Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Woche 40 (BSS): Quiz - Drei Schritte zur richtigen Entscheidung

Einleitung

von Thorsten77

Letzte Wochen haben wir drei einfache Schritte kennen gelernt, die man bei jeder Entscheidung durchgehen sollte:

 

  • Bestimmung der Range des Gegners
  • Vergleich unserer Hand gegen die gegnerische Range
  • Analyse der jeweiligen besten Aktion gegen die einzelnen Hände der gegnerischen Range


In dieser Woche behandeln wird das Thema anhand von Beispielhänden etwas praktischer. Es gilt für jedes Mal, wenn Hero an der Reihe ist, die drei Schritte durchzugehen.

 

 

Hand 1

SB: $23,71

UTG+1: $9,82

Hero: $11,46

 

0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)


Preflop: Hero is MP3 with J, J

UTG+1 raises to $0,40, 3 folds, Hero calls $0,40, 2 folds, SB calls $0,35, BB folds.


Flop: ($1,30) A, T, K (3 players)

SB checks, UTG+1 bets $0,50, Hero ???.

 

Hand 2

Titan No-Limit Hold'em, $0.05/$0.10BB


MP1 ($2.75)

MP2 ($1.95)

MP3 ($8.29)

CO ($1.65)

Button ($9.85) (Hero)

SB ($1.30)

BB ($11.04)

UTG ($9.66)

UTG+1 ($19.99)

UTG+2 ($1.00)


Preflop: Hero is Button with 5, 6

2 folds, MP1 calls $0.10, 1 folds, MP3 calls $0.10, 1 folds, Hero calls $0.10, 1 folds, BB checks,


Flop: A, 9, J ( $0.45 )

BB checks, MP1 checks, MP3 checks, Hero checks,


Turn: J ( $0.45 )

BB checks, MP1 checks, MP3 checks, Hero checks,


River: 8 ( $0.45 )

BB checks, MP1 bets $0.10, MP3 calls $0.10, Hero raises to 0.8, 3 folds

 

 

Hand 3

0,05/0,15 No-Limit Hold'em (10 handed)


Preflop: Hero is UTG with K, A. CO posts a blind of $0,15.

Hero raises to $0,50, 4 folds, MP3 calls $0,50, CO calls $0,40, BU calls $0,50, 2 folds.


Flop: ($2,20) 5, 8, A (4 players)

Hero bets $2,10, MP3 raises to $4,20, 2 folds, Hero raises to $9,15 (All-In), MP3 calls $4,95.

 

 

Hand 4

UTG+2: $9.70

Hero: $10

 

0.05/0.10 No-Limit Hold'em (8 handed)


Preflop: Hero is MP1 with 7, 7

UTG+2 raises to $0.40, Hero calls $0.40, 6 folds.


Flop: ($0.95) 3, A, A (2 players)

UTG+2 checks, Hero ???

 

Auflösung

Hand 1

Preflop:

  • Aufgrund seiner Position hat der Spieler in früher Position wohl eine recht ordentliche Hand. Ich würde von Händen wie AQ+,TT+ ausgehen.
  • Wir liegen nur gegen TT gut vorne. Gegen JJ/AQ/AK haben wir etwa einen Coinflop, gegen QQ+ liegen wir klar hinten.
  • Wir können schon mal auf jeden Fall wegen dem Profit am Drilling mitgehen. Die Frage
    ist, ob wir nochmal erhöhen sollten? Mitgehen ist hier besser, da wir auf eine weitere Erhöhung hin unsere Hand weglegen müssten. Insbesondere Hände wie KK/AA zahlen uns oft gut
    aus, wenn wir einen Drilling treffen.

Flop:

  • An den möglichen Händen für den Spieler in früher Position würde ich nicht rütteln. SB würde ich
    auf eine Hand wie ein kleines bis mittleres Pocketpaar oder einen Suited Connector, also zwei Karten einer Farbe, die verbunden sind, so wie 98, KQ, setzen. Der Spieler in früher Position macht einen schwach erscheinenden Einsatz, der allerdings
    auch eine Falle sein kann.
  • Unsere Buben sind auf dem Board definitiv nicht mehr gut. Wir liegen gegen alles ausser JJ (Split) hinten.
  • Mit einem großen Einsatz kann man den Gegner hier evtl. noch von
    einer Hand wie AQ bringen - allerdings ist das hier definitiv nicht
    profitabel. Die meisten Hände, die er halten kann, haben den Flop sehr stark
    getroffen und werden definitiv nicht aufgeben. Wir sollten uns hier -
    auch gegen den kleinen Einsatz - von unserem Pocket Paar verabschieden.

 

Hand 2

Preflop:

  • Alle steigen in den Pot ein. Die wahrscheinlichsten Hände
    bei den Gegnern sind kleine bis mittlere Pocket-Paare und Suited Connectors. Je mehr Spieler
    bereits im Pot sind, desto eher steigen auch Spieler mit Händen wie offsuit
    connectors oder suited one-gappers - zwei Karten einer Farbe, die eine Lücke (Gap) haben wie 75, T8 - in den Pot. Auch wird man hier öfter suited Asse sehen.
  • Wir sind hier definitiv hinten, haben mit dem suited connector aber eine Hand, die sich gut in einem Multiway-Pot spielt.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass wir hier alle Hände zum aussteigen
    bringen. Durch eine Erhöhung bringt man sich zu oft in knifflige
    Situationen. Insbesondere da sich unsere Hand gut gegen viele Leute spielen lässt, sollte man hier mitgehen.

 

Flop:

  • Die möglichen Hände bei den Gegnern sind unverändert, wobei JJ/99 nun sehr unwahrscheinlich werden, da so eine Hand bei dem Board setzen würde. Unser Flushdraw kann hier gut sein: niemand zeigt Stärke, ein suited Ace in Kreuz ist nicht möglich.
  • Eigentlich spricht nichts dagegen sich den Turn kostenlos
    anzusehen. Trotzdem würde ich nach den 3 Mal Schieben vor mir in Position etwa
    Potgröße anspielen. Hände wie mittlere Paare können auf dem Board out of
    position nicht profitabel weiterspielen. Es kann hier gut ein Drilling oder
    ein Top Paar unterwegs sein. Selbst wenn jemand z.B. ein schwaches Ass hat und mitgeht: wir haben den Pot aufgebaut und meistens schiebt der Gegner am Turn. Hier können wir uns dann die Freecard nehmen und relativ
    günstig schauen, ob unser Draw ankommt. Falls wir treffen setzen wir einfach weiter.

Turn:

  • Die möglichen Hände beim Gegner sind unverändert; allerdings würde ich
    Hände wie JT oder QJ eher ausschliessen, da sie jetzt sicher gesetzt
    hätten.
  • Wir haben immer noch nichts.
  • Auch hier kann man über einen Semi-Bluff nachdenken. Wir können
    den Buben gut getroffen haben, entsprechend werden hier die meisten
    Hände weggelegt.



River:

  • Der kleine Einsatz kann zwei Sachen bedeuten: entweder jemand will billig zum Showdown oder jemand will uns eine Falle stellen.
  • Wir liegen gegen so gut wie alles, ausser 88 und einen höheren Flush, vorne (die anderen Drilling hätten vorher angespielt).
  • Ich würde hier eine Erhöhung machen, um ein wenig Geld in den Pot zu bekommen. Hände wie QT
    (Straight) sollen mich hier, wenn möglich, noch ausbezahlen. Ich würde
    auf etwa 0,40$ erhöhen - falls eine weitere Erhöhung kommt, können wir aber aussteigen,
    da wir dann wohl gegen einen höheren Flush oder ein FH spielen.

 

Hand 3


Flop:

  • Nach den vielen Spielern, die unsere Erhöhung mitgegangen sind, setze ich sie auf Hände wie Suited Connectorss oder
    Pocketpaare. Suited Asse werden nach einer Erhöhung seltener gespielt.
  • Wir liegen hier gegen die Draws mit Toppaar mit bestem Kicker plus Backdoor-Flushdraw - man benötigt Turn und River, um den Draw zu vollenden - vorne.
    Die beste Draw-Hand ist 67 in Pik, wobei wir selbst gegen diese Hand
    nicht schlecht aussehen. Gegen alle Pocketpaare ausser 55/88/AA liegen wir
    auch vorne.
  • Ich sehe mich hier vorne und setze, um gegen die Draws zu protecten.

 


Flop (nach Erhöhung):

  • Nach der Erhöhung müssen wir die möglichen Hände beim Gegner anpassen. Pocket Paare, die
    nicht zum Drilling geworden sind, würden hier bestimmt nicht erhöhen. Wir
    sagen klar, dass wir das Ass haben und es ist auch relativ
    wahrscheinlich. Die Minierhöhung deutet darauf hin, dass jemand möglichst
    das Geld in die Mitte bringen will, aber auch Spieler haben will, die mitgehen. Die
    wahrscheinlichsten Hände sind hier 55/88. Teilweise sieht man auch mal
    einen Draw so spielen, wobei das in dieser Situation eher die Ausnahme
    wäre.
  • Gegen einen guten Draw bin ich knapp vorne, gegen Drillinge weit hinten.
  • Der Pot wird so groß, dass man hier schon entscheiden will, ob man
    um Stacks spielen möchte - in dieser Situation sind mir Drillinge zu
    wahrscheinlich und ich würde aussteigen.

 

Hand 4


Preflop:

  • Erhöhung aus früher Position, also sind mögliche Hände zum Beispiel AQ+,JJ+.
  • Wie liegen gegen JJ+ hinten, gegen AQ/AK haben wir einen Coinflop.
  • Mitgehen, um Profit aus dem möglichem Drilling zu ziehen (viele Gegner).

 


Flop:

  • Die möglichen Hände haben sich beim Gegner nicht verändert.
  • Entweder er slowplayt hier ein Top-Paar (oder besser), oder er hat ein Pocketpaar, dass uns aber immer noch schlägt.
  • Pockets wie JJ/QQ lassen sich meistens nicht mit einem Einsatz aus der
    Hand bekommen. Man müsste hier mindestens 2 Barrels abfeuern (also zwei Mal als Bluff setzen), zudem hat
    man nur 2 Outs sich selbst zu verbessern. Für mich macht hier ein Einsatz
    keinen Sinn. Ich würde die gesamte restliche Hand (unverbesert) passiv bleiben und auf Aggression hin aussteigen - gegen alle möglichen Hände, die ich bei dem Gegner annehme, liege ich hinten.