Maximale Exploits
Einleitung
Diese Woche zeige ich euch anhand von zwei Beispielhänden, wie man auf gegnerische Lines optimal reagiert und wie man diese maximal exploitet. Exploiten bedeutet, dass ich mit einer Line auf seine Spielweise reagiere, die den größten Erwartungswert hat.
Hand 1
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is SB with K
4 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) K


Hero bets, BB raises, Hero calls.
Turn: (4.00 BB) 9
Hero checks, BB bets, Hero raises.
Final Pot: 7.00 BB
Wir raisen Preflop im SB mit KQo. Der Gegner called blos. Wir treffen Toppair auf einem sehr trockenen Board. Nun raised der Gegner uns am Flop. Wir spielen jetzt erstmal gegen Unknown und haben keine Informationen über seine Blufffrequency am Flop. Einen K wird er normal nicht am FLop raisen. Der Flopraise, gemessen an seiner ganzen Callingrange Preflop, ist also verhältnismäßig oft ein Bluffraise. Wenn wir nun 3betten würden, würde er seinen Bluff wohl gleich am Flop aufgeben oder spätestens am Turn. Wir verlieren also im schlimmsten Fall 1BB wenn er sofort den Flop foldet. Da das Board nur eine Highcard beeinhaltet und wir somit noch oft 6 Outs haben, könnten wir seinen Raise mit Händen wie QJ JT 98 oder sonstigen 6 outern zu der 7 gecalled haben. Er wird seinen Bluff also häufig am Turn noch fortzsetzen und bet/folden. Wenn er einen Draw hat wie Gutshot oder oesd und demnach eine sehr niedrige Highcard hat, dann wird er tendenziell den Turn eher betten als behind zu checken. Der Grund ist sein Mangel an Showdownvalue mit zum Beispiel einer Hand wie 86. Wenn wir gegen seinen Draw am Flop 3betten, dann wird er häufig den Turn folden oder call fold river ui spielen. Wenn wir jetzt aber den Flop nur callen und den Turn check/raisen, kriegen wir so fast immer noch eine Turnbet von ihm. Protecten müssen wir ja auch großartig nicht, da uns nur das A gefährlich werden kann. Diese Line ist also die optimale Counterline gegen loose Flopraiser.
Angenommen wir spielen nun gegen einen TAG der uns bisher eher selten am Flop gebluffraised hat. Einen K können wir also wieder ausschließen, da er diesen fast immer nur called um am Turn zu raisen. Wir können also von einer Madehand wie <= 7 oder einem Draw ausgehen (oesd + gutshots). Nun müssen wir uns die Frage stellen:
- Ist er so sd bound, dass er jedes Pair downcallen wird weil er denkt wir würden ihn rebluffen oder allgemein zuviel Hände zum Showdown trägt
Wenn dies der Fall ist und wir uns zudem relativ sicher sein können, dass er eine 7 oder 5 nicht downcalled nach call und cr Turn (wir zeigen mit der Line nämlich eine starke Madehand an), dann sollten wir eher eine 3bet Flop bet bet Line vorziehen. wir kriegen somit 0,5BB von seinen schlechten Madehands und stellen auch sicher, dass er sich keine Freecard nehmen kann.
Gegen einen LAG, mit überlicherweise viel WTS, ist die oben gespielte Line auch optimal. Wir gainen auch wieder am meisten von seinen Bluffs und ein LAG wird hier auch fast immer bet/calldown mit seinen Madehands spielen, da sich LAGs mit 43WTS+ einfach selten von einer Madehand trennen können.
Gegen einen Maniac ist die Line allerdings nicht geeignet, da wir oop die Initiative aufrecht erhalten sollten, da unsere Hand am Turn stark genug ist für eine 3bet und wir ihn durch unsere 3bet am Flop zu weiteren Turnraises animieren möchten. Gegen einen Maniac also bet/3bet Flop bet/3bet Turn
Hand 2
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with 8
4 folds, SB raises, Hero calls.
Flop: (4.00 SB) K


SB bets, Hero raises, SB calls.
Turn: (4.00 BB) 2
SB bets, Hero calls.
River: (6.00 BB) 9
SB bets, Hero raises.
Final Pot: 9.00 BB
Wir sind relativ neu am Tisch und haben die erste Hand gegen den Gegner gespielt auf den wir Position haben. Die Hand soll nicht diskutiert werden aber wir haben jetzt einen Read auf den Gegner. Er scheint einer der Gegner zu sein, die mit Madehands Flopraises oop nur callen und sich erstmal den Turn anschauen. Sie möchten erstmal nichts mehr investieren und erstmal schauen ob der Turn gut ist. Unser Read den wir hier aufgeschnappt haben ist also:
- spielt stop and go mit Madehands (call Flopraise, donk Turn)
- ist eher ein schlechter Spieler der etwas zurückhaltend spielt. Er ist tendenziell also eher passiv als aggressiv.
Moderat aggressive Fische spielen diese Line sehr gerne
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with Q
4 folds, SB raises, Hero calls.
Flop: (4.00 SB) J


SB bets, Hero raises, SB calls.
Turn: (4.00 BB) T
SB bets, Hero raises.
Final Pot: 7.00 BB
Hier spielen wir nun die nächste Hand gegen den selben Gegner. Wir haben den Read über die Notizfunktion festgehalten. Wir haben nun eine ähnliche Boardstruktur. Es sind Straight- als auch Flushdraws möglich. Wir haben nun allerdings Toppair getroffen und spielen unsere Madehand jetzt wie das letzte mal unseren Draw. Wir möchten dass der Gegner uns wieder auf einen Draw readet und seine Madehand am Turn erneut donkt. Wir bekommen so am Flop schon 2SB und möchten eine Donkbet am Turn induzieren, worauf wir erneut raisen. Wir hatten als Read ja auch notiert, dass der Gegner eher passiv ist. Gegen Gegner die den Turn dann oft nicht erneut betten sondern check callen mit A high / schwachen madehands und check/folden mit Air, gegen diese Gegner ist es auch gut gleich den Flop zu raisen als bis zum Turn zu warten. Auch gegen andere Gegner sollten wir mit starken Händen gleich den Flop raisen, um unsere schlechten Madehands und Draws zu balancen.
Viel Spaß mit den Händen und ich freue mich sehr über Diskussionen und auch weitere Spots zum maximal Exploiten 🙂