Bluffraise River & Bet vs c/r Turn mit Initiative
Einleitung |
von firsttsunami |
Dieses Mal geht es um einen Riverspot. Wir stehen am River ui ohne SD Value und villian donkt. Welche Faktoren gegeben sein müssen, um zu bluffraisen, wird in Hand 1 analysiert. Danach wird bet vs. c/r turn gegen verschiedene Gegnertypen näher betrachtet.
Hand 1
Bluffraise River
BB: TAG der geneigt ist, seine Draws oop zu semibluffen.
2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is CO with 9
2 folds, Hero raises, 2 folds, BB calls.
Flop: (4.50 SB) T


BB checks, Hero bets, BB calls.
Turn: (3.25 BB) K
BB checks, Hero checks.
River: (3.25 BB) 6
BB bets, Hero raises, BB folds.
Final Pot: 6.25 BB
Wir raisen gemäß ORC 98s vom CO und der BB entscheidet sich mit einem Call seinen BB zu defenden. Wir treffen eigentlich einen guten Flop, da das Board paired ist und der Gegner selten X6 Hände in seiner Callingrange hat. Der Gegner checkt uns an und wir machen verständlicherweise unsere Contibet. Wir bekommen einen check/call am Flop. Der Gegner ist ein TAG und wird selten mit Trash den Flop oop callen und deswegen sind die folgenden Holdings plausibel:
- einen Gutshot mit 97o/s, 98o/s, 87o/s.
- ein kleines Pocketpair wie 22/33/44, womit er check/call for Bluffinduce spielt
- die 10, die er am Turn checkraisen möchte, da er weiß, dass wir auf viele Scarecards erneut betten werden
- einen Flushdraw, den er am Turn checkraisen möchte (der Flop ist unscary und wir könnten mit Ace high downcallen und zwecks FE semibluffed er seinen FD erst am Turn)
- Ace high
Wir wurden also am Flop gecalled, haben eine plausible Range für den Gegner ausgewählt und am Turn kommt ein K in Herz.
Wir haben nun am Turn die Möglichkeit zu betten oder einen CB zu nehmen. Wir entscheiden uns aus folgenden Gründen lieber für einen CB, als für eine Bet:
- Wir wissen nach einem c/r mit unserem Gutshot nicht wirklich, wo wir stehen und haben gegen manche Hände in seiner Range noch 10 Outs, gegen manche sind wir fast dead. Da die Outs sehr variieren und wir eine tough decision zwischen Call und Fold haben, da er evtl selber nur semibluffed und keine Madehand hat, möchten wir den River sehen und nehmen uns deswegen lieber eine Freecard als zu betten.
Wir entscheiden uns also für einen CB, da wir den River sehen und uns nicht mit einer schweren Entscheidung am Turn belasten möchten.
Am River kommt nun die zweite 6 (die Villain nicht haben kann, da er mit dieser eher gecheckraised als gecheck-called hätte) und Villain donkt aufeinmal in uns herein.
Anhand der Donk können wir nun einige Hände aus seiner Callingrange am Flop herausstreichen. Welche Hände bleiben also übrig und welche Hände können wir aus welchen Gründen aus seiner Range streichen:
97o/s, 98o/s, 87o/s
Er hat mit diesen Händen keinerlei Showdownvalue und setzt uns nach unserem CB am Turn deswegen auf ein busted Pocketpair, ein medium Pocket wie 77-99 oder einen Gutshot wie Q8 K9 Q9 98s und will diese Hände mit seiner Riverdonk zum folden bringen (77-99 ausgenommen). Wenn er uns auf ein busted Pocketpair setzt, muss er natürlich selber betten und kann nicht check/call spielen.
22-44
Er hat selber ein busted Pocketpair und möchte die o.g. Hände zum folden bekommen mit seiner Riverdonk
Trips
Er donkt mit seinen Trips mit Bet/3bet Intention
Weiterhin könnte er auch einen busted Flushdraw non Ace high bluffbetten.
Welche Hand wir definitiv aus seiner Range entfernen können ist Ace High, da eine Donkbet mit Ace High gar keinen Sinn ergibt. Wir callen fast nur bessere Hände und checken sogar bessere behind.
Wir schauen uns die Potgröße an und ermitteln, dass wir im Falle eines Raises 2BB für einen 6,25 BB Pot investieren müssen. Das heisst, dass der Gegner in 2/6,25 = 32% ( ca. 1/3 der Fälle) seine Hand folden muss in diesem Spot. Wenn wir uns nun die %ualen Wahrscheinlichkeiten von p(call) und p(fold) in seiner Range anschauen, stellen wir fest, dass der Gegner viel öfter als in 1/3 der Fälle seine Hand wegwerfen muss und der Bluffraise somit profitabel wird.
Ich hoffe ich habe den Spot richtig ausgewählt und freue mich über eure Meinungen. Einige werden nun sagen, dass er einen FD oder die T bereits am Flop gecheckraised hätte aber imo ist bei dem Board c/c c/r gegen TAGs die nicht übermäßig viel CB Turn spielen, eine geeignete Line.
Bet vs c/r Turn mit Initiative
Ich werde zu diesem Thema nicht gewöhnlich eine Beispielhand posten, sondern die Abwägung zwischen Bet und check/raise detailliert am Read des Gegners und des Boards festmachen.
Bei einer Turnbet mit Initiative können wir direkt keine Range definieren aber wenn wir bei einem c/r Turn von einer Madehand sprechen, dann ist es in den meisten Fällen eine mittelstarke Hand wie Toppair.
Übliche Boards bei einem check/raise sind dry Boards wie z.B.
K 

A 

Q 

Was man grundsätzlich beachten sollte bei der Abwägung:
- Bet is dem c/r immer vorzuziehen, wenn unsere Hand stark genug ist für eine 3bet
- Bet ist grundsätzlich besser auf drawheavy Boards, wo der Gegner
- a) eine größere Callingrange hat aufgrund der vielen Draws
- b) der Gegner tendenziell mehr Outs gegen uns hat und uns eine Freecard teuer zu stehen kommen kann
Bet vs c/r Turn gegen Callingstations
Gegen Callingstations sollten wir mit den Händen, die für einen check/raise geeignet wären, dennoch betten. Wir werden fast nie eine Bet von einer schlechteren Hand inducen und wir verpassen Value, wenn eine Callingstation sich auf einen Gutshot oder einen 6 Outer eine Freecard nimmt.
Hand 2
BU: Calling Station
2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is CO with K
2 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds.
Flop: (5.50 SB) K


Hero bets, BU calls.
Turn: (3.75 BB) 3
Hero bets.
Final Pot: 4.75 BB
Bet vs c/r Turn gegen TAGs
Bei TAGs muss man nun differenzieren und folgende Charaktermerkmale definieren:
- a) Wieviel WTS hat ein TAG und vorallem wie loose called er A High down <- haben wir eine doppelte Valuebet ja/nein?
- b) Bettet er mit schlechteren Madehands oder marginalen Draws am Turn oder bettet er meistens nur mit besseren Madehands und starken Draws und spielt mit zuvielen Händen CB
- c) Wie tight ist der Gegner am Flop, macht er oft Bluffcalls?
Umso looser der Gegner A High downcalled und je weaker er am Turn ist, desto eher sollten wir betten anstatt zu checkraisen. Wenn er mit A High eher tight spielt und auch genug schlechtere Hände wie Midpair bet/called + Draws semibluffed -> umso eher check/raise.
Gegen TAGs, die viele Bluffcalls auf ragged Highcard Boards machen, ist der c/r der Bet am Turn vorzuziehen.
Alle Konstellationen zusammenzustellen und die idealen Abwägungen zu treffen, würde natürlich den Rahmen sprengen aber diese Fragen sind von zentraler Bedeutung und sollen euch nur helfen, in individueller Abwägung der Situation die richtige Entscheidung treffen zu können.
Bet vs c/r Turn gegen LAGs
Gegen LAGs empfehle ich auf den geeigneten Boards grundsätzlich einen c/r und nicht eine Bet, da
- a) LAGs in der Regel viel zu loose Calls machen am Flop und bei den üblichen c/r Boards sehr oft mit Trash callen, den sie am Turn auf eine Bet folden würden, bei einem Check aber bet/folden oder mit A High ggf. bet/callen.
- b) LAGs viel zu wenig CB spielen und aufgrund ihres üblicherweise hohen WTS, die marginalsten Hände gegen einen Turnraise sogar noch downcallen (darunter A High).
- c) LAGs durch ihre Aggression mehr bluffen.
Hand 3
BB: LAG
2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is SB with K
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) K


Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 9
Hero checks, BB bets, Hero raises.
Final Pot: 6.00 BB
Bet vs c/r Turn gegen Maniacs
Gegen Maniacs ist eine Bet eigentlich der bessere Weg, da wir mit den üblichen Händen wie Toppair nicht wie gegen viele andere Gegner bet/call spielen, sondern Toppair gegen einen Maniac stark genug für eine 3bet ist (siehe oben: Wenn unsere Hand am Turn stark genug ist für eine 3bet, dann lieber Bet for Raiseinduce, da c/r die Action drosselt).
Hand 4
BB: Maniac
2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is SB with K
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) Q


Hero bets, BB calls.
Turn: (3.00 BB) 5
Hero bets, BB raises, Hero 3-bets.
Final Pot: 8.00 BB
Fazit
In Hand 1 haben wir gesehen, wie man mithilfe einer EV Analyse bestimmen kann, ob ein Bluff in diesem Riverspot profitabel ist.
In den anderen Händen wurde bet vs. c/r turn näher betrachtet. Man erkennt, dass die komplexesten Entscheidungen gg. uns selber getroffen werden müssen. Gegen Calling Stations ist Bet oft die bessere Wahl, gg. LAGs eher ein c/r und gg. Maniacs eher eine bet, da wir oft 3-betten wollen. Gg. einen TAG müssen wir anhand obiger Punkte den Spot genauer betrachten, um eine Entscheidung treffen zu können.