Woche 43 (BSS): Kleine Pocket Pairs nach einem Raise
Einleitung
Heute beschäftigen wir uns mit den kleinen Pocket Pairs. Grundsätzlich bezeichnet man damit die Hände 22-77.
Diese Hände haben zwar ein gutes Entwicklungspotential, sollten wir am Flop unser Set treffen, haben aber alleine für sich kaum Showdown-Value.
Solange wir beim Shorthanded-Game first-in agieren können, sollten wir grundsätzlich raisen. Das gilt bishin zu 22 aus UTG. Wir beschäftigen uns aber nun mit der Situation, dass vor uns bereits geraist worden ist.
Die Problematik
Beim Fullring-Game können wir diese Hände relativ leicht mir der Call15-Regel spielen. Wir spielen hier grundsätzlich defensiv und machen am Flop meist nur Action, sollten wir unser Set hitten.
Problematisch wird es aber beim Shorthanded-Game. Theoretisch hat auch hier die Call15-Regel seine Richtigkeit, jedoch müssen wir hier weitaus mehr auf Position und Gegner achten.
Folgende Unterschiede sind zwischen Fullring und Shorthanded zu beachten:
- Ein Raise beim FR aus einer frühen Position ist meist eine starke Hand. Demnach haben wir höhere implied Odds, sollten wir unser Set treffen, da wir häufig voll ausbezahlt werden. Beim Shorthanded-Game muss ein Raise aber nicht unbedingt eine sehr starke Hand bedeuten, so dass unsere implied Odds sinken.
- Beim Shorthanded-Game wird wesentlich häufiger gestealt, da der CutOff bzw. der Button öfters first-in agieren können. Halten wir hier ein kleines Pocket Pair, sinken unsere implied Odds noch weiter, da die Range eines first-in Steals vom Button sehr groß ist. Zudem müssen wir natürlich den Rest der Hand Out of position spielen und haben somit ohnehin Probleme mit unserer Value-Maximierung.
- Beim Fullring-Game haben wir wesentlich häufiger Multiway-Pötte. Es kommt also ab und zu vor, dass wir in bspw. in einem 4-handed Pot unser Set treffen und somit viel Value von mehreren Spielern extrahieren können. Beim Shorthanded-Game jedoch befinden wir uns wesentlich häufiger in Heads-Up Situation. Auch durch diesen Umstand sinken unsere implied Odds.
- Da beim Shorthanded-Game weniger Spieler in der Hand sind, steigt der Wert jeder Hand. Wir können also mit 66 öfters die stärkste Hand halten als beim 10-handed-game.
Beim Shorthanded-Game ist wichtig für uns, dass wir Position haben. Dies gilt zwar auch grundsätzlich, ist aber besonders wichtig, wenn wir mit einer sehr starken Hand, wie einem Set, Value extrahieren wollen.
Zudem ist der Gegner und seine jeweilige Position wichtig. Bei einem tighten Spieler, der aus UTG raist, hat man höhere implied Odds als bei einem loosen Spieler, der nahezu immer vom Button stealt.
Halten wir nun ein low pocket und vor uns wird geraist, haben wir 3 Möglichkeiten: fold, call oder 3-bet.
Hand 1
Bei einem fold gehen wir kein Risiko ein, wenn wir der Meinung sind, keine implied Odds zu haben. Wenn wir der Meinung sind, Villain durch einen Raise meist nicht zum folden zu bringen (bzw. durch die anschließende Continuation Bet), und bei einem call keine implied Odds besitzen, da Villain zwar loose ist, aber nur selber gerne bettet (blufft) und selten große Bets callt, wir evtl. zudem noch out of position agieren, sollten wir low pockets hier folden.
PartyPoker $25 NL Hold'em (5 handed)
Stacks & Stats
BB ($25.10)
BU ($56.76)
CO ($41.09)
MP($18.55) (32/23/4.3/693/WTS:23.4/Fold to Continuation Bet: 34.5%)
Hero is SB ($27.07)
Preflop: Hero is SB with 2
MP raises to $1, 4 folds
Wir halten in dieser Hand 22 und sitzen im Small Blind. MP ist uns vorher schon häufiger aufgefallen. Er spiel preflop recht aggressiv, ein 3-bet wird meistens nur gecallt. Er macht postflop zwar gerne mal einen Move, so daß er auf eine normale Continuation Bet am Flop nicht gleich die Segel streicht, sein Went to showdown-Wert liegt mit 23.4% aber im recht tighten Rahmen.
Zudem hat Villain hier keinen Fullstack mehr. Zwar wäre die call15-Regel auch hier noch anwendbar, aber die implied Odds werden natürlich dennoch geringer.
Wenn wir nun 3-betten, wird uns Villain häufig callen. Er hat Position auf uns und wir wissen, dass er nur in einem von 3 Fällen auf unsere Continuation Bet folden wird. Jedoch war Villain bislang selten bereit, mit einer durchschnittlichen Hand All-in zu gehen.
Da wir also wenig Fold Equity preflop sowie am Flop sehen, wollen wir hier nicht 3-betten.
Bei einem call haben wir ähnliche Probleme. Durch einen Move bekommen wir Villain, zumindest am Flop, selten aus der Hand. Unsere implied Odds sind nicht großartig, natürlich auch deswegen, weil wir out of position spielen.
Also ersparen wir uns hier einen Move bzw. den Versuch, uns nicht vorhandene gute implied Odds zu geben und folden.
Wann sollten wir ein low pocket nach einem raise folden?
- Wir sehen wenig Fold Equity gegen Villain, sollten wir 3-betten.
- Wir geben uns wenig implied Odds gegen Villain, wenn wir callen.
- Wir spielen out of position.
- Wir müssten Heads-Up spielen.
Hand 2
Sollten wir callen, haben wir am Flop zwei unterschiedliche Situationen. Entweder wir treffen unser Set, dann geht es darum, wie wir gegen Villain am meisten Value extrahieren können. Sollten wir unser Set nicht treffen, bräuchten wir entsprechende Reads, ob wir eventuell durch einen Move (z.B. floaten) den Pot dennoch gewinnen können.
PartyPoker $25 NL Hold'em (5 handed)
Stacks & Stats
BB ($23.03)
SB ($16.72)
BU ($31.59)
MP ($52.97) (16/12/1.4/341)
Hero ($49.07)
Preflop: Hero is CO with 6
MP raises to $1, Hero calls $1, 2 folds, BB calls $0.75.
Flop: ($3.10) Q


BB bets $0.75, MP calls $0.75, Hero folds.
Turn: ($4.60) 4
BB bets $1.75, MP folds.
Final Pot: $6.35.
MP ist ein relativ tighter Spieler. Er raist hier aus MP first-in. Wir halten mit 66 ein low pocket und callen auf Set Value.
Ein Call ist hier profitabel, da Villain hier durchaus eine starke Hand halten kann. Wir können uns hier durchaus einige implied Odds geben.
Zudem haben wir Position, so dass wir im Falle eines Treffers unsere Hand gut spielen können. Hinter uns agieren noch die Blinds, die eventuell durch gute Pot Odds angelockt werden und ebenfalls mit einsteigen könnten.
Einen Raise unsererseits wird Villain hier selten mit einer schwächeren Hand callen. Auf eine 4-bet müssten wir ohnehin folden. Somit ist Call hier eine gute Wahl.
Am Flop hitten wir jedoch nicht, wir sind 3-handed und das Board kann gut jemand getroffen haben. Wir folden.
Wann sollten wir ein low Pocket nach einem Raise callen?
- Wir sehen nicht genügend Fold Equity gegen Villain.
- Wir geben uns gute implied Odds im Falle eines Treffers.
- Wir spielen in position.
- Hinter uns agieren eventuell noch loose Spieler, die hier öfters mit in die Hand einsteigen, wodurch unsere implied Odds noch größer werden.
Hand 3
Die aggressivste Variante ist natürlich eine 3-bet. Wir versuchen damit, die Hand preflop schon zu entscheiden und den Pot möglichst einzusacken. Gerade gegen loose Gegner eignet sich eine 3-Bet hier mehr, da diese Spieler sehr viel first-in raisen, aber bei einer 3-bet vorsichtiger werden und selten mit weak hands 4-betten. Da die Range eines first-in Raises von einem loosen Spieler relativ hoch ist, können wir uns nicht genügend implied Odds geben.
PartyPoker $25 NL Hold'em (5 handed)
Stacks & Stats
BB ($23.52)
BU ($22.50) (32/16/3.7/561)
CO ($30.88)
MP($13.56)
Hero is SB ($27.07)
Preflop: Hero is SB with 5
2 folds BU raises to $1, Hero raises $3.25, 1 fold, BU calls $3.25.
Flop: ($6.75) T


Hero bets 5.00$, BU folds.
Final Pot: $11.75.
Wir halten hier im SB mit 55 eine recht starke Hand, die wir auf einen Button-Steal nicht unbedingt weglegen wollen. Ein Call käme zwar infrage, jedoch ist Villain recht loose. Er wird hier eine weite Range haben und uns meistens nicht auszbezahlen, sollten wir unser Set treffen. Zudem müssen wir out of position spielen.
Da seine Range so groß ist, haben wir jedoch die Chance, den Pot Preflop mitzunehmen. Sollten wir gecallt werden, können wir noch unsere Continuation Bet anbringen. Sollte BU 4-betten, geben wir die Hand auf.
Wann sollten wir ein low Pocket nach einem Raise 3-betten?
- Wir sehen die Möglichkeit, den Pot Preflop mitzunehmen.
- Wir sehen die Möglichkeit, den Pot durch eine Continuation Bet am Flop mitzunehmen.
- Wir können gegen Villain eventuell einen Move anbringen.
- Wir geben uns wenig implied Odds für einen Call.
- Wir spielen out of position.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass wir mit einem low Pocket Pair, wenn vor uns geraist wurde, folgende Fragen stellen müssen:
- Ist Villain loose oder eher tight? Was geben wir ihm für eine Range?
- Habe ich Position?
- Wenn ich 3-bette, habe ich genügend Fold Equity?
- Wenn ich calle, habe ich genügend implied Odds?
- Wenn ich folde, verschenke ich Value?
Wie man sieht, sind die Beispiele 1) und 3) nicht so weit auseinander. Reads und Stats sind in solchen Situationen sehr wichtig. Man sollte jedoch out of position eher die Varianten fold oder 3-bet in Erwägung siehen, da man hierdurch auch weniger lesbar wird und man später mit seinen starken Händen besser ausbezahlt wird.
Sollte man mit low Pockets out of position immer nur callen, wird man für aufmerksame Mitspieler relativ schnell lesbar, da man meist am Flop check-raisen muss, wenn man genügend Value extrahieren will.