Foldequity (1) - Allgemeines
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Foldequity (1) - Allgemeines
von MiiWiin
Foldequity ist ein wichtiger Bestandteil des Pokerspiels, egal bei welcher Variante. Was sie jedoch genau bedeutet, warum sie so wichtig ist und wie man sie näherungsweise abschätzen kann, erfährst du in dieser Kolumne.
Definition
Im Gegensatz zur Equity, die deiner Stärke der aktuellen Hand gegen die gegnerische Range entspricht, ist die Foldequity der Anteil der Hände aus Villains Range, die er auf eine Bet beziehungsweise auf ein Raise deinerseits foldet.
Bedeutung
Somit bedeutet Foldequity nicht zwangsweise, dass du das Ziel hast, bessere Hände zu einem Fold zu bewegen, also zu bluffen. Bei einem reinen Bluff ist die Foldequity natürlich enorm wichtig, da sie die einzige Chance ist, den Pot zu gewinnen.
Aber es gibt auch zahlreiche anderen Möglichkeiten. Foldequity erzielst du selbstverständlich auch, solltest du die Nuts halten. Selbstredend wäre es dir lieber, wenn sie in diesem Fall eher gering wäre.
Die Foldequity ist daher ein sehr wichtiger Bestandteil im No-Limit Hold’em, denn im Schnitt wandern zwischen 22 und 27% der gespielten Hände zum Showdown. Dies bedeutet, dass fast drei von vier Händen ohne einen Showdown enden. Der Gewinner ist dabei derjenige, der zuletzt eine Bet oder ein Raise platziert hat.
Daher sollte es sich schon lohnen, dich damit auseinanderzusetzen, ob du ausreichend häufig derjenige bist, der diese Aggression ausstrahlt.
Foldequity ist immer gut
Du darfst nicht außer Acht lassen, dass es grundsätzlich von Vorteil ist, Foldequity zu erzeugen. Nicht nur dass die oben angesprochenen drei von vier Pötte irgendwer einstreichen sollte, im Idealfall solltest du derjenige sein.
Im No-Limit Hold’em gibt es in erster Linie drei Gründe, um eine Bet zu platzieren:
- Value
- Bluff
- Dead Money einsammeln
Gerade der Punkt des dead Moneys einsammeln wird häufig verkannt. Diese marginalen Spots, in denen du schwer einschätzen kannst, wo du stehst, werden durch eine Bet deinerseits nicht nur leichter spielbar, sondern durch die Foldequity auch +EV.
Zwingst du deinen Gegner zu einem Fold, so wird er zwangsweise auch Outs und Equity folden. In den seltensten Fällen besitzt du 100% Equity, daher ist es nie von Nachteil, etwas looser zu betten und auch schlechtere Hände aus dem Pot zu drängen.
Vor allem dann, wenn die undurchschaubare Alternative ein c/? oder ein check/fold sein sollte.
Möglichkeiten
Wie bereits oben erwähnt, erzeugst du bei jeder Bet Foldequity, ob du dies nun möchtest oder nicht. Die häufigsten Fälle, mit denen du dabei konfrontiert wirst, sind folgende:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25) TAG
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
3 folds, Hero raises $0.75, SB calls $0.75, 1 fold
Flop: ($1.75) (2 players)
SB checks, Hero bets $1.20, SB folds
Dies ist der Standardspot, bei dem es einzig und alleine auf die Foldequity ankommt. Preflop stealst du vom Button mit einem suited Connector, den Flop verfehlst du total.
Jedoch bietet sich der Flop zum Bluffen an, weil du weißt, dass dein Gegner hier nicht viele Hände out of Position check/callen kann.
Dies ist der Grund, um hier zu (bluff-)betten, denn du schätzt die Foldequity als hoch ein.
Warum dies so ist, hat vier Gründe:
- Heads-up-Pot
- Der Gegner wird Hände loslassen können
- Das Board verkleinert seine check/call-Range
- Du spielst in Position
Ganz anders wäre es in folgendem Fall:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
Hero ($25)
BB ($25) Callingstation
Preflop: Hero is SB with
4 folds, Hero raises $0.75, BB calls $0.75
Flop: ($1.75) (2 players)
Hero...?
Du siehst, dass auch in einem Heads-up-Pot ein A-High-Flop ganz anders wahrgenommen werden muss, je nach den Randbedingungen.
Von den eben genannten Vorteilen in Beispiel 1 bleibt hier nur der Heads-up-Pot übrig.
Position hast du nicht mehr, dein Gegner foldet ungern Hände und das Board bietet durchaus eine große Range an, die Villain hier callen kann.
Alleine mit groben Abschätzungen kannst du hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Foldequity in Beispiel 1 immens höher ist als die in Beispiel 2.
Dafür brauchst du weder Stats noch Annahmen über Ranges zu treffen.
Auch der Semibluff lebt von der Foldequity. Ohne Foldequity kann ein Semibluff auf Dauer nicht funktionieren. Würde es dir beispielsweise gelingen, einen sehr starken Draw als knapper Favorit reinzubringen, so wäre es kein Semibluff mehr, sondern schon ein Valueplay.
Dies ist aber sehr selten der Fall.
Normalerweise hältst du einen 8- oder 9-Outer (open-ended Straightdraw oder Flushdraw), eventuell mit kleinem Zusatz (Bottompair, Overcard, Gutshot etc.).
Deine Equity gegen die Range deines Gegners reicht nicht für eine Valuebet aus. Daher versuchst du zu bluffen und von zwei Faktoren zu profitieren:
- Die Foldequity: Villain foldet, du gewinnst.
- Deine Equity: Villain callt, du kannst auf den folgenden Streets treffen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
Hero ($25)
BB ($25) Callingstation
Preflop: Hero is SB with
4 folds, Hero raises $0.75, BB calls $0.75
Flop: ($1.75) (2 players)
Hero...
Im Gegensatz zu Beispiel 2 hat sich nicht viel verändert. Das Board ist zwar nicht mehr A-high, bietet jedoch immer noch zahlreiche Draws, so dass deine Foldequity nicht gerade enorm sein dürfte.
Doch in diesem Fall ist das auf einmal nicht mehr so schlimm. Denn wie du siehst, hast du einige Outs auf deiner Seite. Im Klartext: Selbst wenn Villain am Flop callt, ist das kein Drama. Im Gegenteil, im Falle eines Hits am Turn kannst du sogar leichter Value extrahieren.
Dabei geht es nicht um etwas Equity. Grobes Beispiel: Dein Gegner hält in beiden Spots A9 und trifft beide Male Toppair auf einem drawheavy Board:
Aus Beispiel 2:
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 5,2% | 2,93% | 4,55% | 92,53% | |
| Spieler 2 | 94,8% | 92,53% | 4,55% | 2,93% | |
Aus Beispiel 3:
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 55,56% | 55,56% | 0% | 44,44% | |
| Spieler 2 | 44,44% | 44,44% | 0% | 55,56% | |
Der Unterschied ist sogar so enorm, dass im Falle dieser konkreten Hand die Bet nicht mal ein wirklicher Semibluff wäre, da sie, wie bereits oben beschrieben, beinahe als Valuebet durchgehen würde.
In der Praxis stimmt dies natürlich nicht, da du nie gegen eine Hand bettest, sondern gegen eine Range.
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 46,25% | 46,19% | 0,11% | 53,7% | |
| Spieler 2 | 53,75% | 53,7% | 0,11% | 46,19% | 66+, 44, AQs+, A9s, KQs, T9s, 98s, AKo, A9o, KQo, T9o |
Dennoch siehst du hier die großen Vorteile der Foldequity:
- Funktioniert dein Semibluff und dein Gegner foldet, gibt er ca. 54% Equity am Pot auf. Ein sehr gutes Ergebnis.
- Funktioniert dein Bluff jedoch nicht, so spielst du mit 46% Equity weiter. Kein Beinbruch, vor allem unter der Annahme, dass du auf entsprechenden Turns und River weniger Fehler machen wirst als dein Kontrahent
Langsam kommst du in einen Bereich, wo es sehr eng wird. Der Grundatz „wer bettet, gewinnt auch häufig“ kommt hier zum Tragen. In vielen Spots kannst du einfach nicht einschätzen, ob du for Value oder als Bluff betten kannst.
Dein Ziel ist es einzig, den Pot einzusammeln. Genau hier wird die Foldequity zum entscheidenden Kriterium.
Dieses Dilemma lässt sich hervorragend an einer Hand veranschaulichen:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25) TAG
BB ($25) TAG
Preflop: Hero is BU with
3 folds, Hero raises $0.75, SB calls $0.75, BB calls $0.75
Flop: ($2.25) (3 players)
SB checks, BB checks, Hero...
Nun stehst du am Flop und bist mal so gar nicht begeistert. Leider hilft aber kein Fluchen, Kopfschütteln oder Meckern, irgendetwas musst du tun.
Erstes Dilemma:
- Hast du eine Valuebet? Sehr unwahrscheinlich.
- Hast du eine Bluffbet? Außer gegen komisch gespielte QQ/JJ-Hände wohl nicht.
- Solltest du betten? Ja.
In diesem Spot gilt: Wer zuerst bettet, wird den Pot häufig gewinnen. Dies wird nur nicht eintreten, sollten ein oder mehrere Spieler hart getroffen haben. Doch dies wird nicht so häufig der Fall sein.
Zweites Dilemma:
- Was bringt ein Check?
- Was machst du bei einer Turnbet?
- Was machst du bei einem Turncheck?
Zwei Fakten:
- In dieser Hand gibt es für dich nicht viel zu holen.
- Wenn du den Pot am Flop gewinnst, ist das gut.
Wenn du in diesen Spots Zweifel hast, weil du ja eine eigentlich tolle Preflophand nun in einen Bluff verwandeln sollst, und dies, obwohl kaum eine bessere Hand folden kann, ist dies erstmal gut.
Denn dies bedeutet, dass du gut einschätzen kannst, ob du for Value betten oder bluffen kannst beziehungsweise sollst. Dennoch musst du in diesen Spots diese beiden Gründe vernachlässigen.
Zu deiner Flophand gibt es folgendes zu sagen:
- Deine made Hand ist schwach.
- Du wirst damit selten zum Showdown kommen.
- Du wirst kaum Bets deiner Gegner am Turn callen können.
Was würdest du in folgendem Spot tun?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25) TAG
BB ($25) TAG
Preflop: Hero is BU with
3 folds, Hero raises $0.75, SB calls $0.75, BB calls $0.75
Flop: ($2.25) (3 players)
SB checks, BB checks, Hero...
Auf einmal ist es wieder ein toller Bluffspot. In Position, perfektes Board, zwei Gegner die folden können. Du bettest und gewinnst häufig die Hand.
Aber in Beispiel 4? Es wird hier häufig rumgeeiert, am Flop wird dann gecheckt, am Turn bettet irgendwer irgendwas und dann sind Pocket Tens doch letztlich zu schwach, um ein Play wie Way ahead - Way behind in Betracht zu ziehen.
Du foldest deine Hand mit der Begründung, du wolltest TT nicht in einen Bluff verwandeln. Und das ist ein Fehler.
Somit überlege immer Folgendes: Hast du keine Valuebet, hast du keine Bluffbet, dann überlege, ob du nicht einfach betten solltest, um den Pot einzukassieren.
Stell dir vor, deine Gegner halten hier 88 und 76s. Damit hätten sie immerhin acht Outs und es ist gut, wenn sie diese folden. Du kannst damit leben. Ideal wäre natürlich, wenn sie diese Hände callen, davon kannst du aber nicht ausgehen.
Alternativ wäre ein Check for Bluffinduce denkbar, aber hier gilt wieder: Du spielst gegen eine Range, nicht gegen eine Hand. Gegen 88 kannst du bluffcatchen, gegen eine Range aus zusätzlichen Sets, Ax, Kx etc jedoch nicht.
Wie oben bereits erwähnt, erzeugst du auch Foldequity, wenn du das gar nicht möchtest. Dafür braucht es kein weiteres Beispiel. Wenn du ein Set bettest, möchtest du meistens keinen Fold sehen.
Dennoch gilt auch hier: Foldet dein Gegner, dann gibt er auch häufig einen Teil der Potequity auf. Hältst du ein Set, kann dein Gegner dennoch Overpairs (2 Outs) oder Draws (3-X Outs) halten. Besitzt du 90% Equity und gewinnst 100% am Pot, musst du damit ebenfalls zufrieden sein.
Ob dein Gegner einen Fehler macht oder nicht, kannst du nur wenig beeinflussen, aber die Möglichkeit solltest du ihm bieten. Daher musst du die Foldequity als grundsätzliches Mittel ansehen, es wird nicht passieren, dass deine Gegner immer folden werden, wenn du bluffst und immer callen, wenn du for Value bettest.
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Mit der Foldequity solltest du dich intensiv beschäftigen. Bei einem Bluff und Semibluff sind sie mathematisch greifbar, aber auch in anderen Spots ist es immer gut, Foldequity auf deiner Seite zu haben. In knappen Spots sollte der Grundsatz „im Zweifel lieber betten“ zwar nicht als Standard gelten, jedoch darfst du nicht aus falschen Beweggründen zu häufig Spots herschenken. Und immer daran denken: In 75% der Fälle gewinnt der aggressivere Spieler. Im nächsten Teil gibt es mathematische Beispiele für Bluffs. |
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