Woche 38 (BSS): Blockbets & Raisegrößen
Einleitung
In der ersten Hand geht es um Blockbets. Da es im Forum einen Streitpunkt am River gab, welches die beste Line ist, werde ich nochmal näher auf diese Hand eingehen.
Die zweiten beiden Hände sollen dienen, um das Thema Raisegröße zu erläutern. Dazu habe ich 2 Hände aus etwas höheren Limits gewählt, wodurch auch deutlich wird, dass leicht vermeidbare Fehler selbst von erfahrenen Spielern gemacht werden.
Hand 1
Blockbet
BU: $47.34 (62.5/16.7/0.4/26.7) 500h
0.10/0.25 No-Limit Hold'em (3 handed)
Preflop: Hero is BB with 9
BU raises to $0.50, SB calls, Hero calls.
Flop: ($1.50) A


SB checks, Hero bets $1.50, BU calls, SB folds.
Turn: ($4.50) 8
Hero bets $4.30, BU calls.
River: ($13.10) T
Hero ??
Zuerst möchte ich noch einmal Vor- und Nachteile der Blockbet erläutern:
Vorteile:
- meist easy Fold auf einen Raise = Entscheidungserleichterung
- schlechtere Hände geben noch Value
- verhältnismäßig kleiner Preis, der gezahlt werden muss, um den Showdown zu sehen
- Kontrolle/Initiative wird nicht abgegeben --> es wird weniger Weakness signalisiert
Nachteile:
- busted Draws können leicht folden / Bluff Bets von Villain sind nicht möglich --> u.U. Value- Verlust gegen schwächere Hände
- wird oft als Weakness interpretiert --> verleitet zu Bluffs auf Villains Seite / kann leicht "exploitet" werden
Da wir uns auf Blockbets konzentrieren möchten, seien schonmal alle Streets bis einschließlich Turn als gut und Standard abgehakt.
Folgende Situation ergibt sich für Hero: Der River ist eine der schlechtesten Karten, die am River erscheinen können, das Board wird 4-connected und kann durchaus Villain's Straight Draw completet haben.
Dazu kommt, dass wir durchweg in der Hand Stärke gezeigt haben, bei einem Check aber deutlich, auch für jeden schlechten Spieler, signalisieren, dass uns diese Karte überhaupt nicht gefällt und wir bereit sind gegen eine anständige Bet zu folden.
Sollte Villain hier auf einem Flushdraw gewesen sein, kann er uns hier sogar mit pure Air aus der Hand bluffen. Wir machen uns also mit einem Check sehr leicht angreifbar.
Bei einem Blick auf Villains AF wird deutlich, dass er wahrscheinlich nur bessere Hände raisen wird, ob dies auch für eine Bet gilt, ist schwer zu entscheiden, da unser Check, wie bereits erläutert, sehr offensichtlich weak ist. Ein Raise setzt hier deutlich mehr "Balls" voraus.
Daraus folgt unsere Entscheidung pro Blockbet.
Es wird schwieriger für Villain uns von der besseren Hand zu moven, da für den Standard Low Limit-Spieler eine Bet generell eher als Stärke interpretiert wird, ein Check hingegen als Schwäche.
Der Grund dafür, dass Blockbets auf höheren Limits also weniger angewandt werden, ist der Punkt -kann leicht "exploitet" werden-. Gute thinking Player identifizieren eine Blockbet sofort als solche und werden diese Bets ausnutzen, so oft es geht.
Da solche Moves auf den kleineren Limits hingegen eher selten gemacht werden, muss man nicht befürchten, mit einem Raise aus der Hand geblufft zu werden und kann in der Regel bedenkenlos folden.
Eine Bet von 4$ und einen easy Fold auf einen Raise ist hier also die Line, die für dieses Limit optimal sein dürfte.
Allerdings sei erwähnt, dass selbst wenige Spieler auf höheren Limits (bis ~NL100) Blockbets exploiten können.
Besonders gegen passive Spieler ist die Blockbet eine gute Alternative zu c/c (bis zu bestimmter Betgröße Villain's), bzw. c/f, da wir gegen einen Raise immer easy folden können.
Hand 2/3
Raisegrößen
I)
Party Poker No-Limit Hold'em, $ BB (4 handed)
Hero ($848.74)
SB ($629.25)
BB ($396)
UTG ($977.40)
Preflop: Hero is Button with A

1 fold, Hero raises to $14, 1 fold, BB calls $10.
Flop: ($30) 5


BB bets $24, Hero raises to $58, BB calls $34.
Turn: ($146) T
BB checks, Hero bets $100, BB calls $392 (All-In).
Final Pot: $638
Villain trifft hier Top Two und sieht sich natürlich deutlich vorne in dieser Hand. Trotzdem ist hier ein schlechter Spot für Slowplay gegeben, da das Board 2-suited und connected ist und die Community Cards durchaus in der Playing Zone von Villain liegen könnten. JT, QT, QJ oder auch KQs mit Flushdraw drawen hier viel zu günstig, wenn wir nur callen. Wir raisen also, aber wie groß?
Hier ist mir aufgefallen, dass einige Spieler Probleme haben, die Raisegröße zu berechnen und oft nur aus dem Gefühl heraus ihre Betgröße bestimmen. Der Raise auf 58$ ist hier deutlich zu klein, da Villain Odds von ~3,3:1 bekommt und somit auf einige Draws korrekt callen kann.
Ein Raise um etwa Potsize wäre bei den vielen möglichen Draws angebracht. Diesen errechnet man wie folgt: 3 x Villains Bet + Pot = Raise um PS. Mit diesem Raise bekommt Villain immer Odds von 2:1 auf seinen Call.
In diesem Fall würde das einen Raise auf 102$ bedeuten. Da Straight Draws hier aber gerade einmal Gutshots sein könnten und nur Flushdraws so schlechte Odds bekommen müssen, reicht auch ein Raise auf ~90$ meist aus.
So ein "großer" Raise bringt natürlich auch Vorteile in Hinblick auf Potbuilding.
II)
Gegner (72/21/1.7/21) 170h
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$200) (6 handed)
UTG ($203.00)
MP ($205.66)
Hero ($382.14)
Button ($438.84)
SB ($186.60)
BB ($178.98)
Preflop: Hero is CO with J

1 folds, MP raises to $6.00, Hero calls $6.00, Button calls $6.00, 1 folds, BB calls $4.00.
Flop: ($25.00) Q


mp checks MP bets $12.00, Hero raises to $39.00, Button folds, BB folds, MP calls $27.00.
Turn: ($103.00) 7
mp checks Hero bets $69.00, MP calls $69.00.
River: ($241.00) A
MP raises all-in ($91.66), Hero calls $91.66.
Final Pot: $424.32.
In dieser Hand haben wir das wohl drawlastigste Board, das man sich vorstellen kann. Hier sind alle Draws möglich und dagegen müssen wir stark protecten.
Hero kann sich hier noch zu Recht mit Top Two vorne sehen, muss also so viel Protection mitnehmen wie möglich, ohne im Gegenzug zu overbetten.
Folglich ist der Raise wieder deutlich zu klein, wenden wir also erneut die Formel zur Errechnung von Potsize- Raises an: 3 x 12$ + 25$ = 61$.
Wie bereits erwähnt, ist das Board hier extrem draw-heavy, also werden wir in diesem Fall voll um PS raisen, sprich auf 61$.
Jeder Raise, der kleiner ist, gibt Villain meist zu gute Odds und lässt ihn korrekt callen. Callt Villain korrekt, haben wir meist einen Fehler gemacht. Raisen wir größer und Villain callt trotzdem, macht er einen Fehler, von dem wir profitieren.
Eher zu groß als zu klein raisen dürfte bei diesem extremen Beispiel also sogar die Devise sein. Das soll nicht zu Overbets verleiten, aber Protection wird zu oft unterbewertet.
Kurz sei noch erläutert, wann welche Raises gemacht werden sollten:
3 x Bet dann, wenn wir Value wollen, kaum bis nicht protecten müssen und Villains Bet nicht zu klein ist.
Raise um Potsize dann, wenn wir stark protecten müssen.
Alle anderen Raises dazwischen werde ich hier nicht weiter erläutern.