Woche 42 (BSS): Umstieg von FL auf NL
Einleitung |
von eplc |
Ab dieser Woche werden unsere lehrreichsten Beispielhände vermehrt einen Bezug auf die Strategie-Artikel der Hauptseite haben.
Diese Woche befassen wir uns daher mit dem Umstieg von FL auf NL!
Dabei werde ich besonders auf die Themen Betsizes, Potcontrol/Stackgröße, Position und implied Odds/Pot Odds eingehen.
Betsizes
0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is MP2 with Q
Hero raises to $2.00, MP3 calls $2.00, CO calls $2.00, 3 folds.
Flop: ($6.75) 9


Hero bets $6.00, MP3 calls $6.00, CO calls $6.00.
Turn: ($24.75) 2
Hero bets $18.00, MP3 calls $18.00, CO folds,....
Bei No-Limit haben wir die Möglichkeit unsere starken Hände deutlich besser zu protecten und entsprechend auch mehr Value zu extracten. Außerdem können wir mit variablen Betsizes unsere Gegner oft zu Fehlern zwingen.
Nehmen wir in diesem Fall an, dass MP3 auf einem Flush Draw ist. Der Flop Call wäre noch sehr grenzwertig, mit implied Odds, Chance auf Overcall und der Möglichkeit einer Freecard am Turn gegen fishy Gegner aber noch meist vertretbar. Warum bei diesen Odds der Call noch grenzwertig ist, wird bei "implied Odds" noch etwas genauer behandelt. CO könnte hier auf Draws schon recht korrekt callen.
Sollte MP3 am Turn aber immernoch auf einem Flush Draw/Straight Draw sein, ist sein Call dort ein großer Fehler. Und zu genau diesem Fehler zwingen wir unsere Gegner oder gewinnen den Pot direkt.
Hierzu ein kleiner Vergleich:
Fixed Limit - Potgröße am Turn ~5BB - Bet Hero - Odds von 5:1
No Limit - Potgröße am Turn ~50BB - Bet Hero - Odds von 2,4:1
5:1 reicht locker für einen Call auf Flush- oder Straight Draw, 2,4:1 hingegen nicht.
Wir können also gezielt die Odds für Villain verschlechtern und gleichzeitig mehr Value bekommen!
Potcontrol
0.50/1.00 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is CO with A
2 folds, Hero raises to $4.00, 2 folds, BB calls $3.00.
Flop: ($8.50) Q


BB checks, Hero bets $5.00, BB calls $5.00.
Turn: ($18.50) T
BB checks, Hero checks.
Direkt eines vorweg: TPTK ist keine Hand, mit der wir in No-Limit broke gehen wollen! Wir gewinnen meist kleine Pots und verlieren große mit solchen Händen.
Der Begriff Potcontrol wird für viele Neuzugänge in Sachen No-Limit völlig neu sein.
Dabei handelt es sich um Aktionen, die es dem Spieler ermöglichen, mit einer schwachen oder marginalen Hand, den Pot möglichst klein zu halten, um im späteren Verlauf der Hand, die Investition zu minimieren, ähnlich dem WA/WB- Prinzip.
Sehen wir uns dazu genauer diese Beispielhand an. Bei Fixed-Limit wäre das eine No-Brainer Bet und zumindest ein Calldown auf einen c/r. Bei No-Limit hingegen ist das ein Check behind for Potcontrol.
Warum?
Unsere Bet würde erst einmal erheblich größer sein als eine Big Bet in diesem Fall. Ein eventueller c/r von Villain ebenfalls und dieser würde uns vor eine toughe Decision stellen, meist sogar zu einem Fold zwingen. Des Weiteren inducen wir auch Bluffs, sollten wir hier nur checken, ähnlich dem CB Turn bei Fixed.
Der wichtigste Effekt ist allerdings, dass der Pot nicht weiter aufgebläht wird, wie bei einem Call von Villain auf unsere Turn-Bet. Betten wir den Turn und werden gecallt, ist der Pot über 40$ groß am River, sollte Villain hier ein Combodraw getroffen haben und in uns 1/2 PS betten, müssten wir weitere 20$ investieren. Checken wir behind und genau dieses Szenario tritt ein, wäre eine 1/2 PS Bet gerade mal 9$ groß.
Die Entscheidungen werden also an späteren Streets wichtiger. Ein falscher Call hier am River kann uns also gut und gerne das doppelte oder dreifache kosten, wie dann, wenn wir Potcontrol betreiben.
Eine weitere Möglichkeit, Potcontrol zu betreiben, ist natürlich ebenfalls c/c oder eine kleine Bet (sehr selten) in ähnlichen Situationen.
Position
1.00/2.00 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is CO with 7
MP2 folds, MP3 calls $2.00, Hero raises to $10.00, 2 folds, BB calls $8.00, MP3 folds.
Ein gutes Beispiel für den Nutzen von Position Postflop haben wir bereits in der Hand zu Potcontrol gesehen, hier sehen wir, dass wir ähnliche Spots schon Preflop suchen.
78s ist eine Hand, die wir noch eine Position vorher deutlich gefoldet hätten, in diesem Fall raisen wir aber sogar, trotz einem Limper, wie kommt das?
Eine Drawing Hand beispielsweise ist OOP deutlich schwerer zu spielen als IP.
Das hat den Grund, dass jede Hand auch immer einen unverhältnismäßig großen Pot bedeuten kann, dabei wird es umso wichtiger, dass wir unsere Spots sorgfältiger wählen. Mit Drawing Hands oder auch schwachen Aces wollen wir nach Möglichkeit also immer IP spielen und je nach Situation z.B. Freecards nehmen oder Potcontrol betreiben können.
Demnach spielen wir looser IP und tighter OOP!
Implied Odds
Stacks: Villain 36$, Hero 34$
0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BU with J
MP2 raises to $2.00, 2 folds, Hero calls $2.00, SB folds, BB calls $1.75.
Flop: ($6.10) 9


BB checks, MP2 bets $4.00, Hero calls $4.00, BB folds.
Turn: ($14.10) 3
MP2 bets $8.00, Hero calls $8.00.
Unser Gegner ist hier ein Postflop recht looser und Preflop eher tighter Spieler. Wir gehen also davon aus, dass er eine solide Hand hat, mit der er Preflop raist und Postflop nicht in der Lage sein wird, sich von beispielsweise einem guten Ace zu trennen.
Daher callen wir den Flop, obwohl wir davon ausgehen können, dass Villain den Turn erneut bettet, wenn er eine Hand hat, sich aber unter beinahe keinen Umständen davon trennen kann, auch wenn unser OESD ankommt.
Die implied Odds sind bei No Limit -sehr- viel größer, da wir hier am River recht sicher davon ausgehen können, den Reststack von Villain zu bekommen, wenn wir hitten. Bei Fixed könnten wir hier gerade mal von ~2 weiteren Big Bets ausgehen. Bei No Limit ist die Betsize nur durch die größe der Stacks begrenzt!
Das heißt also, obwohl unserere Pot Odds nicht stimmen, sind die implied Odds, gerade auf den niedrigeren Limits, so hoch, dass wir sehr profitabel callen können.
Eine kleine Rechnung dazu:
Der Pot ist 24$ groß, wir müssen weitere 8$ callen.
Die Pot Odds betragen 2,4:1, wir benötigen aber zumindest 4,7:1.
Gehen wir davon aus, dass wir den Reststack von Villain bekommen, sollten wir hitten, dann erhalten wir weitere 18$.
Effektiv würden wir also Odds von 22$ + 20$ : 8$ --> 5,25:1 bekommen.
Nicht jedes Mal bekommen wir den vollen Stack, trotzdem würden die implied Odds unseren Call auch dann noch rechtfertigen.
Das soll nicht bedeuten, dass jeder Call mit Implied Odds > Pot Odds zu rechtfertigen wäre, allerdings können oft (besonders gegen schlechte Gegner) loosere Entscheidungen getroffen werden, wenn man das Prinzip der implied Odds korrekt anwendet.
So können z.B. auch Calls mit kleinen PPs auf Raises vor uns gemacht werden, nach dem Call 15- Prinzip.
Ein paar Grundsätze
- TPTK/TPGK ist in NL eher eine schwache Hand.
- Unsere Aktionen gewinnen an späten Streets an Wichtigkeit.
- Potcontrol kommt hinzu.
- Position gewinnt an Bedeutung.
- Oft gilt: Implied Odds > Pot Odds - es wird oft um Stacks gespielt.
- Unsere Gegner beeinflussen sehr maßgebend unsere Spielweise.
- Vergleich der Gewinnerwartung NL - FL: 3x Big Blind NL --> Small Blind FL.