Woche 37: Eine kleine Beispielsession
Einleitung |
von cYde |
Dieses Mal möchte ich euch mal zeigen wie man eine Session gestalten könnte und dabei noch was lernt. Es ist ein regnerischer Samstag in den Semesterferien und Hero hat Lust zu pokern. Soziale Kontakte werden zur Vereinfachung vernachlässigt. Der Tag beginnt, ...
13:00 Uhr
Hero steht auf und verspürt den Drang sich an die virtuellen Pokertische zu begeben. Davor muss aber noch etwas gegen das Grummeln im Bauch getan werden, denn mit leerem Magen denkt sich's schwer. Für die Zubereitung und das Essen planen wir einfach mal eine Stunde ein, die wir als effizienter Spieler sinnvoll nutzen, indem wir schonmal den PC starten und Daten über die Spieler sammeln (Datamining). Dies lässt sich ohne viel Aufwand mit Programmen wie Spadeeye bewerkstelligen, die für nur 40$ erhältlich sind (Trialversion verfügbar).
14:00 Uhr
Gesättigt und voller Elan können wir nun mit dem Spielen beginnen. Dank unserer frisch gesammelten Daten können wir uns auch gleich mal anschauen, wer und wo die Fische sind. Dazu kann man z.B das von Pokerstrategy angebotene Programm "GLH" benutzen. Dabei gilt: je größer die Datenbank ist, desto aussagekräftiger sind die Suchergebnisse und desto effizienter ist eure Tischauswahl.
14:05 Uhr
Alle Tische unseres Limits wurden nun erfolgreich gescannt und durch das Sortieren nach dem größten VPIP (ein großer VPIP ist so ziemlich der beste Indikator für einen Fish) wird auch schnell klar, an welchen Tischen das meiste Geld zu holen sein wird. Auch die Suche nach "Freunden" aus der Buddylist erfüllt den gleichen Zweck. Also ab in die Wartelisten, ... nebenbei können wir ja schonmal PokerTracker, PokerAce (sofern vorhanden) und einen Handrecorder wie Texas Grab'em starten. Zudem legen wir bereits jetzt fest wieviele Hände wir in dieser Session spielen wollen. Je nachdem wie lange wir uns kozentrieren können und wieviele Tische wir spielen, ist der Wert kleiner oder größer. Hero, der schon etwas Erfahrung hat, entscheidet sich dazu 4 Tische zu spielen und möchte nach 700 Händen seine Session beenden.
14:10 Uhr
Da Hero sein Spiel verbessern will, entschließt er sich dazu ein Video von seinem Spiel aufzunehmen und dieses auch zu kommentieren, da er festgestellt hat, dass er dadurch vernünftiger spielt und weniger oft "dumme" Aktionen bringt. Auch ohne Video hilft es vielen Spielern, wenn sie sich selber sagen was sie da tun. Zudem hilft dieses Erklären darüber zu reflektieren, was man eigentlich macht. So werden selbst triviale Situationen durchdacht und Denkfehler können von anderen Spielern leichter entdeckt werden. Hero startet also ein Videoprogramm, z.B Camtasia. Mittlerweile sind auch Plätze an den Tischen frei geworden und wir können anfangen zu spielen.
Ein positiver Nebeneffekt des Videos ist, dass Hero bereits vor der Aufnahme mögliche Störquellen wie ICQ/Skype oder den Fernseher bzw. den MP3-Player ausgeschaltet hat. Schon oft hat er dies nicht gemacht und gar nicht bemerkt, dass während dem Spielen zu chatten sich eher negativ auf sein A-Game auswirkt.
14:35 Uhr
Bislang kam es kaum zu kniffligen Situationen. Hero konnte gegen die Fishe ein paar kleine bis mittelgroße Pötte gewinnen, spätestens am Turn wurden die meisten Hände aber entschieden. Selbstverständlich überprüft Hero ständig, ob die Fishe, wegen dem er an diesem Tisch sitzt, auch noch da ist/sind und einigermaßen Geld auf der Uhr haben. Einen Tisch hat er bereits gewechselt weil dort zwei TAGs saßen, die ihn ständig ge-3-bettet haben und ziemlich aggressiv aufgespielt haben. Mit ungutem Gefühl wollte er natürlich nicht weiterspielen und hat sich einfach an einen anderen Tisch gesetzt, um kostspieligen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Schließlich kommt es zur ersten schwierigen Situation. Ein großer Pot, ... der Puls steigt, der Herzschlag wird schneller, ... schließlich geht Hero's Geld in die Mitte, er wird gecalled, Turn und River werden aufgedeckt, ... * :evil:* der Übermaniac hat doch tatsächlich diese Hand gehabt. Eigentlich würde Hero ihm jetzt ganz gerne sagen, was er von ihm hält, aber er erinnert sich daran, dass er vernünftig spielen wollte und das Video läuft. Daher bleibt er ruhig und kopiert stattdessen seine Hand History in den Converter, um später zu überprüfen ob er denn korrekt gespielt hat. Dabei ist der Ausgang der Hand total egal. Sind wir uns unsicher mit der Spielweise der Hand, sollten wir diese unbedingt aufnehmen, um sie später nochmal in Ruhe zu betrachten. Für diesen Moment ist die Hand aber vorbei, d.h. Hero's Gedanken kozentrieren sich nun wieder auf das hier und jetzt.
15:05 Uhr
Obwohl ihm der große verlorene Pot immernoch unangenehm im Magen liegt, widersteht Hero konsequent dem inneren Drang auf seine Bankroll zu gucken. Da er ein solides Bankrollmanagement hat, braucht er sich keine Sorgen über einen Abstieg zu machen. Zudem weiß er, dass ihn das ständige Aktualisieren des Kontostandes nur unnötig aus der Konzentration bringt. Mittlerweile hat er schon knapp 400 Hände gespielt und fühlt sich an seinen Tischen immernoch wohl.
15:25 Uhr
Mittlerweile haben sich in Hero's Handrecorder schon einige Hände angesammelt, bei denen er unsicher war. Zudem musste er vor einer Minute einen ekligen Bad Beat einstecken, der ihn sehr aufgeregt hat. Gerade hat er sich dabei ertappt, wie er seine Pocket Deuces völlig gegen die Odds auf Setvalue called, weil ihm der TAG mit seinen 3-Bets schon länger auf die Nerven geht. Da er diese Spielweise auch nicht wirklich logisch kommentieren kann, wird ihm bewusst, dass er angefangen hat zu tilten. Zwar hat er noch nicht sein Ziel, die 700 Hände, erreicht, trotzdem tut er das einzig richtige und beendet die Session, indem er die Tische unverzüglich schließt. Das Video beendet er hier.
15:30 Uhr
Um Agressionen abzubauen und einen klaren Kopf zu bekommen läuft Hero erstmal zwei Runden um den Block, rollt mit dem Kopf über die Tastatur oder hört eine Runde Musik. Auf keinen Fall denkt er jetzt daran wieder an die Tische zu gehen, das würde nur böse enden. Nachdem er wieder bei Verstand ist, kann er seine Session nachbereiten. Er betrachtet die von ihm aufgezeichneten Hände, versucht seinen Gedankengang nochmal nachzuvollziehen und postet, falls ihm die korrekte Spielweise immernoch nicht klar ist, die Hand ins Beispielhandforum. Dazu schreibt er selbstverständlich seine Gedanken und seine Fragen mit dazu, damit der bearbeitende Handbewerter auch weiß worauf es Hero ankommt und ihm explizit Auskunft geben kann. Währenddessen kann man mal sein kleines Video hochladen und von anderen Usern bewerten lassen.
16:00 Uhr
Bei dem Betrachten einer Hand fällt Hero eine Erklärung aus einem Strategieartikel ein. Da er sich aber nicht mehr an den genauen Inhalt erinnert, entschließt er sich dazu diesen erneut durchzulesen um beim nächsten Mal in der gleichen Situation kein Problem mehr zu haben.
16:25 Uhr
Abschließend wirft Hero noch auf einen Blick auf die PT Stats dieser Session, immer in dem Bewusstsein, dass diese auf gar keinen Fall aussagekräftig sind und sich nur wenige Informationen aus ein paar Hundert Händen gewinnen lassen. Selbst größere Abweichungen im Preflopverhalten kann von der Kartenverteilung beeinflusst werden. Ein Blick schadet trotzdem nicht, evtl. ist ja doch etwas zu sehen, was ungewöhnlich ist.
17:00 Uhr
Zum Schluss will Hero noch ein Coaching anschauen. Auch dabei sollte man nicht einfach nur betrachten, sondern aktiv mitdenken und fragen wenn man etwas anders spielen würde oder einen bestimmten Spielzug nicht versteht. Spielen will Hero heute nicht mehr, da er wegen der negativ verlaufenen Session immernoch etwas verärgert und enttäuscht ist und er bei dieser Gefühlslage nur schwer sein A-Game spielen kann. Am nächsten Morgen wird sicher alles anders aussehen und er sein Geld zurückgewinnen, daher wird er den Rest des Tages mit etwas anderem verbringen als Poker.
Ich hoffe mal, ihr fandet dieses Format nicht zu schlimm, wenn doch: selber Schuld. Themenvorschläge machen sonst seid ihr meiner Willkür ausgeliefert 😉