Aktualisiert am 12 März 26 von

Asse auch einmal folden können - Die Gegner

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Asse auch einmal folden können - Die Gegner

von MiiWiin

In Teil eins dieser zweiteiligen Kolumne haben wir Equity-Berechnungen durchgeführt und uns angesehen, wie häufig man mit seinen Aces auch am Flop noch die beste Hand hält. Diesmal schauen wir uns gezielt unsere Gegner an, versuchen zu überlegen, welche Ranges wir ihnen geben können, und ob wir tatsächlich geeignete Spots finden, unsere Aces wegzulegen.

 

Die hier behandelten Gegner

Um die Angelegenheit nicht unnötig zu verkomplizieren, wenden wir uns unseren vier bekannten Standardtypen zu: dem TAG, dem LAG mit einem Hang zum Maniac, der allseits beliebten Calling Station und dem nicht sonderlich beliebten Rock.

Um unsere Hand am Flop und auch auf den folgenden Streets korrekt beurteilen zu können, ist es wichtig, etwas über seinen Gegner zu wissen und grob seine Ranges und die damit verbundene Spielweise einschätzen zu können.

Am liebsten spielen wir solch eine Hand natürlich gegen eine Calling Station und gegen einen Maniac. Bei beiden Spielern sollten wir uns nicht einbilden, dauernd korrekte Reads zu haben und sie auf gezielte Karten setzen zu können. Ein Maniac trennt sich nun mal ungern von seiner Hand und neigt dazu, uns zu häufig aus dem Pot drängen zu wollen. Hier mit Aces einen toughen Laydown zu vollziehen, ist nicht sonderlich einfach.

Die Calling Station ist nun mal der beliebteste Gegenspieler, weil sie viel zu viel callt. Wir haben hier einiges an Value zu erwarten. Jedoch gibt uns ein solch passiver Spieler eine sehr gute Möglichkeit, die eigene Handstärke zu überdenken, sollte er selber aggressiv spielen.

Der TAG tritt in vielen verschiedenen Facetten auf und ist grundsätzlich kein willkommener Gegenspieler. Auch er kann bluffen, auch er kann runtercallen. Uns kann es aber häufig gelingen, ihn auf eine nahe an die Realität herankommende Range zu setzen und somit nicht zwanghaft mit unserem Overpair broke zu gehen.

Noch einfacher gelingt uns dies bei einem Rock. Bluffen liegt nicht in seiner Natur, ebenso sind riskante Calldowns nicht seine Angelegenheit. Er wird sich oft von marginalen Händen trennen und uns meistens erst große Action liefern, wenn er unser Paar beat hat.

Aces vs. Maniac

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats

BU ($25)
MP ($25) (36/22/3.4/21/1003) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is UTG with A , A
Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 4 folds

Flop: ($2.25) 3, 5, T (2 players)
Hero bets $1.50, MP raises to $5.00, Hero...

Leider ist es uns nicht gelungen, preflop bereits einen größeren Pot aufzubauen. Der recht aggressive Maniac hat dieses Mal nur gecallt. Wir sehen an seinen Stats, dass VPIP und PFR doch recht weit auseinander liegen. Somit verwundert es uns nicht sonderlich.

Was aber nahezu zu erwarten ist, dass wir am Flop ein Raise bekommen. Dass dieser Spieler nun einfach auf unsere Continuation Bet foldet, wäre auch nicht zu erwarten gewesen.

Folden können wir hier nicht, wir müssen unserem Gegner eine solch breite Range zutrauen, dass ein Fold viel zu weak wäre. Viel mehr müssten wir uns die Frage stellen, wie wir broke gehen. 3-bet/call Flop ist ein gute Line, um zusätzlich zu protecten, wird dafür aber häufig schlechtere Hände vertreiben. Das Risiko eine Freecard zu verteilen und den Flop nur zu callen mit der Absicht, den Turn zu checkraisen, könnte sich hier häufig genug auszahlen.

Was wäre aber in der folgenden Situation?

Preflop: Hero is UTG with A , A
Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 4 folds

Flop: ($2.25) 3, 5, T(2 players)
Hero bets $1.50, MP calls $1.50

Turn: ($5.25) 4 (2 players)
Hero bets $3.75, MP raises to $11.00, Hero...

Nun sieht die Situation etwas anders aus. Villain callt den Flop und raist am Turn. Diese Line deutet schon mehr Stärke an.

Erst einmal müssen wir unsere Line hinterfragen. Ist die Bet am Turn korrekt? Sie ist definitiv nicht falsch, aber gegen einen solch aggressiven Gegner wäre auch hier mal ein Checkraise denkbar. Wir haben uns aber für die Bet entschieden und müssen nun mit der Situation leben.

An dieser Stelle lohnt es sich schon, wieder einmal den Equilator zu Rate zu ziehen. Was geben wir unserem Maniac für eine Range? Sets sind auf jeden Fall denkbar, auch wenn TT wohl ein Preflopraise gewesen wäre. Ausschließen kann man es jedoch nicht. Ebenso sind Toppairs möglich, AT/KT/QT können wir diesem Spieler durchaus zutrauen.

Auch schwächere Overpairs sind denkbar, wir lassen KK mal außen vor und geben ihm JJ und QQ. Und selbstverständlich sind Draws möglich. Als starke Draws sind K Q denkbar. Zudem geben wir ihm noch J T und T 9.

Ebenso trauen wir ihm 66 zu, womit er ebenfalls semibluffen könnte. Ebenso könnte er jedoch den Plan gehabt haben, mit 44 am Turn zu floaten. Deswegen nehmen wir beide Hände mit ins Programm.

Damit lassen wir pure Bluffs momentan außen vor. Was sagt der Equilator?

Board: Ts 5d 4c 3d
Dead:

Equity Gewonnen Unents. Verloren Hand
Spieler 1: 74.218 % 73.770 % 0.894 % 25.335 % AhAd
Spieler 2: 25.782 % 25.335 % 0.894 % 73.770 % TT-QQ, 33-66, ATs, KTs, QTs, ATo, KTo, QTo,KdQd,JdTd,Td9d

Wie wir sehen, brauchen wir uns über Bluffs gar keine Gedanken zu machen. Wir müssen so einem Gegner einfach zutrauen, uns hier mit vielen schwächeren Händen zu raisen. Wir gehen hier in jedem Fall mit einem Overpair broke.

Aces vs. TAG

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats

BU ($25)
MP ($25) (15/12/2.1/24/465) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is UTG with A , A
Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 4 folds

Flop: ($2.25) 8, 9, T (2 players)
Hero bets $1.50, MP raises to $5.00, Hero...

Gleiche Preflop-Situation, anderes Board und diesmal einen TAG als Gegner. Das Board ist sehr drawy und wir wissen, dass Villain hier mit einem guten Draw raisen wird. Was können wir ihm für eine Range geben?

Der Coldcall preflop überrascht schon etwas. Wir sollten Villains Range deswegen sehr stark einengen. 88-TT ist definitiv möglich. Da wir nicht wissen, ob Villain jedes Mal seine Jacks 3-bettet, müssen wir ihm diese ebenfalls geben. Auch die Queens geben wir ihm, lassen dafür aber auch hier die Kings als Ausgleich weg.

Suited Connectors sind eigentlich recht unwahrscheinlich. Dieser Gegner wird selten so loose aus MP unser UTG-Raise callen. Möglich wären dafür A K und K Q.

Zudem geben wir ihm einen Semi-Bluff mit 77. Was sagt der Equilator hierzu?

Board: Td 9s 8s
Dead:

Equity Gewonnen Unents. Verloren Hand
Spieler 1: 47.480 % 45.949 % 3.062 % 50.989 % AhAd
Spieler 2: 52.520 % 50.989 % 3.062 % 45.949 % 77-QQ,AsKs,KsQs

Wie wir sehen, haben wir hier eine knappe Entscheidung. Unterm Strich finden wir hier wohl eine Break-even-Situation vor.

Allerdings wird Villain bis auf 77 wohl kaum eine Hand mehr weglegen, so dass wir von den meisten Händen auch ausbezahlt werden würden. Denn ein Call kommt nicht in Frage. Unsere Alternativen lauten fold oder 3-bet/call.

Aces vs. Rock

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats

BU ($25)
MP ($25) (10/5/1.1/20/322) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is UTG with A , A
Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 4 folds

Flop: ($2.25) 2, 5, K (2 players)
Hero bets $1.50, MP raises to $5.00, Hero...

Nun schauen wir uns eine Hand gegen einen Rock auf einem sehr trockenen Board an.

Was für Annahmen müssen wir treffen? Dem Rock trauen wir nur zu, mit sehr starken Händen zu raisen. Auch wenn uns in diesem Fall überrascht, dass er auf einem sehr trockenem Board raist. Sets sind möglich, sofern wir ihm zutrauen, mit KK preflop zu coldcallen. Es liegen wohl auch AK/KQ in seiner Range. Mehr Hände geben wir ihm nicht.

Board: Kd 5h 2s
Dead:

Equity Gewonnen Unents. Verloren Hand
Spieler 1: 59.444 % 59.267 % 0.355 % 40.378 % AhAd
Spieler 2: 40.556 % 40.378 % 0.355 % 59.267 % KK, 55, 22, AKs, KQs, AKo, KQo

Wie wir sehen, liegen wir auch gegen diese sehr tighte Range noch vorne. Was wäre aber, wenn die Hand wie folgt verliefe?

Preflop: Hero is UTG with A , A
Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 4 folds

Flop: ($2.25) 2, 5, K (2 players)
Hero bets $1.50, MP calls $1.50

Turn: ($5.25) Q (2 players)
Hero bets $3.75, MP raises to $11.00, Hero...

Nun ist Vorsicht angesagt! Der passive Spieler raist uns am Turn, was grundsätzlich eine sehr starke Line ist. Von der Flop-Range ziehen wir nun AK wieder ab, da es wenig Sinn macht diese Hand nun zu raisen. Bleibt also nur seine Range, die hart getroffen hat: KK, 55, 22, KQs und KQo.

Board: Kd Qc 5h 2s
Dead:

Equity Gewonnen Unents. Verloren Hand
Spieler 1: 11.364 % 11.364 % 0.000 % 88.636 % AhAd
Spieler 2: 88.636 % 88.636 % 0.000 % 11.364 % KK, 55, 22, KQs, KQo

Hier haben wir nun nichts mehr in der Hand verloren. Die Line dieses passiven Spielers ist einfach zu stark, um unsere offensichtlich geschlagenen Aces hier noch weiterzuspielen. Unsere Aces sollten gefoldet werden.

Aces vs. Calling Station

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats

BU ($25)
MP ($25) (45/11/0.7/29/561) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is UTG with A , A
Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 4 folds

Flop: ($2.25) 2, 5, K (2 players)
Hero bets $1.50, MP raises to $5.00, Hero...

Im letzten Beispiel treffen wir auf eine sehr loose Calling Station. Dieser Spieler callt preflop eine Menge Müll. Hier "vernünftige" Ranges zu finden, ist mehr als schwierig. Allerdings gehen wir davon aus, dass er nur mit made Hands – welche Art auch immer – am Flop raist.

Auch diesem Spieler können wir Sets zutrauen, ebenso AK und KQ. Die Range sollte etwas größer sein als bei unserem Rock im Beispiel zuvor. Da wir dort schon gesehen hatten, dass wir meistens noch vorne liegen, so ist das auch hier der Fall.

Schauen wir uns aber ebenso das Beispiel des Raises am Turn an. Wie verfahren wir hier gegen die Calling Station?

Preflop: Hero is UTG with A , A
Hero raises to $1.00, MP calls $1.00, 4 folds

Flop: ($2.25) 2, 5, K (2 players)
Hero bets $1.50, MP calls $1.50

Turn: ($5.25) Q (2 players)
Hero bets $3.75, MP raises to $11.00, Hero...

Draws sind nicht möglich, Bluffs schließen wir aus. Die Range KK, 55, 22, KQs, KQo geben wir Villain auch hier. Welche andere Hand sollte er raisen?

Diesem Spieler trauen wir eher zu, AK am Turn zu overplayen. Dafür müssen wir ihm aber im Gegenzug auch die Queens geben, die er häufig am Flop einfach callen würde.

Board: Kd Qc 5h 2s
Dead:

Equity GewonnenUnents. Verloren Hand
Spieler 1: 29.293 % 29.293 % 0.000 % 70.707 % AhAd
Spieler 2: 70.707 % 70.707 % 0.000 % 29.293 % QQ-KK, 55, 22, AKs, KQs, AKo, KQo

Auch hier liegen wir weit hinten und müssen unsere Aces aufgeben. Was müssten wir den unserem Gegner noch geben, damit wir in die Nähe einer vernünftigen Basis für einen Push oder einen Call kommen?

Nehmen wir die Jacks sowie die Suited-Kombinationen von KJ mit hinzu, kämen wir auf gute 45%. Es müsste also noch der ein oder andere Bluff hinzukommen, um hier profitabel runtercallen zu können.

Leider neigen solche Spieler selten zu Bluffs, so dass wir hier kaum umhin kommen, meistens einen Fold zu finden.

» ZUSAMMENFASSUNG

Welche Erkenntnis haben wir nun gewonnen? Gegen einen Maniac gehen wir mit einem Overpair am liebsten broke, gegen einen TAG kommen wir häufig in sehr knappe Situationen.

Gegen Rocks und Calling Stations haben wir am Flop meistens noch eine knappe Entscheidung und müssen überlegen, ob tatsächlich eine bessere Hand gegen uns unterwegs ist. Kommt der Raise jedoch erst am Turn, so sind wir meistens beat und können nicht mehr profitabel in der Hand bleiben.

Diese Tatsachen überraschen nun nicht wirklich, dennoch wurden sie nun noch einmal durch den Equilator bestätigt. Die Ranges sind natürlich willkürlich gewählt. Man erzielt einfach den besten Lerneffekt wenn man solche Hände im Nachhinein selber einmal durchspielt und eben in diesen knappen Situationen mal den Equilator bemüht.