Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 53 (SSS): Die Equity

Einleitung

Nicht nur in Stealsituationen werden wir mit einem Reraise
nach uns konfrontiert. Unsere Reaktion kann entweder nach dem
Stack:Raiseverhältnis ausfallen, was bei unbekannten Gegnern Anwendung findet
oder aber auch nach der Equity wenn wir Stats von den Gegnern haben. Mit der
exakten Behandlung dieser Problematik möchte ich mich heute ein wenig
auseinandersetzen.

 

Beispiel 1

Nehmen wir einmal an, wir halten in MP1 ein Paar Tens:

Hero: TT

Preflop: 3 folds,
Hero bets 4BB, 3 folds, BU raises, 2 folds, Hero???

Da ein Reraise nach uns für uns eine Push or Fold
Entscheidung bedeutet ist es relativ unbedeutend wie viel der Gegner raist, da
dieser auch nicht mehr folden wird. Deshalb gehen wir immer von einem Allin
aus.

Wie sollten wir jetzt aber mit einem 20 BB Stack reagieren
wenn wir folgende Gegner hätten?

a.) 25/20 (Vpip/ PFR)

b.) unknown

c.) SSSler (der weiß, was er macht 😉 )

Die Antwort ist relativ klar:
gegen a. haben wir ein allin, da wir gegen seine
Reraiserange eine positive Equity haben, egal ob er nun 20 % reraist oder auch
nur 10 %. Wie wir das genau berechnen darauf werde ich später eingehen.

Bei b. tritt das Stack:Raiseverhältnis zu Tage und wir haben
bei 20 BB ein Verhältnis von 4:1 und damit auch ein Allin.

Warum wir bei c. einen Fold haben werde ich im folgenden
zusammen mit Beispiel a. erläutern.

Warum gehen wir leicht allin bei a.?
Da wir in etwa abschätzen können mit welcher Range er uns
Reraisen wird können wir mit Hilfe des Equilators unsere Hand gegen seine Range
laufen lassen und sehen genau wie viel Gewinnerwartung in Prozent wir haben.
Geben wir ihm beispielsweise eine Range von 12 % mit denen er Reraisen wird, so
haben wir eine Equity von: 54 % Somit gehören 54 % vom Pot uns und wir machen
mit jedem Cent der in den Pot kommt Gewinn.

Bei Antwort c. müssen wir wieder die Range ermitteln und
sehen, dass wir hier weit weniger Gewinnerwartung haben:

Range des SSS Spielers: AA-JJ, AKs
Dagegen hat TT eine Equity von: 23 %. Somit gehören uns vom
Pot nur 23 % was zu wenig ist. Darum haben wir hier einen einfachen Fold.

Müssen wir bei einem Reraise immer folden wenn wir weniger
als 50 % Equity haben? Das ist NICHT der Fall. Da wir bereits Geld in den Pot
investiert haben und dieses uns nicht mehr gehört müssen wir weniger Equity
haben um profitabel callen zu können.

Wie genau wir das berechnen können zeige ich im folgenden.

 

Beispiel 2

Wieder das Beispiel von oben. Wir setzen 4 BB und werden vom
BU auf 20 BB geraist, müssen also allin gehen.

Jetzt berechnet sich die benötigte Equity wie folgt:
Wir ermitteln, wie groß der Pot ist und was wir
nachschieben müssen. Der Pot beträgt jetzt 24 BB (die Blinds dienen als
Rakeabsorbierer und werden vernachlässigt) und wir müssen 16 BB zahlen. Somit
bekommen wir Odds von 2:3. Das entspricht 40 % und somit brauchen wir um
profitabel einen Push mit 20 BB callen zu können nur 40 % Equity gegen die
Range von Villain.

Auf diese Weise ist es auch sehr gut möglich zu ermitteln,
welche Equity man bei einem kleineren oder größeren Stack braucht. Auch wenn
Coldcaller dabei waren kann man diese leicht mit einrechnen. Ebenfalls gut
geeignet ist diese Rechnung auch, um zu ermitteln ob man einen Resteal callen
soll oder nicht.

 

Fazit

Gerade als Advancedspieler trifft man auf verschiedene Gegner
die ihre Starthände unterschiedlich spielen. Gegen diese Spieler ist das Stack
zu Raiseverhältnis nicht immer optimal und wir sollten uns auf die Equity
verlassen. Mit den enstprechenden Stats können wir somit optimal gegen den
jeweiligen Einzelspieler spielen.

Auch habe ich euch gezeigt, daß man bei einem Reraise nicht
mehr 50 % Equity braucht. Dieses ist ein häufiger Fehler bei Anfängern.