A-high-Flop - Wo stehst du? (1)
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A-high-Flop – Wo stehst du? (1)
von Miiwiin
Du kennst dieses Problem sicherlich zur Genüge. Preflop hältst du eine schöne Hand und versuchst, damit Value zu extrahieren und deine Hand zu protecten. Dein Gegner geht jedoch mit und am Flop erscheint ein Ass. Du bist dir nun absolut nicht mehr sicher, wo du mit deiner Hand stehst. Wie gehst du jetzt weiter vor?
Beispiel
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($100)
CO ($100)
UTG ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BU ($100)
Preflop: Hero is BB with K

UTG calls $1.00, 3 folds, SB calls $1.00, Hero raises to $6.00, UTG calls $6.00, SB folds
Flop: ($13.00) A


Hero…
Du könntest nun anmerken, dass diese Situation grundsätzlich schlecht ist, solltest du mit einem Pocketpair raisen und es erscheint eine Overcard am Flop. Damit hast du natürlich Recht. Gerade auf einem A-high-Flop herrscht jedoch die Problematik, dass sich viele Gegner mit Ax-Händen gerne mal den Flop anschauen und du so überproportional häufig in ein Ass läufst. Theoretisch beziehen sich die nachfolgenden Gedanken natürlich auch auf Situationen, wo eine beliebige Overcard erscheint.
In diesem Beispiel jedoch geht es immer um den worst Case. Und dieser ist oben beschriebenes Beispiel. Mit KK hältst du Preflop die zweitstärkste mögliche Hand, am Flop wird diese jedoch nahezu wertlos.
Es wird nämlich sehr schwer für dich, Value von einer schwächeren Hand zu extrahieren. Ebenso ist es nahezu unmöglich, eine bessere Hand (Ax oder noch besser) aus dem Pot zu verdrängen. Die grundsätzliche Frage, die du dir bei jeder Bet stellen solltest, nämlich ob du Value extrahieren willst (eine schwächere Hand soll dich ausbezahlen) oder ob du bluffen möchtest (eine stärkere Hand soll folden), wird hier zum Drahtseilakt.
Worauf musst du achten?
Wie gehst du nun in einer Situation wie im obigen Beispiel vor und worauf musst du achten? Die Randbedingungen sind wie immer entscheidend, um eine möglichst profitable Line zu wählen.
Die wichtigsten Faktoren sind:
- Was hältst du? Wie stark ist deine Hand?
- Ist der Pot raised oder unraised?
- Spielst du in Position oder out of Position?
- Ist der Pot Heads-up oder Multiway?
- Gegen welche Art von Gegner/n spielst du?
Dies ist natürlich eine elementare Frage, die du dir bei quasi jeder Hand stellen solltest. Im obigen Beispiel haben wir uns auf das Worst-Case-Szenario bezogen. Eine ähnliche Situation könnte auch wie folgt aussehen.
Beispiel
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($100)
CO ($100)
UTG ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BU ($100)
Preflop: Hero is BB with 9

UTG calls $1.00, 3 folds, SB calls $1.00, Hero raises to $6.00, UTG calls $6.00, SB folds
Flop: ($13.00) Q


Hero…
Worauf gilt es nun zu achten? Du musst dir überlegen, gegen was du alles hinten liegen kannst. Im einführenden Beispiel war das beispielsweise jede Ax-Hand sowie TT und 77. In diesem Beispiel jedoch liegst du nicht nur gegen Qx und 44/22 hinten, sondern natürlich auch gegen AA/KK (niemals auszuschließen) sowie JJ/TT.
Es gibt hier also eine deutlich breitere Range, gegen die du hinten liegen kannst. Zudem ist es mehr als unwahrscheinlich, dass dich eine schwächere Hand (88-) großartig ausbezahlen wird. Jedoch gibt es im Pokeralltag durchaus Hände, die dich gerne mal ausbezahlen.
Beispiel
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($100)
CO ($100)
UTG ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BU ($100)
Preflop: Hero is BB with 9

UTG calls $1.00, 3 folds, SB calls $1.00, Hero raises to $6.00, UTG calls $6.00, SB folds
Flop: ($13.00) Q


Hero…
In diesem Beispiel sind nun also auch Draws möglich. Hände wie 56/9T sowie Flushdraws liegen hier gegen dich hinten, würden aber eventuell gerne den Turn sehen. Auch eine Hand wie Ak mit zwei Overcards ist nicht auszuschließen. Es ist also durchaus möglich, dass eine schwächere Hand bereit ist, Value an dich abzutreten, um zu drawen.
Dies ist natürlich gerade bei Betrachtung des Problems eines A-high-Flops eine wichtige Frage, da in einem raised deutlich häufiger Ax-Hände vorzufinden sind, vornehmlich natürlich AK-AJ. Solch eine Hand wirst du nahezu niemals von einem A-high-Flop runter bekommen (auch du wirst dich sehr selten von solch einer Hand trennen, wenn überhaupt).
Natürlich sollte es immer dein Ziel sein, möglichst in Position agieren zu können. Aber gerade mit starken Händen lässt sich die Position kaum beeinflussen, da du solche Hände preflop einfach protecten musst, egal ob du den Vorteil der Position auf deiner Seite hast.
Gerade in solchen engen Situationen bist du selbstredend sehr dankbar für den Vorteil der Position, da hier jede Information über die mögliche Hand deines Gegners sehr wertvoll sein kann. Welche vermehrten Möglichkeiten du in Position hast, wirst du später sehen.
In einem Multiwaypot befindest du dich natürlich in einer sehr unangenehmen Situation. Du musst zwei Gegner von diesem Board runterbekommen und die Wahrscheinlichkeit, dass einer der beiden ein Ass hält, ist relativ hoch.
Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass auch ein als eventuell loose bekannter Spieler dich mit einer schwachen Hand ausbezahlt, da auch er weiß, dass die relative Handstärke im Multiwaypot deutlich sinkt.
Hier stellt sich selten die Frage, wie weit du mit deiner Hand gehen solltest. Eine Continuationbet ist unter Umständen drin, sollte diese jedoch gecallt oder gar geraist werden, ist es meistens die einzige vernünftige Möglichkeit, die Hand unverzüglich ad acta zu legen.
Solche Informationen sind für dich immer Gold wert und müssen selbstverständlich auch in diesem Fall berücksichtigt werden. Du solltest die Schlagworte Value und Bluff immer im Hinterkopf haben.
Wie erwähnt wird es sehr schwer, Value zu extrahieren, aber womöglich ist dein Gegner so loose, dass er tatsächlich eine schwächere Hand callt (Beispielsweise Draws). Bluffen wird nahezu unmöglich. Du wirst zwar durch bet/fold deine Hand in einen Bluff verwandeln, aber es wird dir nahezu nie gelingen, eine bessere Hand zum Folden zu bringen, was letztlich die Definition eines Bluffs ausmacht.
Was ist also dein Ziel gegen eine spezielle Art von Gegner? Bei Callingstations weißt du beispielsweise, dass diese in der Lage sind, die wahnsinnigsten Hände zu callen (preflop sowie am Flop). Das heißt einerseits, dass nahezu alle Ax-Hände in deren Range liegt, ebenso aber deutlich schwächere Hände. Abgesehen davon lösen sie sich am Flop sehr ungern von ihrer Hand. Sie machen sich selten so ausgiebige Gedanken über das Ass am Flop wie du.
Ein TAG/LAG beispielsweise wird dieses Ass nicht nur bemerken, sondern häufig versuchen, es zu seinen Gunsten auszunutzen. Hältst du das Ass, so wird er dich natürlich nicht aus dem Pot drängen können. Aber häufig wird er durch einen Bluff versuchen, dich von deiner recht guten Hand herunterzubekommen.
Beschäftigst du dich also intensiv mit deinen Gegnern und machst dir ausführliche Gedanken darüber, wie du gegen sie agieren solltest, wirst du dich natürlich fragen, welche Möglichkeiten dir nun überhaupt zur Verfügung stehen? Im Prinzip läuft es auf die Frage hinaus, ob du deine Hand in einen Bluff verwandeln oder way ahead / way behind spielen solltest.
Turn into a Bluff vs. way ahead / way behind
Dies ist nun die Frage aller Fragen. Die Problematik wurde geschildert und ist dir bekannt. Du verwandelst durch bet/fold deine Hand meistens in einen Bluff. Das hat folgende Gründe:
- Es wird selten eine schwächere Hand callen.
- Auf ein Raise musst du meistens aufgeben.
Und dennoch wirst du nahezu nie eine bessere Hand zum Folden bekommen. Analysierst du nun diese Punkte, so musst du eigentlich zu dem Entschluss kommen, dass bet/fold unter Umständen nicht die ideale Möglichkeit ist. Es gilt also, sich auf die Suche nach Alternativen zu machen.
Die Alternative zum Bluffen ist der Bluffinduce, der idealerweise durch das Prinzip way ahead / way behind umgesetzt wird. Im Klartext: Du spielst check/call.
Die Vorteile sind dabei:
- Du lässt schwächere Hände bluffen.
- Du betreibst Potcontrol.
Es gibt aber auch ein paar Nachteile bei dieser Spielweise:
- Du betreibst keine Protection.
- Du bekommst keinen Value von ausgeprägten Callingstations.
- Du bekommst keinen Value von Draws.
Das Problem an dem Prinzip way ahead / way behind ist offensichtlich. Es ist dir nicht möglich, an allen drei Streets check/call zu spielen. Das bedeutet nämlich meistens, dass du am River beinahe All-In bist, und das willst du auf diesem A-high-Board nun mit Gewissheit nicht.
Spielst du also am Flop check/call, was machst du dann am Turn? Noch einmal check/call? Oder check/fold? Dieses Dilemma wäre weitaus weniger schlimm, solltest du eine Street umschiffen können und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass dein Gegner eine Bluffbet setzt. Und das geschieht in Position.
Triffst du einen solchen Flop in Position, der einigermaßen drawless zu seien scheint, so ist ein Checkbehind meistens die beste Wahl. Am Turn kannst du eine Bet meistens gut callen, am River solltest du dann überlegen, ob dieser Gegner in der Lage ist, ein weiteres Mal mit Air zu barreln.
Zusammengefasst stehen die also folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
Continuationbet/Fold
Du verwandelst deine Hand indirekt in einen Bluff, siehst aber wenige Alternativen. Sollte das Board jedoch recht wet sein, also einige Draws möglich sein, so würdest du gleichzeitig protecten und eventuell Value von einer unfertigen Hand kassieren.
Continuationbet/Broke
Um mit einem 2nd Pair – egal wie gut es aussieht – broke zu gehen, brauchst du schon außerordentliche Reads. Im Normalfall solltest du das nicht in Erwägung ziehen.
Check/Raise
Hierfür gilt das gleiche wie in Punkt zwei. Natürlich hat es den Vorteil, dass du eine mögliche Bluffbet bekommst, aber womit soll die Gegner dein Raise (Push) callen? Er muss mit einer schwächeren Hand bereit sein, seinen ganzen Stack zu riskieren.
Es bietet sich jedoch an, wenn du dir sicher bist, broke gehen zu wollen. Das gilt beispielsweise beim Spiel gegen loose Shortstacks an SH-Tischen, wenn du dich committed siehst. Dort ist ein Checkraise durchaus eine Option, wenn du der Meinung bist, Villain würde häufig genug bluffen, um den Pot zu stehlen, aber seltener deine Continuationbet callen.
Check/Call
Hier hast du die oben beschriebene "way ahead / way behind"-Situation. Du erhoffst dir Value von deinem Gegner, da dieser schwächere Hände zwar bluffbetten würde, aber auf deine Bet hin nicht callen würde.
Zudem traust du deinem Gegner jedoch zu, in diesem Spot zu bluffraisen, woraufhin du deine (vielleicht noch beste) Hand direkt aufgeben müsstest.
Check/Fold
Dieser Gedanke schmerzt und macht doch recht offensichtlich klar, warum Punkt 1 wieder attraktiv erscheint, obwohl eine wirkliche Logik dahinter nicht zu erkennen ist. Denn die Frage lautet: Ist check/fold mit deinen Kings wirklich eine Alternative, nur weil ein Ass auf dem Flop erscheint? Eigentlich nicht.
Selbstverständlich geht es jetzt um Heads-up-Situationen, denn in einem Multiwaypot, der eventuell sogar 3-bettet ist, ist ein check/fold meistens die günstigste Alternative, von der Hand loszukommen.
In Position hast du die Möglichkeit, den Pot zu kontrollieren und die erste Bet auf den Turn zu verschieben. Die Argumente für oder gegen eine Continuationbet sind die gleichen wie out of Position, nur dass du dort nicht die komfortable Möglichkeit besitzt, dir den Checkbehind zu nehmen.
Solltest du behindchecken, so ist der Turn meistens einen Call wert, da du relativ häufig einen Bluff induzieren wirst. Am River gilt es dann, die Augen offen zu halten, das Board zu verfolgen und zu versuchen, gesammelte Informationen über deinen Gegner gegen ihn zu verwenden.
| » ZUSAMMENFASSUNG |
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Du hast heute gesehen, welche Überlegungen du dir in einer Situation machen solltest, die leider viel zu häufig vorkommt. Ebenso hast du einige Alternativen gesehen und sicherlich wahrgenommen, dass eine Continuationbet in diesem Fall nicht unbedingt den Zweck erfüllt, für den sie eigentlich gedacht ist (Value von schwächeren Händen zu exrahieren / stärkere Hände zum Folden zu bekommen). Im zweiten Teil wird es, aufbauend auf den genannten Lines, einige Beispiele geben, in denen eben diese Problematik noch einmal genauestens unter die Lupe genommen wird. Zudem wird es eine Betrachtung geben, wie du reagieren kannst, sollte Villain am Flop donken. |
