Woche 58 (BSS): Looser Shortstack pusht den Flop
Einleitung |
Das Spiel gegen Shortstacks ist kein einfaches. Während auf
den FullRing-Tischen häufig tighte Genossen zu finden sind, tummeln sich gerade
bei den Shorthanded-Tischen sehr loose Spieler mit kleinem Stack herum. Sollten
wir preflop eine gute Hand raisen und uns am Flop auf einem durchschnittlichen
Board einem push von Villain gegenübersehen, so haben wir meist eine knappe
Entscheidung.
Hand 1
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks
& Stats
MP ($25)
CO ($26)
UTG ($25)
BB ($15)
SB ($5) (34/4/1.5/315/611)
Hero ($28)
Preflop:
Hero is Button with A

2
folds, MP calls $0.25, Hero raises to $1.25, SB calls
$1.25, 2 folds
Flop:
($2.75) J


SB
bets $3.75(All-in), Hero...???
Sicherlich ist der erste Gedanke, dass Villains line relativ
wenig Sinn macht. Wenn man aber genauer überlegt, so sieht man diese Moves
recht häufig.
Die Frage ist nun, callen wir mit Ace high oder nicht? Der
Shortstack ist ein limper, der jede Hand nur mitgehen möchte. Er kann hier gut
was getroffen haben, er kann ein Pocket Pair halten oder nur Overcards.
Ob wir hier einen profitablen call haben, soll uns der
PS-Equilator zeigen:
Dafür brauchen wir natürlich eine grobe Einschätzung von
Villains Range, was bei einem 34 VPIP Shortstack nicht sonderlich einfach ist.
Deswegen geben wir ihm eine eher tight calling Range von jedem Pocket Pair,
AK-AJ, KQ/KJ.
Ebenso benötigen wir unsere Pot Odds: Wir müssen 3.75$
zahlen damit wir am 6.5$ beteiligt sind. Dies entspricht 36,58%.
Nun unsere Equity-Berechnung:
Board: Jh 6d 2c
Dead:
Equity Gewonnen
Unentschieden Verloren Hand
Spieler 1: 35.483
% 31.433 % 8.100 % 60.467 % AdKs
Spieler 2: 64.517
% 60.467 % 8.100 % 31.433 % 22+, AJs+, KJs+, AJo+, KJo+
Unsere Equity beträgt 35.48%, also knapp unter den
Pot Odds. Nun ist die Frage, ob wir besondere reads auf Villain haben, ob
dieser preflop nicht noch wesentlich mehr Hände coldcallt (z.B. suited
connectors, suited Aces, AT-).
Andererseits ist die Frage, ob Villain auch jede dieser
Hände pushen würde, da das Board sehr drawless ist.
Wir können es nun drehen und wenden wie wir wollen, wir
haben hier eine sehr knapp Entscheidung, in dem man nicht genau beantworten
kann, ob ein call +EV oder -EV ist. Man sollte den Shortstack häufig genug
beobachten und daraufhin eine Entscheidung treffen. Man draf sich z.B. auch
nicht jedes Mal von seiner Hand verabschieden, auch wenn man sich als leichten
Aussenseiter sieht.
Hand 2
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks
& Stats
BU ($21)
CO ($13)
UTG ($5) (24/5/1.7/28/312)
BB ($52)
SB ($32)
Hero ($61)
Preflop:
Hero is MP with 8

UTG calls
$0.25, Hero raises to $1.25 , 4 folds,
UTG calls $1.25
Flop:
($2.75) 5


UTG
bets $3.75(All-in), Hero...???
Wir haben hier eine ähnliche Situation, jedoch im Gegensatz
zu Hand 1 haben wir eine made Hand, dafür kaum Outs unsere Hand zu verbessern. Das
Board eigentlich sich für Villain recht gut zum bluffen, da wir hier ohne K Hit
uns eigentlich nicht recht häufig vorne sehen können. Andererseits liegt ein
King natürlich gut in der Range von Villain.
Betrachten wir zunächst wieder unsere Pot Odds, die
umgerechnet wieder bei 36.58% liegen.
Wir behalten ebenfalls die Range von Villain nahezu bei. Da
sein VPIP etwas niedriger ist und die line limp/call schon nach etwas stärkerer
Hand aussieht, nehmen wir hier AJo und KJo heraus aus Villains Range.
Equity-Berechnung:
Board: Kd 5s 5h
Dead:
Equity Gewonnen
Unentschieden Verloren Hand
Spieler 1: 42.358
% 41.678 % 1.358 % 56.963 % 88
Spieler 2: 57.642
% 56.963 % 1.358 % 41.678 % 22+, AJs+, KJs+, AQo+, KQo
Wir sehen eine deutlich höhere Equity von 42.36%, die
nach den Pot Odds einen call rechtfertigen. Zudem haben wir Villain Range noch
eingegrenzt, so dass wir in dieser Situation meist profitabel callen können.
Zusammenfassung
Gegen loose Shortstacks haben wir meist recht knappe
Entscheidungen bei einem Floppush. Jegliche reads auf Villain sind von Vorteil,
gerade, wenn seine preflop-Range sehr loose ist. Grundsätzlich haben wir aber
gesehen, dass man mit Overcards meist nicht so gut dasteht wie mit einer
marginalen made hand.