Das Spiel mit mittelstarken gemachten Händen gegen einen Gegner
Einleitung
Diesmal habe ich zwei Situationen ausgewählt, in denen wir eine
mittelstarke Hand, wie ein mittleres Paar, halten. Speziell werde ich dabei das Spiel Mann gegen Mann (Heads-up) besprechen und unter anderem zeigen, wie wichtig
die Position dabei ist.
Hand 1
In der ersten Hand spielen wir gegen einen sehr aggressiven Gegner.
Preflop: Hero is BU with 9
, 9
7 folds, Hero raises, SB folds, BB calls.
Mit 99 haben wir natürlich, nachdem noch keiner eingestiegen ist, eine Standarderhöhung vom Button.
Flop: (4.50 SB) K
, 8
, 4
(2 players)
BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls.
Der Flop ist relativ gut für unsere Hand: nur eine Überkarte. Wir machen unseren Standardeinsatz am Flop. Nun erhöht der Gegner und wir haben die Möglichkeiten einfach mitzugehen oder noch mal zu erhöhen. Direkt aufgeben ist keine Alternative, da unsere Hand Heads-up, also gegen nur einen Gegner, noch sehr stark ist.
Vorteil einer weiteren Erhöhung: Wir können unsere etwaige beste Hand schützen und Hände mit 6 Outs, wie QJ, AT usw., vielleicht direkt zur Aufgabe zwingen. Zusätzlich machen wir den Turn für Straßendraws, wie 76, 75 oder 56, teuer, die eventuell als Semibluff den Flop erhöhen, und wir machen den Turn ebenfalls teuer für Hände mit 5 Outs, wie A8, 8x, 4x, und können so eventuell am Turn den Pot einsacken.
Dennoch ist es besser hier einfach am Flop mitzugehen, da:
- Das Board lädt zu Bluffs ein. Der Button hat in dieser Situation oft verfehlt und daher ist der Big Blind häufig versucht, den Button rauszudrängen.
- Diese Bluffs haben zwar teilweise auch Outs gegen unsere Hand, aber der Pot ist nicht so groß und wir haben ohnehin Position und können daher immer nach dem Gegner agieren (und ihm somit keine freie Karten gewähren). Zusätzlich können wir weitere Bluffs an Turn und River induzieren. Generell hat das in Heads-up-Situationen einen höheren Wert, in denen der Pot nicht so groß ist. In großen Pots und bei mehreren Gegnern sollte man seine Hände (mit guten Gewinnaussichten) schützen.
- Zusätzlich ist unser Gegner aggressiv und wird oft seine Bluffs fortsetzen und, wenn wir am Flop weiter erhöhen, eventuell auch nur mit schwachen Straßendraws selbst weitererhöhen, um uns aus den Pot zu drängen. Das kann sehr teuer für unser mittleres Paar werden.
Daher gegen wir am Flop nur mit.
Turn: (4.25 BB) 5
(2 players)
BB bets, Hero calls.
Auch am Turn bleiben wir passiv, es kommen zwar einige Straßendraws an, dennoch haben wir gegen den aggressiven Gegner noch zu oft die beste Hand und drängen mit einer Erhöhung nur schlechtere Hände zur Aufgabe.
River: (6.25 BB) A
(2 players)
BB bets, Hero calls.
Das Ass ist zwar keine schöne Karte, dennoch sollten wir hier mitgehen. Der erneute Einsatz des Gegners ist oft ein letzter Bluffversuch in der Hoffnung, dass wir vor dem Ass Angst haben und aussteigen. Ab und an wird er uns natürlich eine sehr starke Hand zeigen, aber oft genug sollten wir bei der Potgröße vorne liegen und gegen einen Bluff oder ein schlechteres Paar spielen. Vor allem sollte ihm das Ass in der Regel nicht geholfen haben, da er meist nicht mit nur einem Ass als Überkarte am Flop erhöhen wird. A8, A4 sind die einzigen plausiblen Hände, die uns nun am River eingeholt haben können. Insgesamt ändert aber das Ass wenig an der Situation und wir sollten mitgehen.
Hand 2
Der Einfachheit halber spielen wir erneut gegen den aggressiven Spieler aus Hand 1. Diesmal sind wir jedoch im Small Blind und spielen out of Position gegen ihn, sprich wir müssen jede Setzrunde als Erster entscheiden und der Gegner kann nach uns agieren.
Preflop: Hero is SB with 7
, 7
4 folds, Hero raises, BB calls.
77 ist stark genug, um den Big Blind anzugreifen, und wir erhöhen natürlich vor dem Flop. Der Big Blind geht mit.
Flop: (4.00 SB) 9
, 6
, 5
(2 players)
Hero bets, BB raises, Hero 3-bets, BB calls.
Der Flop ist relativ gut für unsere Hand: nur eine Überkarte, jedoch sind viele Straßen- und Flushdraws möglich. Wir machen unseren Standardfolgeeinsatz und bekommen direkt die Erhöhung. Der Gegner kann das mit mehreren Händen tun:
- starken Händen oder Monster: Toppaar, 2 Paare, Drilling, Straße
- mittelstarken Händen: mittleres Paar oder dritthöchstes Paar (mit der 5)
- Flush- oder Straßendraw: 74,43, 7x, 8x
- totaler Bluff
Hier ist es besser, direkt erneut zu erhöhen. Wir haben keine Position und wollen nicht, dass der Gegner am Turn eine freie Karte mit einem Draw nimmt, obwohl ein aggressiver Gegner meist keine Freecard nimmt, dennoch besteht die Möglichkeit. Zusätzlich haben hier auch Bluffs häufiger mehrere Outs gegen uns als in der vorherigen Hand (u.a wegen der vielen Draws). Des Weiteren behalten wir mit einer erneuten Erhöhung die Kontrolle über die Hand und der Gegner wird uns hier auch mit mittleren Paaren oder einer 5, evtl. sogar schlechter (22, 33, Ass hoch), ausbezahlen, weil er uns selbst auf einen (Semi)Bluff setzt.
Turn: (5.00 BB) J
(2 players)
Hero bets, BB calls.
Der Turn ermöglicht weitere Draws, dennoch hat der Bube unseren Gegner meistens nicht geholfen und wir setzen, um unsere Hand zu schützen und Geld von schwächeren Händen zu bekommen. Gegen den aggressiven Gegner müssten wir eine Erhöhung bezahlen, da er erneut mit einigen Draws (semi)bluffen könnte.
River: (7.00 BB) 4
(2 players)
Hero bets, BB calls.
Am River kommt mit der 4 eigentlich kaum ein Draw an. Dafür haben Straßendraws wie 74, 43 ein Paar getroffen und wir können erneut valuebetten, da uns hier nahezu alle Paare ausbezahlen werden.
Fazit
Wir sehen also, dass wir unsere mittelstarken Hände, wie mittlere Paare, unterschiedlich spielen. Wir sollten einerseits mit einbeziehen, wie viele Draws das Board ermöglicht und andererseits natürlich unsere Position, also ob wir als Erster oder Letzter agieren.