Woche 16 (BSS): Draws spielen
Einleitung |
von sandman2080 |
Diese Woche möchte ich näher auf Draws eingehen, bei denen Anfänger vielleicht das ein oder andere mal noch Probleme haben.
Hand 1
Flushdraw/OESD am Flop
Wie liest man eine Beispielhand?
BU: $3,92
MP1: $7,93
MP2: $1,54
MP3: $6,46
CO: $2,05
Hero: $4,96
BB: $4,96
0,02/0,04 No-Limit Hold'em (7 handed)
Preflop: Hero is SB with J
MP1 calls $0,04, MP2 calls $0,04, MP3 folds, CO calls $0,04, BU folds, Hero calls $0,02, BB checks.
Flop: ($0,20) 4


Hero bets $0,10, BB folds, MP1 raises to $0,32, MP2 folds, CO calls $0,32, Hero calls $0,22.
Turn: ($1,16) 5
Hero checks, MP1 bets $1,04, CO folds, Hero calls $1,04.
River: ($3,24) 8
Hero checks, MP1 bets $1, Hero folds.
Final Pot: $4,24
Hier haben wir eine Hand, bei der sich, denke ich, noch einige User unsicher sind, wie diese richtig zu spielen ist. Wir können einen Suited Connector (das sind Karten der gleichen Farbe, die miteinander verbunden sind) im SB completen (also im SB mitgehen) und treffen am Flop ein Monster-Draw, bestehend aus Flushdraw + OESD. Zusammen haben wir also 15 Karten, sogenannte Outs, die uns helfen, eine starke Hand bis zum River zu machen. Somit sind wir bis zum River leichter Favorit gegen andere Hände.
Ziel mit so einer Hand sollte es sein, sein Geld möglichst am Flop in die Mitte des Tisches zu bekommen. Wichtig dabei ist allerdings, dass wir diejenigen sind, die All-in gehen. Es ist ja grundsätzlich so, dass es sich hier mehr oder weniger nur um einen Coinflip (eine 50/50 Entscheidung) handelt, da wir kein wirklich großer Favorit sind. Um diesen Zug also profitabel zu machen, sollten wir es also schaffen, die Gegner, die derzeitig eine bessere Hand halten, zum aussteigen zu bringen. Diese so genannte Fold Equity (Wert, der die Chance angibt, dass der Gegner foldet/aussteigt) ermöglicht es erst, dass wir diesen Zug mit einem deutlich positiven Erwartungswert spielen können.
Es muss also eine Bet-Sequenz gewählt werden, bei der wir diejenigen sind, die All-in pushen. Am besten geht dies natürlich mit Bet Flop/Push All-in auf Erhöhung. Genau das wurde bei dieser Hand aber versäumt. Wir haben zwar gesetzt, sind allerdings die Erhöhung nur mitgegangen und das, obwohl das wirklich der beste Spot für einen Push gewesen wäre, denn oft können wir mit einem Push hier den Pot bereits am Flop für uns gewinnen.
Denn wenn wir hier erhöhen, bringen wir den Spieler in mittlerer Position (MP1) in eine sehr schwierige Entscheidung, da er nicht derjenige sein wird, der die letzte Entscheidung treffen wird, da hinter ihm noch der Coldcaller (jemand, der eine Erhöhung nur mitgeht, anstatt selber nochmal zu erhöhen oder auszusteigen) sitzt und der ja auch möglicherweise eine starke Hand haben könnte. Hier wird MP1 wohl alles außer einem Drilling oder zwei Paar weglegen und der Coldcaller dann wohl auch. Denn hätte dieser eine wirklich starke Hand, hätte er diesen an diesem sehr gefährlichen Flop nochmal erhöht um seine Hand zu schützen.
Die optimale Bet Sequenz wäre hier also
- Am Flop setzen mit $ 0.20, also Potgröße.
- Push All-in nach der Minierhöhung!
Hand 2
Flushdraw am Flop
Wie liest man eine Beispielhand?
MP3: $2,55
BU: $18
Hero: $14,55
0,05/0,10 No-Limit Hold'em (8 handed)
Preflop: Hero is BB with T
3 folds, MP3 calls $0,10, CO folds, BU calls $0,10, SB folds, Hero checks.
Flop: ($0,35) 7


Hero bets $0,20, MP3 raises to $0,50, BU calls $0,50, Hero calls $0,30.
Turn: ($1,85) 5
Hero bets $1, 2 folds.
Final Pot: $2,85
Hier bekommen wir ein Freeplay (Wir sitzen im BB, es wird vor dem Flop nicht erhöht und wir sehen so den Flop "gratis") aus dem BB und floppen gegen 2 Gegner den 2nd Nut-Flushdraw (somit könnten wir, sollten wir den Flush treffen, die 2. beste Hand halten).
Analysieren wir kurz die Situation. Wir sind First-to-act (also die ersten an der Reihe, um zu setzen/schieben/aussteigen), spielen gegen 2 Gegner und haben einen Flushdraw.
Da wir gegen nur 2 Gegner eine hohe Fold Equity (s.o.) haben, sollten wir den Flop direkt, wie oben gemacht, mit ca. 2/3 Potgröße anspielen. Blöderweise wird gleich erhöht. Der Coldcaller wiederum ist gut für uns, da dieser unsere Pot Odds verbessert.
Glücklicherweise treffen wir nun unseren Flush. Nun stehen wir vor der Entscheidung, am Turn direkt selber zu setzen (donken) oder aber einen check-raise zu versuchen. Welcher Zug nun profitabler ist, hängt allerdings vom Gegner ab. Gegen passive Gegner, die viele Hände bis zum Showdown bringen und fast nicht setzen, ist ein Einsatz die bessere Wahl, wogegen man gegen aggressive Gegner versuchen sollte, zu check-raisen. Dies hätte noch den Vorteil, dass der BU vielleicht nochmal coldcallt und wir so 2 Leute check-raisen könnten. Beide Bet Sequenzen (auch Lines genannt) muss man also situationsbedingt anwenden.
Wir entscheiden uns hier für einen Einsatz, allerdings steigen alle aus und wir gewinnen den Pot.