Semibluffing the wrong spot
Einleitung
Diese Woche dreht sich um einen Semibluff am Turn mit einem starkem Draw. Ich werde versuchen, darzulegen, warum dieser Semibluff falsch ist.
Hand
Party Poker 20/40 Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is Button with 8

3 folds, Hero raises, 1 fold, BB 3-bets, Hero calls.
Flop: (6.50 SB) 4


BB bets, Hero calls.
Turn: (4.25 BB) 3
BB bets, Hero raises, BB calls.
River: (8.25 BB) 6
BB checks, Hero bets, BB calls.
Final Pot: 10.25 BB
Wie die meisten wahrscheinlich erkennen werden, ist die Hand aus dem 15/30 Forum entnommen, wo Ulek sie vor ein paar Tagen gepostet hat, um eure Meinung zu diesem Semibluff zu erfahren. Viele waren sofort der Meinung, dass ein Raise hier definitiv der richtige Move wäre.
Nun, ich werde versuchen, euch näher zu bringen, warum das für mich kein Semibluff-Raise am Turn ist.
Der erste Aspekt ist, dass meine Range hier im BU vs. BB zu tight ist und ich anstatt preflop viele hände zu 3-betten lieber darauf verzichte und postflop dafür - mit Händen, bei denen ich mir eine Equity-Edge preflop geben kann, dazu zählen z.B. Hände wie KT+, QT+, JT+.
Damit checkraise ich dann den Flop, da ich mir dort mehr Foldequity auf den späteren Streets gebe aufgrund des kleineren Pots.
Zumal er denken wird, dass meine Hand in irgendeiner Weise mit dem Board connectet haben muss und er mich nicht auf eine feste Range setzen kann, weil ich schließlich nur flat gecallt habe.
Zweitens, ist meine Range so tight, dass man davon ausgehen kann, dass ich nachdem ich preflop einen TAG 3-bette, schon Preflop die Weichen gestellt sind, mit der Hand zum Showdown zu gehen.
Dementsprechend werde ich hier auch auf scary boards nur selten mein Holding wegschmeißen können, da ich mir oft Outs geben muss plus die Chance vorne zu liegen, sodass ich hier in der Regel immer den River sehen werde. Von daher fällt der Move eigentlich per se weg, da man in einem 5.25 BB pot 3 BB investiert für seinen Semibluff - ich nehme an, keiner von euch wird freiwillig sein 8-high unimproved am river behind checken und hoffen, dass ich die selbe Hand halte - der nur in 25% der Fälle hitten wird und in den anderen 75% der Fälle werdet ihr höchstwahrscheinlich 3BB verschenkt haben haben mit einem mehr oder weniger hopeless Bluff.
Schließlich muss man sich fragen, welche Hand ich denn überhaupt folden soll, gerade auf den Highstakes muss man geübt sein, tough Folds zu vermeiden, um nicht zu exploitbar zu werden in großen Pötten. Demnach werdet ihr solche Spieler nur selten in spots antreffen, in denen sie 4-connected boards bet/folden, in nahezu 100% der Fälle wird dies entweder c/c oder b/c sein, um den oben angesprochenen Exploit zu vermeiden.
Wie Stoxtrader schon in seinem Buch angesprochen hat, kann es profitabler sein, in manchen spots b/c an Stelle von c/c zu spielen und genau solch ein Spot ist das hier!
Ich würde mich hüten, hier mit guten Pockets c/c zu spielen, da mir so auf lange Sicht gesehen zu viel Value von worse hands entgehen wird, mit denen er sich Outs gibt und die er zumindest bis zum River callen muss.
Genauso will ich auf ohnehin schon scary boards nicht noch Freecards verteilen, wo er meistens 8 Outs auf einen Splitpot haben könnte in einem vermeintlich großen Pot.
Wie würde ich hier King-high Hände spielen?
Das kommt zum einen natürlich auf den Gameflow an, d.h. wie ich die letzte Hände gegen ihn und andere gespielt habe und generell wie der Tisch sich verhält. Aber weil ich gewohnt bin, gegen Leute zu spielen, die sehr blufffreudig sind, würde ich hier mit KQ als default erstmal c/c am turn spielen, um mir den river anzusehen, da ich eher davon ausgehen kann, dass mein gegenüber meist kein Ass hält.
Folglich denke ich, dass eine Doppel-Bet bzw. bet river bei einem Check mehr Foldequity hat, als ein Bluffraise am turn, dem ich hier weniger Credit gebe, als eine vermeintliche Valuebet am River gegen meine eigentlich starken Hände.
Das Gegenargument, dass ich mit K-high den Turn betten sollte, um bessere Hände (Pocketpairs) zum folden zu bringen, ist dahingehend zu entkräften, da ich davon ausgehen kann, dass ihr hier mit mittelstarken Pockets sehr oft den Flop raisen werdet aus Angst vor einer 3-bet am Turn,
auf die ihr bei so einer Boardkonstellation nämlich nur schwer folden könnt. Sowas ist zum einen metagamebedingt schwer zu vertreten und zum anderen habt ihr hier oft noch genügend Outs, um die 3-bet zu callen und dann am River unimproved zu folden.
Zu guter Letzt müsst ihr immernoch in der Lage sein, in so einem 10.25 BB Pot am River für eine Bet zu folden, was euch in der eigentlichen Hand, sowie in darauffolgenden Händen noch in tough spots bringen kann, wenn der Gegner dies entdeckt.
Dann wird er nämlich anfangen, euch mit seinen Draws am turn zu 3-betten, wenn er davon ausgehen kann, dass ihr, falls ihr nicht eine sehr starke hand haltet, am River unimproved folden werdet, ohne dass er überhaupt improven musste.