Woche 45 (BSS): Wie extrahiere ich Value aus Sets (1)
Einleitung |
von MiiWiin |
In den vergangenen beiden lehrreichsten Beispielhänden ging es vor allem um das Preflop-Spiel mit low Pocket Pairs.
Nachdem wir Beispiele durchgegangen sind, wie wir auf einen Raise vor uns sowie auf eine 3-Bet nach uns reagieren können, wollen wir uns heute damit beschäftigen, wie wir im Falle eines Hits am meisten Value durch unser Postflop-Spiel extrahieren können.
Nicht behandeln möchte ich dabei, wie wir ohne Hit weiterspielen. Ohne Treffer haben wir eine marginale Hand, die kaum Showdown-Value hat. Ob wir die Hand dann sofort aufgeben oder einen Move versuchen, ist vor allem stark von unserem Gegner sowie der History und unserem Image abhängig. Auf diese Fälle möchte ich heute nicht eingehen.
Heute beschäftigen wir uns mit der Einleitung, was man grundsätzlich bei dem Hit eines Sets betrachten sollte. Neben einem Standardbeispiel gibt es eine Umfrage zu einer Hand. In der nächsten Woche werden weitere Beispiele mit unterschiedlichen Vorraussetzungen folgen.
Treffen wir nun am Flop unser Set, ist unsere Hand klar definiert. Wir wollen, wenn möglich, All-in, und werden unser Set am Flop, egal wie das Board aussieht, nahezu niemals aufgeben.
Unser weiteres Vorgehen ist dabei natürlich sehr stark von folgenden Faktoren abhängig:
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Befinden wir uns im raised Pot oder in einem 3-betted-Pot?
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Sind wir der Preflop-Aggressor oder ist es Villain (wer hat die Initiative)?
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Sind wir in position oder out of position?
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Befinden wir uns im Heads-Up oder spielen wir im Multiway-Pot?
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Ist das Board drawheavy oder drawless?
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Wer ist/sind unser/unsere Gegner?
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Stackgrößen
Wir müssen nun berücksichtigen, dass wir, wenn möglich, All-in kommen wollen, dies aber wohl nur möglich ist, wenn auch Villain eine einigermaßen vernünftige Hand hat.
1) Befinden wir uns im raised Pot oder in einem 3-bettet-Pot?
Hier kommt ganz klar die Preflop-Action zum Tragen. In erster Linie ist uns hier die Potgröße wichtig, die in einem 3-bettet-Pot natürlich um einiges höher ist. Man kann an der einen oder anderen Stelle eventuell einen Gang zurückschalten, da eine normale Bet schon eine gewisse Größe darstellt, die es uns letztlich wesentlich einfacher macht, um einen großen Pot zu spielen.
Ideal ist es natürlich, wenn wir ein Set in einem 3-bettet-Pot treffen, da wir hier unseren Gegner am leichtesten All-in bekommen. Neben der Potgröße spricht natürlich auch der Faktor dafür, dass Villain als Preflop-3-Better oder Coldcaller ebenfalls eine starke Hand halten dürfte.
2) Sind wir der Preflop-Aggressor oder ist es Villain (wer hat die Initiative)?
Die Frage nach der Initiative ist von enormer Wichtigkeit. Sind wir selbst der Preflop-Aggressor, so können wir gleich mit normalen Valuebets beginnen oder im Falle einer Donk von Villain mit einem Value-Raise. Wir verraten unsere Hand nicht, da wir durch unsere Preflop-Action bereits Stärke demonstriert haben und das nun auch im Falle eines für uns schlechten Boards fortsetzen würden. Villain wird uns hier häufig auf einen semi-bluff setzen, mit dem wir noch mal versuchen, unimproved den Pot zu gewinnen.
Preflop-Aggressor zu sein hat den Vorteil, direkt betten zu können, jedoch den Nachteil, dass man häufiger nicht ausbezahlt wird, da Villain eventuell selber auf einer drawing hand sitzt, das Board verfehlt hat und keinen Move gegen uns wagen möchte.
Ist Villain der Preflop-Aggressor, müssen wir aufpassen unsere Hand nicht direkt zu verraten. Positionsabhängig verrät ein check/raise oder der direkte Raise in position durchaus Stärke und wird Villain häufig zum Aufgeben seiner Hand bewegen.
3) Sind wir in position oder out of position?
Egal worüber man beim Pokern spricht, die Position ist immer ein entscheidender Faktor.
In position können wir uns erstmal anschauen, wie Villain verfährt und uns dann überlegen, ob ein direkter Raise am Flop schon Sinn macht. Out of position haben wir diese Möglichkeit oft nicht. Meistens müssen wir am Flop schon check/raisen, um den Pot einigermaßen groß zu bekommen und am Turn die Initiative übernehmen zu können.
Spielen wir nur check/call und checken am Turn, wird sich Villain zu häufig den check behind nehmen und wir müssen am River in einen kleinen Pot donken, der dann maximal nur noch gecallt wird.
4) Befinden wir uns im Heads-Up oder spielen wir im Multiway-Pot?
Selbstverständlich treffen wir ein Set am liebsten in einem Multiwaypot. Wir bekommen hier wesentlich häufiger große Pots zustande und können eher straight forward spielen, da meistens irgendjemand irgendwas getroffen hat. Zudem ist natürlich in einem Multiwaypot der Pot am Flop schon um einiges höher.
Deswegen lohnt es sich nahezu immer, in einem Multiwaypot sein Set straight forward zu spielen, auch da viele Hände gegen Hero spielen und somit auch viele Outs haben.
5) Ist das Board drawheavy oder drawless?
Sicherlich ebenso eine wichtige Frage, die entscheidend dafür ist, ob man protecten muss oder ob man sich eventuell ein Slowplay leisten kann. Klar ist, dass man durch protection auch den Pot buildet, somit ist es nahezu nie verkehrt. Jedoch sollte man sich schon überlegen, ob man auf einem drawless Board auch mal etwas ruhiger an die Sache rangehen kann, wenn man kaum schlechtere Hände sieht, die einem auf dem Board ausbezahlen.
Außerdem sollte man betrachten, ob das Board unter „diesen Umständen“ drawheavy ist. In einem 3-bettet Pot im Heads-Up macht mir ein Board 4d 5d 7h nicht soviel Angst wie im Multiway-Pot, der nur einmal geraised wurde, da hier wesentlich öfters drawing hands unterwegs sind.
Grundsätzlich sollte man im Heads-Up Game den Gegner nicht zu oft auf Draws setzen, die eigentlich recht unwahrscheinlich sind.
6) Wer ist/sind unser/unsere Gegner?
Wenn wir uns nun überlegen, wie wir am besten unser Geld in die Mitte bekommen, spielt natürlich auch Villain eine entscheidene Rolle.
Ist er eine Callingstation und wir können gegen ihn leicht bet/bet/bet spielen? Ist er sehr aggressiv, so dass wir ihn vielleicht am Turn check/raisen können, da er sehr häufig am Turn 2nd barrelt? Ist er ein guter Gegner, der seine starke Hand protectet oder ist er ein looser Spieler, der einfach nur bluffen will.
Die Kenntnis über Villain ist mitentscheidend, wenn wir ihn möglichst All-in bekommen wollen.
7) Stackgrößen
Natürlich brauchen unsere Gegner auch angemessene Stackgrößen, die wir ihnen abnehmen können. Da unsere implied Odds aber vor allem unser Preflop-Spiel ausmachen, muss dies auch schon vorher berücksichtigt worden sein.
All diese Punkte müssen berücksichtig werden. Ideal ist natürlich die Kombination, dass wir Preflop-Aggressor im 3-bettet-Multiway-Pot sind, zudem in position gegen Fullstack-Callingstations auf einem drawless Board. Leider kommen solche Situationen nur selten vor.
Beispielhand
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
MP ($26.26)
CO ($28.11)
UTG ($53.61)
BB ($24.77) (28/12/0.4/28/181)
SB ($22.30) (32/13/1.2/31/456)
Hero ($28.15)
Preflop: Hero is Button with 7

3 folds, Hero raises to $1.00, SB raises to $3.00, BB calls $3.00, Hero calls $3.00
Flop: ($9.00) 7


SB bets $3.50, BB calls $3.50, Hero calls $3.50
Turn: ($19.50) J
SB bets $4.00, BB calls $4.00, Hero raises to $13.00...
Eine Hand, wie sie besser kaum laufen kann. Preflop machen wir einen normalen Button-Raise mit unserem Pocket Pair und können nach der 3-Bet vom Small Blind sowie dem Coldcall des Big Blinds leicht auf Set Value callen.
Am Flop treffen wir natürlich ideal, also arbeiten wir mal kurz die Punkte ab:
1) Befinden wir uns im raised Pot oder in einem 3-bettet-Pot?
Der Pot ist 3-bettet und somit schon recht groß.
2) Sind wir der Preflop-Aggressor oder ist es Villain (wer hat die Initiative)?
Wir sind kein Preflopaggressor, was in diesem Fall nicht sonderlich schlimm ist.
3) Sind wir in position oder out of position?
Wir befinden uns in Position, der SB sowie der BB müssen vor uns agieren.
4) Befinden wir uns im Heads-Up oder spielen wir im Multiway-Pot?
Wir haben zwei Gegner in der Hand, von denen wir Value extrahieren können.
5) Ist das Board drawheavy oder drawless?
Das Board ist für uns vollkommen drawless. Vorteil könnte sein, dass zwei heart-Karten liegen, die unserem Full House aber ohnehin nichts anhaben können.
6) Wer ist/sind unser/unsere Gegner?
Zwei Calling Stations, die wohl viel callen werden, aber selber kaum aggressiv werden.
7) Stackgrößen
Beide haben nahezu volle Stacks.
Nahezu alle Punkte liefen hier gut für uns. In dieser Situation kann man nicht viel falsch machen. Den Flop callen wir hier nur, da wir vor absolut nichts zu protecten brauchen.
Durch den 3-bettet-Pot laufen wir auch nicht Gefahr, nur um einen Minipot spielen zu müssen. Selbst durch den Call haben wir am Turn schon einen 20$ Pot. Mit einem Raise würden wir die beiden eventuell vertreiben.
In dieser Situation ist Slowplay möglich, da wir hoffen, dass einer der beiden seine Hand am Turn noch verbessert (z.B. durch einen Flush, AK hittet etc.).
Am Turn werden wir wieder mit einer Minbet konfrontiert. Jetzt agieren wir aber und raisen recht minimal. Unser Ziel ist hier einzig und allein: Mindestens einen der beiden All-in zu bekommen. Wenn beide nichts haben sollten, werden wir ohnehin nicht viel mehr abkassieren. Aber am Turn müssen wir Pot Building betreiben, damit wir am River All-in pushen können, ohne eine Potsize-Bet oder gar Overbet hinlegen zu müssen.
Dieses Beispiel liefert den Idealfall, der leider sehr selten vorkommt.
Weitere Beispiele zu unterschiedlichsten Kombinationen der oben genannten Punkte in der kommenden Woche.