Woche 07 (BSS): Made Hands + Draw am Turn OOP
Einleitung |
von Sleyde |
Diese Woche werde ich zwei ähnliche Hände vorstellen, die unter die Kategorie "made hands + draw am Turn OOP" fallen. Viele Spieler scheinen sich in solchen Situationen unsicher zu sein.
Hand 1
Hero ($50)
MP (38/8/1.50/29) ($39.35)
PartyPoker $50 NL Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with K
1 folds, MP calls $0.50, CO calls $0.50, 2 folds, Hero checks.
Flop: ($1.75) K


Hero bets $1.60, MP calls $1.60, CO folds.
Turn: ($4.95) Q
Hero bets $3, MP raises to $13.50, Hero folds.
Final Pot: $21.45.
Wir halten K2s und bis auf die etwas hohe Flopbet ist bis zum Turn alles Standard. Am Turn haben wir dann erstmal zwei Möglichkeiten: check oder bet.
Ganz allgemeine Vorteile von einer erneuten Bet am Turn sind:
- Wir protecten, vergeben also keine Freecards
- Wir bekommen Value von schlechteren Händen
- Bessere Hände könnten möglicherweise folden.
Ganz allgemeine Vorteile von c/c am Turn sind:
- Wir halten den Pot klein
- Wir können nicht geraist werden, weil wir nicht gebettet haben, können also nicht einfach aus der Hand geblufft werden
- Wir induzieren Bluffs von schlechteren Händen
Nun gilt es diese Argumente an Hand der Beispielhand zu gewichten.
Das Vergeben von Freecards ist auf diesem Board nicht allzu schlimm. Wir halten ja den (zweit-)stärksten Draw! Allerdings kann auch er einige Outs gegen uns haben, meistens aber nicht mehr als Fünf.
Wenn wir betten, bekommen wir kaum Value von schlechteren Händen. Die einzigen etwas logischen schlechteren Hände, die callen könnten, wären so etwas wie QJ oder JT.
Auf der anderen Seite foldet der Gegner mit 28 WTSD unwahrscheinlich eine bessere Hand.
Uns kommt es recht gelegen, wenn der Pot klein bleibt, denn noch haben wir unseren Draw nicht getroffen und es wird auch nur in 1/5 der Fälle eintreffen. Wenn es nicht eintrifft, wollen wir nicht mit Toppair no Kicker in einem großen Pot spielen.
Wir können nicht geraist werden. Das ist womöglich das wichtigste Argument für check/call. Wenn wir geraist werden, müssen wir, wie im Beispiel geschehen, oft folden. Wir verlieren dadurch viel Value, denn unser Flushdraw hätte uns in 20% der Fälle am River noch die beste Hand gegeben. Auf diese 20% Equity verzichten wir also, wenn wir geraist werden, da wir unsere Hand eben weglegen müssen. Es ist übrigens auch korrekt zu folden bei diesem Raise, allerdings liegt der Fehler in der ursprünglichen Bet.
Das Induzieren von Bluffs ist ein weiterer Aspekt, durch den wir Value bekommen können. Manchmal wird der Gegner hier eine schlechtere Hand betten und wir können diese Bet recht einfach callen.
Und wenn er eben nicht bettet, dann bekommen wir einen Freeshot auf unser Draw.
Alles in allem ist die Spielweise check/call der von bet/fold hier deutlich überlegen, wie ich hoffentlich zeigen konnte.
Hand 2
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$25) (10 handed)
CO ($22.15)
Button ($30.45)
SB ($19.05)
BB ($16.00)
UTG ($21.10)
Hero ($30.78)
UTG+2 ($5.00)
MP1 ($28.70)
MP2 ($5.59)
MP3 ($9.53)
Preflop: Hero is UTG+1 with A

1 folds, Hero raises to $1.00, 4 folds, CO calls $1.00, 3 folds.
Flop: ($2.35) J


Hero bets $1.50, CO calls $1.50.
Turn: ($5.35) 8
Hero bets $3.00, CO raises to $6.00, Hero calls $3.00.
River: ($17.35) 8
Hero checks, CO bets $7.75, Hero calls $7.75.
Final Pot: $32.85.
Denke am Turn geht der Call noch in Ordnung wegen des FD, aber am River sollte ich wohl UI folden, oder wie seht ihr das?
Hier nun nochmal eine ähnliche Hand. Unsere Hand scheint diesmal stärker. Immerhin halten wir ein Overpair und das Nutflushdraw. Am Turn kommt dann eine eklige Karte, sie komplettiert sowohl Straight- als auch Flushdraws.
Die Kriterien, die in der ersten Hand erarbeitet wurden, gelten auch in diesem Beispiel. Wichtig ist hier wieder das Argument, dass wir nicht geraist werden wollen, da wir so eben Value verlieren.
Wenn wir betten, werden wir oft geraist, da der Gegner, wie bereits erwähnt, nun etliche bessere Handkombinationen halten kann.
In diesem Fall gibt es aber auch einige schlechtere Hände, die der Gegner callen könnte. Er könnte gut KhJx halten und eine weitere Turnbet damit callen. Wir bekommen also mit einer Bet mehr Value von schlechteren Händen als in Hand 1). Trotzdem überwiegt das Argument, dass wir definitiv nicht geraist werden wollen. Denn dann müssen wir entweder folden oder , wenn wir die richtigen Odds bekommen, callen und dann, wie im Beispiel schön zu sehen, mit einer marginalen Hand in einem großen Pot am River spielen.
Bessere Hände werden auch hier, da bin ich mir recht sicher, nicht folden, so dass auch dieser Vorteil einer Bet kaum zu Wort kommt.
Auf der anderen Seite könnte man bei diesem gefährlichen Board Bluffs von schlechteren Händen induzieren, da unser Check sehr offensichtlich Schwäche zeigt.
Auch hier ist also die Spielweise check/call der Spielweise bet/fold bzw. bet/call vorzuziehen, da die Vorteile von c/c hier stärker zu gewichten sind.