Woche 55 (BSS): Playing +200BB deep (3) - Flop-Play
Einleitung
Nachdem wir zuletzt betrachtet haben, welche Vor- und
Nachteile das Spiel mit über 200BB deep mit sich bringt, haben wir uns letzte
Woche Gedanken über das Preflop-play gemacht. Heute wollen wir uns anschauen,
wie wir am Flop in solchen Situationen verfahren. Denn dort werden die Weichen
gestellt, ob wir um einen sehr großen Pot spielen wollen oder ob wir hier schon
auf pot control achten sollten.
Hand 1
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks
& Stats
MP ($25)
CO ($33)
UTG ($35)
BB ($24)
SB ($67)
(16/13/2.1/26/1012)
Hero ($73)
Preflop:
Hero is Button with K

3
folds, Hero raises to $1.00, SB calls $1.00,
BB folds
Flop:
($2.50) 5


SB checks,
Hero bets $2.00, SB raises to $7.00,
Hero...
Wir bekommen preflop einen caller mit unseren Kings. Das
Board ist sehr eklig für uns, und wie befürchtet, check-raised Villain den
Flop. Nun haben wir natürlich drei Alternativen: folden, callen oder 3-betten.
Die Option callen fällt leider raus. Sie wäre uns zwar recht
genehm, da wir auf diesem Board nicht um Stacks spielen wollen, jedoch können
wir hier keine Freecards verteilen. Am Turn wollen wir weder eine 
sehen, keine 3,4,8 oder 9 und natürlich auch kein Ass. Bei über 20 Karten, die
uns nicht gefallen, bringt uns ein call am Flop nicht weiter.
Wenn wir 3-betten, kämen wir bei einem push eventuell noch
raus aus der Hand. Die Frage ist nur, womit Villain hier check-raised. Sollt er
seinen Draw aggressiv spielen und damit tatsächlich pushen, müssten wir dennoch
folden. Hände wie 55/66/77/89s liegen natürlich durchaus in seiner Range, gegen
diese sind wir nahezu drawing dead bzw. hätten einen 2-Outer.
Hier wäre ein read von Vorteil: Ist Villain in der Lage, bei
unseren Stackgrößen hier zu semi-bluffen? Unsere Stats sagen aus, dass Villain
eher ein solider TAG ist, der nicht unbedingt zum bluffen neigt.
Ich möchte hier erwähnen, dass die line 3-bet/fold durchaus
möglich ist, da wir Villain damit unter Druck setzen und er einige Hände
aufgeben muss. Jedoch ist auch ein direkter fold nicht verkehrt, da wir uns
damit eventuell schwierige Entscheidungen am Turn ersparen, sollte Villain doch
mit einem (Monster-)Draw oder gar einer starken made Hand callen und am Turn
eine schlechte Karte für uns fallen.
Hand 2
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks
& Stats
BU ($24)
CO ($25)
UTG ($61)
(15/13/1.2/22/734)
BB ($32)
SB ($26)
Hero ($54)
Preflop:
Hero is MP with 3

UTG
raises to $1.25, Hero calls $1.25, 4 folds
Flop:
($2.85) 2


UTG
bets $2.25, Hero raises to $7.00
Preflop callen wir in middle Position mit unserem kleinen
Pocket Pair den Raise eines recht tighten Spielers. Am Flop hitten wir nichts,
haben aber position und bekommen wir erwartet die continuation bet.
Genau die Problematik, die wir in Hand eins besprochen
haben, machen wir uns nun zu Nutze. Wir raisen den Flop und zwingen Villain zu
einer schweren Entscheidung.
Villain ist wie erwähnt ein recht tigh-aggressiver Spieler,
der unseren Raise aus den gleichen Gründen, die uns in Hand eins einen fold
nahe legten, nicht einfach callen kann. Das Board ist dafür zu drawheavy. Auch
er muss sich entscheiden, ob er gegen uns 3-bettet oder foldet. Zum 3-betten
braucht er eine enorm starke Hand, da auch er weiß, wie groß der Pot werden
kann. Somit wird auch er häufig genug
gezwungen seien wird, ein Overpair wegzuschmeißen (und natürlich auch alle
bluffs).
Hand 3
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks
& Stats
BU ($59)
(22/8/3.4/25/831)
CO ($32)
UTG ($12)
BB ($63)
SB ($24)
Hero ($71)
Preflop:
Hero is MP with A

1
fold, Hero raises to $1.00, 3
folds, BB calls $1.00
Flop:
($2.50) 3


BB
bets $2.50, Hero raises to $9.00
Nachdem wir preflop unser AK geraist haben, bekommen wir am
Flop eine Donkbet. Bei Donkbets im Heads-Up habe ich bereits vor ein paar
Wochen erzählt, dass es vor allem gegner- und situationsabhängig ist. Villain
ist hier ein recht aggressiver Spieler postflop, so dass diese Donkbet nicht
allzu viel zu bedeuten hat.
Auch hier machen wir uns unsere Stackgrößen zum Vorteil. Wir
raisen die Donkbet und zwingen Villain in den meisten fällen zu einem fold. Mit
einem Set wird er hier mindestens callen oder raisen, damit wären wir raus aus
der Hand.
Wenn wir aber davon ausgehen, dass Villain hier recht oft
blufft oder semi-blufft (und davon müssen wir bei seinen stats ausgehen), ist
der(semi-)bluffraise hier angebracht. Für über zwei Stacks wird Villain hier
nicht profitabel weiterbluffen können.
Fazit
Am Flop stellen wir die Weichen, ob wir um einen großen Pot
spielen wollen oder lieber kein Risiko eingehen. Bei großen Stacks ist klar,
dass die Fold Equity steigt, weil eine 3-bet den Pot so enorm anwachsen lässt,
dass man bei noch zwei austehenden Streets davon ausgehen muss, dass es All-in
geht.
Gegen tighte Gegner sollten wir lieber kein Risiko eingehen
und im Zweifelsfall unsere Hand einfach wegschmeißen, als uns in einen über
400BB+ mit einer recht marginalen Hand verstricken zu lassen.
Andererseits können wir wiederum profitabel bluffen und von
der vergrößerten Fold Equity profitieren. Wichtig ist hierbei immer, dass wir
wissen, gegen wen wir spielen. Gegen unknown sollte auch hier gelten, möglichst
große Pötte mit undefinierten Händen zu vermeiden.