Aktualisiert am 12 März 26 von

Suited Connectors Teil 1 - Theorie

» KOLUMNE

Suited Connectors sind schöne Starthände, die im Verlaufe des Spiels aber einige Probleme verursachen können. Im ersten Text dieser dreiteiligen Serie wollen wir uns anschauen, wo die Vor- und Nachteile von suited Connectors liegen und warum wir sie überhaupt spielen sollten. Wir schauen uns einen Vergleich zur Variante Fixed Limit an und werden dann analysieren, welche Arten von Draws wir überhaupt mit suited Connectors aufgabeln können.

Die Frage, wie wir suited Connectors praktisch spielen, preflop und postflop, wird im kommenden zweiten Teil der Serie behandelt.

Was sind gute suited Connectors?

Suited Connectors können wir grundsätzlich als eine drawing Hand definieren. Diese Hand muss sich am Flop immer deutlich verbessern, damit sie überhaupt spielbar wird bzw. Showdownvalue hat. Aber selbst wenn wir treffen, haben wir meistens weiterhin einen (teils sehr starken) Draw am Flop.

Die „starken“ suited Connectors fangen bei 54s an. Diese Hand lebt davon, zwei mögliche Draws aufgreifen zu können. Zum einen natürlich den Flushdraw, zum anderen den Straightdraw. Um maximale Chancen auf eine mögliche Straight (bzw. einen open-ended Straightdraw) zu haben, müssen wir jeweils die Möglichkeit haben, drei Karten von oben oder unten anfügen zu können. Mit 54s ist dies der Fall (Flop: A23). Nach oben hin ist demnach JTs die maximal stärkste drawing Hand. Bei einer Hand wie QJs haben wir demnach nicht mehr die maximale Chance, einen guten Straightdraw aufzugreifen bzw. die Straight direkt zu treffen, dafür kommen wir hier schon in den Bereich des Highcard-Values. Dementsprechend ist QJs nicht viel schwächer einzustufen. Nach unten hin ist die Grenze jedoch eindeutiger, da bei 43s- die Chancen auf einen Treffer erheblich fallen, abgesehen davon, dass auch ein möglicher Flush(-draw) immer schwächer wird.

Da wir uns jedoch nicht mit Broadway-Händen beschäftigen wollen, schauen wir uns somit in erster Linie die Range 54s-JTs an.

Die Stärken von suited Connectors

Die herausragende Stärke von suited Connectors liegt auf der Hand. Wir können einige Draws am Flop aufgabeln und haben zudem die Möglichkeit, durch mehrere Chancen (Flush, Straight, (Two-)Pair…) einen Combodraw zu erhalten, der uns die Möglichkeit gibt, unseren Draw am Flop so aggressiv zu spielen, so dass wir ohne Weiteres bereit sein müssen, damit All-in zu gehen.

Unabhängig von unserer Hand ist es meist unser Anliegen, ein recht aggressives Spiel zu bieten. Demnach haben wir häufig auch mit suited Connectors die Initiative, sollten wir preflop damit geraist oder gar ge-3-bettet haben. Verstehen wir das Preflop-Raise als eine Art Steal, so ist es natürlich sehr erfreulich, wenn man viele mögliche Treffer in der Hinterhand haben könnte und Villain uns selten eine solche Hand zutraut. Treffen wir also mit 54s unsere Straight, werden wir sehr häufig ausbezahlt, da viele nicht wahrhaben wollen, dass auch 54s in einer Open-Raising-Range aus früher/mittlerer Position liegen kann.

Neben den grundsätzlichen Vorteilen eines Steals (Foldequity preflop + am Flop) haben wir also die Möglichkeit, sehr gut zu treffen und Villain zu stacken. Des Weiteren hilft uns ein aggressives Spiel mit suited Connectors, unsere Deception zu verbessern. Wir können damit immer schwerer auf eine Range gesetzt werden und werden demnach mit starken Händen häufiger ausbezahlt.

Was uns dabei recht selten passiert, ist die Gefahr der Domination. Natürlich kommt es ab und an vor, dass man seinen Flush gegen einen höheren Flush verliert. Wenn dies so passiert, muss man sich den Mund abwischen und weitermachen. So gute Reads auf seinen Gegner zu haben, um ihn auf einen besseren Flush setzen zu können, hat man selten. Man muss sich immer vor Augen halten, dass es auch viele schwächere Hände gibt, die einen auf einem möglichen Flush-Board ausbezahlen.

Lassen wir diesen Fall also außer Acht, so haben wir mit suited Connectors eine recht gute Playability und können auf verschiedenen Flops gegen verschiedene Gegner spezifisch agieren. Eine Hand wie KTo oder A9o hingegen hat dort ganz andere Probleme, da sie potenziell dominiert sind. Treffen wir damit einen A- bzw. K-high-Flop, so stehen wir meist vor großen Problemen und müssen möglicherweise häufig unsere Hand aufgeben. Aufgrund dieser Tatsache sollte man preflop lieber suited Connectors (aggressiv) spielen als solche potenziell dominierten Hände, bei denen es schwer vorstellbar ist, dass eine schwächere Hand uns ausbezahlt.

Die Schwächen von suited Connectors

Neben den vielen Vorteilen gibt es natürlich auch einige Nachteile.

Im Gegensatz zu einem Pocketpair treffen wir mit suited Connectors verhältnismäßig seltener. Wir wollen nicht mathematisch werden, aber einen Flushdraw trifft man ungefähr so häufig wie ein Set mit einem Pocketpair. Natürlich kommen dann noch die Straightdraw-Chancen dazu sowie natürlich die Standard-Möglichkeiten wie Twopair oder Trips, die wir jedoch auch mit any two haben. Das Problem daran ist, dass wir damit ja nicht wirklich „getroffen“ haben, sondern nur einen Draw aufgegabelt haben. Können wir bei einem Hit mit einem Pocket Pair meistens ohne wenn und aber am Flop broke gehen, so können wir mit einem 8-/9-Outer am Flop grob abschätzen, dass er in einem von drei Fällen bis zum River ankommen wird.

Daraus ergibt sich natürlich ein Folge-Problem. Mit starken made Hands haben wir klare Lines für unser Postflopspiel. Wir wollen Value extrahieren und müssen in den meisten Fällen protecten. Straight forward zu spielen, ist hier selten ein Fehler, da wir meistens auch bereit sind All-In zu gehen. Mit einem starken Draw hingegen haben wir am Flop keinen Showdownvalue, unsere Bets bzw. Raises gehen eher in Richtung Semibluff. Sie sind auf Dauer also nur erfolgreich und profitabel, wenn Villain auch des Öfteren auf unsere Aggression hin foldet. Genau aus diesem Grund bietet es sich an, seine Draws ähnlich straight forward zu spielen wie die made Hands und somit so viel Foldequity wie möglich mitzunehmen.

Was bei einer drawing Hand eines der größten Probleme darstellt, ist das Turn-Play. Am Flop können wir häufig wie gewohnt spielen, da wir dort auch teilweise als pure Bluff contibetten und unterm Strich eine hohe Foldequity haben. Am River ist die Hand gemacht, hier stellt sich meist die Frage, ob wir eine Valuebet haben, bluffen sollten oder die Hand einfach aufgeben.

Am Turn jedoch stehen wir meist vor größeren Problemen, da im Gegensatz zum Flop nur noch eine Karte aussteht und wir nicht mehr davon ausgehen können, dass wir in einem von 3 Fällen treffen, sondern nur noch in einem von fünf. Spielen wir passiv, so bräuchten wir extreme gute Odds oder müssten uns hohe implied Odds geben. Spielen wir aggressiv, so bräuchten wir für eine 2nd Barrel recht viel Foldequity. Richtig ärgerlich wird es, wenn unsere 2nd Barrel mit einem 9-Outer geraist wird. Trotz unseres starken Draws sind wir dann meist zur Aufgabe gezwungen.

Der Unterschied zwischen FL und NL

Um die Bedeutung von suited Connectors noch einmal zu verdeutlichen, schauen wir uns die unterschiedliche Bewertung dieser Hände im Fixed Limit bzw. im No-Limit an.

Beim Fixed Limit ist es wichtig, eine hohe Equity zu haben, dass heißt im Durchschnitt eine stärkere Hand als der Gegner zu halten. Die bereits oben erwähnten Hände wie KTo oder A9o sind deswegen beim Fixed Limit als besser zu betrachten, da man hier bei einem Treffer den Showdown erreichen will. Zudem wird aufgrund der guten Odds wesentlich häufiger mit schlechteren Händen gecallt, so dass man teilweise mit diesen Händen in der Tat weit vorne liegt und nicht allzu häufig in dominierte Situationen geraten kann. Zudem kann man nach dem Prinzip way ahead / way behind diese Hände günstig zum Showdown führen, da man geringe reverse implied Odds hat.

Neben den fehlenden reverse implied Odds hat man aber im Fixed Limit logischerweise auch recht wenig implied Odds, da man im Verlaufe der Streets nicht soviel zusätzliches Geld erwarten kann wie beim No-Limit. Da wir bereits besprochen haben, dass suited Connectors doch recht selten treffen, sind diese Hände beim Fixed Limit eher Problemhände.

Beim No-Limit hingegen haben wir enorme implied Odds (und natürlich auch reverse implied Odds). Aufgrund der implied Odds können wir die suited Connectors deutlich besser spielen und haben wegen der reverse implied Odds mit Händen wie KTo- erheblichere Probleme, da ein Runtercallen damit beim No-Limit recht selten in Frage kommt.

Einen weiteren Unterschied gibt es beim Postflopplay. Spielen wir einen Draw eher passiv nach Odds & Outs, so kann man beim Fixed Limit meistens ohne Probleme Flop und Turn callen, da man die oben erwähnten Odds von 2 zu 1 am Flop bzw. 4 zu 1 am Turn meistens bekommt. Beim No-Limit hingegen können wir am Turn keine sehr große Bet callen, da wir dort nahezu nie Pot Odds von 4 zu 1 oder gar besser serviert bekommen.

Genau diese Tatsache lässt schon einmal zwei wichtige Punkte erkennen:

  • Spielen wir einen Draw passiv, bekommen wir beim No-Limit aufgrund der Odds meist am Turn Probleme. Es lohnt sich also aggressiv zu spielen.
  • Wir benötigen bei einer passiven Spielweise teilweise erhebliche implied Odds. Diese Thematik sollte einem also bekannt sein sowie die Möglichkeit zur Einschätzung seiner Gegner, ob man diese Gewinne auch wirklich noch erwarten kann. Wichtig sind dabei nicht nur der Gegner, sondern auch die Board-Textur sowie natürlich die (relative) Position.

Was können wir treffen?

Theoretisch gibt es drei Möglichkeiten:

Wir treffen gar nichts

Sollten wir mit einem suited Connector den Flop völlig verfehlen, so haben wir auch auf den späteren Streets kaum noch etwas zu erwarten. Einen Backdoordraw können wir mit einem Out ansetzen, der hilft uns nahezu nie weiter. Hier leben wir im zukünftigen Play einzig und allein von der Foldequity.

Wir treffen eine made Hand

Wenn wir wirklich „treffen“, so haben wir eine starke made Hand am Flop. Ob dies nun ein made Flush, eine made Straight, Trips oder Twopair ist, ist vordergründig egal. Hier gelten die normalen Lines, mit denen wir protecten wollen und natürlich Value extrahieren müssen.

Wir treffen einen Draw

Dies passiert recht häufig und genau aus diesem Grunde spielen wir unsere suited Connectors. Jedoch ist Draw nicht gleich Draw. Es gibt gute Draws und es gibt gefährliche Draws. Wir werden uns also nun anschauen, was für verschiedene Draws wir treffen können und wie wir diese werten können.

Der „einfache“ Draw

Als einen einfachen Draw bezeichnen wir das Aufgabeln eines 8- bzw. 9-Outers.

Beispiel:

Hero: 6 7
Flop: 2 3 J

Dieser Draw besteht entweder aus einem Flushdraw (9 Outs) oder einem Straightdraw (8 Outs). Wie bereits erwähnt, stehen die Odds am Flop 2 zu 1, dass unser Draw bis zum River (also bei zwei ausstehenden Karten) ankommt.

Der Combodraw

Als einen Combodraw bezeichnen wir unter anderem dass gleichzeitige Auftreten von mehreren Draws.

Beispiel:

Hero: 6 7
Flop: 4 5 J

Bei diesem Draw haben wir den Flushdraw sowie den Straightdraw und haben somit 15 Outs zu verbuchen. Schauen wir uns wieder die Odds bei noch zwei ausstehenden Karten an, so kommen wir auf grob auf eins zu eins. Im Klartext heißt dass, wir können mit solch einem Draw am Flop All-In gehen. Solange wir selber pushen, haben wir zusätzlich noch die Foldequity auf unserer Seite. Jedoch sind wir auch in der Lage, ein All-In ohne weiteres zu callen.

Der „versteckte“ Draw

Als einen versteckten Draw bezeichnen wir Draws, die neben einer offensichtlichen Straight- oder Flush-Chance noch weitere Outs zu einer deutlichen Verbesserung unserer Hand haben. Letztlich ist auch dies ein Combodraw.

Beispiel:

Hero: 6 7
Flop: 2 6 J

In erster Linie achten wir hier natürlich auf unseren Flushdraw. Unser Middlepair scheint nicht sonderlich viel wert zu sein, aber im raised Pot können wir uns hier sehr häufig die zusätzlichen Outs auf Trips (zwei Outs für die 6) und auf Twopair (3 Outs auf die 7) geben. Diese Outs sind selten dominiert, es handelt sich hier quasi um live Cards. Diese fünf Outs können wir uns meistens zu unseren Flush-Outs hinzurechnen und kommen somit auf 14 Outs (hätten wir einen Straightdraw so kämen wir auf 13 Outs). Diese Hände können wir demnach genauso spielen wie bei einem normalen Combodraw. Auch hier ist ein Flop-All-In meist eine profitable Angelegenheit.

Der „dreckige“ Draw

Ein „dreckiger“ Draw bietet uns, wie man sich denken kann, nicht viele saubere Outs oder lässt uns nur zu einer 2nd best Hand drawen.

Beispiel:

Hero: 6 7
Flop: 8 9 2

Auch hier haben wir einen 8-Outer vorzuweisen, jedoch sind schon mal die beiden -Outs nicht clean. Wenn wir eine dieser Karten am Turn treffen, so könnten wir gegen einen Flush drawing dead sein. Das gleiche gilt für eine Zehn, hier hätten wir auch noch das Problem hart protecten zu müssen, da, selbst wenn wir vorne liegen, Villain einen Redraw aufgegabelt haben könnte.

» ZUSAMMENFASSUNG

Wir haben uns heute angeschaut, wie wir unsere suited Connectors zu bewerten haben. Es ist wichtig, die Stärken und Schwächen zu kennen, damit man weiß, wie man mit ihnen gegen verschiedene Gegner umgehen muss. Außerdem haben wir uns mit den verschiedenen Arten der Draws beschäftigt. Ob man einen astreinen 15-Outer vorliegen hat oder einen eventuell zur 2nd best Hand heranwachsenden 6-Outer macht selbstverständlich einen riesigen Unterschied.

Im nächsten Teil dieser Serie werden wir etwas praktischer zu Werke gehen und uns dann auch vermehrt anschauen, wie wir preflop und postflop die angesprochenen Gedanken umsetzen können.