (7.75 BB) 5 (2 players)
Hero bets, CO calls, BU calls.

River: (10.75 BB) 2 (2 players)
Hero bets, CO calls, BU calls.

Final Pot: 10.75 BB

Wir befinden uns in der BB mit 89s. CO callt und der Button raist. Wir bekommen 1:5 Odds auf einen Call, benötigen für suited Connectors aber nur 1:3,5. Wir haben also einen easy Call und treffen erfreulicherweise 2-Pair am Flop.

Wir haben am Flop nun 2 Entscheidungsmöglichkeiten:

a) c/r Flop
b) bet/3bet Flop

Viele würden hier als default den Flop checkraisen, aber wie unschwer zu erkennen ist, entscheidet sich Hero hier für eine Donkbet.

Welche wesentlichen Vorzüge hat also die Donkbet gegenüber einem c/r Flop?

  • Wir haben die Chance, die Callingstation für 1-3SB mit in den Pot zu ziehen, indem wir CO zwischen uns und dem Aggressor trappen. CO wird hier öfters callen, da das Board viele Varianten an Madehands und Draws bietet.
  • Wir verhindern, dass BU eine Freecard am Flop nimmt (auch wenn es selten vorkommt aber dennoch).
  • BU wird aufgrund der Tatsache, dass er ein LAG ist, oft den Flop raisen. Da das Board drawheavy ist, ist seine Raisingrange natürlich größer, weil er Draws for Freecard als auch Madehands raisen könnte. Gerade die Tatsache, dass BU uns nach der Donk oft auf einen Draw setzt, ist der Grund, warum er hier mit vielen Madehands raisen wird.
  • Wir können direkt eine 3-Bet platzieren am Flop und bekommen somit max. Value. Mit 2-Pair sind wir sehr oft vorne und können for Value raisen.
  • Falls CO einen c/r gecalled hätte, wird er auch 2SB nach einer 3-Bet Flop callen und wir bekommen somit +2SB.
  • Wir machen mit dieser Line den Pot bereits am Flop groß und binden somit beide Spieler an den Pot. CO und BU werden aufgrund des größeren Pots, am Turn oft noch mit marginalen Draws oder Madehands in der Hand bleiben und uns am River öfter ausbezahlen. Callingstations sind dann manchmal so närrisch, dass sie sich von ihrer weaken Madehand nicht trennen können, wenn der Pot bereits eine bestimmte Größe erreicht hat.
  • Unsere Implied Odds steigen durch die größere Potgebundenheit der beiden Mitspieler. Wir bekommen also sogar mehr als +2SB am Flop.

Wir sehen also, dass wir mit der Donkbet im Schnitt mehr Value bekommen als mit einem c/r am Flop.

Falls BU ein solider/passiver Spieler ist, der mit diversen Madehands sofort auf Call umsteigt und in der Lage ist, uns auf bet/3bet zu readen, dann sollten wir lieber checkraisen anstatt zu donk/3-betten.

Diese Konstellation, CO: Callingstation + BU: LAG, ist allerdings sehr geeignet für diese Line.

Hand 2

c/r & c/c Flop in unraised Pots

Häufig gehen dem oben genannten Szenario, folgende Situationen voraus:

Wir sind in der BB: CO calls, SB completes, Hero checks

Wir sind in der SB: CO calls, Hero completes, BB checks

Wir sind HU in der BB: CO calls, SB folds, Hero checks

Wie im letzten Beispielhändethread angekündigt, werde ich diese Woche das Thema c/r Flop in unraised Pots behandeln und werde entsprechend der Gegner, unserer Hand und den passenden Boards, geeignete Situationen aufzeigen, wo es besser ist, den Flop nicht zu donken, sondern lieber mit einem check eine Bet von einem anderen Spieler zu induzieren.

a) unkoordinierte rainbow Flops mit einer Highcard

Flop: (6.00 SB) K, 7, 2 (3 players)

Angenommen wir haben in der SB K9o completed oder in der BB gechecked. Wir treffen Toppair auf einem Board, wo die Gegner selten getroffen haben.
Da wir mit einer Donkbet oft alle Gegner sofort vertreiben + der Tatsache dass unsere Hand relativ robust ist, weil wenig Draws möglich sind und uns nur das A als Overcard schaden kann, ist es hier gut, den Flop zu checken und evtl eine Bet von einem Spieler hinter uns (CO) zu induzieren um darauf dann mit einem c/r zu kontern.

Gerade gegen aggressive Spieler ist diese Situation sehr geeignet, da die Gegner auch wissen, dass hier selten jemand getroffen hat und deswegen oft einen Bluff starten werden, um den Pot mit einer Bet am Flop zu stealen.

Gegen welche Gegner ist ein c/r in in dieser Situation ungeeignet?

Gegen Callingstations sollten wir lieber sofort den Flop donken, da die Bereitschaft eine SB zu callen, im Vergleich zur Bereitschaft zu betten, ob als Bluff oder mit einer Madehand, sehr gering ist. Viele Callingstations sind oft bereit, am Flop 1SB zu callen und dann am Turn UI zu folden. Sie betten auch oft nicht mit Madehands und als Bluff schon garnicht. Deswegen ist es besser, gegen diese Gegner den Flop zu betten anstatt auf eine Bet zu hoffen.

Auch ungeeignet ist ein c/r gegen Maniacs, die völlig auf Tilt sind und gegen die wir bet/3-betten können am Flop um sofort das max. an Value zu extrahieren.

b) paired Highcard- Boards mit einer zusätzlich Ragkarte

Flop: (6.00 SB) K, K, 4 (3 players)

Auch hier greifen wieder die gleichen Prinzipien, nur in noch stärkerer Form, wie im ersten Beispiel. Wir halten K9 in der SB oder BB und treffen Trips. Unsere Hand ist sehr, sehr stark und nahezu unverwundbar. Die Gegner werden hier noch seltener getroffen haben und eine Freecard kann uns eigentlich garnicht schaden mit unseren Trips. Wenn wir betten, werden die Gegner auch fast immer folden. Das Board lädt natürlich auch sehr dazu ein, den Pot mit einer Donkbet am Flop zu stealen. Dies können wir wieder schamlos ausnutzen, indem wir durch unseren check signalisieren, dass wir keine Madehand haben und darauf warten, dass CO bettet und wir raisen können. Vorallem ist dieser Move sehr stark, wenn CO ein aggressiver Spieler ist und SB eine Callingstation. Wir können so oft eine Bet von CO induzieren, SB called und wir können die SB trappen und bekommen somit 2SB am Flop.

Gegen diverse LAGs, die sehr blufflastig sind, ist es auch möglich, am Flop nur zu check/callen und den Turn zu checkraisen. Manche LAGs/Gegner machen sich über unsere potentielle Hand gar keine Gedanken und gegen LAGs, die bereit sind, am Turn erneut zu bluffbetten, ist diese Line eine gute Variante, um maximalen Value zu extrahieren. Wenn die Bereitschaft allerdings soweit geht, dass ein LAG eine Bluff 3-Bet macht am Flop oder unseren c/r called und den Turn erneut raised, dann ist c/r die bessere Variante.

Gegen welche Gegner ist ein c/r dieser Situation ungeeignet?

siehe Beispiel a)

c) Ace High rainbow Board mit 2 Rags

Flop: (6.00 SB) A, 2, 6 (3 players)

Wir sind z.B. in der SB und completen A2s. Wir treffen 2-Pair auf einem ungefährlichen Board. Wir liegen meist sehr weit vorne und aufgrund der Tatsache, dass niemand geraised hat, ist es unwahrscheinlich, dass jemand das Ace hat. Dieses Board lädt auch wieder zum bluffen ein und wir sollten lieber versuchen, eine Bet zu induzieren, als mit einer Bet alle zum folden zu bringen. Angenommen CO ist ein aggressiver Spieler und ist potentiell in der Lage, mit einem A zu limpen. Falls der Gegner seine Hände overplayed, bekommen wir mit einem c/r Flop am meisten Value, falls der Gegner unseren c/r called, mit der Intention am Turn erneut zu raisen. Auf den Raise können wir dann gelassen 3-betten und wir bekommen somit 3BB am Turn. Dieses Szenario ist unwahrscheinlich aber dennoch nicht auszuschließen.

Gegen welche Gegner ist ein c/r dieser Situation ungeeignet?

siehe Beispiel a)

Grundsätzliches zum c/r im unraised PotEin c/r Flop in unraised Pots ist immer vorteilhaft, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Der Gegner/die Gegner hinter uns ist/sind aggressiv.
  • Das Board ist dry und bietet nicht viele Drawmöglichkeiten, woraus sich ergibt:
  • Die Gegner werden häufig versuchen, weil sie wissen, dass selten jemand getroffen hat, den Pot zu stealen mit einer Donkbet am Flop.
  • Eine Freecard schadet uns kaum, weil die Gegner wenig Outs gegen uns haben.
  • Wir sind in mittlerer Position und haben die Möglichkeit, das ganze Feld zu checkraisen


Wann und wieso ist ein c/r Flop im unraised Pot ungeeignet?

Ein c/r Flop in einem unraised Pot ist dann ungeeignet, wenn die Gegner Callingstations sind (Gründe: siehe oben).
Bei Drawheavy Boards und mit marginalen Madehands wie Midpair, sollten wir auch gleich den Flop betten. Das Problem ist, dass bei Drawheavy Boards die Gegner
a) mehr Outs gegen uns haben und
b) diese Outs auch öfter durch eine Freecard wahrnehmen werden, weil die Geneigtheit zu bluffen viel geringer ausfällt, weil die Foldequity bei drawheavy Boards geringer ist als bei dry Boards.

Wenn unsere Hand stark genug ist, induzieren wir mit der Bet außerdem auch oft genug einen Raise von einem Draw, gegen den wir natürlich noch vorne liegen und ihn maximal bezahlen lassen können mit bet/3bet Flop.

Flop: (6.00 SB) A, 2, 6 (3 players)

Mit unserer Hand in Beispiel c), gilt hier nicht c/r, sondern bet/3bet Flop!

c/r Flop in unraised Headsup PotsAngenommen wir sind im BB. CO callt und SB foldet. Wir finden uns nun in den oben gezeigten Situationen. Da sehr viele Gegner, auch wir, bei einem Check mit einer Bet reagieren, können wir diesen Automatismus für uns nutzen und mit guten Madehands den Flop ohne Initiative checkraisen.

Diese Spielweise ist übrigens auch gängige Praxis von Stoxtrader. Wer seine Videos bereits gesehen hat, weiss wovon ich spreche.

Wir sollten unser Spiel natürlich mixen und auch mit Madehands donken. Wenn der Gegner in Beispiel a) die Flopdonk called, sollten wir den Turn checkraisen. Der Grund ist, dass manche TAGs versuchen zu floaten und einen Bluffcall machen könnten oder evtl mit marginalen Madehands callen. Wenn wir am Turn checken, wird der Gegner die Donk oft als einen Stealattempt interpretieren und versuchen, mit einer Turnbet den Pot an sich zu reissen.

Hand 3

2/4 Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with A, A.
UTG raises, MP 3-bets, 1 fold, Button calls, 1 fold, Hero caps, UTG calls, MP calls, Button calls.

Flop: (16.50 SB) J, 8, 4 (4 players)
Hero bets, UTG folds, MP folds, Button calls.

Turn: (9.25 BB) K (2 players)
Hero bets, Button raises, Hero 3-bets, Button calls.

River: (15.25 BB) 5 (2 players)
Hero bets, Button raises, Hero calls.

Final Pot: 19.25 BB

Wir befinden uns in der BB mit der schönsten Hand im Poker. UTG openraised und MP3 3bettet. Button coldcalled 3SB cold. Wir freuen uns über die vorausgegangene Action und coldcappen.

Der Flop ist gut für uns. Nur leicht koordiniert aber dafür rainbow. Wir betten den Flop und erhoffen uns Action von UTG und MP3. Beide folden erstaunlicherweise und nur der Button entscheidet sich für einen Call last to act. Am Turn kommt nun ein K. Der K stört uns eigentlich nicht weiter, da wir mit AA immernoch ein Overpair halten und uns vorne sehen. Wir betten den Turn und bekommen aufeinmal einen Raise.

Da der Gegner Preflop 3SB gecoldcalled hat, können wir ihm viel zutrauen, aber wir müssen seinen Raise respektieren und überlegen uns nun eine Range an Händen, mit denen er 3SB gecoldcalled haben könnte und mit denne er nun den Turn raised.

Wir müssen bei solchen Ereignissen die Hand immer zurückspulen und berücksichtigen, was auf den vorherigen Straßen passiert ist. Wenn wir nun berücksichtigen, dass wir Preflop gecoldcapped haben, in einem bereits 3-handed Pot, dann ist die Raisingrange vom BU, aufgrund der Tatsache, dass wir bereits enorme Stärke gezeigt haben, sehr sehr dünn und wir können seine Range auf eine kleine Auslese von Händen reduzieren. Wir können BU nicht exakt auf eine Hand setzen, weil ein Spieler der 3SB coldcalled, zu allem in der Lage ist. Wir sollten ihm schon Credit auf eine passable Hand geben, setzen seine Range aber verhältnismäßig loose an. Da auf dem Board viele Draws möglich sind, könnte er auch semibluffen aber dies sollte eigentlich sehr selten vorkommen.

Buttons Raisingrange:
KT, KJ, 88, 44, JJ, KQ

Hände wie KT oder KQ sind relativ unwahrscheinlich, aber wir müssen davon ausgehen, dass jemand, der 3SB coldcalled Preflop, auch mit only Toppair den Turn raised. Wenn BU reasonable wäre, müssten wir Hände wie KT und KQ sogar rausnehmen.

Wir liegen dennoch nicht in 66% der Fälle gegen seine Range vorne und haben deswegen keine 3-Bet, sondern einen Calldown. Gegen Gegner, auf die wir den Read haben, dass Ihre Raisingrange weitaus größer ist, z.B. unpredictable LAGs, die auch semibluffen oder mit Midpair raisen und eine 3-Bet downcallen, sollten wir 3-betten und den River valuebetten. Da wir aber keine Informationen über das Spielverhalten des Gegners haben, müssen wir ihm Credit auf eine starke Hand geben und können deswegen nur downcallen.