Spiel am River - Überkarten ohne Position
Einleitung |
von schiep |
Aufgrund unserer akribischen Handauswahl vor dem Flop, stehen wir oft am Flop mit zwei Überkarten da. In vielen Fällen ändert sich diese Situation bis zum River nicht. Diese Woche werde ich darauf eingehen, wie man sich nun am River verhalten sollte.
Dazu habe ich für euch eine Beispielhand und ein Quiz, bei dem ihr euch testen könnt.
Hand
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is CO with A
6 folds, Hero raises, BU calls, SB folds, BB calls.
Flop: (6.50 SB) 4


BB checks, Hero bets, BU calls, BB folds.
Turn: (4.25 BB) 5
Hero bets, BU calls.
River: (6.25 BB) 9
Hero checks, BU bets, Hero folds.
Final Pot: 7.25 BB
Wir wissen vom Gegner: bluffinduzierbar Das heißt er könnte nach Schieben unsererseits setzen, um uns aus dem Pot zu treiben. Dies könnte er als Bluff mit unfertigen Händen machen, die sich nicht verbessert haben. (Auf dem Flop Chance auf Flush und Straight möglich).
Wir halten AKs und erhöhen vor dem Flop gemäß dem SHC in später Position, der Button und Big Blind gehen mit.
Den Flop haben wir völlig verfehlt, dennoch müssen wir nochmal einen Einsatz gegen zwei Leute bringen. Wir haben vor dem Flop geraist, könnten daher eventuell bessere Hände aus der hand drängen (kleine Pocket-Paare, eine 4) und liegen in einigen Fällen noch vorne.
Button (ein Spieler, der fast immer setzt, wenn zu ihm geschoben wird) geht mit und wir bringen standardmäßig am Turn einen weiteren Einsatz gegen einen; er callt wieder.
Am River erscheint die 9, ein Einsatz ist allerdings sinnlos, da unser Gegner mit keiner schlechteren Hand mehr mitgeht und eine bessere nie weglegen würde.
Also schieben wir, BU bettet. Wie in der Hand zu sehen, ist die korrekte Spielweise Aussteigen. Die 9 ist einfach eine schlechte Karte, da wir nicht mehr gegen eine verfehlte Straßen-Chance vorneliegen, denn diese haben nun entweder eine Straße oder die 9 als Paar getroffen. Klar, wir könnten noch gegen eine nicht angekommene Flush-Chance vorne sein - doch dies ist einfach zu unwahrscheinlich, zumal auch solche Hände oft irgendein Paar aufgeschnappt haben.
Wann schieben wir?
a) Durch einen Einsatz werden kaum bessere Hände zum aussteigen bewegt (kein Bluff).
b) Nach einem Einsatz gehen nicht genügend schlechte Hände mit (kein Einsatz, um Geld in den Pot zu bekommen).
Ansonsten betten wir.
Wann steigen wir aus, wenn der Gegner setzt?
a) Die meisten unfertigen Hände sind am River angekommen.
b) Es sind keine oder nur sehr wenige unfertige Hände überhaupt möglich gewesen.
Ansonsten gehen wir mit.
Wichtig: Natürlich ist hierbei vorausgesetzt, dass unser Gegner aggressiv genug ist, den River zu bluffen.
Fazit
Mithilfe der oben geannten Punkte wird es euch nun hoffentlich möglich sein, im 1-gegen-1 eine gute Entscheidung zu treffen, wenn ihr mit Überkarten am River dasteht.
Um das zu testen, gibt es noch ein Quiz, wo ihr das eben erlernte testen könnt!
Quiz
In diesem Quiz wäre es schön, wenn ihr eure Entscheidungen von dem Gegner abhängig machen könnt, dabei wird unterschieden zwischen:
a) unbekannter Gegner
b) schlechter, aggressiver Gegner
c) schlechter, passiver Spieler
Mit schlecht ist gemeint, dass diese Person viele Hände spielt und oft bis zum Schluss mit in der Hand ist.
Hand 1
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP3 with A
5 folds, Hero raises, CO folds, BU calls, 2 folds.
Flop: (5.50 SB) 9


Hero bets, BU calls.
Turn: (3.75 BB) 7
Hero bets, BU calls.
River: (5.75 BB) 3
Hero ?
Hand 2
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is CO with J
6 folds, Hero raises, BU calls, SB folds, BB calls.
Flop: (6.50 SB) 7


BB checks, Hero bets, BU calls, BB folds.
Turn: (4.25 BB) 9
Hero bets, BU calls.
River: (6.25 BB) 3
Hero ?
Hand 3
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is SB with K
8 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) 7


Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 7
Hero bets, BB calls.
River: (5.00 BB) A
Hero ?
Hand 4
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP2 with Q
4 folds, Hero raises, 2 folds, BU calls, 2 folds.
Flop: (5.40 SB) 9


Hero bets, BU calls.
Turn: (3.70 BB) A
Hero bets, BU calls.
River: (5.70 BB) 4
Hero ?
Auflösung
Hand 1
Unsere Hand ist speziell bei dieser Struktur der Gemeinschaftskarten in jedem Fall eine Hand, mit der wir bis zum Ende gehen wollen. Schieben und wegwerfen ist daher nicht denkbar. Doch Schieben und Mitgehen, zumindest gegen a) und c), ist auch nicht das wahre, denn wenn wir schieben, setzen sie auf bessere Hände und schieben, wenn sie ein schlechteres Ass-Hoch oder König-Hoch haben. Deswegen sollten wir gegen a) und c) auf jeden Fall einen Einsatz bringen (und auf eine Erhöhung schmeißen).
Gegen b) empfehle ich standardmäßig Schieben und Mitgehen (um eine Erhöhung zu vermeiden), wobei man auch hier ein Einsatz, um Geld in den Pot zu bekommen, nicht wirklich verkehrt ist.
Hand 2
Auf dem River sollten wir gegen jeden Gegnertypen als Bluff setzen. Der Grund liegt einfach darin, dass sehr viele nicht angekommene Chancen möglich sind und wir somit die Möglichkeit bekommen, K und A-Hoch Hände zum aussteigen zu bringen, die am Turn beispielsweise eine Flush-Chance aufgegabelt haben. Wir setzen bereits am Turn mit der Intention, bei keiner Verbesserung auf dem River als Bluff zu setzen.
Hand 3
Obwohl wir bloß K-Hoch halten, ist unsere Hand in Relation zur Textur der Gemeinschaftskarten gar nicht mal so schlecht, weil wir immerhin die ungepaarte, bestmögliche Hand zu halten (das heißt, hat unser Gegner nicht getroffen, liegen wir entweder vorne oder teilen uns den Pot).
Gegen a) und b) würde ich, da nicht angekommene Flush- und Straßenchancen möglich sind, deswegen schieben und mitgehen. [Gegen extrem schlechte, aggressive Spieler ist auch denkbar, zu setzen und eine Erhöhung mitzugehen, weil wir damit eine Blufferhöhung induzieren könnten, was uns wiederum mehr Geld bringt.]
Auch gegen Typ c) sollte man ohne besondere Beobachtungen in dieser Situation schieben und mitgehen - nur weil unser Gegner schlecht und passiv ist, heißt das noch lange nicht, dass er nicht blufft, wenn zu ihm geschoben wird - insbesondere dann, wenn am River solch eine Angstkarte erscheint. Gegen ganz besondere schlechte, passive Spieler, die bei gepaarten Gemeinschaftskarten selbst Q-Hoch nicht weglegen können, kann man auch einen dünnen Einsatz bringen, um Geld von ihnen zu bekommen.
Hand 4
Wir sollten gegen jeden Gegnertypen schieben und wegwerfen. Der Flop bietet zwar Straßen-Chancen, trotzdem ist ein Bluff nicht sinnvoll, da wir damit höchstens KQ oder KJ als bessere Hände zum aussteigen bringen könnten, was einfach nicht ausreichend ist.