Aktualisiert am 12 März 26 von

Foldequity (2) - Continuationbet

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Foldequity (2) - Continuationbet

von MiiWiin

Im vorherigen Teil hast du viele Grundsätze über die Foldequity kennengelernt und gesehen, warum sie in jedem Spot von Vorteil sein kann.

In erster Linie interessiert dich Foldequity natürlich bei einem Bluff. Wie du sie abschätzen kannst, wirst du heute sehen.

BEISPIEL 1:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25) TAG
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6c7c
3 folds, Hero raises $0.75, SB calls $0.75, 1 fold

Flop: ($1.75) AhKs9d (2 players)
SB checks, Hero bets $1.20, SB folds

Dieses Beispiel stammt aus dem ersten Teil. Die Erkenntnis war, dass aufgrund des guten Flops, deiner Position und des Gegners die Foldequity recht hoch sein müsste und die Bet daher +EV ist.

Jedoch sind dies alles Annahmen, die zwar meistens grob passen, aber durchaus genauer recherchiert werden können.

Mathematik

Die Mathematik ist theoretisch einfach. Durch eine Bet erzeugst du Foldequity (FE), somit müsste FE (benötigt) < FE (vorhanden) sein.

Den Wert FE (benötigt) kannst du leicht ausrechnen:

Du setzt am Flop $1,20 um $1,75 zu gewinnen.

Benötigte Foldequity: 1,20 / (1,20 + 1,75) = 40,66%

Du benötigst somit ca. 40% Foldequity, um den Spielzug „Continuationbet“ profitabel zu machen. Die Frage ist nun: Hast du die?

40,66% < FE (vorhanden)

Die Foldequity müsste praktisch bei über 40,66% liegen, um die Bet profitabel zu gestalten.

Hinweise

Um die Foldequity abzuschätzen hast du drei Möglichkeiten:

Die grobe Variante

Die wurde oben bereits gemacht. Der Gegner passt soweit, gutes Board und in Position. Ideale Voraussetzungen für eine Contibet.

Die genauere Variante

Um auf den Gegner genauer einzugehen, kannst du nun mit Stats arbeiten. Wie häufig foldet der Gegner grundsätzlich? Wie häufig foldet er am Flop, insgesamt und auf Continuationbets? Callt er in Position mehr? Foldet er viel am Turn?

Wie ist sein Went-to-Showdown-Wert?

Mit diesen Werten kannst du die Foldequity schon besser abschätzen, jedoch immer unter Berücksichtigung der groben Variante. Auch wenn ein Gegner gerne foldet, so müssen die Randbedingungen schon eingehalten werden.

Er wird schon vom Grundsatz her out of Position auf einem dry Board mehr folden als in Position auf einem wet Board. Zudem beziehen sich die Werte auf alle Situationen, also können auch multiway Pots die Stats verändern.

Die Rangeanalyse

Nun wird es sehr genau. Du betrachtest deinen Gegner sehr genau, gibst ihm eine Range und schaust, welchen Anteil davon er am Flop weiterspielen wird.

Dafür benötigst du den VPIP-Wert der jeweiligen Position, Idealerweise einen Coldcall-Wert.

Die Rechnung wird am Ende nicht einfach werden, da du nicht in „Händen“ rechnen kannst, sondern in „Kombinationen“. Um es nicht zu sehr ausarten zu lassen, hat in Beispiel 1 der Small Blind einen Coldcall-Wert im Small Blind vs Steal von 12%.

Nun kommen Parameter hinzu, die du selbst erstellen musst:

  • Was für eine 12%-Range callt dieser Spieler im Small Blind?
  • In Folge dessen: Was foldet er, was 3-bettet er?
  • Welche Hände spielt er am Flop weiter?

Es ist wichtig zu wissen, wie viel der Spieler 3-bettet. Es macht einen Unterschied, ob ein Spieler bei 12% Coldcall nebenbei 3% seiner Hände 3-bettet oder 13%. Damit verschieben sich natürlich die Ranges.

Daher die endgültigen Stats:

Coldcall-Wert im Small Blind vs Steal: 12%
3-Bet-Wert im Small Blind: 6%

Damit kannst du nun arbeiten.

Die Range

Nun musst du die Range des Small Blinds bestimmen.

Oben anfangen bedeutet hier: Was 3-bettet er?

6% sind nicht sonderlich viel, die Verteilung wird circa 50% Bluffs und 50% Value-3-Bets enthalten.

For Value könnte er knapp folgendes betten: JJ+, AQs+, AKo (3,32%)

Bleiben ca. 3% für Bluffs, möglich wären hier: 22-33, A5s-A4s, K5s, QTs, 98s, 87s, 76s (3,02%)

Somit steht seine 3-Bet-Range: JJ+, 22-33, AQs+, A5s-A4s, K5s, QTs, 98s, 87s, 76s, AKo (6,33%)

Diese Hände wird er somit nicht coldcallen.

Nun müssen grobe Annahmen getroffen werden:

  • Er callt mittlere Pocketpairs [44-TT ; (3,17%)]
  • Er callt suited Connectors, aber nur knapp über 50% von JTs-54s [JTs-87s ; (1,21%)]
  • Er callt Broadways und AQo [AJs-A9s, KTs+, QJs, AQo-ATo, KJo+ ; (6,64%)]
  • Extra Hände, mal ein suited Ace, mal ein suited Gapper [A7s, A2s, T8s, 97s ; (1,21%)]

Somit entsteht folgende Range: 44-TT, AJs-A9s, A7s, A2s, KTs+, QJs, JTs, T8s+, 97s+, 87s, AQo-ATo, KJo+ (12,22%)

Damit kann man leben.

Die Kombinationen

Am Flop ist nun entscheidend welche Hände dein Gegner foldet. Dabei ist folgendes zu beachten:

  • Ein Pocketpair hat 6 Kombinationen.
  • Ein eventuelles Set nur noch 3 Kombinationen.
  • Ein suited Connector hat 4 Kombinationen.
  • Eine offsuited Hand hat 16 Kombinationen.
  • Bei einem eventuellen Toppair nur noch 12 Kombinationen.

Dabei muss immer berücksichtigt werden, ob das Board nicht einige Kombinationen unmöglich macht.

Klingt ziemlich mies, ist aber schnell erledigt:

44-TT (39 Kombinationen)

Ausschlussverfahren am Board: 99 hittet Set.

 

Kombinationen:

6 Pocket Pairs * 6 Kombinationen = 36 Kombinationen
99: 3 Kombinationen

JTs-87s (14 Kombinationen)

Ausschlussverfahren am Board: T9s und 98s haben getroffen.

Kombinationen:

JTs/87s => 2 * 4 Kombinationen = 8 Kombinationen
98s/T9s => 2 * 3 Kombinationen = 6 Kombinationen

AJs-A9s, KTs+, QJs, AQo-ATo, KJo+ (82 Kombinationen)

Ausschlussverfahren am Board: Alle Ax/Kx-Hände haben etwas getroffen.

AJs-A9s: 3 * 3 = 9 Kombinationen
KTs-KQs: 3 * 3 = 9 Kombinationen
AQo-ATo: 3*12 = 36 Kombinationen (-AJs/ATs) => 30 Kombinationen
KJo/KQo: 2*12 = 24 Kombinationen (-KQs/KJs) => 24 Kombinationen QJs: 4 Kombinationen

A7s, A2s, T8s, 97s (13 Kombinationen)

Ausschlussverfahren am Board: Ax und 97s hitten.

A7s/A2s: 2 * 3 = 6 Kombinationen
T8s: 4 Kombinationen
97s: 3 Kombinationen

Villains Flopplay

Nachdem alle Kombinationen vorliegen, muss selbstverständlich die Frage gestellt werden, was dieser Gegner denn out of Position weiterspielen will.

Um nicht zu viele Werte und Annahmen in Spiel zu bringen, folgender Kompromiss:

Es bleiben in der Hand:

99, 50%-Anteil von TT => 6 Kombinationen
50% seiner T9s, 98s-Hände => 3 Kombinationen
AJs-A9s, AQo-ATo => 39 Kombinationen
75% seiner Kx-Hände => 25 Kombinationen
A7s/A2s => 6 Kombinationen
33%-Anteil von 97s => 1 Kombination

Summe: 80 Kombinationen

Es check/folden:

50%-Anteil von TT, 44-88 => 33 Kombinationen
50% seiner T9s, 98s-Hände, JTs, 87s => 11 Kombinationen
QJs: 4 Kombinationen
25% seiner Kx-Hände => 8 Kombinationen
T8s: 4 Kombinationen
67%-Anteil von 97s => 2 Kombinationen

Summe: 62 Kombinationen

Das Ergebnis

Du brauchst: FE (benötigt) < FE (vorhanden)
FE (benötigt) = 40,66%
FE (vorhanden) = 62 Kombinationen / (62+80) Kombinationen = 43,66%
FE (benötigt) < FE (vorhanden) = 40,66% < 43,66%

Die Continuationbet ist somit gut.

» ZUSAMMENFASSUNG

An diesem Beispiel solltest du erkennen, wie du dir solche Foldequity-Rechnungen selber herleiten kannst. Letztlich ist es nicht einfach, da du genaue Werte auf eine große Samplesize benötigst, Ranges annehmen musst und das Flopplay deines Gegners einzuschätzen hast.

Des Weiteren bleibt unberücksichtigt, dass dein Gegner zwar viele Hände am Flop einmal callt, dafür aber am Turn marginale Treffer check/foldet.