Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Gemischte Hände

Einleitung



In der 58. Woche der Lehrreichen Beispielhände werde ich in der ersten Hand erörtern, wie man seine Draws in Family Pots spielt. Sollte man aggressiv oder lieber passiv spielen?

In der zweiten Hand zeige ich euch wie man durch gekonntes Handreading eine bessere Hand am River zur Aufgabe zwingt!

1) Drawplay out of Position in multiway Pots

Wenn wir grundsätzlich von Family Pots reden, dann sind drei oder sogar mehr Spieler in der Hand. Wir haben unsere Hand im SB oder im BB verteidigt und müssen am Flop entscheiden, ob wir unseren Draw aggressiv oder passiv spielen. Um hier den richtigen Weg zu finden, müssen wir uns vorerst eine sehr maßgebliche Frage stellen

Besteht die Chance den Pot unimproved zu gewinnen?

Wenn die Antwort "JA" lautet, dann ist es grundsätzlich richtig seinen Draw aggressiv zu spielen. Hier eine Standardsituation die keiner großen Erläuterung bedarf.

1.1)

Preflop: Hero is BB with K, Q
MP2 folds, MP3 raises, CO folds, BU calls, SB folds, Hero calls.

Flop: (6.40 SB) 8, 7, 2 (3 players)
Hero checks, MP3 bets, BU calls, Hero raises.

Final Pot: 5.20 BB

Wenn die Antwort auf die entscheidende Frage "NEIN" lautet, dann sollten wir unseren Draw logischerweise passiv spielen.

Klingt auf den ersten Blick recht simpel, aber wir müssen uns nun fragen, welche Faktoren das Potential begünstigen, den Pot unimproved zu gewinnen und welche nicht. Bevor wir diese Fragen klären, sollte vorher noch etwas Generelles gesagt werden.

Im Forum liest man häufiger, dass man seine Draws gemäß seiner Equity spielen sollte. Wenn wir einen Equityedge am Flop haben, sprich wir haben einen Flushdraw gegen 4 Gegner, sollten wir immer den Flop raisen. Das ist falsch! Wir müssen unsere Draw gemäß dem Erwartungswert spielen und dürfen nicht isoliert auf die Equity schauen. Ich sehe noch häufiger Leute im Forum, die diesen Fehler machen aber damit soll jetzt Schluss sein. Was dieser Unterschied bedeutet, zeige ich euch an den folgenden zwei Beispielhänden.

1.2)

Wir spielen unseren Draw gemäß unserer Equity, die am Flop ca 33% beträgt.

Preflop: Hero is SB with T, 9
MP2 folds, MP3 raises, CO calls, BU calls, Hero calls, BB calls.

Flop: (10.00 SB) A, K, 6 (5 players)
Hero checks, BB checks, MP3 bets, CO calls, BU calls, Hero raises, BB folds.

Final Pot: 7.50 BB

MP3 ist ein LAG und openraised. Zwei Fishe coldcallen und wir treffen einen Flushdraw auf einem AK6 Board. Der LAG contibettet und die beiden Fishe callen. Nur alleine von der Equity her, ist es richtig den Flop zu check/raisen. Vom Erwartungswert, der richtigerweise alle Straßen mit einbezieht, ist eine andere Spielweise aber besser!

1.3)


Wir spielen die Hand gemäß des Erwartungswertes

Preflop: Hero is SB with T, 9
MP2 folds, MP3 raises, CO calls, BU calls, Hero calls, BB calls.

Flop: (10.00 SB) A, K, 6 (5 players)
Hero checks, BB checks, MP3 bets, CO calls, BU calls, Hero calls.

Final Pot: 7.00 BB

Wie zu erwarten war, spielen wir unseren Draw nicht aggressiv, sondern callen den Flop nur. Diese Situation ist für viele sicherlich ganz klar verständlich aber ob jeder das Konzept dahinter verstanden hat?

Wir müssen diese Situationen also gemäß des EV's beurteilen und nicht gemäß der Equity, da die Equity sich nur auf eine Straße und nicht auf alle Straßen konzentriert. Der EV sagt in dieser Hand ganz klar, dass wir unseren kleinen Edge am Flop vernachlässigen sollen, um einen größeren Edge auf späteren Straßen auszunutzen. Wenn wir den Flop check/raisen, könnte nämlich folgende fatale Konsequenz eintreten:

- MP3 der ein LAG ist, wird 3betten und kickt die Fishe heraus und wir isolieren uns gegen ihn und sind mit unseren Draw plötzlich nur noch Headsup. Alternativ called er den Flop und raised den Turn und kickt die beiden Fishe heraus. Wir laufen also Gefahr, dass die beiden Fishe folden und wir von ihnen auf den späteren Straßen keine Bets mehr einsammeln können.

Angenommen wir isolieren uns nicht und der LAG called nur und die Fishe callen auch. Wir improven am Turn nicht und können dann betten oder wir können checken. Weder Bet noch Check ist hier ein gutes Play, da:

a) ein Check unsere Hand offen legt und die Gegner sehr passiv spielen werden, wenn eine Kreuzkarte kommt

b) eine Bet nur knapp +EV bzw fast kostenneutral ist, wenn alle Spieler nur callen, was allerdings selten vorkommt.

Wir setzen uns am Turn also einem Raise aus und der kleine Edge den wir am Flop gepushed haben, den verlieren wir, mal unabhängig von der Isolationgefahhr, am Turn doppelt und dreifach

Grade auf einem Board wo wir eh nie UI gewinnen und der Aggressor direkt nach uns dran ist, dieser wohlmöglich auch noch aggressiv ist, ist es falsch den Flop zu check/raisen.

Ein ganz bedeutender Vorteil des Calls ist auch noch, dass wir das ganze Feld check raisen können, wenn wir improven und MP3 sehr wahrscheinlich erneut betten wird.

Kommen wir zurück auf die jeweiligen Faktoren die darüber entscheiden, wie groß die Chance ist seinen Draw garnicht treffen zu müssen sondern den Pot unimproved mitzunehmen.

- Das Board enthält kleine Karten und durch weitere Overcards können wir auf späteren Straßen Foldequity generieren. Auch genannt "Implied Foldequity"

- das Board enthält eine Highcard, was die Gegner direkt zur Aufgabe zwingt, da sie glauben kaum noch Outs gegen uns zu haben

- es gibt wenig Redrawmöglichkeiten

- die Gegner haben keinen übermäßig hohen WTS und sind auf ungefährlichen Boards nicht showdownbound, vorallem nicht mit Ace high

Zu dem Punknt mit den Redrawmöglichkeiten möchte ich noch etwas sagen. Auf manchen Boards könnte man meinen, dass weitere Overcards Foldequity erzeugen aber genau das Gegenteil ist der Fall. Bei connected Boards helfen diese Karten dem Gegner eher und geben ihm zusätzlich Outs, was unsere FE stark beschneidet.

1.4)

Preflop: Hero is BB with 6, 5
MP2 folds, MP3 raises, CO folds, BU calls, SB folds, Hero calls.

Flop: (6.40 SB) T, 9, 4 (3 players)
Hero checks, MP3 bets, BU calls.

Final Pot: 4.20 BB

Wir werden mit einem Openraise aus MP3 konfrontiert und einem BU Coldcaller der etwas über 40 Went to Showdown hat. In dieser Situation ist es absolut richtig seinen Draw nur passiv zu spielen, da unsere FE grade auf einem T9 Board fast null ist. MP3 hat mit seiner Range eine sehr gute Equity, da sehr viele Hände die UI sind, 10 Outs haben und eh bis zum River gehen werden. Weitere Overcards wie J Q K A schaden uns eigentlich nur, da sie eine Hand von beiden sehr oft improved (KJ QJ KQ Ax). Falls diese Overcards keinem eine Madehand bescheren, erlauben sie aber oft viele Outs zum River hin durch zum Beispiel einen OESD bei einer Karte wie (7 8 J Q). Da der Fish sehr showdownbound ist, wird er den Turn auch mit Gutshots callen und die Chance den Pot ui zu gewinnen, geht gen 0. Auf connected Boards mit vielen Redrawmöglichkeiten und wenn dazu noch ein Fish in der Hand ist: Draw passiv spielen!

Ausnahme:

Monsterdraws wie zum Beispiel einen open ended Straightflush Draw oder einen Flushdraw + Gutshot + zwei Overcards sollten wir multiway oop dennoch immer aggressiv spielen. Auch wenn wir keine FE haben, ist unsere Equity so bombastisch, dass wir den Pot gleich aufblähen wollen. Durch einen Flopraise können wir eine 3bet induzieren und mit Monsterdraws 3 oder 4handed zu cappen am Flop ist einfach zu profitabel, da unser Edge am Flop natürlich wesentlich größer ist, als wenn wir nur einen FD ohne Overcardpotential halten. Wir haben die Initiative oop, was sehr gut ist wenn wir improven. Wir improven mit einem Monsterdraw insgesamt in 1/2 Fällen und ca in 1/3 Fällen schon am Turn.

2) Read based Riverplay

Hier präsentiere ich euch eine Hand die ich neulich gespielt habe. Ich hatte Stats auf den Gegner. Ich weiss nicht mehr wie genau sie aussahen aber im ungefähren so:

(50/13/0,9/40)

Der Gegner war also ein großer Fish und ich habe ihn am Table aufmerksam beobachtet und hatte folgende Tablereads nach einigen Händen aufgepickt:

- macht Trashcalls am Flop
- ist aggro genug um Toppair am Flop zu check raisen und durchzubetten
- check call check / raise = starke Hand / Monsterline
- vermehrte anti free Donkbets nach check call an Flop und Turn

Preflop: Hero is BU with 3, 3
2 folds, CO calls, Hero raises, 2 folds, CO calls.

Flop: (5.40 SB) K, 7, 4 (2 players)
CO checks, Hero bets, CO calls.

Turn: (3.70 BB) 5 (2 players)
CO checks, Hero bets, CO calls.

River: (5.70 BB) Q (2 players)
CO bets, Hero raises, CO folds.

Final Pot: 8.70 BB

Ich sitze also am Button mit 33 und isoliere den Fish. Die Blinds folden zu meinem Glück und ich bin in Position Headsup mit dem Fish, das Traumszenario :). Der Flop ist eigentlich sehr gut für mich. Ich contibette den Flop und bekomme einen check call. Gegen andere Gegner hätte ich hier vielleicht check behind gespielt und eine Riverbet gecalled aber da ich wusste dass der Fish häufig mit Air am Flop called und ich deswegen noch häufig vorne bin und ich auf einen cr am Turn einen easy Laydown habe, habe ich mich ganz klar für eine Turnbet entschieden. Ich bekomme nochmal einen check call am Turn und am River kommt eine Queen. Nun donkt er aufeinmal in mich herein. Ich habe mich hier ganz klar für einen Riverraise entschieden, da die Queen ihm sehr selten geholfen hat, da er mit Q 2pair auch eher check raisen würde und er einen König am Flop gecheck/raised hätte. Ich muss dazu sagen, dass ich schon einige Hände vorher in der selben Situation gegen ihn eine starke Hand hatte wie toppair+ und die Donk for value geraised habe und ich ihn daraufhin 2-3x habe folden gesehen. Ich wusste hier also dass er am River nach cc cc oft bet fold spielt am River.

Angenommen wir spielen hier aber gegen Unknown, ergibt der Riverraise dann auch Sinn.

Er ergibt Sinn, ja!

Eine passive Line und die Riverdonk kann eigentlich nur die 7 oder schlechter sein. Ein missed Draw könnte auch sein aber viel wahrscheinlicher ist ein lowpair oder schlechter, was sich noch einen Call von Ace high erhofft. Es waren immerhin ein paar Straightdraws möglich am Turn und Ace high werden manche Gegner deswegen am River auch noch callen. Wenn wir eine 7 oder schlechter donken würden und der Gegner uns am River raised, dann würden wir uns auch nicht mehr wohlfühlen und würden denken dass wir hinten sind. Wenn ein Ass am River kommt, sieht das ganze natürlich schon anders aus aber die Q als Overcard zur 4, 5 und 7, entwertet diese Pairs natürlich nochmal ein Stück weit und wirklich wenige Gegner würden bei so einem dry Board, wo es auch kaum möglich ist dass wir einen busted Draw bluffen, den River bet callen mit Lowpair oder schlechter. Wenn wir selber eine 5 mit gutem Kicker halten, dann ergibt der Raise natürlich wenig Sinn, weil wir gegen jede 4 und 5 eh vorne liegen und nur die 7 als bessere Hand zum folden bringen aber da wir in der oberen Hand nur 33 halten, wäre es super wenn eine 4 oder besser folden würde!