Woche 40 (BSS): Quiz - Drei Schritte zur richtigen Entscheidung
Einleitung |
von Thorsten77 |
Letzte Wochen haben wir drei einfache Schritte kennen gelernt, die man bei jeder Entscheidung durchgehen sollte:
- Bestimmung der Range des Gegners
- Vergleich unserer Hand gegen die gegnerische Range
- Analyse der jeweiligen besten Aktion gegen die einzelnen Hände der gegnerischen Range
In dieser Woche behandeln wird das Thema anhand von Beispielhänden etwas praktischer. Es gilt für jedes Mal, wenn Hero an der Reihe ist, die drei Schritte durchzugehen.
Hand 1
SB: $23,71
UTG+1: $9,82
Hero: $11,46
0,05/0,10 No-Limit Hold'em (9 handed)
Preflop: Hero is MP3 with J

UTG+1 raises to $0,40, 3 folds, Hero calls $0,40, 2 folds, SB calls $0,35, BB folds.
Flop: ($1,30) A


SB checks, UTG+1 bets $0,50, Hero ???.
Hand 2
Titan No-Limit Hold'em, $0.05/$0.10BB
MP1 ($2.75)
MP2 ($1.95)
MP3 ($8.29)
CO ($1.65)
Button ($9.85) (Hero)
SB ($1.30)
BB ($11.04)
UTG ($9.66)
UTG+1 ($19.99)
UTG+2 ($1.00)
Preflop: Hero is Button with 5

2 folds, MP1 calls $0.10, 1 folds, MP3 calls $0.10, 1 folds, Hero calls $0.10, 1 folds, BB checks,
Flop: A


BB checks, MP1 checks, MP3 checks, Hero checks,
Turn: J
BB checks, MP1 checks, MP3 checks, Hero checks,
River: 8
BB checks, MP1 bets $0.10, MP3 calls $0.10, Hero raises to 0.8, 3 folds
Hand 3
0,05/0,15 No-Limit Hold'em (10 handed)
Preflop: Hero is UTG with K

Hero raises to $0,50, 4 folds, MP3 calls $0,50, CO calls $0,40, BU calls $0,50, 2 folds.
Flop: ($2,20) 5


Hero bets $2,10, MP3 raises to $4,20, 2 folds, Hero raises to $9,15 (All-In), MP3 calls $4,95.
Hand 4
UTG+2: $9.70
Hero: $10
0.05/0.10 No-Limit Hold'em (8 handed)
Preflop: Hero is MP1 with 7

UTG+2 raises to $0.40, Hero calls $0.40, 6 folds.
Flop: ($0.95) 3


UTG+2 checks, Hero ???
Auflösung
Hand 1
Preflop:
- Aufgrund seiner Position hat der Spieler in früher Position wohl eine recht ordentliche Hand. Ich würde von Händen wie AQ+,TT+ ausgehen.
- Wir liegen nur gegen TT gut vorne. Gegen JJ/AQ/AK haben wir etwa einen Coinflop, gegen QQ+ liegen wir klar hinten.
- Wir können schon mal auf jeden Fall wegen dem Profit am Drilling mitgehen. Die Frage
ist, ob wir nochmal erhöhen sollten? Mitgehen ist hier besser, da wir auf eine weitere Erhöhung hin unsere Hand weglegen müssten. Insbesondere Hände wie KK/AA zahlen uns oft gut
aus, wenn wir einen Drilling treffen.
Flop:
- An den möglichen Händen für den Spieler in früher Position würde ich nicht rütteln. SB würde ich
auf eine Hand wie ein kleines bis mittleres Pocketpaar oder einen Suited Connector, also zwei Karten einer Farbe, die verbunden sind, so wie 98, KQ, setzen. Der Spieler in früher Position macht einen schwach erscheinenden Einsatz, der allerdings
auch eine Falle sein kann. - Unsere Buben sind auf dem Board definitiv nicht mehr gut. Wir liegen gegen alles ausser JJ (Split) hinten.
- Mit einem großen Einsatz kann man den Gegner hier evtl. noch von
einer Hand wie AQ bringen - allerdings ist das hier definitiv nicht
profitabel. Die meisten Hände, die er halten kann, haben den Flop sehr stark
getroffen und werden definitiv nicht aufgeben. Wir sollten uns hier -
auch gegen den kleinen Einsatz - von unserem Pocket Paar verabschieden.
Hand 2
Preflop:
-
Alle steigen in den Pot ein. Die wahrscheinlichsten Hände
bei den Gegnern sind kleine bis mittlere Pocket-Paare und Suited Connectors. Je mehr Spieler
bereits im Pot sind, desto eher steigen auch Spieler mit Händen wie offsuit
connectors oder suited one-gappers - zwei Karten einer Farbe, die eine Lücke (Gap) haben wie 75, T8 - in den Pot. Auch wird man hier öfter suited Asse sehen. - Wir sind hier definitiv hinten, haben mit dem suited connector aber eine Hand, die sich gut in einem Multiway-Pot spielt.
- Es ist unwahrscheinlich, dass wir hier alle Hände zum aussteigen
bringen. Durch eine Erhöhung bringt man sich zu oft in knifflige
Situationen. Insbesondere da sich unsere Hand gut gegen viele Leute spielen lässt, sollte man hier mitgehen.
Flop:
- Die möglichen Hände bei den Gegnern sind unverändert, wobei JJ/99 nun sehr unwahrscheinlich werden, da so eine Hand bei dem Board setzen würde. Unser Flushdraw kann hier gut sein: niemand zeigt Stärke, ein suited Ace in Kreuz ist nicht möglich.
- Eigentlich spricht nichts dagegen sich den Turn kostenlos
anzusehen. Trotzdem würde ich nach den 3 Mal Schieben vor mir in Position etwa
Potgröße anspielen. Hände wie mittlere Paare können auf dem Board out of
position nicht profitabel weiterspielen. Es kann hier gut ein Drilling oder
ein Top Paar unterwegs sein. Selbst wenn jemand z.B. ein schwaches Ass hat und mitgeht: wir haben den Pot aufgebaut und meistens schiebt der Gegner am Turn. Hier können wir uns dann die Freecard nehmen und relativ
günstig schauen, ob unser Draw ankommt. Falls wir treffen setzen wir einfach weiter.
Turn:
- Die möglichen Hände beim Gegner sind unverändert; allerdings würde ich
Hände wie JT oder QJ eher ausschliessen, da sie jetzt sicher gesetzt
hätten. - Wir haben immer noch nichts.
- Auch hier kann man über einen Semi-Bluff nachdenken. Wir können
den Buben gut getroffen haben, entsprechend werden hier die meisten
Hände weggelegt.
River:
- Der kleine Einsatz kann zwei Sachen bedeuten: entweder jemand will billig zum Showdown oder jemand will uns eine Falle stellen.
- Wir liegen gegen so gut wie alles, ausser 88 und einen höheren Flush, vorne (die anderen Drilling hätten vorher angespielt).
- Ich würde hier eine Erhöhung machen, um ein wenig Geld in den Pot zu bekommen. Hände wie QT
(Straight) sollen mich hier, wenn möglich, noch ausbezahlen. Ich würde
auf etwa 0,40$ erhöhen - falls eine weitere Erhöhung kommt, können wir aber aussteigen,
da wir dann wohl gegen einen höheren Flush oder ein FH spielen.
Hand 3
Flop:
- Nach den vielen Spielern, die unsere Erhöhung mitgegangen sind, setze ich sie auf Hände wie Suited Connectorss oder
Pocketpaare. Suited Asse werden nach einer Erhöhung seltener gespielt. - Wir liegen hier gegen die Draws mit Toppaar mit bestem Kicker plus Backdoor-Flushdraw - man benötigt Turn und River, um den Draw zu vollenden - vorne.
Die beste Draw-Hand ist 67 in Pik, wobei wir selbst gegen diese Hand
nicht schlecht aussehen. Gegen alle Pocketpaare ausser 55/88/AA liegen wir
auch vorne. - Ich sehe mich hier vorne und setze, um gegen die Draws zu protecten.
Flop (nach Erhöhung):
- Nach der Erhöhung müssen wir die möglichen Hände beim Gegner anpassen. Pocket Paare, die
nicht zum Drilling geworden sind, würden hier bestimmt nicht erhöhen. Wir
sagen klar, dass wir das Ass haben und es ist auch relativ
wahrscheinlich. Die Minierhöhung deutet darauf hin, dass jemand möglichst
das Geld in die Mitte bringen will, aber auch Spieler haben will, die mitgehen. Die
wahrscheinlichsten Hände sind hier 55/88. Teilweise sieht man auch mal
einen Draw so spielen, wobei das in dieser Situation eher die Ausnahme
wäre. - Gegen einen guten Draw bin ich knapp vorne, gegen Drillinge weit hinten.
- Der Pot wird so groß, dass man hier schon entscheiden will, ob man
um Stacks spielen möchte - in dieser Situation sind mir Drillinge zu
wahrscheinlich und ich würde aussteigen.
Hand 4
Preflop:
- Erhöhung aus früher Position, also sind mögliche Hände zum Beispiel AQ+,JJ+.
- Wie liegen gegen JJ+ hinten, gegen AQ/AK haben wir einen Coinflop.
- Mitgehen, um Profit aus dem möglichem Drilling zu ziehen (viele Gegner).
Flop:
- Die möglichen Hände haben sich beim Gegner nicht verändert.
- Entweder er slowplayt hier ein Top-Paar (oder besser), oder er hat ein Pocketpaar, dass uns aber immer noch schlägt.
- Pockets wie JJ/QQ lassen sich meistens nicht mit einem Einsatz aus der
Hand bekommen. Man müsste hier mindestens 2 Barrels abfeuern (also zwei Mal als Bluff setzen), zudem hat
man nur 2 Outs sich selbst zu verbessern. Für mich macht hier ein Einsatz
keinen Sinn. Ich würde die gesamte restliche Hand (unverbesert) passiv bleiben und auf Aggression hin aussteigen - gegen alle möglichen Hände, die ich bei dem Gegner annehme, liege ich hinten.