Weak Hands in unraised Pots
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Weak Hands in unraised Pots
von MiiWiin
In dieser Kolumne geht es um einen etwas vernachlässigten Bereich, nämlich relativ schwache Hände in unraised Pots.
Du lernst, welche Spielweise angebracht ist, aggressiv oder passiv und wie du herausfindest, wo du stehst.
Außerdem erfährst du, wie du mit deinem Spiel in diesen marginalen Spots Vorteile in späteren Situationen erzielen kannst.
Wann entstehen solche Situationen?
Du findest derartige Situationen recht häufig vor. Theoretisch gibt es drei Möglichkeiten:
- Es wurde vor dir schon eine Menge gelimpt, so dass du im Small Blind sehr gute Odds bekommst. Du siehst deine Hand jedoch nicht als so stark an, als dass du raisen willst. Also wird nur der Small Blind completet und du befindest dich in einem Multiwaypot out of Position.
- Du sitzt im Big Blind und checkst, nachdem vorher niemand geraist hat. Dabei kann es schon Limper gegeben haben, so dass du dich wieder in einem Multiwaypot befindest. Möglich ist ebenso, dass ein looser Spieler den Small Blind nur completet hat. Hier empfiehlt sich zwar häufig ein Raise, gegen bestimmte Gegner willst du diese Möglichkeit aber nicht jedes Mal ausschöpfen, so dass auch hier ein check preflop möglich ist.
- Die dritte Möglichkeit bezieht sich eher auf Fullring-Tische. Dort kommt es ab und an vor, dass du aus früher Position einmal mitlimpst, um mit einer drawing Hand eine starke Hand am Flop zu treffen. Diese Möglichkeit wird hier nicht explizit betrachtet, die Grundsätze gelten dafür aber natürlich auch.
Weak Hands im Sinne dieser Kolumne haben nun zwar das Board getroffen, sind aber selten sonderlich stark und haben auch nicht oft das Potenzial, zu einer starken Hand heranzuwachsen. Primär sind das Top- oder Middlepairs ohne Kicker oder eher schwache Draws.
Warum überhaupt um Minipötte kämpfen?
Du magst dich fragen, warum du solch kleinen Pötten überhaupt eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken solltest. Wenn du dauerhaft kleine Pötte aufgibst, wird das auch keinen großen Verlust ergeben. Doch genau das ist falsch.
Überlege einfach einmal, wie häufig diese Situationen vorkommen. Selbst wenn es nur dreimal in 100 Händen der Fall wäre, dass du dich 3-handed in einem unraised Pot befindest und sich die Pötte eventuell nur in einer Größenordnung von 5-8 BB bewegen, so gehört dir statistisch gesehen grob einer davon.
Wer diese Big Blinds einfach nicht haben will, da er grundsätzlich check/fold spielt, selbst wenn er einigermaßen etwas getroffen hat und sich lieber auf andere Tische konzentriert, dem gehen eben diese Big Blinds dauerhaft durch die Lappen.
Schau dir zunächst einmal dieses Beispiel an, damit du weißt, worum es eigentlich geht.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BU ($25)
Preflop: Hero is BB with K

UTG calls $0.25, 3 folds, SB calls $0.25, Hero checks
Flop: ($0.75) K


SB checks, Hero...
Häufig erlebst du solche Situationen. Preflop ist deine Hand einfach viel zu schwach, um zu raisen, durch deinen Zwangseinsatz wirst du quasi dazu genötigt, um diesen Pot zu spielen.
Am Flop triffst du dann ein Toppair, der Small Blind checkt zu dir. Hinter dir kann noch der Spieler agieren, der preflop aus früher Position nur gelimpt hat.
Genau an diesem Beispiel wird die Problematik deutlich:
Du hast eine gute Hand getroffen und check/fold ist einfach zu weak. Du hältst zu oft die beste Hand und kannst die nicht einfach aufgeben. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, welche schlechtere Hand dich ausbezahlen soll? Im obigen Beispiel ist ein schlechteres Toppair nicht möglich und auch Draws halten sich arg in Grenzen.
Aggressives Spiel
Dennoch gilt: First in zahlt sich Aggressivität aus. Dein Ziel im obigen Beispiel muss es sein, durch eine Bet herauszufinden, wo du stehst. Gelingt es dir, durch eine Bet die 3 BB direkt mitzunehmen, so ist das auch ein hervorragendes Ergebnis. Sollte jemand raisen, so kannst du den Pot direkt aufgeben. Nun mag man anmerken, dass man so mit any 2 spielen könnte. Das ist theoretisch richtig, jedoch mangelt es an Alternativen.
Passives Spiel
Die Alternative wäre hier check/call zu spielen, also die passive Line zu wählen. Grundsätzlich gilt aber: In unraised Pots wird recht selten geblufft. Es lohnt sich einfach nicht.
Spielst du also am Flop check/call, wie spielst du dann am Turn? Noch einmal check/call? Wie lange willst du deine way ahead / way behind – Line durchziehen? Du musst aufpassen, nicht zu viel Geld in eine letztlich marginale Hand zu investieren.
Bevorzugte Lines
Sofern du first in agieren kannst, bietet sich das erwähnte aggressive Spiel an. Bet/fold ist eine hervorragende Möglichkeit, den Pot einzukassieren und gleichzeitig herauszufinden, wo du stehst. Zudem solltest du auch nicht davor zurückschrecken, den Turn erneut zu betten. Auch hier ist bet/fold die beste Möglichkeit.
Sollte sich dein Gegner durch zweimaliges Betten nicht verabschiedet haben, so kannst du am River den Pot aufgeben. Am Ende wird der Pot zu groß und wie bereits erwähnt, neigen wenige Spieler dazu, in solchen Situationen am River zu bluffen.
Beispiel
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BU ($25)
Preflop: Hero is BB with K

UTG calls $0.25, 3 folds, SB calls $0.25, Hero checks
Flop: ($0.75) K


SB checks, Hero bets $0.60, UTG calls $0.60, SB folds
Turn: ($1.95) J
Hero bets $1.40, UTG calls $1.40
River: ($4.75) 7
Hero checks, UTG bets $4.00, Hero folds
Zusammenfassung
Zusammenfassend kann man also folgendes festhalten:
- First in am Flop: Bet/fold, auch im Multiwaypot
- Turn: Bet/fold, solange nur noch ein Gegner übrig ist und sich die Situationen durch die Turnkarte nicht stark verändert hat. Sollten mehrere Spieler am Flop gecallt haben, so kannst du direkt check/folden, da zum einen deine Hand wohl meistens hinten liegt und du zudem gegen zwei Gegner deutlich weniger Foldequity besitzt.
- River: Am River solltest du out of Position die Hand eher aufgeben, in Position dir mit einem Checkbehind den free Showdown nehmen, wenn du keine realistisch schwächere Hand siehst, die eine Bet von dir noch mal callen könnte.
Sollte ein anderer Spieler vor dir Aggression gezeigt haben, so bieten sich zahlreiche Möglichkeiten.
- Zum einen kannst du die Hand einfach aufgeben, was aber wie angedeutet nicht unbedingt die beste Wahl ist. Du solltest nicht jedem Problem gleich aus dem Weg gehen.
- Du kannst callen und dir die nächste Karte anschauen.
- Du kannst raisen, und zwar aus zwei Gründen: Entweder um Value zu extrahieren oder als Bluff, so dass der Raise letztlich nur auf der Foldequity beruht.
Vergleichst du die Alternativen, so ist ein Call meistens die beste Option.
Beispiel
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BU ($25)
Preflop: Hero is BB with K

UTG calls $0.25, 3 folds, SB calls $0.25, Hero checks
Flop: ($0.75) K


SB bets $0.60, Hero calls $0.60, UTG fold
Turn: ($1.95) J
SB bets $1.40, Hero calls $1.40
River: ($4.75) 7
SB checks, Hero checks
Vergleiche noch einmal deine drei möglichen Optionen am Flop (gilt natürlich indirekt auch für die anderen Streets:
- Fold: Du hast Toppair getroffen und gibst das nicht direkt auf.
- Raise: Ein Raise wäre ein purer Bluff, denn wenn der Small Blind 3-bettet, musst du deine Hand natürlich aufgeben. Du vertreibst jedoch jede schwächere Hand, die am Turn eventuell noch einmal betten könnte. Du kannst ebenso nicht davon ausgehen, hier for Value zu raisen, denn dich callt keine schwächere Hand.
- Call: Durch einen Call begibst du dich in eine way ahead / way behind – Situation. Wie im obigen Beispiel, callst du zwei Bets. Gegen bessere Hände hast du so wenig wie möglich verloren, gegen schlechtere hast du das Maximum herausgeholt.
Daraus kannst du schlussfolgern, dass du eher auf Potcontrol achten solltest und versuchen solltest, way ahead / way behind zu spielen, wenn bereits Aggression gezeigt worden ist.
Wie weit solltest du gehen?
Nun mag dem ein oder anderen das Spiel im Beispiel zuvor nicht gefallen.
Du weißt am River nicht wo du stehst und musst dir natürlich Gedanken darüber machen, wie du dich verhältst, wenn du dort mit einer 3rd Barrel konfrontiert wirst. Noch einmal callen? Oder doch lieber folden?
Leider ist das wieder nur gegnerabhängig zu beantworten. Wichtig ist natürlich zu wissen:
- Ist dein Gegner grundsätzlich aggressiv oder passiv?
- Welche Art von Hit traust du ihm zu?
- Wie verhält sich dein Gegner sonst in recht marginalen Situationen?
Es ist recht schwer, Reads darüber zu sammeln, da die Aufmerksamkeit zu häufig von solchen Situationen abweicht. Ebenso ist es wahnsinnig schwierig zu analysieren, was der Gegner getroffen haben könnte.
Jedoch gibt es drei möglich Situationen, wie dein Gegner überhaupt in diese Situation gekommen ist:
- UTG: Er hat preflop gelimpt. Er war also preflop schon der Meinung, etwas zu haben, und hat gezielt einen Einsatz getätigt.
- SB: Er hat preflop completet. Aufgrund der guten Odds ist seine Range natürlich breiter, dennoch war er freiwillig bereit, Geld zu investieren.
- BB: Er hat gecheckt. Er kann any 2 halten, seine Range ist quasi unendlich.
Wie hilft dir das weiter? Je unfreiwilliger deine Gegner in die Hand eingestiegen sind, desto eher können sie solche Boards getroffen haben.
UTG könntest du beispielsweise jedes Pocketpair (55-88) zutrauen. Dem SB kannst du auch Hände wie 45/56 geben. Der Big Blind jedoch kann hier locker K3/K4/Kx halten.
Auch diesen Punkt musst du berücksichtigen, um zu überlegen, wie du in dieser Situation reagierst:
Beispiel
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
Hero ($25)
SB ($25) (40/10/0.9/30/329) [VPIP/PFR/AF/WTS/hands]
BU ($25)
Preflop: Hero is BB with K

UTG calls $0.25, 3 folds, SB calls $0.25, Hero checks
Flop: ($0.75) K


SB bets $0.60, Hero calls $0.60, UTG fold
Turn: ($1.95) J
SB bets $1.40, Hero calls $1.40
River: ($4.75) 7
SB bets $4.00, Hero...
Der Small Blind kann hier durchaus etwas Besseres halten, zudem ist er ansonsten recht passiv. Ein Fold am River ist hier natürlich vertretbar.
Diskutieren kann man jetzt über den Call am Turn und den damit verbunden reverse implied Odds. Aber kannst du die Riverbet erwarten? Unter den besagten Umständen ist auch eine Aufgabe am Turn durchaus denkbar.
Balancing und Deception
Und schon wieder ein dickes Fragezeichen. Musst du in solchen Spots auf Balancing und Deception achten?
Sofern du passiv agierst, gibt es da natürlich nicht viele Möglichkeiten. Du zeigst deinem Gegner / deinen Gegnern, dass du wohl bereit bist, zum Showdown zu gehen. Daraus kannst du nicht viel Nutzen ziehen.
Aber durch dein aggressives Spiel first in, sprich das erwähnte bet/fold an den ersten beiden Streets, hast du durchaus Möglichkeiten etwas zu balancen.
Oben wurde bereits angesprochen, dass der Nachteil bei bet/fold darin besteht, wohl relativ selten Value von schlechteren Händen zu extrahieren. Dennoch hast du es bevorzugt, da du check/call out of Position nicht lange durchhalten kannst. Und nicht zu vergessen ein wichtiger Satz im Pokerleben: “Wenn du die Möglichkeiten hast, selber zu betten, so ist das einem check/call meistens zu bevorzugen“.
Du hast hier aber noch zwei weitere Vorteile.
Du darfst nicht vergessen, dass du immer davon ausgehst, mit marginalen Händen um kleine Pötte zu spielen. Ebenso ist es aber möglich, auch eine sehr starke Hand zu treffen. Sei es ein mögliches Set, Twopair oder einen Draw der eventuell am Turn improved.
Was in einem unraised Pot gar nicht geht: Ein Checkraise. Welche Hand soll da mithalten können? Solltest du also hart treffen, würdest du auch den Flop und Turn betten (und in dem Fall natürlich auch noch den River). Solltest du demnach schwache Hände bet/folden, so kannst du natürlich auch hervorragend mit starken made Hands betten.
Ebenso kann es wichtig sein, durch aggressives Spiel in unraised Pots, bei denen du ja, ehrlich gesagt, kein sonderlich großes Risiko eingehst, deinen Gegnern zu zeigen, aus welchem Holz du geschnitzt bist. Viele Gegner achten nicht unbedingt darauf, in welchen Situationen man aggressiv spielt, sondern wie häufig.
Somit ist es durchaus möglich, dass du durch aggressives Spiel in diesen kleinen Pötten dafür sorgst, in einem raised Pot eher mit einer starken made Hand ausbezahlt zu werden, da viele Gegner sich denken: “Der bettet doch sowieso immer.“
Am Turn: Freecard vs. Bet for free Showdown
Schau dir zum Abschluss noch einmal folgendes Beispiel an.
Beispiel
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
Hero ($25)
SB ($25) (40/10/0.9/30/329) [VPIP/PFR/AF/WTS/hands]
BU ($25)
Preflop: Hero is BB with K

UTG calls $0.25, 3 folds, SB calls $0.25, Hero checks
Flop: ($0.75) K


SB bets $0.60, Hero calls $0.60, UTG fold
Turn: ($1.95) J
SB checks, Hero...
Nachdem du am Flop nur gecallt hast, checkt Villain zu dir. Wie immer hast du zwei Möglichkeiten:
- Bet: Du erhoffst dir dadurch noch Value von schwächeren Hände, wie beispielsweise Draws.
- Check: Du checkst behind, da dir Freecards nicht sonderlich weh tun. Dafür könntest du eventuell noch eine Bluffbet deines Gegners am River induzieren.
Welche Möglichkeit ist ideal? Grundsätzlich solltest du eher zu einer Bet for free Showdown tendieren, auch wenn das deinem eigentlichen way ahead / way behind – Prinzip widerspricht.
Der Check deines Gegners zeigt aber immense Schwäche oder Stärke. Vielleicht wollte er den Flop bluffen und gibt jetzt auf. Eine Bluffbet am River hast du wohl kaum zu erwarten. Zudem hast du bereits festgestellt, dass insgesamt recht selten in unraised Pots geblufft wird.
Checkst du also behind, fällt es nicht leicht am River eine Potsizebet zu callen, da dies viel häufiger eine Hand sein wird, die for Value bettet, als ein Bluff.
Dafür gibt es jedoch immer die Möglichkeit, dass deine Gegner die wahnsinnigsten Draws aufgegriffen haben. Damit sind sie am Turn vielleicht noch Mal bereit zu zahlen, am River sicherlich nicht mehr.
In großen Pötten ist es häufig besser, auf Potcontrol zu spielen und am Turn durch einen Check eher einen Bluff zu induzieren, in kleinen unraised Pötten ist es eher umgekehrt. Solltest du also als Erster agieren können, gelten eher die Argumente des aggressiven Spiels: Du solltest hier am Turn bet/folden und bei einem Call deines Gegners den free Showdown nehmen.
| » ZUSAMMENFASSUNG |
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Auch kleinen Pötten solltest du genügend Aufmerksamkeit schenken. Wie du gesehen hast, kann dies auch für das Balancing und die Deception wichtig sein. Außerdem lässt du zu viel Value liegen, wenn du solche marginalen Situationen einfach auslässt oder sie durch unnötige Bluffs overplayst. Solltest du first in agieren können, verspricht aggressives Spiel meist mehr Erfolg. Mit bet/fold bist du häufig auf einem guten Weg. Sollten die Gegner jedoch vor dir setzen, so ist ein passives Spiel im Sinne way ahead / way behind eher zu empfehlen. Natürlich können Stats, Reads und mögliche Beobachtungen über Range und spezielle Plays deiner Gegner jede Entscheidung deutlich verfeinern. |