Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 51 (BSS): Potcontrol am Turn

Einleitung

Diese Woche möchte ich euch anhand von Beispielhänden
erläutern, warum man sich in manchen Situation am Turn für Potcontrol
entscheiden sollte. Potcontrol bedeutet, dass man die Größe des Pots
kontrolliert. Hierzu möchte ich sowohl die Situation "In
Position" als auch "Out of Position" betrachten.

 

Hand
1

0,02/0,04 No-Limit Hold'em (10 handed)

BB $1,88
UTG $3,64
MP1 $5,41
Hero $5

Preflop:
Hero is SB with A, J
UTG calls $0,04, 2
folds
, MP1 calls $0,04,
4 folds, Hero
calls $0,02, BB checks.

Flop:
($0,16) T, A, 4 (4 players)
Hero
bets $0,12
, 2 folds, MP1 calls $0,12.

Turn:
($0,40) 8 (2 players)
Hero
???

Wir completen Preflop nach zwei Limpern und entscheiden uns
am Flop gegen drei Gegner mit Toppaar zu betten. Wir bekommen einen Caller und
stehen nun am Turn vor der nächsten Entscheidung.

Die Turnkarte selbst sollte kaum etwas an der Situation
geändert haben, außer er hat 88 oder eine Hand wie A8. Jedoch müssen wir uns
die Frage stellen, mit welcher Hand der Gegner preflop limpt und am Flop unsere
Bet callt.

Man muss ehrlich sagen, dass es hier schwer ist eine genaue
Range zu setzen. Ich würde ihn hier auf ein PP wie 99 oder 77, eine Hand wie Ax
und evtl. auch T9 oder JT setzen. Sicherlich sieht man auch einige Spieler, die
mit AK oder AQ Preflop nur limpen.

Wenn wir nun am Turn erneut betten, werden wohl alle PPs
(außer die ein Set gemacht haben) folden. Hände wie A2 oder A3 werden evtl.
auch den Fold finden. Hände wie A4 oder AT werden jedoch oft callen oder sogar
raisen, selbstverständlich wird hier auch oft ein Set raisen, ab und zu wird
durchaus auch ein Bluffraise dabei sein.

Wie spielen wir nun? Wir haben eine Hand, die durchaus
Showdown Value hat, aber durchaus nicht mehr die beste Hand sein kann. Wenn wir
betten werden viele schlechte Hände folden und hauptsächlich bessere Hände
callen oder raisen.

Somit entscheiden wir uns zu checken und eine Bet des
Gegners zu callen. Dadurch entgehen wir zum einen vom Gegner geraist zu werden
und halten den Pot klein. Ferner signalisiert unser Check Schwäche, so dass
einige Gegner sich mit A2 oder T9 noch vorne sehen und betten.

Gelegentlich wird der Gegner auch behind checken, so dass
der Pot in unserem Interesse klein bleibt und der Gegner am River eine Bet von
uns oft mit schlechteren Händen callt.

 

Hand 2


0.02/0.04 No-Limit Hold'em (7 handed)

MP1 $9.02
MP2 $8.85
MP3 $4.42
Hero $4.98
BB $1.76
SB $4.76
BU $5.04

Preflop:
Hero is CO with K, A
MP1
folds
, MP2 calls $0.04,
MP3 folds, Hero raises to $0.20,
3 folds, MP2
calls $0.16.

Flop:
($0.46) 8, 5, A (2 players)
MP2 checks, Hero
bets $0.32
, MP2 calls $0,32

Turn: ($1.10) 9 (2 players)
MP2 checks, Hero ???

Die Action Preflop und am Flop sind Standard. Nach dem unser
Gegner, der Preflop limp/call spielt und am Flop unsere Continuation Bet
gecallt hat, müssen wir uns am Turn über unsere Action Gedanken machen.

Wieder überlegen wir uns mögliche Hände des Gegners,
sicherlich wird er nach der Preflop action oft ein PP halten, manche Gegner
sieht man hier auch mit einem suited Ass (z.B. A:s 4:s) oder auch einen suited
Connector.

Das Flopplay auf eine ähnliche Range hin, nur
hätten viele Pocketpaare, wie z.B. 22 oder 33 gefoldet. Allerdings glauben
einige Gegner uns das Ass nicht und callen mit einem Pocketpaar wie 77 oder 66.
Ansonsten sind auf dem Board keine Flushdraws möglich, aber ein paar Straightdraws. Eine Drawinghand können wir nicht ganz ausschließen.

Sollten wir nun am Turn erneut betten und der Gegner
checkraist uns, stehen wir mit Toppaar vor einer schweren Entscheidung. Diese
Spielweise passt durchaus zu einen Set oder eventuell auch Twopair.

Hier gilt dasselbe wie in der Hand zuvor: Durch eine Bet
verscheuchen wir schlechtere Hände und bessere callen oder raisen.
Daher entscheiden wir uns nur zu checken, somit betreiben
wir erneut Potcontrol, sprich wir halten mit der durchaus stärksten Hand den
Pot klein. Ferner signalisieren wir wieder Schwäche und geben dem Gegner die
Möglichkeit am River mit einer Hand wie A7 oder auch TT zu betten. Diese
Riverbet callen wir dann natürlich nur, denn schließlich würde ein Set (welches
am Turn die Absicht hatte c/r zu spielen) ebenfalls betten. Somit würde unser
Riverraise höchstwahrscheinlich nur von besseren Hände gecallt werden.

 

Fazit

Man sollte sich gerade auf einem Board ohne Drawmöglichkeiten
die Frage stellen: "Gibt es eine schlechtere Hand als die eigene, die bei
weiteren Bets / Raises bis zum Showdown gehen würde?" Ist dies nicht der Fall, so bringt es nichts den Pot unnötig aufzubauen.

Sicherlich ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich,
ob man Potcontrol betreiben soll oder nicht, dennoch hoffe ich die dazugehörige
Problematik dargestellt zu haben. Solltet ihr in solchen oder ähnlichen Situationen nicht
sicher gewesen sein, so stellt eure Hand ins Beispielhand Forum. Dort wird eure
Hand von einem Handbewerter begutachtet.