Typische Anfängerfehler
Einleitung |
von arschholio |
Es hat sich herausgestellt, dass (Fixed Limit)- Anfänger oft zu identischen Fehlern neigen, die einen viel Geld kosten.
In der ersten Beispielhand treffen gewissermaßen 3 typische Anfängerfehler aufeinander:
- Das Überschätzen von AA
- Nicht loslassen können
Von PokerStrategy wird eine tighte Spielweise empfohlen, nur ein kleiner Teil der Starthände sind profitabel zu spielen und diese sollen auch nur weitergespielt werden, wenn sie sich gut mit dem Flop verbinden.
Daraus resultiert, dass man relativ selten in der Hand ist, bzw. verhältnismäßig selten zum Showdown geht.
Da viele Anfänger meist nur wenige Tische gleichzeitig spielen, kommt es oft zu längeren Durststrecken.
Gerade bei 2 Assen, der stärksten Hand im Hold´em, fällt es dann vielen umso schwerer sich zu trennen, auch wenn es offensichtlich ist, dass man geschlagen ist.
Hinzu kommt dann häufig ein weiterer typischer Anfängerfehler:
- Das Ignorieren der Gegner und ihrer Betting Actions
Der Schlüssel zum erfolgreichen Spielen ist es, die Gegner während des Handablaufs aufgrund von ihren Entscheidungen auf wahrscheinliche Hände zu setzen und diese Information zur eigenen optimalen Entscheidungsfindung zu nutzen.
Spielt man nur seine eigenen Karten und übersieht, dass bei den Gegnern schon bessere Hände aufgrund ihrer Spielweise wahrscheinlich sind, verliert man viel Geld.
Beispielhand
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is UTG with A
Hero raises, UTG+1 folds, UTG+2 calls, MP1 folds, MP2 calls, MP3 folds, CO calls, 2 folds, BB calls.
Flop: (10,50 SB) T


BB bets, Hero raises, UTG+2 calls, MP2 calls, CO folds, BB calls.
Turn: (9,25 BB) 7
BB checks, Hero bets, UTG+2 calls, MP2 raises, BB 3-bets, Hero calls, UTG+2 calls, MP2 calls.
River: (21,25 BB) 6
BB bets, Hero calls, UTG+2 folds, MP2 calls.
Final Pot: 24,25 BB
Hero hat AA und erhöht aus früher Position. Es finden sich 3 Coldcaller und der Big Blind bleibt auch dabei.
Am Flop bettet der BB in uns rein und wir erhöhen natürlich, um unsere oft beste, aber verwundbare, Hand zu beschützen. Leider können wir das Feld nur wenig ausdünnen. Zwei Gegner hinter uns callen cold, gehen also 2 Bets auf einmal mit.
Am Turn schiebt der BB und das einzig richtige ist es natürlich, erneut zu setzen. Wir haben noch keinen Grund anzunehmen, dass wir geschlagen sind und man darf natürlich nicht riskieren, dass alle schieben und sich so umsonst den River anschauen, wo wir oft noch überholt werden auf einem Board, wo viele Flush- und Straßen Chancen möglich sind.
Bis hierhin ist die Hand gut gespielt. Hinter uns geht ein Gegner mit und der MP2 erhöht. Dann kommt sogar noch der BB "over the top" und erhöht das ganze Feld nochmal.
Anstatt hier einfach runterzucallen, wie Hero, sollte man sich genau Gedanken machen, was die Gegner hier für wahrscheinliche Hände halten können.
Zunächst lässt sich fast sicher ausschließen, dass einer der beiden blufft. Nachdem wir gesetzt haben und einer mitgegangen ist, wird selbst schlechten Gegnern klar sein, dass sie keine Chance haben, mit einer Erhöhung alle aus der Hand zu vertreiben.
MP2 macht hier also offensichtlich einen "Valueraise" - er hat eine starke Hand und will ausbezahlt werden. Noch mehr Stärke zeigt der BB, der unseren und MP2s Stärkebeweis nicht abschreckt und das ganze Feld check/raist.
Wir haben also allen Grund anzunehmen, gegen starke gemachte Hände bei beiden Gegnern zu spielen. Jetzt muss man sich fragen, welche Hände dieses wahrscheinlich sind, ob man dagegen eventuell noch vorne liegt oder ob man noch Outs dagegen hat.
BB hat am Flop schon gesetzt und ist unsere Erhöhung nur mitgegangen, danach können wir nicht viel über seine Hand aussagen: er kann hier Draws als auch mittlere Madehands halten, ein Monster ist auch denkbar, dass er extra langsam spielt.
MP2 hingegen zeigt mit seinem Coldcall am Flop an, das er meist einen Draw hält. Hände wie Toppaare sind zwar auch denkbar, aber diese würden meist nochmal am Flop erhöhen, um ihre Hand zu schützen.
Am Turn kommt eine Karte, die sowohl offene Straßen Draws (89) komplettiert, als auch jeden Flushdraw ankommen lässt. Da MP2 jetzt auf einmal erhöht, kann man fast sicher sein, hier gegen eine dieser beiden Hände zu spielen. Dann kommt noch der BB hinzu, der zwar schwerer auf eine Hand zu setzen ist, mit seinem sehr starken Move aber anzeigt, dass er hier mindestens einen Drilling hat, eher aber auch eine Straße oder einen Flush.
Gegen all diese Hände haben wir 0 Outs, sind also Drawing Dead. Daher wäre es hier klar richtig gewesen, am Turn nach Raise und Reraise seine Hand wegzulegen. Man kann sicher sein, gegen mindestens einen von den beiden Gegnern hoffnungslos hinten zu liegen.
Fazit
AA ist auch nur ein Paar, jede 2 Karten, erst recht wenn man gegen mehrere Gegner spielt haben gute Chancen einen im Laufe der Hand zu überholen.
Die Verkennung der eigenen (geringen) Handstärke angesichts der Setzsequenzen der Gegner und der Boardentwicklung hat hier dazu geführt das Hero 3BB verschenkt hat.
Wie man also sieht, sollte man nicht stur auf seine eigene Hand schauen, sondern versuchen, die Gegner auf mögliche Hände zu setzen und dementsprechend handeln.
