Aktualisiert am 12 März 26 von

Woche 36 (BSS): Warum legt man AQ nach einer Erhöhung weg?

Einleitung

In den Beispielhandforen sieht man sehr oft, dass mit AQ sehr oft in den Blinds (hierbei handelt es sich um die Pflichteinsätze) nach einer Erhöhung mitgegangen wird. In dem Starting-Hand-Chart wird auch empfohlen AQ nach einer Erhöhung wegzulegen. (Wir betrachten in diesem Artikel nicht die Situation, wenn der SB als erstes erhöht.)

Ich werde im Verlauf an drei Beispielhänden deutlich machen, warum man beim Mitgehen einer Erhöhung oft in eine unangenehme Situation kommt und wie man dies vermeidet.

Sofern nicht anders angegeben, haben sowohl wir als auch unsere Gegner einen vollen Stack.

 

 

Beispielhand 1

 

0.02/0.04 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is BB with A, Q

UTG folds, UTG+1 calls $0.04, 4 folds, CO raises to $0.20, 2 folds, Hero calls $0.16, UTG+1 calls $0.16.

Wir bezahlen die Erhöhung von dem Spieler aus dem Cutoff und nach uns bezahlt der Spieler aus früher Position (UTG+1), nachdem er zuvor schon mitgegangen war, die Erhöhung ebenfalls.

Flop: ($0.62) A, 5, J (3 players)

Hero checks, UTG+1 checks, CO bets $0.30, Hero raises to $0.72, UTG+1 folds, CO calls $0.42.

Am Flop treffen wir nun das Ass und haben somit Toppaar mit der zweitbesten Beikarte. Wir entscheiden uns zunächst zu schieben und hoffen, dass der Erhöher vor dem Flop nun eine Continuation Bet macht, mit dem Ziel diese dann ebenfalls zu erhöhen. Ein so genannter check/raise deutet im Allgemeinen auf eine sehr starke Hand hin, allerdings wird der Pot durch diesen Spielzug ziemlich groß. Jedoch bezahlt der Cutoff unsere Erhöhung, während der dritte Spieler seine Karten weglegt.

Turn: ($2.06) 5 (2 players)

Hero ????

Diese Karte sollte unserem Gegner nicht geholfen haben und daher ändert sich an der Situation nur wenig. Spätestens hier sollten wir uns nun fragen, was für eine Hand unser Gegner halten könnte. Zunächst erhöht er vor dem Flop aus einer späten Position und bezahlt am Flop einen check/raise. Vor dem Flop kann er eine große Palette von Karten spielen. Am Flop werden allerdings viele dieser Hände unseren check/raise nicht mehr bezahlen, zumal die drei Gemeinschaftskarten wenige Chancen auf eine Strasse oder einen Flush bieten. Daher würde ich unseren Gegner am Turn auf eine Hand wie JJ, AJ, AK, AA setzen. Daher müssen wir hier die Karte aufgeben. Also werden wir zunächst schieben und sollte der Gegner setzen unsere Hand weglegen.

 

 

Beispielhand 2

 

0.02/0.04 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is BB with A, Q

UTG folds, UTG+1 calls $0.04, 4 folds, CO raises to $0.20, 2 folds, Hero calls $0.16, UTG+1 calls $0.16.

Flop: ($0.62) A, 5, J (3 players)

Hero bets $0.40, UTG+1 folds, CO calls $0.40.

Turn: ($1.42) 5 (2 players)

Hero ???

Hier haben wir dieselbe Hand wie in dem Beispiel zuvor, jedoch schieben wir am Flop nicht, sondern setzen selbst etwa 2/3 des aktuellen Pots. Der Erhöher vor dem Flop bezahlt unseren Einsatz und wir müssen uns am Turn erneut entscheiden was wir tun. Der Flop bietet wieder keinerlei Chancen auf einen Flush oder eine Strasse, so dass unser Gegner hier durchaus auch mit einem Drilling oder zwei Paaren nur bezahlt und hofft, dass wir am Turn erneut setzen. Sicherlich können wir hier auch oft noch die beste Hand halten, aber dennoch können wir auch schon geschlagen sein. Ich würde daher am Turn zunächst schieben und sollte der Cutoff setzen, dieses bezahlen und am River je nach Karte neu entscheiden.

Sollte in dieser Hand der Gegner am Flop unseren Einsatz erhöhen, so können wir uns sehr sicher sein, dass wir geschlagen sind. Denn selbst wenn wir die Erhöhung bezahlen, stehen wir am Turn ohne Position auf den Gegner wieder vor einer schweren Entscheidung. Denn wenn wir am Flop bezahlen, können wir am Turn nicht einfach schieben und sollte gesetzt werden unsere Hand weglegen. Somit ist das Weglegen der Hand am Flop hier das Beste.

 

 

Beispielhand 3

0.02/0.04 No-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is SB with A, Q

UTG raises to $0.16, 7 folds, Hero calls $0.14, BB folds.

Flop: ($0.36) Q, 7, 2 (2 players)

Hero bets $0.25, UTG raises to $0.80, Hero ???

Vor dem Flop erhöht der Spieler UTG. Wir wissen von ihm, dass er ein Deutscher ist, und nur gute Hände spielt. Es handelt sich also offenbar um einen Spieler von PS.de.

Zunächst bezahlen wir wieder ohne am Flop Position noch Initiative zu haben die Erhöhung und treffen am Flop unser Toppaar mit der besten Beikarte. Wir entscheiden uns direkt zu betten und erhalten eine Erhöhung von dem Gegner. Natürlich müssen wir hier unsere Hand aufgeben.

Allerdings hätten wir auch schon direkt vor dem Flop unsere Hand weglegen können, denn schauen wir einmal in das Starting-Hand-Chart, so können wir sehen, dass aus dieser Position nur mit Händen wie JJ-AA, AQ-AK erhöht wird. Am Flop schlagen wir davon nur noch AK und JJ, gegen AQ haben wir einen geteilten Gewinn.

Sollte in diesem Beipiel unser Gegner den Einsatz am Flop nur callen, so wissen am Turn nicht wo wir in der Hand stehen, denn auf diesem ungefährlichen Flop können Hände wie AA oder KK den Einsatz einfach nur bezahlen, weil sie wissen dass wir auf eine Erhöhung die meisten Händen weglegen werden und unser Gegner oft, dass wir am Turn erneut betten.

 

 

Fazit

Die Beispiele haben hoffentlich gut gezeigt, dass man mit AQ oft von einer besseren Hand dominiert sein kann, man keine Position auf den/die Gegner hat, man keine Initiative hat und oft vor schweren Entscheidungen steht. Gerade zu Beginn der Pokerlaufbahn sollte man möglichst wenige schwere Entscheidungen treffen müssen, denn man ist noch nicht sehr sicher im Spiel am Flop und verliert so nur unnötiges Geld. Daher gilt: AQ nach einer Erhöhung vor einem in den Blinds einfach weglegen.

Sicherlich gibt es auch Ausnahmen, gerade wenn die Erhöhung von einem Spieler aus dem Cutoff oder Button kommt und vor diesem alle Gegner ihre Hand weggelegt haben. Hierbei handelt es sich aber um eine Situation, in der oft versucht wird durch die Erhöhung die Pflichteinsätze einzusammeln. Jedoch bedarf es auch hier einige Erfahrung und gerade für Einsteiger ist es schwer die richtige Entscheidung zu treffen. Auch die Situation, dass der SB als erstes agiert wurde hier nicht behandelt.