Woche 16 (BSS): Preflop All-In mit AKs, Hand Reading & Quiz-Hand
Einleitung |
von iluya |
Diese Woche habe ich kein konkretes Thema gewählt, viel mehr Hände, die in der Form einigen Spielern Probleme bereiten, allerdings recht oft auftreten. Dabei gibt es aber recht leichte Überlegungen, die einen in der entsprechenden Situation voranbringen, die ich euch hiermit natürlich erläutern möchte.
Außerdem ist Hand 3 diese Woche eine sehr interessante Quiz- Hand, Diskussionen sind natürlich wie immer sehr willkommen. 🙂
Hand 1
Preflop All- In mit AKs?
BU: $21.70
Hero: $24.75
0.10/0.25 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is SB with A
3 folds, BU raises to $3.25, Hero raises to $9.50, BB folds, BU raises to $21.70 (All-In), Hero calls $12.20.
Mit dieser Hand brechen wir eine vermeintliche Grundregel, nämlich mit AKs nicht Preflop AI zu gehen.
Betrachten wir zuerst ein wenig die Situation: BU macht einen übergroßen Raise von immerhin 13BB, AKs ist allerdings OOP sehr schwierig zu spielen. Ein Call macht es also schwer für uns, die Hand Postflop profitabel weiterzuspielen, besonders nach der enormen Stärke, die BU hier zeigt.
Hero entscheidet sich hier also für einen Reraise, an dieser Stelle sei erwähnt, dass ein Fold wahrscheinlich die beste Variante ist, denn man muss damit rechnen, hier nach unserem Reraise auch pushen zu müssen und entweder gegen einen Bluff (selten) oder ein Monster zu laufen.
Trotz allem hat Hero bereits ge3-bettet und BU pusht, was tun?
Wir stehen vor dieser einen Entscheidung, Playability, implied Odds, Trapping, etc. spielt hier absolut keine Rolle mehr, die Mathematik und besonders Ranges treten also stark in den Vordergrund.
Dazu eine kleine Rechnung:
Der Pot ist 21,70$ + 9,50$ = 31,20$ groß.
Wir müssen 12,20$ callen.
Die Pot Odds betragen daher ~2,6:1.
Unsere Equity beträgt also ~28%.
Eine Equilator-Analyse ergibt folgendes:
equity win tie pots won pots tied
Hand 0: 52.422% 39.15% 13.27% 3838062 1300639.50 { AKs }
Hand 1: 47.578% 34.31% 13.27% 3363248 1300639.50 { QQ+, AKs, AKo, AQs, AQo, KTo, 96o }
Zu Recht werden hier einige sagen:"Warum sollte er das mit 96o oder KTo machen?". Da spielt ein wenig eigene Erfahrung mit rein, man muss immer damit rechnen, dass der Gegner das auch mit absolutem Trash macht, allerdings seltener, daher habe ich ein paar Suits im Equilator rausgenommen.
In diesem Fall haben wir sogar in etwa einen Coinflip, da wir nur 28% benötigen, haben wir natürlich einen easy Call.
Aber führen wir das Ganze ein wenig weiter, gehen wir davon aus, dass unser Gegner hier zu 100% AA, KK oder AK hält, eine recht tighte und reasonable Range:
equity win tie pots won pots tied
Hand 0: 39.886% 13.53% 26.36% 433260 844056.50 { AKs }
Hand 1: 60.114% 33.76% 26.36% 1081081 844056.50 { KK+, AKs, AKo }
Selbst bei dieser tighten Range haben wir also noch mehr als ausreichende Equity, wobei wir nur gegen AA sehr schlecht aussehen, gegen KK bräuchten wir auch nicht mal bessere Pot Odds als 2:1!
Ganz allgemein sei also erwähnt, dass wir bei Pot Odds von 2:1 oder besser fast immer den Call mit AK machen müssen, da unsere Equity gegen die Range unseres Gegners immer recht gut aussieht. Jedoch kann man sicherlich diesen Situationen oft aus dem Weg gehen und sollte bei sehr knappen Entscheidugen auch in der Lage sein, sich von der Hand zu trennen.
Unsere Entscheidung ist -hier- also ein deutlicher Call.
Hand 2
Hand Reading
0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with 2
4 folds, SB calls $0.25, Hero raises to $2.00, SB calls $1.50.
Flop: ($4.00) 3


SB checks, Hero bets $3, SB calls $3.00.
Turn: ($10.00) 3
SB checks, Hero checks.
River: ($10.00) 6
SB bets $5, Hero raises to $15.00, SB raises to $34.58 (All-In), Hero calls $19.58.
Diese Hand ist ein klassisches Beispiel für Hand Reading.
Viele Spieler vermuten hier ein Full House nach Villains Push am River, da sollte man sich aber eine einfache Frage stellen: Woher soll er es nehmen?
Complete-Call Preflop deutet meist erst einmal auf eine schwache Hand hin, TT/KK können wir also erst einmal ausschließen. Check-Call Flop auf einem 3-suited Board lässt uns auch das Set of 3s ausschließen. 66 wäre auch sehr eigenartig gespielt mit check-call Flop, genauso wie K3 oder T3, bzw. 63.
Realistisch gesehen kann Villain hier also kein Full House halten, zumindest wäre es sehr schlecht und strange gespielt.
Somit sind wir am River AI und sollten i.d.R. erwarten gegen einen schwächeren Flush zu laufen. Denn genau auf das lässt Villains Line schließen: check-call Flop auf Flush Draw, bet-raise River mit completed Flush.
Am River raisen wir hier also immer for Value und callen auch immer Villains Push!
Gegen einen guten, passiven Geger würden viele Spieler hier ihre Hand folden wollen, ein guter Spieler, wenn auch passiv, würde allerdings niemals sein Two Pair oder Set an allen vorherigen Streets so spielen.
Generell gesehen dürfen wir also nie nur eine Street und eine Aktion betrachten, um eine Entscheidung zu treffen. Man sollte sich immer einen Moment Zeit nehmen und versuchen sich an den bisherigen Handverlauf zu erinnern.
Hand 3
Quiz- Hand
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$200) (6 handed) link
CO ($119.50)
Hero ($369.10)
SB ($194.65)
BB ($200.00)
UTG ($94.20)
Preflop: Hero is Button with Q

2 folds, Hero raises to $8.00, SB calls $7.00, BB raises to $27.00, Hero calls $21.00, 1 folds.
Flop: ($66.00) 2


BB bets $48.00, Hero??
Was tun wir hier an Flop und Turn gegen einen...
a) sehr aggressiven Gegner?
b) guten Standard- TAG?
c) TAG, der nur ABC- Poker spielt/nicht tricky ist?
Auflösung
Bedenkt bitte bei den Lösungen, dass beinahe alle Entscheidungen sehr knapp sind und oft eine Frage der Playability und Varianz sind.
Ob nun also push Flop oder call Flop ist oft eine Sache des eigenen Spielstils + Image.
Was tun wir hier an Flop und Turn gegen einen...
a) sehr aggressiven Gegner:
In diesem Fall callen wir den Flop und pushen den Turn, allerdings müssten wir auch bereit sein, broke zu gehen, wenn ein A oder K kommt.
Bei einem sehr aggressiven Gegner können wir von einer recht weiten Squeezing Range ausgehen und außerdem auch von Bluff Pushs am Turn, da wir mit unserem Call am Flop ein wenig die Stärke unserer Hand "disguisen".
Da Villain hier allerdings auch gut ein Draw, wie Flushdraw oder Gutshot halten kann (auf Grund der großen Squeezing Range), wäre ein Push am Flop ebenfalls eine gute Option, wenn wir meinen, dass wir einen Call von AT oder JJ bekommen, zudem protecten wir so deutlich besser.
Ein Push wäre daher die konservative Variante und durchaus auch nicht falsch, wer ein wenig mehr Varianz vertragen kann, callt den Flop nur.
b) guten Standard- TAG?
Ein guter Standard-TAG kennt definitiv das Wort Squeeze und wird gelegentlich auch in der Lage sein, eine weitere Barrel am Turn zu feuern.
Daher spielen wir die Hand ähnlich der Situation gegen den LAG aus a).
Allerdings müssen wir seltener mit Bluff Pushs oder loosen Calls am Flop rechnen, auch die Squeezing Range ist deutlich kleiner. Somit müssen wir nicht damit rechnen, gegen ein Straight Draw und seltener gegen ein Flushdraw zu laufen. Protection verliert hier also an Bedeutung. Wir callen den Flop und sind bei den meisten Turns auch AI.
Ist es ein bekannter Gegner, beispielweise von Pokerstrategy, können wir hingegen oft noch einen Fold am Turn finden, wenn ein A oder K kommen.
Von den 3 angegebenen Situationen ist diese am schwierigsten.
c) TAG, der nur ABC- Poker spielt/nicht tricky ist?
Und wieder callen wir den Flop nur, können hier aber ohne Bedenken auf eine weitere Turn Bet folden, sollte zu uns gecheckt werden, betten wir natürlich.
Ein TAG, der nicht tricky ist, wird keine Bluff Pushs oder sonstige Moves machen und kann nach seinem Reraise Preflop eigentlich nur AJ+/TT+ halten.
Nehmen wir an, Villain hält AK, den Turn wird er nur dann betten, wenn es A oder K sind, da eine weitere Bet ihn völlig committen würde. Ein Risiko, dass ein ABC-Spieler nicht eingehen wird. Gegner, die so berechenbar spielen, sind sehr angenehme Gegner, da wir schwierigen Entscheidungen leicht aus dem Weg gehen können.