Free Showdown Raise vs. Calldown
Einleitung |
von Metzga25 |
Ein Free Showdown Raise ist ein Turnraise mit der Intention den River behind zu checken.
Vorteile:
- Es kostet das selbe wie ein Calldown, gibt uns aber die Chance, bessere Hände zum folden zu bringen.
- Wir protecten gegen Hände, die Outs gegen uns haben.
Nachteile:
- Wir können durch eine Turn 3-Bet oder Riverdonk aus der Hand geblufft werden.
- Wir nehmen dem Gegner die Möglichkeit, weiter zu bluffen, wenn er nichts hat.
Welche Hände kommen dafür in Frage?
Sie sollten:
- SD Value haben.
- Schwach genug sein, um auf 3-Bet einen einfachen Fold zu finden.
- Zu schwach sein für eine erneute Valuebet am River.
- Potentiell viele Outs gegen sich haben, wenn man vorne liegt.
Nicht in Frage kommen also Hände ganz ohne SD value z.B. kleine Flushdraws , da wir mit ihnen oft noch den River bluffen müssen, wenn wir den Turn raisen. Ebensowenig kommen starke Hände wie Toppair dafür in Frage.
Gegen welche Gegner sollte man das Play einsetzen?
Sie sollten:
- Passiv genug sein, um den Turn nicht als Semibluff zu 3-betten.
- Aggressiv genug sein, den Turn mit schwachen Händen zu contibetten.
Nicht in Frage kommt das Play also gegen harte LAGs oder notorische Donker, da wir so zu selten den FreeSD kriegen.
Welche Boards bieten sich dafür an?
Es sollten:
- Scarecards vorhanden sein, da sonst zu unwahrscheinlich eine bessere Hand foldet
- Draws möglich sein (nicht unbedingt nötig), da so Protection wichtiger ist und wir sogar noch oft von schlechteren Händen gecallt werden.
Nicht in Frage kommen Boards, wo es wahrscheinlich ist, dass der Gegner:
- oft Blufft
- wenig Outs gegen uns hat
Hand 1
Villain (23, 20, 2.5, 33)
Preflop: Hero is BB with 4
2 folds, SB raises, Hero calls.
Flop: (4.00 SB) T


SB bets, Hero calls.
Turn: (3.00 BB) Q
SB bets, Hero raises, SB calls.
River: (7.00 BB) Q
SB bets, Hero folds.
Final Pot: 8.00 BB
Hier haben wir einen guten Spot für einen FreeSD Raise.
Hero hat 64s im BB. Unser Gegner ist ein TAG, der eine dementsprechend weite Raising Range aus dem SB hat. Mit 64s haben wir mehr als die benötigten 35% Equity und defenden daher.
Am Flop sind wir mit unserem Pair Favorit und es wäre Denkbar den Flop zu raisen um direkt 6 outer zum folden zu bringen.
Da dieser Gegner aber fast immer noch ein 2nd Barrel am Turn macht, warten wir lieber auf den Turn um dort eine Entscheidung zu treffen. Wir vermeiden so auch, von einem Draw oder air am Flop rausgeraist zu werden.
Mit der Q 
gegen uns stehen, wenn wir noch vorne liegen.
Daher raisen wir um 1. unsere immer noch oft beste Hand zu protecten und ihn maximal für seinen Herzdraw oder OESD zahlen zu lassen und 2. manchmal bessere Hände zum Folden zu bringen, denkbar dafür sind schwache T ohne Draws, 99-55 oder eine 4 mit besseren Kicker.
Am River callen keine schlechteren Hände mehr, daher haben wir einen leichten Check Behind.
In diesem Fall donkt der Gegner leider erneut den River, worauf wir einen recht leichten Fold haben, da ein TAG diese Line quasi nie als Bluff spielen wird (wollte er bluffen hätte er den Turn ge3bettet oder gec/r), sondern viel eher einen FreeSD verhindern will mit einer Madehand.
Hand 2
BB: LAG
Preflop: Hero is BU with 4
2 folds, Hero raises, 1 folds, BB calls.
Flop: (4.00 SB) A


BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 5
BB bets, Hero calls.
River: (7.00 BB) Q
BB bets, Hero calls.
Final Pot: 8.00 BB
Hier halten wir middle Pair no Kicker und sind mit einer Donk am Turn konfrontiert.
Hier ist ein Raise auf keinen Fall eine Option. Dies ist eine klassiche wa/wb Situation.
Wenn Hero raist, wird der Gegner mit jeder schlechteren hand, die meist nur wenige Outs gegen uns hat (pocket, 9, 5), einen recht einfachen Fold haben.
Auf diesem Board kann die Bet eines aggressiven Gegners auch einfach ein Bluff mit nichts sein. Diesen wollen wir natürlich erst recht nicht zum folden bringen.
Daher ist die passive Spielweise hier klar besser.
Fazit
Was man sich klar machen muss: eine schlechtere Hand ist für diesen move meist besser geeignet als eine bessere.
Mit A oder K High ist die Chance eben viel größer, dass eine bessere Hand foldet, als wenn wir selbst ein Pair haben.
Ebenso ist ein scary Board viel besser geeignet um FE zu erzeugen, als ein Board nur mit lowcards, wo wir fast nicht getroffen haben können.
Der natürliche Feind des FreeSD moves ist natürlich die Turn 3-Bet. Daher stellt sicher, dass ihr darauf fast sicher drawing dead seid und nicht noch in die Verlegenheit kommt, eine Bet aufgrund der nun guten Odds zahlen zu müssen.
Quiz
FreeSD raise oder nicht? Wieso?
Hand 1
Preflop: Hero is BU with A
2 folds, Hero raises, 1 folds, BB calls.
Flop: (4.00 SB) 8


BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls
Turn: (3.00 BB) K
BB bets, Hero?
Hand 2
Preflop: Hero is BU with A
2 folds, Hero raises, 1 folds, BB calls.
Flop: (4.00 SB) 4


BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls
Turn: (3.00 BB) 8
BB bets, Hero?
Auflösung
Hand 1
Zunächst mal: man kann hier am Flop folden. Ob man den Flop callt, hängt davon ab, ob man bei einigen Turnkarten einen +ev semibluff (bzw. freesd raise) sieht, ob der gegner öfter c/c turn mit initiative spielt und ob wir glauben, dass unsere outs auf die 7 oft noch gut sind, bzw. wir gut noch die beste hand haben können.
Nicht zuletzt aus metagame gründen ist ein looser call hier mit 1 OC und 2 backdoordraws aber durchaus drin (wir werden in Zukunft öfter geblufft, wenn wir oft direkt am Flop folden).
Ansonsten ist die Hand zugegeben nicht ganz optimal gewählt und es gibt bessere Spots.
Viele von euch fanden hier einen raise schlecht, was gut ist, um sich nochmal Gedanken darüber zu machen: dies ist eigentlich ein ganz guter Spot für einen FreeSD Raise!
Ich habe keine Stats mit angegeben und gegen unknown und loose Leute sind freesd raises eh fast nie gut, das zunächst als Einschätzung.
Ansonsten sind alle Gegebenheiten für einen FreeSD Raise hier gegeben, vergleicht es einfach mal mit den Voraussetzungen oben aus dem Artikel.
Denkbare Gegner für den Move gibt es allerdings nicht sehr viele. Sie sollten halbwegs loose defenden (z.B. wie ps.de TAGs), postflop aber tight(können folden) und aggressive(können draws aggressiv spielen) sein.
Elementar ist:
a) Wir können hier gut noch vorne liegen. Der Gegner wird im BB gegen button raise sehr viel defenden (guckt mal in euer BB vs. ORC chart in der BU spalte), das heißt es sind schonmal viele Flushdraws in seiner Range, die hier kein Pair gemacht haben. Außerdem gibt es 76 und 7T für den OESD in seiner Range sowie einige Gutshots(die nur aggressive hier c/r). Von diesen Händen kriegen wir das Maximum mit dem turnraise.
b) Es sind bessere Hände in seiner range, die folden können. Hiermit steht und fällt die Entscheidung. Kann der gegner hier 1. eine 8 oder 9 c/r und 2. auf turnraise folden? ps.de tAGs z.B. und andere weake tags, die es je nach limit recht viel gibt, können es, das board ist ja wirklich scary und K und Q voll in unserer range.
Viele c/r auch erstmal jeden flop mit einem pocket pair um anzutesten, ob wir getroffen haben und folden dann auf Gegenwehr.
c) Auf eine 3bet haben wir einen ganz leichten Fold.
Hand 2
Diese Hand ist ziemlich schlecht für einen freeSD raise.
- Wir können noch vorne liegen, das ja.K
- Keine bessere hand foldet hier, das ist der Hauptunterschied. Die 8 ist für ihn absolut unscary nach unserem preflopraise, es liegt keine karte in der Playing Zone und außer einem Overpair können wir hier fast nichts halten, was ein bottom pair beatet. Hier folden wirklich nur purebluffs. Die 8 ist sogar oft in seiner range und gibt uns die 3-Bet, was uns zum nächsten problem bringt:
- Wir können auf eine 3-Bet nicht folden, weil wir noch einen gutshot (und eventuell outs aufs A) haben.
Daher hier call turn und am river neu evaluieren. (und gegen viele callen bei blank) bzw. wenn man ihn sicher auf die 8 readen kann fold turn mangels outs.