Woche 56 (BSS): Playing +200BB deep (4) - Turn- und Riverplay
Einleitung
In den vergangenen Wochen haben wir uns Gedanken zu dem
Spiel mit über 200BB gemacht. Dazu haben wir Beispiele erläutert, wie man
preflop sowie am Flop diese Gedanken bei solch deepen Stacks berücksichtigt.
Heute wollen wir schauen, welche grundlegenden Umstände wir betrachten müssen,
wenn wir am Turn und River sehr teure Entscheidungen zu treffen haben.
Hand 1
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks
& Stats
MP ($32)
CO ($23)
UTG ($21)
BB ($12)
SB ($54)
(23/12/1.1/25/321)
Hero ($53)
Preflop:
Hero is Button with A

2
folds, MP calls $0.25, Hero raises to $1.25,
SB raises to $3.00, 2 folds, Hero
calls $3.00
Flop:
($6.60) A


SB
bets $5.00 Hero calls $5.00
Turn:
($16.60) 8
SB checks,
Hero checks
River:
($16.60) Q
SB
bets $30.00, Hero folds
Preflop bekommen wir nach unserem Raise vom Button aus den
Blinds eine 3-bet. Hero hat die Möglichkeit, zu 4-betten, wobei das Problem
bestünde, dass er entgegen einem Spiel mit 100BB einen push für über zwei
Stacks nicht callen könnte. Da Hero in position spielt, entscheidet er sich für
einen call.
Der Flop ist recht gut, da der SB nicht der aggressivste ist
fällt eine Hand wie QJ raus aus seiner 3-betting Range aus den blinds. Hero
entscheidet sich für pot control und spielt way ahead/way behind.
Der Turn ermöglicht nun jedem Jack einen OESD, Hero könnte
nun for protection betten. Während er jedoch mit einem 100BB Stack auf dem
Board broke gehen könnte, wäre auch hier der call eines pushes overplayed. Hero
bleibt bei seiner way ahead/way behind line, checkt den Turn behind um einen
eventuellen Bluff zu induzieren und will lieber eine Riverbet callen.
Der River lässt nun zwei Backdoordraws ankommen. Jeder J
macht die Straight, ein 
doppelte Potsize. Eigentlich hat Hero den Turn gecheckt in der Absicht den
River zu callen, jedoch werden wir nun mit einer bet konfrontiert, die alleine
schon größer ist als ein normaler 100BB Stack. Auch wenn Hero in einem reraised
Pot mit getroffenem Toppair/TopKicker grundsätzlich bereit ist, broke zu gehen,
kann er diese Riverbet angesichts der möglichen Hände von Villain (neben
Straight und Flush natürlich auch Set oder AQ möglich), den relativen tighten
Stats von Villain sowie der unverhältnismäßig großen Riverbet nicht callen.
Hand 2
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks
& Stats
BU ($21)
CO ($13)
UTG ($64)
(15/5/2.1/27/325)
BB ($52)
(23/2/1.5/32/712)
SB ($32)
Hero ($61)
Preflop:
Hero is MP with 2

UTG calls
$0.25, Hero calls $0.25, 1 fold, BU calls $0.25, SB
calls $0.25, BB checks
Flop:
($1.25) 2


SB checks,
BB checks, UTG checks, Hero bets $1.25, 2
folds, BB calls $1.25, UTG calls $1.25
Turn:
($5) A
BB
bets $3.00, UTG raises to $10.00, Hero folds
Da der Tisch ziemlich loose zu seien scheint, limpt Hero
preflop sein kleines Pocket Pair nach dem UTG-limp ebenfalls nur mit.
Am Flop trifft er im 5-handed Pot sein Set auf einen
drawheavy Board und bettet Potsize um den Pot zu bilden und um zu protecten, er
erhält zwei caller.
Der Turn ist eine recht eklige Karte, und beide Villains,
tendentiell recht tighte Spieler, fangen mit der Action an. Natürlich ist das
Board nun sehr gefährlich, 5x macht die Straight und ein Flush ist ebenfalls
möglich. Natürlich können auch beide Spieler ihr Ace so spielen.
Die Option "push" für maximale protection fällt
hier raus. Für 100BB könnte man über einen push nachdenken, auch wenn er in
dieser Situation grenzwertig wäre. Natürlich hätten wir noch 10 Outs am River,
dafür könnten wir aber auch schon gegen 33/44 way behind sein. Da aber alle
Spieler über zwei Stacks deep sind, fällt diese Option hier grundsätzlich weg.
Ein call wäre zwar denkbar, jedoch hätten wir böse reverse
implied Odds am River. Im Falle das auch BB nur callt (nur dann wäre unser call
gerechtfertigt) wäre der Pot am River bereits über 35$ groß. Die Frage ist, ob
wir bei einer Blank am River und einer halben Potsizebet einfach folden können.
Da es durchaus möglich ist, dass der Big Blind noch einmal
3-bettet, sollten wir uns in dieser Situation für einen fold entscheiden, der
uns schwierige und teure Entscheidungen am River erspart.
Hand 3
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks
& Stats
MP ($55)
(13/11/2.3/18/1041)
CO ($11)
UTG ($24)
BB ($63)
SB ($17)
Hero ($51)
Preflop:
Hero is Button with 4

2
folds, MP raises $1.00, Hero calls $1.00,
2 folds
Flop:
($2.35) 9


MP
bets $1.75 Hero calls $1.75
Turn:
($5.85) 5
MP checks,
Hero bets $4.25, MP folds
Preflop callen wir am Button den Raise eines recht tighten
Spielers auf Set value.
Wir verfehlen den Flop, und auf Villains Contibet haben wir
nun mehrere Optionen. Wir machen grundsätzlich mit einem fold nicht viel
verkehrt, entscheiden uns aber in dieser Situation für einen Float-Versuch.
Neben dem geringen WTS-Wert von Villain machen wir uns die
großen Stacks zu Nutze. Villain wird kaum seine Hand runtercallen auf diesem
Board, so dass wir bei einem check von Villain am Turn davon ausgehen können,
wesentlich häufiger erfolgreich floaten zu können als mit normaler Stackgröße.
Nun aber
folgendes Szenario:
Turn:
($5.85) 5
MP
bet 4.00$, Hero raises to $13.00
Ein Float-Versuch kommt nicht zu Stande, da Villain auch den
Turn bettet. Wir bluffraisen auf $13.00.
Für uns ist die Mathematik recht einfach. Wir investieren
13$, um knapp 10$ zu gewinnen. Die Fold Equity müsste demnach bei rund 60%
liegen, jedoch wird sie in diesem Fall viel höher sein.
Villain steht nun vor einer ekligen Entscheidung. Schaut man
sich seine Stats an, so ist es unwahrscheinlich, dass er AA-TT hier weiterspielen
wird. Villain müsste nun bereit sein, über zwei Stacks mit einem Overpair zu
investieren. Dieses Risiko wird er seinen Stats zu folge nicht eingehen. Villain
wird hier nur callen oder 3-betten, wenn er 9x (unwahrscheinlich) oder 33/55
hält.
Auch dieser Bluffraise macht Sinn, jedoch muss man beachten,
dass dies mit einem normalen 100BB-Stack nicht möglich gewesen wäre. Wir haben
hier einen sehr sinnvollen und erfolgsversprechenden Bluff gesetzt, der
sicherlich häufig genug profitabel ist um als „+EV" deklariert werden zu
können, der nur aufgrund unserer großen Stacks möglich war.
Fazit
Wir haben am Turn und River meist viele Möglichkeiten,
unseren großen Stack profitabel einzusetzen. Auf der einen Seite steigt unsere
Fold Equity enorm, so dass wir häufiger Bluffs ansetzen können. Natürlich
sollte wir uns hierzu passende Gegner und wenn möglich passende Boards
aussuchen.
Andererseits steigen auch die reverse implied Odds, so dass
man mit einer schwachen made hand eher auf pot control als auf protection
achten sollte. Teure Entscheidungen kann man sich durch einen fold einfach
ersparen.
Ebenso sollte der Effekt des Bluff induce eine besondere
Rolle erfahren, denn in solch großen Pötten ist man häufig genötigt, Riverbets
zu callen, die größer sind als ein normaler Stack. Man sollte sich fragen, ob
man für über 100BB extra herausfinden möchte, ob Villain tatsächlich blufft.