Aktualisiert am 12 März 26 von

Overcalls II

Einleitung

Wie bereits letzte Woche angekündigt beschäfte ich mich in den aktuellen Beispielhänden nochmal mit dem Thema: Overcall. Diesmal gibt es jedoch Situationen, bei denen wir keine Overcalls möchten bzw. selber nicht overcallen sollten.

Hand 1

Zuerst eine Beispielhand, bei der Hero selber nicht overcallen sollte. Dies sind Situationen, bei denen Hero vielleicht einen Gegner schlagen könnte (weil dieser bluffbetten könnte), aber da bereits ein oder mehrere andere Spieler mitgegangen sind, muss Hero eine Hand halten, die mehr als nur einen Bluff schlägt. Da die Spieler, die bereits mitgegangen sind, eine bessere Hand als einen Bluff halten müssen (außer sie sind absolute Überfische die auch mit 7 high am River mitgehen).

In der ersten Hand wissen wir nur vom Big Blind, mit dem wir bereits einige Hände gespielt haben, dass dieser unberechenbar und schwach spielt. Die anderen Spieler sind für uns unbekannt.

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is BU with K, K
MP2 calls, 2 folds, Hero raises, SB calls, BB calls, MP2 calls.

Preflop haben wir natürlich eine Standarderhöhung mit der zweitbesten Starthand.

Flop: (8.00 SB) 9, 8, 7 (4 players)
SB checks, BB bets, MP2 calls, Hero raises, SB folds, BB calls, MP2 calls.

Der Flop ist sehr unschön und gefährlich für unsere Hand. Der unberechenbare Big Blind setzt und MP geht mit. Wir sollten hier direkt erhöhen, um den Small Blind zu kicken. Vielleicht passt er kleine -Karten oder eine Buben, mit dem er eine Bauchschusschance (Gutshotdraw) hätte.

Turn: (7.00 BB) 2(3 players)
BB checks, MP2 checks, Hero bets, BB calls, MP2 calls.

Der Turn ist eine gute Karte, da keine Chancen ankommen und die 2 normalerweise keinem geholfen hat. Wir setzen daher, um unsere wahrscheinlich beste Hand zu schützen.

River: (10.00 BB) 2 (3 players)
BB bets, MP2 calls, Hero folds.

Am River kommt nun die vierte Flushkarte und der unberechenbare Big Blind setzt erneut. Würden wir nur noch ihn als Gegner haben, sollten wir den Einsatz nochmal mitgehen, da dieser Spieler in der Lage ist, nochmal ein schwaches Pair oder eine T bzw 6, mit der er eine Chance auf eine Straße hatte (welche nicht ankommt), zu bluffen, um uns aus der Hand zu drängen.

Da aber bereits der MP mitgegangen ist, sollten wir hier lieber passen. Natürlich könnte MP ein Fisch sein, der nochmal mit irgendeinem schlechten Paar ohne Flush am River mitgeht und hofft, damit vorne zu liegen. In diesem Fall hätten wir die beste Hand gepasst.

Dies ist aber meiner Meinung nach zu selten der Fall, in den meisten Fällen hat zumindest ein Spieler einen schwachen Flush, so dass ein Mitgehen hier nicht profitabel ist. Vor allem deutet die passive Spielweise von MP eher auf einen schwachen Draw hin (auch wenn natürlich viele Fische ihre Paare passiv spielen). Daher passen wir hier am River.

Final Pot: 12.00 BB

Hand 2

Nun folgen Beispiele, wo wir selbst nicht wollen, dass die Spieler nach uns einfach nur "overcallen". Sprich Situationen, bei denen wir am River erhöhen und nicht auf Overcalls gehen.

Dazu sollten prinzipiell folgende Faktoren gegeben sein:

  • Wir haben eine sehr starke Hand und sehen uns in den meisten Fällen vorne und würden sogar auf eine 3 Bet am River hoffen.
  • Das Board hat viele Chancen (Straßendraws, Flushdraws) ermöglicht, am River sind keine Chancen angekommen und die Spielweise der Gegner nach uns deutet darauf hin, dass diese Spieler einen Draw hatten. Diese Spieler würden mit ihrem nichtankommenden Draw meist auch keine einzelne Bet bezahlen, es sei denn sie hätten ein Paar gemacht. Daher würden wir ohnehin meist keinen Overcall bekommen.
  • Der Pot ist groß und unsere schwachen Gegner gehen mit jeder Hand zum Showdown, sprich sie bezahlen mit marginalen Händen auch 2 Bets, um am River den Showdown zu sehen.

In der folgenden Hand spielen wir an einem solch loosen Tisch, wo die Gegner ohnehin so gut wie kein Paar weglegen.

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is UTG with Q, Q
Hero raises, 3 folds, MP2 calls, MP3 calls, 2 folds, SB calls, BB calls.

Mit QQ erhöhen wir und 4 Spieler gehen mit.

Flop: (10.00 SB) Q, 9, 2 (5 players)
SB checks, BB bets, Hero raises, MP2 calls, MP3 calls, SB folds, BB calls.

Der Flop ist sehr gut. Wir treffen den höchsten Drilling, es sind aber viele Möglichkeiten auf Straßen (OESD für JT, Gutshots) und Flush möglich. Daher erhöhen wir auf den Einsatz vom Big Blind sofort, um unsere zur Zeit beste Hand zu schützen. Hier darf man keinesfalls seine Hand langsam (Slowplay) spielen!

Turn: (9.00 BB) T (4 players)
BB bets, Hero raises, MP2 calls, MP3 calls, BB calls.

Am Turn würden wir nun gegen KJ hinten liegen. Die Hand ist jedoch eher unwahrscheinlich. Es würde keinen Sinn ergeben, wenn der Big Blind am Flop seinnen Gutshot setzt. Daher erhöhen wir erneut, um gegen die Spieler hinter uns weiter unsere Hand zu schützen bzw. möglichst viel Geld von schwächeren Händen zu bekommen.

 

Oft ist das erneute Setzen vom Big Blind eine mittelstarkes oder schwaches Paar, eventuell die letzte Dame im Deck, die uns keine freie Karte geben will. Insgesamt sind wir hier noch zu häufig vorne und erhöhen also.

River: (17.00 BB) A (4 players)
BB bets, Hero raises, MP2 calls, MP3 folds, BB calls.

Das Ass am River ändert unsere Situation nicht. Gegen KJ hätten wir bereits am Turn hintengelegen und diese Hand hätte wohl mehr Action am Turn gemacht. Einzig AA hätte uns nun eingeholt, sollte aber anhand der Preflopaction unwahrscheinlich sein. Daher erhöhen wir erneut, da die Spieler nach uns mit ihrem marginalen Paaren eh mitgehen werden (sie sind ja loose) bzw. mit Händen, die eine Chance auf eine Flush hatten, sowieso keine Bet bezahlen. Unsere Hand ist stark genug, um erneut zu erhöhen, hier würde Call for Overcall auf Dauer zuviel Geld verschenken.

Final Pot: 23.00 BB

Hand 3

Eine weitere Situation, bei der wir keinen Overcall wollen, ist wenn wir den Read haben, dass der ursprüngliche Spieler, der einen Einsatz tätigt, gerne blufft (und wir somit seine Hand oft schlagen) und wir mit einer Erhöhung hinter uns eine bessere Hand zum passen bringen können. Aber Vorsicht: Dazu benötigt man zuverlässige und gute Reads, dass der Spieler nach einem auch eine bessere Hand weglegen kann. Im Folgenden gehen wir von so einer Situation aus.

 

Hier ist der Small Blind ein Maniac, der sowohl Preflop als auch Postflop sehr aggressiv ist und sehr viel erhöht. Vor allem spielt er jedes Paar aggressiv. UTG geht eher in die Richtung passiver Rock, sprich er spielt auch gute Paare passiv und kann sich von ihnen bei zuviel Action trennen.

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is BB with T, T
UTG calls, 4 folds, MP3 calls, 2 folds, SB calls, Hero raises, UTG calls, MP3 calls, SB calls.

Gegen 3 Spieler haben wir mit TT eine Erhöhung auch im Big Blind.

Flop: (8.00 SB) Q, 8, 7 (4 players)
SB checks, Hero bets, UTG calls, MP3 calls, SB calls.

Am Flop haben wir das zweithöchste Paar und setzen natürlich um unsere eventuell beste Hand zu schützen.

Turn: (6.00 BB) 2 (4 players)
SB checks, Hero bets, UTG calls, MP3 folds, SB calls.

Nachdem keiner am Flop Action gemacht hat, setzen wir erneut, da wir noch vorne sein könnten. Den Maniac haben wir meist geschlagen, da er gute Hände meist schon erhöht hätte. Der Rock könnte natürlich die Dame passiv spielen und wir wären hinten, er könnte aber genauso mit einem schwächeren Paar mitgegangen sein oder nur eine Chance (Draw) haben. Bei der Potgröße setzen wir also, um unsere Gewinnchancen zu erhöhen.

River: (9.00 BB) A (3 players)
SB bets, Hero raises, UTG folds, SB calls.

Am River setzt der Maniac auf einmal bei dem furchterregenden Ass (Scarecard). Dies ist oft ein letzter Bluffversuch um den Pot zu klauen, vor allem weil der Maniac Preflop oft ein Ass erhöht hätte. Die Dame hätte er auch anders gespielt. Insgesamt sind wir hier noch sehr häufig gegen diesen unberechenbaren Spieler vorne. Zusätzlich ist der Pot sehr groß.

Mit einer Erhöhung haben wir nun die Möglichkeit, dass der Rock nach uns eine Dame oder JJ weglegt und somit eine bessere Hand passt. Bei diesem großen Pot sollte der Move rentabel sein, aber nur unter den obigen speziellen Annahmen bzw. Reads. Eine 3-Bet des Maniacs müssten wir aufgrund der Potgröße auch noch mitgehen, außer der Rock würde gefallen an seiner Hand finden (also mitgehen oder weiter erhöhen), dann sollten wir passen.

Final Pot: 13.00 BB