Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 39 (BSS): Odds & Outs, Reverse Implied Odds & Implied Odds

Einleitung

Diese Woche beschäftigen wir uns mit einem grundlegenden Thema, das immer wieder in genau dieser Form auftreten wird. Nämlich Outs/Odds und implied Odds/reverse implied Odds. Schnell können hier Fehler unterlaufen und daher auch eine falsche Entscheidung bedeuten.

Um also noch einmal das Grundwissen ein wenig zu festigen, betrachten wir diese Woche noch einmal die fundamentalen Konzepte.

 

 

Hand 1

Odds & Outs

0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with 9, 8

MP2 raises to $2.00, MP3 calls $2.00, CO folds, Hero calls $2.00, 2 folds.

Flop: ($6.75) T, 4, 7 (3 players)

MP2 bets $4.00, MP3 calls $4.00, Hero folds, ...

In einer solchen Situation sollte man zuerst auf die Pot Odds achten, in diesem Fall (6,75 + 4 + 4) : 4 <=> 3,6875 : 1.

 

Als nächstes überprüfen wir, wie viele Outs wir haben, dabei gehen wir wie folgt vor:

Wir haben 8 Outs auf die Straight, da aber ein Flush Draw möglich ist, müssen wir ein wenig discounten, da 6 und J zwar zu unseren Straight Outs gehören, allerdings den Flush für einen unserer Gegner möglich machen würde. Übrig bleiben demnach 6 cleane Outs, unsere Odds betragen somit 41 : 6 = ~7:1 (41 steht dabei für alle uns unbekannten verbleibenden Karten im Deck, die unsere Hand wahrscheinlich nicht zur Winning Hand machen würden).

Der nächste Schritt ist es Pot Odds und Odds miteinander zu vergleichen. Sind die Pot Odds >= Odds, können wir callen, da wir mindestens break even spielen würden, sind die Pot Odds < Odds, müssen wir folden, da wir auf lange Sicht gesehen Verlust machen werden.

Hier: 3,6875 < 7 --> deutlicher Fold.

 

Um das Ganze ein wenig zu veranschaulichen, fassen wir die beide möglichen Fälle in Worte:

In ungefähr 1 von 8 Fällen treffen wir eines unserer Outs, das passiert in ~13% der gespielten Hände. In 87% der Hände hingegen bleiben wir unimproved.

In 13% gewinnen wir also den Pot von 14,75$, in 87% der Fälle verlieren wir unseren Call von 4$.

Unser EV ist somit: 0,13 x 14,75 + 0,87 x (-4) = -1,5625

Natürlich müssen wir bei einer Entscheidung noch viele andere Faktoren, wie implied Odds, Gegnertypen, Table Image, etc. miteinbeziehen, aber hier wollen wir zuerst einmal das Grundprinzip von Odds & Outs isoliert betrachten.

 

 

Hand 2

Reverse Implied Odds

0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with 9, 8

MP2 raises to $2.00, MP3 calls $2.00, CO folds, Hero calls $2.00, 2 folds.

Flop: ($6.75) T, 4, J (3 players)

MP2 bets $4.00, MP3 calls $4.00, Hero folds, ...

Ihr werdet im entsprechenden Artikel eine Rechnung und damit einen mathematischen Beleg für das Prinzip der Reverse Implied Odds finden, hier möchte ich allerdings auf den Grundgedanken des Konzepts eingehen. Besonders da solche Rechnungen im Spiel nicht sonderlich praktikabel und sehr theoretisch sind.

 

Hero hält hier wieder ein OESD, jedoch müssen wir in diesem Fall einiges beachten.

Zuerst sind wieder unserer - Outs nicht vollkommen clean, wir müssen also zumindest ein Out abziehen. Genauso müssen wir mit jeder Q als Out vorischtig sein, da der ursprüngliche Preflop Aggressor durchaus eine Hand, wie AK halten kann und mit der Q eine bessere Straight machen würde.

Wären wir hier auf einem Flush Draw mit ähnlich niedrigen Karten, müssten wir ebenso mit Vorsicht vorgehen, da auch unsere Flush Outs dominated sein könnten.

 

Das Prinzip der Reverse Implied Odds kommt genau dann ins Spiel, wenn wir eines dieser "dominated"/counterfeit Outs treffen.

Wir treffen eine Karte, die uns unsere Hand als die beste erscheinen lassen sollte, genauer gesagt, haben wir sogar Geld in den Pot investiert, um genau eine solche Karte zu sehen. Problem ist nur, dass einer unserer Gegner mit eben dieser Karte eine bessere Hand macht, die wir außerdem auch noch ausbezahlen müssen. Ein Beispiel wäre hier die 7 (gibt uns die Straight, einem Gegner den Flush) oder auch die Q (wieder haben wir die Straight, ein Gegner aber eine höhere Straight). Eine Gefahr dabei besteht auch immer darin, dass viele Spieler ihre Hand überschätzen und dabei vergessen, dass auch ihre Gegner von eben der selben Karte profitiert haben können.

Zählen wir also unsere Outs und berechnen die Odds, müssen wir immer in Betracht ziehen, dass einige unserer Outs nicht clean sind, selbst wenn es weniger offensichtlich ist.

Reverse Implied Odds können uns ansosten immer eine Menge Geld mit vermeintlich starken Händen kosten!

 

 

Quiz

Implied Odds

0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with 9, 8

MP2 raises to $2.00, MP3 calls $2.00, CO folds, Hero calls $2.00, 2 folds.

Flop: ($6.75) T, 4, 7 (3 players)

MP2 bets $4.00, MP3 calls $4.00, Hero?

I) Warum müssen wir auch bei unseren Implied Odds die - Outs discounten? Welche Szenarien könnten bei einem eintreten?

II) Stelle eine ungefähre Rechnung für unsere Implied Odds in dieser Hand auf.

Auflösung

I) Warum wir die Club-Outs discounten müssen, wurde ja bereits im Ausgangspost erklärt: sie sind zum einen mit Reverse Implied Odds verbunden, zum anderen sind sie nicht clean, da ein Flush möglich wäre.

Viel wichtiger ist hierbei der zweite Teil der Frage, und zwar welche Szenarien bei einem Club eintreten können und inwiefern das unsere Aktion schon am Flop beeinflusst.

Erstens wird ein Club oft die Action killen, da jeder Gegner ohne den Flush Angst vor selbigem haben wird. Damit wird unser Value von schlechteren Händen am Turn (aus Angst vor dem Flush) verringert und somit beeinflusst dies auch unsere Rechnung zu den Implied Odds bereits am Flop.

Zweitens müssen wir selbst aggressiv spielen und betten/raisen und gleichzeitig bereit sein, unsere Hand gegen zu viel Action zu folden.

 

II) Wir bekommen auf einen Flop Call Odds von ~3,5:1, allerdings benötigen wir 7:1 (41:6), um auf unsere 6 cleanen Outs callen zu können.

Der nächste Schritt ist es zu überprüfen wie groß der Pot sein müsste, damit wir korrekt callen könnten. In diesem Fall wären es ~28$ (28:4 = 7:1), das heißt, wir müssten am Turn noch ~9$ extrahieren können, um den Call profitabel zu machen.

Dies sollte gegeben sein, da es gerade mal eine ~1/2 PS Bet bedeuten würde, die i.d.R. sehr oft gecallt wird. Aus Protectiongründen würde die Bet natürlich entsprechend höher ausfallen mit ~2/3 PS (=13$).