Aktualisiert am 12 März 26 von

To Bet or Not To Bet (2)

» KOLUMNE

To Bet or not To Bet (2)

von MiiWiin

Im ersten Teil hast du die Einführung zu dieser Problematik gesehen. Am Ende müsstest du zu der Überzeugung gekommen sein, dass eine Bluffbet an einer solchen Stelle wohl zu selten von Erfolg gekrönt sein wird.

Damit stellt sich konsequenterweise die Frage nach Alternativen, also nach weiteren Spielweisen.

Übersicht:

  • Was sind trockene Boards?
  • Exkurs zu Gegner/Stats
  • Welche Problematiken herrschen dort?
  • Balancing/Deception
  • Wann solltest du betten, wann nicht?
  • Wie kannst du bluffen?
  • Wie kannst du maximalen Value extrahieren?
  • Das Way ahead - Way behind - Prinzip
  • Turn- und Riverplay nach einer Bet Flop
  • Turn- und Riverplay nach einem Check Flop
  • Marginale Holdings
  • Wie spielst du out of Position
  • Wie spielst du als Preflopaggressor?
  • Multiway Pots
  • 3-bettet Pots
  • Was passiert, wenn Villain bettet?

Balancing/Deception

BEISPIEL 1:

$25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6c7c
UTG raises $0.75, 2 folds, Hero calls $0.75, 2 folds

Flop: ($1.85) Kh8s2d (2 players)
UTG checks, Hero checks

Turn: ($1.85) 3c (2 players)
UTG...

Das Thema Balancing und Deception sollte vom Grundsatz her bei den meisten deiner Entscheidungen nicht im Vordergrund stehen. Funktionieren kann dies ohnehin nur, wenn dein Gegner auch wirklich darauf achtet, was du machst und am Ende mitbekommt, womit du es machst.

Dir muss klar sein, dass du dabei eine Menge Hände mit deinem Gegner gespielt haben musst, bis er ausreichend Hände von dir gesehen hat, um sich ein Bild von dir zu machen.

Diese Spots jedoch kommen recht häufig vor (im Vergleich zu checkraise River auf drawy Boards deinerseits, da ist beispielsweise wenig Balancing notwendig, da dieser Spot gegen diesen Gegner vielleicht zwei- bis dreimal im Leben vorkommt).

Du weißt, dass dein Gegner ein thinking Player ist. Du ahnst, womit er den Flop checkt. Doch wie interpretiert er nun deinen Checkbehind?

Dieses Thema kann kaum zusammenfassend behandelt werden, daher wird in den folgenden Punkten auf dieses Thema immer nebenbei eingegangen.

Was du mitnehmen solltest: Du stehst in diesem Spot nicht immer mit Air da, sondern auch mal mit Kx, mit Middlepairs oder mit Sets. Ebenso wenig kannst du blind jeden trockenen Flop einfach aufgeben, das soll gewiss nicht die Aussage sein.

Aber behalte immer im Hinterkopf, dass auch dein Gegner sich seine Gedanken zu deiner Spielweise machen wird.

Wann solltest du betten, wann nicht?

Diese Frage wurde eben schon angerissen: Soll die bisher erfolgte Analyse tatsächlich den Schluss zulassen, dass du hier 100% deiner Range behindcheckst? Sollst du niemals bluffen, niemals dünn valuebetten, niemals mit starken Händen versuchen Value zu extrahieren?

Glaubst du an die Ranges deines Gegners und an eine normale Spielweise, tendiert die Antwort in Richtung "Ja".

In der Theorie könntest du diese Flops allesamt behindchecken und damit dein Spiel perfekt balancen. Fängst du an, for Value zu betten, musst du auch Bluffs in deine Range aufnehmen. Mit deinen Valueplays extrahierst du eventuell etwas mehr value (jedoch gegen eine kleine Range), dafür versandet der Erfolg deiner Bluffbets im Niemandsland.

Es ist grundsätzlich von enormer Wichtigkeit, einen Gameplan zu haben. Bettest du am Flop for Value, weil du Angst hast, dir entgeht letztlich ein großer Pot, dann musst du dich schon fragen, welche schlechtere Hand dich über drei Streets ausbezahlt.

Es ist kein Fehler, hier mit 88 zu betten, aber die Range, die damit dreimal bis zum Showdown callt, wird nicht riesig sein. Deine Verluste halten sich in Grenzen.

Geht deine Bluffbet am Flop schief, hast du weiterhin gute Möglichkeiten, den Pot zu gewinnen, indem du weiterbarrelst. Dadurch entstehen am Ende große Pötte in denen du zwei bis drei Barrels verwenden musst.

Die Einschätzung dazu fällt schwer. Du hast Villains fünf Hauptranges gesehen, allerdings ist es kaum zu beurteilen, wie er damit an Turn und River weiterspielt beziehungsweise wie weit er jeweils bereit ist, mit seiner Hand zu gehen.

Wie kannst du bluffen?

Um in diesem Spot zu bluffen, musst du zwei Annahmen treffen: Zum einen über die Wahrscheinlichkeit eines direkten Folds deines Gegners am Flop, zum anderen über die Aufteilungen der Ranges.

Die Foldequity wurde bereits durchleuchtet, sie wird nicht 40% am Flop betragen. Die alleinige Flopbet wird daher wohl -EV sein.

Mit der Aufteilung seiner Range ist gemeint, dass du Eindrücke von deinem Gegner hast, womit er am liebsten den Flop checkt.

Bei einigen Gegnern sind diese Checks häufig Traps, sie werden sich kaum von der Hand trennen. Die Konsequenz: Du bluffst gar nicht.

Nun bleibt die Verteilung von marginalen Händen, guten Händen und Nuts. Es besteht die Möglichkeit, gute und marginale Hände bis zum River aus dem Pot zu bekommen. Dafür musst du logischerweise ihre Häufigkeit als ausreichend oft annehmen.

Du musst nun wieder den Umkehrschluss machen: Dein Gegner hält eine marginale bis gute Hand, aus dem ersten Teil wäre dies die grobe Range Kx, QQ-99, 8x.

Was will dein Gegner mit dieser Hand erreichen?

  • Er möchte den Flop nicht valuebetten.
  • Er möchte keinen großen Pot spielen.
  • Er möchte wenig Aggression von dir sehen.

Dein Gegner will seine Hand möglichst billig zum Showdown führen, und genau dort musst du ansetzen. Solltest du den Flop betten, dann musst du auch den Turn betten. Der Turn wird nichts verändern, es kann keine Scarecard kommen, es gibt keine Karte die dich improved (Ausnahme die 9, die dir immerhin einen open-ended Straightdraw gibt). Das ist in diesem Fall aber egal.

Es gibt somit drei Szenarien:

  • Du bettest den Flop.
  • Du checkst den Flop, Villain checkt den Turn.
  • Du checkst den Flop, Villain bettet den Turn.
BEISPIEL 2: Du bettest den Flop

$25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6c7c
UTG raises $0.75, 2 folds, Hero calls $0.75, 2 fold

Flop: ($1.85) Kh8s2d (2 players)
UTG checks, Hero bets 1.30$, UTG calls 1.30$

Turn: ($4.45) 3c (2 players)
UTG checks, Hero bets 3.10$, UTG...

Die 3 hilft dir nicht, keine Frage. Deinem Gegner auch nicht, doch das ist euch beiden bewusst. Dein Gegner freut sich hier ausschließlich, sofern er trappt. Aber mit vielen anderen Händen hat er eine ganz schwere Entscheidung zutreffen.

  • Er spielt out of Position.
  • Er hält eine durchschnittliche Hand.
  • Er muss davon ausgehen, dass du am River die 3rd Barrel auspackst.

Wenn dein Gegner hier Hände wie KJ, JJ, 87s etc. am Flop gecheckt hat, wollte er eines doch verhindern: Einen großen Pot, so wie du in gerade aufbaust.

„Never stop a bluff“, in diesem Fall trifft es zu. Setzt du deinen Gegner häufig auf diese Handgruppen, dann ziehe es durch.

BEISPIEL 3: Du checkst den Flop, Villain bettet den Turn

$25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6c7c
UTG raises $0.75, 2 folds, Hero calls $0.75, 2 fold

Flop: ($1.85) Kh8s2d (2 players)
UTG checks, Hero checks

Turn: ($1.85) 3c (2 players)
UTG bets 1.20$, Hero raises to 3.60$, UTG...

An der Range hat sich kaum etwas geändert. Sofern die Range deines Kontrahenten nicht zu häufig aus den Nuts besteht, hat er doch die gleiche miese Entscheidung zu treffen wie im vorherigen Beispiel.

Dir muss klar sein, dass schwache Kx-Hände und QQ-99, 8x, 77- hier einen Großteil seiner Range ausmachen, am Turn hat er nun eine delayed Contibet gesetzt, um etwas Value zu extrahieren und die Hoffnung zu haben, dass du ihm eine ganz schwache Range gibst und hier noch mit schwächeren Händen callst.

Aber ein Raise wollte dein Gegner gewiss nicht sehen, du hast seinen Plan mit dem kleinen Pot erneut durchkreuzt. Es ist doch völlig unerheblich, dass du die 3 nicht verkaufen kannst. Das möchtest du auch gar nicht. Du repräsentierst hier eine durchaus starke Range, wenn auch eine dünne.

Versetze dich immer in die Lage des Gegners. Denke an Teil 1, wo du kurz darüber nachdenken konntest, wie ungern du mit KQ auf einem K82 rainbow Flop ein Raise siehst. Ja, dein Gegner verkauft wenig, aber trotzdem ist das Spiel hart an der Grenze, er hat dich unter Druck gesetzt und out of Position wirst du im kompletten Handverlauf einen Nachteil haben.

Du kannst es nicht ausstehen, wenn deine guten Hände, die aber weit von den Nuts entfernt sind, geraist werden. Magst du diese Spots nicht (keiner mag sie, weil sie sehr schwer zu beurteilen sind und zudem meistens varianzreich enden), dann setze deine Gegner doch dem gleichen Druck aus.

BEISPIEL 4: Du checkst den Flop, Villain checkt den Turn

$25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BU with 6c7c
UTG raises $0.75, 2 folds, Hero calls $0.75, 2 fold

Flop: ($1.85) Kh8s2d (2 players)
UTG checks, Hero checks

Turn: ($1.85) 3c (2 players)
UTG checks, Hero...

Hier werden die Meinungen auseinandergehen. Irgendwie sieht es schon danach aus, dass dein Gegner wirklich nichts hält. Das Prinzip „Wer zuerst bettet, gewinnt den Pot“ scheint hier in der Luft zu liegen, dennoch ist es keine klare Bluffbet. Eher im Gegenteil.

Schaue dir die Ranges an, die wir deinem Gegner geben. Überlege selbst, was er an Flop und Turn checkt und was er bettet. Und denke daran, dass dein Kontrahent anscheinend keinen großen Pot will.

Würdest du lieber in Beispiel 3 den Turn raisen oder in Beispiel 4 den Turn betten? Was wird mehr Erfolg haben?

In Beispiel 4 ist es daher durchaus möglich, den erneuten Check deines Gegners als so stark anzusehen, dass du dich gegen einen Bluff entscheidest.

Dein Gegner kann hier check/callen und ist nur noch eine Street vom Showdown entfernt, ein großer Pot zeichnet sich nicht mehr ab. Du kannst hier durchaus eine große Check/Calling-Range vermuten, denn neben dem kleinen Pot mit seiner marginalen Hand verzeichnet dein Kontrahent einen weiteren Vorteil:

  • Du wirst ab und an den Turn bluffbetten.
  • Du wirst ab und an schwächere Hände valuebetten.

Somit hätte er sein Ziel erreicht.

» ZUSAMMENFASSUNG

Heute hast du etwas über Balancing und die Möglichkeiten zu bluffen erfahren. Ein Bluff ist ein gut durchdachter Spielzug, der nicht zwangsweise in „bet Flop und bei Call Aufgabe“ enden muss beziehungsweise sollte.

Dennoch möchte ich etwas anmerken: Wir reden hier von einem speziellen Gegner, von einem speziellen Flop und von speziellen Ranges, die wir dem Gegner geben. Dies mag bei vielen Spielern durchaus nahe an der Realität sein, trotzdem ist jeder Spot anders und darf nicht pauschalisiert werden.

Du solltest die Grundgedanken mitnehmen und jede deiner Aktionen auf diesen Boards hinterfragen, trotzdem soll es nicht das Ziel sein, jeden dieser Flops zu checken, jeden Turn erneut zu checken und jede Turnbet zu raisen.