Woche 36 (BSS): Contibets in reraised Pots
Einleitung
Diese Woche möchte ich mich mit Continuation-Bets in reraised Pots beschäftigen. Ein wichtiges Thema, dessen korrekte oder inkorrekte Anwendung bemerkenswert großen Einfluss auf die Winrate haben kann.
Die Faktoren für eine Contibet
Um zu entscheiden, ob wir eine Contibet machen sollten oder nicht, müssen wir mehrere Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören unser Gegner, unsere History mit ihm, unser Image, unsere Hand, Position und die Floptextur, der wohl wichtigste Punkt. Prinzipiell lässt sich jedoch festhalten, dass man zwar nicht unbedingt mehr oder weniger, jedoch auf anderen Boards contibetten sollte, als in einem „normal geraisten“ Pot, was daran liegt, dass wir detaillierte Informationen über die Range des Gegners haben, als dies sonst der Fall ist.
Unser Gegner
Bei unserem Gegner kommt es uns vor allem auf sein Verhalten auf eine 3-Bet an. Manche Gegner folden den Großteil ihrer Raising-Range auf eine Reraise und callen meist nur mit sehr wenigen Karten. Ihrer Range besteht meist aus TT-QQ, selten AK oder AQ. Gegen einen solchen Gegner müssen wir unsere Contibet im wesentlichen von der Floptextur abhängig machen. Offensichtlich eignen sich besonders Flops mit einem König oder einem Ass, da sie hier meist folden werden.
Manche Gegner callen fälschlicherweise nahezu jedes PP auf Setvalue. Wissen wir dies sollten wir nahezu jeden Flop contibetten.
2nd-Barrels
In reraised Pots sollten wir ohne besonderen Read nahezu nie eine 2nd-Barrel, also eine zweite Continuation-Bet auf dem Turn, feuern, da sie zu selten erfolgreich sind und die meisten Gegner nicht mehr folden werden. Auch hier bestätigen Ausnahmen natürlich die Regel.
Unser Image
Generell gilt natürlich: Je tighter wir sind, desto eher wird uns eine Contibet, die ja im Prinzip nur ein Bluff ist, geglaubt. Vor allem geht es hierbei um unsere 3-Betting-Frequenz: Da 3-Bets von Programmen wie Pokertracker nicht erfasst werden muss man sich etwas subjektiv darauf verlassen, wie oft uns unser Gegner gereraised hat. Haben wir in den letzen drei Orbits sieben mal ge3-bettet, ohne je eine Hand gezeigt zu haben spricht das nicht gerade für eine Contibet, auch wenn wir nur gute Hände hatten und Pokertracker unsere Stats mit 14/11 angibt.
Unsere Hand
Generell wollen wir mit einer Hand contibetten, die möglichst viel Equity gegen die Range unseres Gegners hat. AK eignet sich prinzipiell also besser für eine Contibet als 22, da wir noch bis zu 6 Outs haben, mit 22 jedoch maximal 2 Outs.
Die Boardtextur
Da viele Gegner mit Pocketpairs callen sind A-hi und K-hi-Boards in reraised Pots immer sehr gut dazu geeigent, eine Contibet zu machen. Viele Gegner werfen den Großteil ihrer Range auf solchen Boards einfach weg. Werden wir PF loose gecallt contibetten wir entsprechend mehr Boards.
PartyPoker $400 NL Hold'em (5 handed)
Stacks & Stats
MP (25/18/1.50/18) (87h)
Preflop: Hero is BB with A

MP raises to $14, 3 folds, Hero raises to $50, MP calls $36.
Flop: ($102) Q


Hero bets $66
Gutes Board für eine C-Bet, ich gehe hier davon aus, das Villain meist ein mittleres PP hat (TT-QQ ist wohl ein Großteil seiner Range), dieses mittlere Pocketpair wird er wohl folden müssen.
PartyPoker $400 NL Hold'em (5 handed)
Stacks & Stats
CO (44/23/2.40/27) (115h)
Preflop: Hero is BB with A

CO raises to $14, 3 folds, Hero raises to $50, CO calls $36.
Flop: ($102) 9


Hero bets $66
Auch diese Floptextur ist gut, was allerdings daran liegt, dass unser Gegner Preflop mit sehr vielen Bildkarten gecallt haben könnte, die er hier folden muss. Gegen den Gegner aus dem vorherigen Beispiel würde ich hier nicht c-betten, da dieses Baord seine Range wunderbar trifft.