To Bet or Not To Bet (1)
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To Bet or Not To Bet (1)
von MiiWiin
Möchtest du eine Bet oder ein Raise platzieren, hängt der Erfolg meist von vielen unterschiedlichen Variablen ab. Wie stark ist deine Hand, wer ist dein Gegner, wie sieht das Board aus?
Manchmal passt eine Variable überhaupt nicht und gibt letztlich den Ausschlag für deine Entscheidung, nicht zu betten. Einer dieser Faktoren ist ein sehr trockenes Board. Mit dieser Problematik sollst du dich nun etwas auseinandersetzen.
Übersicht:
Es gibt viele Möglichkeiten, an dieses Thema heranzugehen. Hier siehst du nun einige wichtige Aspekte, die zukünftig Stück für Stück abgearbeitet werden sollen:
- Was sind trockene Boards?
- Exkurs zu Gegnern/Stats
- Welche Problematiken herrschen dort?
- Balancing/Deception
- Wann solltest du betten, wann nicht?
- Wie kannst du bluffen?
- Wie kannst du maximalen Value extrahieren?
- Das Way ahead - Way behind – Prinzip
- Turn- und Riverplay nach einer Bet am Flop
- Turn- und Riverplay nach einem Check am Flop
- Marginale Holdings
- Wie spielst du out of Position
- Wie spielst du als Preflopaggressor?
- Multiway Pots
- 3-bettet Pots
- Was passiert, wenn Villain bettet?
Was sind trockene Boards?
"Trocken" könnte theoretisch vieles bedeuten. Das Hauptaugenmerk liegt hier aber auf einem speziellen Flop: Eine Highcard, zwei Lowcards und keine Draws möglich.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
UTG raises $0.75, 2 folds, Hero calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.85) (2 players)
UTG checks, Hero...
Das ideale Beispiel. Dein Gegner raist aus early Position und du callst am Button mit einem suited Connector. Der Flop ist dry, dort liegt der King, den dein Gegenspieler durchaus getroffen haben kann, und zwei Lowcards, die keinerlei starke Draws ermöglichen.
Du selbst hast rein gar nichts getroffen, stehst somit ohne jede Equity (Backdoorstraight und Backdoor-Trips/Twopairs werden bitte ignoriert) da.
Siehst du diesen Flop, so sollte dir eines klar sein: Dein Kontrahent wird diesen Flop in den meisten Fällen betten. Es ist der ideale Flop, um eine Continuationbet anzusetzen, da du selbst eher wenig getroffen haben wirst.
Nun kommt jedoch das Unerwartete. Villain checkt.
Was ist in diesem Spot zu tun? Die erste Gegenfrage dazu müsste lauten: „Wer ist denn mein Gegnerspieler?“
Exkurs (1): Gegner
Als Gegenspieler wählen wir hier einen regulären Spieler, idealerweise einen TAG.
Diesen Spieler wählen wir, da wir seine Plays und Ranges ansatzweise einschätzen können. Solltest du auf Spieler treffen, die zu loose, zu tight, zu passiv oder zu aggressiv spielen, driften Annahmen und tatsächliche Ereignisse immer weiter auseinander.
Selbstredend müssen hier Annahmen getroffen werden, mit denen du arbeiten kannst. Daher bekommst du als Gegner einen Standardgegner:
22 / 17 / 3 (VPIP / PFR / AF)
Du weißt nicht viel von ihm, außer dass er solide spielt und ab und an tricky Moves spielen kann.
Weitere Stats sind nicht von Interesse, hier geht es um grundsätzliche Boardanalysen und das Interpretieren von Spielzügen. Stats könnten hier helfen, aber sie werden in den meisten Fällen zu häufig verwirren.
Exkurs (2): Stats
Stats haben grundsätzlich das Problem, überbewertet zu werden. Um Stats in solchen Fällen ideal nutzen können, bräuchtest du neben einer riesigen Samplesize aussagekräftige Werte über alles, was dein Gegner hier anstellen könnte.
Zum Beispiel Contibet Flop, Turn und River, sein Check/Call-Verhalten, sein Checkraise-Verhalten und alles weitere, was postflop wichtig ist (AF-Verteilung, WTS…).
Allerdings gibt es dabei ein Problem: Diese Werte beziehen sich logischerweise auf alle Spots, die Villain spielt. Es wird nicht unterschieden zwischen Heads-up und multiway Pötten, zwischen drawy Boards und dry Boards, zwischen Battles unter regulären Spielern oder Valueextrahierung gegen schwache Spieler.
Daher ist es auf solchen Boards kaum möglich, diese Stats so vernünftig zu interpretieren, dass du einen idealen Spielzug dabei herausbekommst. Schaden können diese Werte nicht, aber miss ihnen nicht zu viel Bedeutung zu.
Zurück zum Beispiel.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25) (22 / 18 / 3)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
UTG raises $0.75, 2 folds, Hero calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.85) (2 players)
UTG checks, Hero...
Bislang ist der Spot recht uninteressant gewesen, es ist nicht viel passiert. Nach Villains Check jedoch stellt sich die erste ernstzunehmende Frage: Solltest du hier betten oder lieber nicht?
Über die Definition der Bet brauchst du nicht nachzudenken, es ist ein reiner Bluff mit nahezu 0% Equity. Er muss daher alleine durch die Foldequity erfolgreich sein. Mathematisch ausgedrückt: Im Falle einer 2/3-Potsizebet deinerseits müsste Villain in 40% der Fälle folden.
Alternativ hättest du jedoch Chancen, den Pot auf späteren Streets zu gewinnen (Multiple Barrels), dies kannst du jedoch vorerst außer Acht lassen.
Um nun deine Entscheidung pro oder contra Bluffbet zu treffen, musst du dir neben deinen Gegner über diese Problematik am Flop im Klaren sein.
Welche Problematik herrscht hier?
Die folgenden Gedanken sind realtiv ausgeprägt, jedoch reicht es aus, wenn du sie einmal ganz in Ruhe durchgehst. Sie gelten für alle derartigen Flops.
Da du den Gegner gut einschätzen kannst, werden seine Gedanken ähnlich sein wie deine (diese Annahme musst du natürlich treffen).
Villain kann hier fünf mögliche Handgruppen halten:
- Absolute Nuts
- Gute made Hand
- Marginale made Hand
- Schlechte made Hand + Draw
- Kein Hit
Absolute Nuts
Range: KK, 88, 22
Dein Gegner hat die Nuts gefloppt. Du selbst wirst wissen, dass dieses Board für Pocket Kings gar nicht mal so wunderbar ist. Es sieht traumhaft aus, keine Frage, aber während du bettest, überlegst du dir schon: „Welche schlechtere Hand soll mich denn hier ausbezahlen?“
Hält er nun nicht gerade eine der sechs Kombinationen von 88 oder 22 oder den letzten verbleibenden King, wird es eng, großartige Calldowns zu erwarten.
Spiel deines Gegners: Er wird dennoch meistens betten, ab und an aber checken, um entweder zu check/callen oder zu checkraisen.
Gute made Hand
Range: AA, AK-
Eine ähnliche Problematik wie bei den Nuts (Was soll ihn ausbezahlen?), jedoch kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Wie reagiert Villain auf ein Raise?
Stell dir vor, du sitzt an Villains Stelle mit KQ und bettest, dann kassierst du ein Raise. Schon befindest du dich in einem „Level-War“. AK hätte preflop raisen sollen, 88 und 22 würden doch nicht auf diesem dry Board raisen! Oder doch?
Es wird verdammt schwer, diese Hand am Flop wegzulegen, aber im Falle eines Calls wirst du einen großen Pot out of Position spielen und hinter deine kommenden Spielzüge setzt du am Flop schon große Fragezeichen.
Spiel deines Gegners: Er wird häufiger betten, aber auch häufig zu dir checken, da er mit Händen wie KJ- eine Art Way ahead - Way behind anstrebt.
Marginale made Hand
Range: QQ-99, 8x
Die mittelprächtigen Hände fassen naturgemäß alle vorher genannten Probleme zusammen. Selbst die Valuebet ist hier nicht mehr klar, denn viele schlechtere Hände werden nicht callen, wenn dein Kontrahent hier mit Pocket Tens bettet.
Spiel deines Gegners: Auch hier wird er häufig betten, ab und an checken und ein Way ahead - Way behind anstreben. Check/fold ist wohl eher selten zu erwarten.
Schlechte made Hand + Draw
Range: A2s, 2x
Zum Glück sind Draws nicht großartig möglich, daher bleiben nur 2x-Hände, die Outs auf Trips und Twopair (immerhin 5 Outs ingsesamt) besitzen. Unter Umständen kannst du auch die 8x-Hände mit einbeziehen.
Spiel deines Gegners: Hier wird dein Gegner wohl meistens betten. Er besitzt Foldequity und sogar einen 5-Outer auf seiner Seite. Zum Check/Callen ist die Hand jedoch zu schwach, zum Check/Folden aber auch zu schade.
Kein Hit
Range: alles andere
Bei der letzten Range beginnt das große Problem: Dein Gegner hat nichts gehittet, besitzt keine Outs, wie spielt er?
Er wird wohl meistens betten, und zwar als reinen Bluff. Schaust du dir einen Artikel zur Foldequity an, so werden diese Boards als ideal beschrieben, um zu bluffen. Warum sollte dein Gegner 56s hier check/folden? Er kann doch wunderbar bluffen und braucht logischerweise selbst nur 40% Foldequity im Falle einer 2/3-Potsizebet.
Zusammenfassung von Villains Play:
Du bist nun alles durchgegangen und musst daraufhin den Check deines Gegners beurteilen. Du brauchst hier nicht seine komplette Prefloprange genauestens zu ermitteln und du brauchst keine Kombinationen zählen. Was wird dein Gegner hier check/folden?
Nach den oben aufgeführten Ranges nahezu nichts.
- Hält dein Gegner nichts, wird er bluffen.
- Hält dein Gegner etwas Marginales, wird er betten oder check/callen.
- Hält dein Gegner etwas Gutes, wird er betten, check/callen und selten checkraisen.
- Hält dein Gegner die Nuts, wird er betten, check/callen oder checkraisen.
Was soll er denn check/folden? Wie kommst du dort jemals auf 40% Foldequity?
Von der Idee, dass dies ein toller Spot für eine Bluffbet deinerseits sei und du ausreichend Foldequity erzielen wirst, solltest du dich recht schnell verabschieden. Du wirst hier ganz selten einen Check/Fold deines Gegners zu sehen bekommen.
Aber selbstverständlich wirft dies haufenweise neue Probleme auf, denn ein blindes bet/fold wird die Hand häufig beenden und du musst dir keine weiteren Gedanken machen. Aber das wäre zu einfach.
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Die Einführung in diese Problematik hast du hinter dir. Was solltest du dir merken? Auf trockenen Flops solltest du nicht blind betten, sondern immer überlegen, ob du überhaupt Foldequity erzielen kannst (Oder für die Zukunft: Hast du eine Valuebet?). Die Grundgedanken hierzu passen auf beinahe jedes ähnliche Board gegen „normale, mitdenkende“ Mitspieler. |
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