Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 34 (BSS): Preflopspiel an Shorthanded Tischen

Viele von euch steigen ab NL25 oder NL50 von den Fullring auf die Shorthanded Tische um. Dies bringt viele Vorteile mit sich. Zum einen gibt es in den höheren Limits fast nurnoch SH Tische, zum anderen sind die meisten Fische an diesen zu finden, da schlechte Spieler oft viele Hände spielen wollen und dies an SH Tischen einfacher ist. Die Spieldynamik ist eine andere. Es werden deutlich mehr Hände gespielt, im Vergleich zu FR werden auch viel öfter marginale Hände first-in geraised. Da man nurnoch zu sechst am Tisch sitzt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass hinter einem eine weitere starke Hand sitzt, die reraisen oder callen könnte, deutlich. Aber auch SH sollte man auf die Position achten, wir wollen schließlich möglichst IP statt OOP spielen, die damit verbundenen Vorteile sollten ja bekannt sein. Ich möchte euch eine kleine Hilfe bzgl. des Preflopspiels geben. Selbstverständlich muss immer auf das eigene Image und etwaige Gegnertypen am Tisch (Maniac, Callingstation) geachtet werden.

UTG

Aus dieser Position sollten wir möglichst nur starke Hände spielen. Hinter uns sitzen noch 5 Spieler. von denen wir überhaupt keine Informationen haben, die Wahrscheinlichkeit OOP zu spielen oder mit einem Reraise konfrontiert zu werden, ist am größten. Hände wie suited Connectors (allgemein drawing Hands) sollten wir folden, da oft hinter uns geraist wird und wir nicht profitabel weiterspielen können.

Raisingrange: 22+, AQo+, AJs+, KQs

An sehr tighten Tischen sind auch weitere Broadway Kombinationen möglich, allerdings befindet man sich dann oft in marginalen Situationen mit einer Hand, die gut dominiert sein kann, dies wollen wir möglichst vermeiden.

MP

Auch aus dieser Position sollten wir an normalen Tischen noch keine Drawing Hands oder schwache Broadways spielen. Allerdings lässt sich unsere Raisingrange nun etwas erweitern.

Raisingrange: 22+, AJo+, ATs+, KJo+, KJs+

CO

Der CO ist die erste Position, aus der wir auch mit eher marginalen Händen raisen können und so versuchen, die Blinds zu stehlen. Grundsätzlich empfiehlt es sich, die allermeisten Hände, mit denen man vor hat weiterzuspielen, auch zu raisen, solange vor einem nur gefoldet oder gelimpt wurde.

Preflopspiel an Shorthanded Tischen

von cYde

Vorteil eines Raises gegenüber einem Limp?

Gerade auf den
unteren Limits ist es durchaus noch vertretbar, aus den vorderen
Positionen kleine Pocket Pairs zu limp/callen, allerdings bringt ein
Openraise viele Vorteile mit sich. Wir haben durch unseren Raise die
Initiative. Selbst wenn wir das Board nicht treffen, können wir den Pot
oft mit einer Contibet gewinnen. Als weiteren Punkt ist die schwerere
Lesbarkeit von uns anzuführen, die durch die größere Raisingrange
entsteht. Raisen wir looser, fällt es einem Villain schwerer, uns auf
eine Hand oder eine kleine Range zu setzen. Dadurch werden wir weniger
anfällig für Bluffs, ... zudem bekommen wir leichter Value, wenn wir
bspw. mit Pocket Deuces unser Set treffen. Gerade von den vielen
schlechten Spielern kommen die wenigsten auf die Idee, dass wir mit
einem kleinen Pocketpair geraised und evtl. unser Set getroffen haben.
Außerdem ist der Pot ja durch unseren Raise schon größer und dadurch
lässt sich leichter Value mit unseren starken Händen extrahieren.

Was wir vom CO open und was wir gegen Limper raisen hängt natürlich vom eigenen Spielstil und den Postflopfähigkeiten ab. Raist nur Hände, mit denen ihr euch einigermaßen sicher fühlt und eine relativ genaue Vorstellung habt, wie ihr bei welchem Flop spielen wollt. Wir haben zwar meistens Position und Initiative, trotzdem werden wir uns nun öfters in marginalen Situationen befinden, in denen viele noch Schwierigkeiten haben.

Raisingrange: 22+, any2 Broadways (off und suited), A2s+, A8o+, SCs ab 45s aufwärts

Je nach Tisch und Stil kann man auch tighter oder looser raisen, das bleibt jedem selbst überlassen.

BU

Die beste Position, da wir Postflop immer Position haben. Wir haben schon Informationen über mögliche Hände der 3 Spieler vor uns und können Druck auf die Blinds ausüben, die schon stärkere Hände brauchen, um zu defenden. Folden alle Spieler zu uns, können wir locker bis zu 40% unserer Hände raisen, gegen tighte Blinds noch mehr. Die Range ist dabei ziemlich groß. Gibt man in Equilator z.B eine Range 38% ein, bekommt man folgendes:

44+,A2s+,K3s+,Q5s+,J7s+,T7s+,97s+,87s,A4o+,K7o+,Q8o+,J9o+,T9o

Aus den oben genannten Gründen würde ich auch nur sehr wenige Hände vom BU mitlimpen, sondern viel öfters raisen, um etwaige Limper zu isolieren und HU mit ihnen zu spielen. Natürlich wird unsere Raisingrange bei Limpern wieder etwas tighter.

SB

Entsprechend dem BU ist der SB die schlechteste Position, da wir Postflop immer OOP spielen müssen. Blinddefense ist ein eigenes Themengebiet und soll hier jetzt nicht ausführlich erläutert werden. Die Unterschiede zum FR Spiel dürften nicht sonderlich groß sein. Man kann mit einer relativ breiten Range completen, in welcher viele drawing Hands liegen, dies aber nur bei Limpern vor uns und entsprechend guten Odds. First-In sollten wir nie completen, sondern immer raisen, auch dies können wir mit einer etwas looseren Range tun. Zu beachten gilt, dass wir im Gegensatz zum CO/BU bei einem Call OOP weiterspielen.

BB

Logischerweise sollten wir auch aus dem BB sehr tight spielen. Marginale Hände, wie kleine Aces oder schwache Broadways, sollten wir auch gegen Limper nicht unbedingt raisen. Steigen wir in eine Hand ein, dann in den allermeisten Fällen mit einem Raise oder einer 3-bet. Achten sollten wir darauf, dass wir nicht zu loose mit Händen wie SCs gegen einen Raise coldcallen. Von Blinddefense abgesehen würde ich folgende Hände gegen Limper raisen:

AQo+,AJs+,99+,KQs

Fazit

Wie schon mehrmals erwähnt, muss auf die Spieler am Tisch geachtet werden. Sind Shortstacks am Tisch, sollten wir nur noch stärkere Hände raisen, da diese ziemlich schnell All-In pushen können. Ebenso muss darauf geachtet werden, ob einzelne Spieler einen Raise immer callen oder sehr light 3-betten. Auch dann sollten wir tighter werden. Sind die Blinds aber sehr rockig, können wir auch teilweise any2 raisen.

Natürlich sind meine Tipps nur ein ungefährer Leitfaden für das SH Spiel und kein Kochrezept. SH ist sehr viel dynamischer, einen ORC zu erstellen ist schwieriger als für FR Tische, weil Stats, History und Reads deutlich an Wichtigkeit zunehmen.