Bluffcall IP & Bet Turn oop mit Initiative for Bluffinduce
Einleitung
Diese Woche werden wir den Bluffcall IP näher besprechen. Wann genau so ein Spot gegeben ist, hängt von vielen Faktoren ab, auf die ich in der ersten Beispielhand eingehe. In Hand 2 werde ich versuchen, euch das Konzept der Turn-Bet for Bluffinduce näher zu bringen.
Hand 1
Bluffcall IP
Gegner: etwas passiver TAG (23/17/1.4/34)
3.00/6.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with T
4 folds, SB raises, Hero calls.
Flop: (4.00 SB) K 


SB bets, Hero calls.
Turn: (3.00 BB) 5 
SB checks, Hero bets, SB folds.
Final Pot: 4.00 BB
Wir sind in der BB mit T9s. Ein TAG openraised aus der SB und gem. Chart haben wir einen easy Defend mit T9s. Gegen thinking Gegner kann man hier gelegentlich auch eine 3bet einstreuen. Das dient lediglich der Ausweitung unserer 3betting Range im BB und soll dem Gegner mehr Schwierigkeiten bereiten, unsere Handrange zu bestimmen. Wir callen in diesem Spot aber nur und verfehlen den Flop aber leider total. Der Flop und unsere Position, bietet jedoch eine kostengünstige und gute Möglichkeit, den Gegner auszuspielen.
Wir reden hier von einem Bluffcall in Position. Ein Bluffcall kann unter bestimmten Umständen sehr wirkungsvoll sein und sollte auch nur bei Optimalbedingungen angewandt werden:
- Das Board muss ragged sein und eine High-Card beeinhalten und so gut wie keine Draws zulassen
Keinesfalls sollte man einen Bluffcall auf einem drawheavy Board wie JT9 2suited einsetzen. Hier bekommen wir nämlich viel häufiger eine Bet vom Gegner am Turn, da er dieses Board häufiger getroffen hat, sei es ein Draw oder eine Madehand + er setzt uns selber auf einen Draw und bettet deswegen erneut.
- Der Gegner sollte ein (thinking) TAG sein und keinesfalls ein LAG oder ein Maniac
Gegen manche thinking LAGs mag der Move evtl auch Sinn machen, aber ohne speziellen Read heisst es bei dem Board: c/f! Da die meisten LAGs auf den low limits noch eher gedankenlos pokern, werden viele LAGs stur den Turn erneut betten, weil sie ihre Hand nicht aufgeben möchten und sie von Natur aus aggressiver sind und deswegen den Turn häufiger contibetten als TAGs.
- Wir sollten gegen diesen Gegner bisher nicht sonderlich als Bluffer aufgefallen sein
Wenn der Gegner vermutlich schon eine Note gemacht und uns als Bluffer deklariert hat, da er uns in den letzten Runden beim bluffen erwischt hat, heisst es, die Hand auch lieber gleich am Flop aufzugeben. Grade wenn der Gegner uns schon beim bluffcallen erwischt hat in den letzten Runden, ist es sinnvoll, erstmal tight zu bleiben und auf solche Bluffs zu verzichten.
Wichtig also: Tableimage beachten
Der Vorteil des Bluffcalls gegen ps.de'ler:
Auf ps.de bekam man in den Artikeln gelehrt, dass wenn man auf ragged rainbow Boards gecalled wurde vom Gegner IP, man den Turn check/folden soll. Da viele TAGs von ps.de, aufgrund von mangelnder Spielerfahrung / mangelnder Adaptionsfähigkeit oder aus sonstigen Gründen auf dieser Theorie beharren (ich will hier niemanden beleidigen, ich spreche nur aus Erfahrung), ist der Bluffcall grade gut in diesem Spot gegen einen ps.de'ler.
Nachdem wir unsere Waffe den Bluffcall eingesetzt haben, erscheint am Turn eine 5 in clubs. Nun werden einige Redraws möglich, aber der Gegner checkt zu uns. Die Vollendung unseres Plans ist jetzt, den Turn zu betten, um den Pot UI mit T high mitzunehmen. Der Check vom TAG könnte jetzt natürlich auch ein Versuch sein zu check/raisen oder ggf. zu check/callen.
Einen check/raise können wir fast ausschliessen, da wir ja alle gelernt haben, auf drawheavy Boards (wegen der Freecardgefahr) lieber den Turn zu betten als zu checkraisen. Wenn der Gegner check/called dann sind wir sehr wahrscheinlich hinten, haben aber oft noch Outs auf T und 9. Villain wird aber häufiger check/folden als check/callen, weil seine Range aus viel mehr UI Hands besteht, als aus Händen die hier gehittet haben.
Unser Plan geht hier wunderbar auf. Villain checkt zu uns und wir können den Pot mit einer Bet am Turn für uns gewinnen.
Hand 2
Bet Turn OOP mit Initiative for Bluffinduce
Gegner: thinking LAG (34/22/2.4/41)
3.00/6.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is SB with Q
3 folds, BU raises, Hero 3-bets, BB folds, BU calls.
Flop: (7.00 SB) 8 


Hero bets, BU calls.
Turn: (4.50 BB) A
Hero bets, BU raises, Hero calls.
River: (8.50 BB) 7
Hero checks, BU bets, Hero calls.
Final Pot: 10.50 BB
Wir sind mit QJs in der SB und 3betten einen LAG Openraiser vom Button. Seine Range ist sehr groß und bei seinen Preflopstats haben wir eine 3bet for value mit QJs. Wir treffen erfreulicherweise Toppair auf einem drawheavy Board. Wir contibetten ganz standardmäßig und werden gecalled. Am Turn kommt nun ein Ace. Die Karte schmeckt uns garnicht und normalerweise haben wir gelernt, in solchen Spots check/call check/call zu spielen. Nun kommt aber ein bisher noch nicht viel diskutiertes Konzept zum greifen.
Bet oop for bluff induction
Bevor wir genauer darauf eingehen, was mit diesem Konzept verfolgt wird, gehen wir darauf ein, was für Nachteil ein check am Turn hat.
Gegen thinkingplayer ist der Check insofern schlecht, als dass wir uns mit unserer Hand ausliefern, indem er uns einfach leicht readen kann und es ihm möglich ist, fast fehlerfrei gegen uns zu spielen.
Wir signalisieren mit unserem Check eigentlich immer einen check/call, da wir mit hopeless Hands den Turn bet/folden und mit dem Ace und guten Draws selber betten würden. Ein check/raise bei so einem drawheavy Board ist auch auszuschließen, weil wir mit Madehands fast immer for protection betten.
Wir senden also dem Gegner die Information: "Ich habe eine mittelstarke Madehand oder einen schwachen Draw, die ich gerne zum Showdown bringen möchte / mit dem ich günstig den River sehen möchte".
Der Gegner kann optimal darauf reagieren indem:
- er sein Ace auf beiden Streets valuebettet
- sich mit Draws die Freecard nehmen wird, weil er weiss, dass wir nicht folden werden
- Mit marginalen Madehands (7/8/Pocketpairs) von denen wir sonst noch value bekommen hätten, behindcheckt und den River called
Gegen einen J verlieren wir auch zusätzlich Value oder gewinnen das gleiche. Wenn wir gebettet hätten, hätten wir 2Bets von einem J bekommen, bei check kann er sich aber die Freecard nehmen oder er bettet 2x selber und wir bekommen somit das gleiche.
Er kann also perfekt gegen uns performen
Welche Vorteile hat nun unsere Bet?
- Wir stellen sicher, dass wir von schlechteren Madehands 2BB auf Turn und River bekommen
- Wir bekommen das maximale von Draws, wenn er den Turn semibluffed und sehr oft den River erneut bettet (weil er uns selber auf einen Draw setzt und sich FE am River ausrechnet)
- Wir induzieren einen Bluffraise
Der größte Vorteil ist aber, wie viele Diamond-Member sicher schon im Profi-Forum gelesen haben, dass wir unsere Bets und unsere Checks robuster machen können.
Was genau bedeutet das?
Da unser check am Turn zu ca. 80% ein c/c oder ist und nur zu 20% ein c/r, kann uns der Gegner leichter readen und interpretiert richtigerweise den Check als Schwäche. Wenn wir jetzt aber häufiger bet/call spielen anstatt check/call, spielen wir %ual weniger check/call und mehr bet/call.
Mutmaßliches Verhältnis was sich daraus ergibt:
40% c/c, 40% b/c, 20% c/r.
Durch diese Verteilung wird unser Check robuster, da unser Check nun häufiger ein c/r als ein c/c ist.
Die Verteilung macht gleichzeitig unsere Bets robuster. Unsere Bet íst nun häufiger ein b/c anstatt ein b/f. Daraus wiederum ergibt sich der Vorteil dass Gegner uns weniger mit free SD raises/ Bluffraises exploiten können ,da wir %ual mehr downcallen. Da viele LAGs und allgemein aggressive Spieler, Probleme haben werden, sich daran anzupassen, können wir sie zu mehr Fehlern zwingen, was gleichzeitig unseren EV in die Höhe treibt.
Fazit
Durch die erste Hand fällt es euch nun hoffentlich leichter, Spots für einen solchen Bluffcall zu finden. Wichtig ist das Board (es sollte dry genug sein, so dass der Gegner uns oft auf eine made-hand setzt), der Gegner (thinking TAG, manche thinking LAGs) und unser Image (es bluff sich nicht gut, wenn auf der Stirn Bluffer steht).
Hand 2 hat sich ausführlich mit dem Konzept b/c for Bluffinduce beschäftigt. Ich hoffe, ich konnte mit dieser Hand ein gutes Beispiel bringen und habe das Konzept dahinter verständlich wiedergegeben (Konzeptidee: Korn).