Blinddefense mit Problemhänden - Eine Einführung
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Blinddefense mit Problemhänden – Eine Einführung
von Miiwiin
Die Blinddefense ist eine wichtige Angelegenheit im No-Limit Holdem. Du kannst deinen Gegnern nicht jedes Mal deinen Blind überlassen, wenn du selbst eine durchaus brauchbare und spielbare Hand hältst. Jedoch ist es nicht leicht, aus den Blinds heraus zu spielen. Du musst wissen, mit wem du es zu tun hast und wie du postflop weiterspielst.
Deswegen geht es diesmal um die Blinddefense mit dominierten Händen beziehungsweise mit drawing Hands. In diesem ersten Teil wird noch einmal die Problematik geschildert, in den nächsten Teilen geht es dann um konkrete Spielweisen mit potentiell dominierten Händen und um das Spiel mit drawing Hands.
Um welche Hände es geht
Dominierte Hände sind für dich sehr gefährlich. Das bedeutet, dass du bei dem Treffen eines Toppairs davon ausgehen musst, dass dein Gegner dich selten mit einem schlechteren Toppair ausbezahlt, dafür aber häufiger selbst ein Toppair mit einem besseren Kicker halten kann.
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
MP ($100)
CO ($100) (25/15/2.8/29/1012) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($100)
Hero ($100)
SB ($100)
BU ($100)
Preflop: Hero is BB with A

2 folds, CO raises to $4.00, 2 folds, Hero raises to $14.00, CO calls $14.00
Flop: ($28.50) A


Hero bets $20.00, CO raises to $44.00, Hero...
Das ist ein typisches Beispiel für eine dominierte Hand. Preflop sieht sie zwar gut aus, aber auf diesem Flop musst du dich schon fragen, gegen was du vorne liegst. Möglicherweise AT? Das ist durchaus möglich, aber würde AT hier raisen? Zudem ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass dein Gegner AK oder AQ hält, von diesen Händen bist du dominiert und hast kaum noch Outs.
Glaubst du jedoch, dass dein Gegner hier auch AT halten kann, warum dann nicht auch A9? Dagegen würdest du ebenfalls hinten liegen. Wenn du jetzt erst anfängst, über die Range deines Gegners nachzudenken, ist es meistens schon zu spät.
Als typische Hände die dominiert sind, soll das Hauptaugenmerk auf AJ und KQ liegen. Die sich daraus ergebenen Probleme treffen natürlich auch auf andere Hände zu (AQ/AT/KJ/KT/QJ/QT/…).
Mit drawing Hands hast du hauptsächlich ein Problem: Du triffst recht selten. Und wenn du triffst, hältst du meistens nur einen Draw. Dieser liegt zwar equitytechnisch meistens gut im Rennen, muss jedoch gegen gewisse Gegner unterschiedlich gespielt werden, damit es am Ende gewinnbringend ist.
Hast du Gegenspieler, die ohnehin alles callen, so willst du deinen Draw nicht unbedingt aggressiv spielen, da dir die nötige Foldequity fehlt. Die Frage ist nur: Hast du nach einer Blinddefense out of Position überhaupt eine Wahl?
Hier soll das Hauptaugenmerk auf Händen liegen, die außer einem Draw nicht viel treffen können, also in erste Linie Hände wie 45s – 89s.
Problematik der Blinddefense
Um diese beiden Handkategorien soll es sich nun also drehen. Vor was für Probleme wirst du meistens gestellt?
Die Stealrange eines Gegners ist immer deutlich höher als die Range, mit der er bereit ist, deine mögliche 3-Bet zu callen. Das lässt sich mit einer Equilatoranalyse recht einfach nachweisen:
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Player 1 | 44,9% | 43,46% | 2,87% | 53,67% | 22+, A2s+, K4s+, Q6s+, J7s+, T7s+, 96s+, 85s+, 74s+, 64s+, 53s+, 43s, A5o+, K8o+, Q9o+, J9o+, T7o+, 97o+, 87o, 76o, 65o, 54o |
| Player 2 | 55,1% | 53,67% | 2,87% | 43,46% | KQo |
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Player 1 | 51,2% | 48,53% | 5,35% | 46,13% | 66+, A9s+, KTs+, QTs+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 65s, ATo+, KJo+, QJo, JTo |
| Player 2 | 48,8% | 46,17% | 5,35% | 48,53% | KQo |
Nimm bitte die Ranges nicht allzu genau. Es geht einzig um das Prinzip: Sollte Villain deine 3-Bet callen, so macht er das logischerweise mit einer besseren und engeren Range als seiner Stealrange.
Wie du jedoch siehst, heißt das noch lange nicht, dass du dich jetzt hinten sehen musst. Und genau hier beginnt die wirkliche Problematik. Wenn du mit einer potentiell dominierten Hand nach einer 3-Bet triffst, so kommst du aus der Hand kaum noch raus. Letztlich erwartest du ja, dass dich eine schwächere Hand ausbezahlt. Siehst du das nicht als gegeben an, so musst du das ganze Prinzip deiner Blinddefense hinterfragen.
Ein weiteres Problem ist logischerweise die Position. Was die Position für eine enorme Wichtigkeit besitzt, sollte dir klar sein. Ebenso ist es keine Frage, dass du in Blinddefense Situationen immer out of Position spielen musst, es sei denn, du bist der Big Blind und nur der Small Blind ist in die Hand eingestiegen.
Hier kannst du einmal dein eigenes Spiel durchdenken und beurteilen, ob du dich out of Position wesentlich schwer tust als in Position (das tut jeder). Denn diese Analyse sollte dir bei der Entscheidung helfen, welche Hände du auf welche Art und Weise defenden solltest.
Selbstverständlich ist die Betrachtung deines Gegenspielers wie immer von oberster Priorität. Oben hast du die Unterschiede zwischen Stealing- und Callingrange gesehen. Natürlich variieren diese Hände jedes Mal bei unterschiedlichen Gegnern. Hier sind nicht nur die Stats wichtig, sondern auch Beobachtungen darüber wann, wie und womit dein Gegner versucht zu stealen und womit er deine eventuelle 3-Bet callt.
Auch hier muss die Priorität schon auf dem Postflopplay liegen. Solltest du gegen einen gewissen Gegner 3-betten und am Flop treffen, so stehen dir nicht mehr viele Möglichkeiten zur Verfügung. Reicht dir ein Toppair nicht aus, um gegen diesen Gegner dein ganzes Geld am Flop zu investieren, war die 3-Bet dann eine solch gute Idee?
Sofern du die dominierten Hände betrachtest, hast du die Problematik sicherlich erkannt. Jedoch darfst du nicht vergessen, dass ein eher marginaler Spot wie in Beispiel 1 dargestellt, nahezu das Beste ist, was dir passieren kann. In zwei von drei Fällen triffst du mit solchen Händen nämlich gar nichts. Du stehst dann unimproved mit Ace high oder K high am Flop out of Position, hast einen relativ großen Pot und deine Alternativen sind doch recht überschaubar.
Eignet sich das Board für eine Continuationbet? Was machst du, wenn du gecallt wirst?
Auch diese Gedanken müssen bereits im Preflopplay integriert sein. In erster Linie natürlich in Verbindung mit der Art deines Gegenspielers und letztlich natürlich auch im Bezug auf die Struktur des Flops.
Häufig sieht man Hände, in denen nach einer aggressiven Spielweise preflop am Flop ein guter Draw aufgegabelt wird. Doch schon gehen die Schultern gen Himmel: „Und nu…?“
Es ist nicht schwer, die nun aufgetretenen Probleme festzuhalten:
- Du spielst out of Position
- Du hältst nur einen Draw
- Dafür ist der Pot aber schon riesig
- Stehst du am Turn weiterhin unimproved da, hast du ein Problem
- Dein Gegner lässt eventuell keine made Hand los
- Die ideale Spielweise zu finden, fällt dir sehr schwer
Diese Probleme existieren natürlich wirklich, aber waren diese Punkte nicht preflop schon vorauszusehen?
Hier ist es enorm wichtig, dir preflop bereits eine Spielweise zu Recht zu legen und daraufhin zu überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, deinen suited Connector zu spielen und wenn, ob der aggressive oder passive Defend die bessere Wahl ist.
Welche Gedanken du dir im Vorfeld machen solltest und wie mögliche Spielweisen aussehen, wird in den nächsten Folgen behandelt.
Ähnliche Fallen treten auch bei einem passiven Defend auf: Hier stellt sich die Frage, ob du einerseits genügend Foldequity hast, um einen Draw nun am Flop aggressiv zu spielen, oder ob du ausreichend implied Odds besitzt, um deinen Draw passiv zu spielen.
Spielweisen
Es klang mittlerweile schon durch, wird für dich aber nichts Neues sein: Natürlich hast du zwei Möglichkeiten, deinen Blind zu defenden.
Entweder mit einer aggressiven Spielweise, was bedeutet, dass du dich für eine 3-Bet entscheidest. Alternativ bleibt die passive Möglichkeit, indem du ein Openraise einfach (cold-)callst.
Dabei wird nun zwischen den beiden Handtypen unterschieden:
Solltest du dir in deinem Spiel noch recht unsicher sein und noch nicht über einen ausreichenden Erfahrungsschatz verfügen, so werden suited Connectors nicht unbedingt zu deinen Lieblingshänden zählen. Am Anfang hat man es gerne recht einfach. Jedoch gibt es mit suited Conncetors nur selten eine einfache Spielweise.
Dennoch wirst du häufig hören, dass viele Spieler sehr gerne diese Hände spielen. Vielleicht kommen dir Sätze wie „…ich 3-bette da lieber 67s als AJ…“ oder „…ich komme damit Postflop selten in miese Spots…“ bekannt vor.
Warum ist das so? Suited Connectors geben dir in der Blinddefense einfach wahnsinnig viele Möglichkeiten. Die einfachste: Der Fold.
Du besitzt die Möglichkeit, solch eine Hand einfach mal zu folden. Equitytechnisch liegst du damit ohnehin meist hinten, es liegt an deiner Einschätzung der Postflop-Playability gegen deinen Gegner. Hältst du die für schlecht, kannst du deine Hand einfach mucken.
Solltest du 3-betten, so bist du postflop nahezu niemals dominiert. Entweder du triffst eine spielbare Hand oder nicht. Ich erinnere hier an den Plan, den du in Verbindung mit deiner möglich 3-Bet erstellen solltest. Hast du darin Übung und weißt, wie du auf möglichen Flops spielen möchtest, so wirst du feststellen, dass die Playability solcher Hände durchaus sehr angenehm sein kann.
Neben der 3-Bet bleibt natürlich der passive Defend in Form eines Calls. Auch hier brauchst du Informationen über deinen Gegner. Draws sind out of Position selten profitabel zu spielen, sofern man ausschließlich passiv spielt und auf einen Treffer wartet. Eine überschlägige Kalkulation der implied Odds ist hier unerlässlich. Und auch hier gilt: Welche möglichen Implied Odds du besitzt, hängt schon davon ab, mit was für einer Range dein Geger stealt und wie weit er bereit ist, mit solchen Händen zu gehen.
Bei den dominierten Händen fällt die Wahl preflop etwas knapper aus. Equitytechnisch liegen AJ und KQ einfach zu gut im Rennen. Kannst du dir in Beispiel 1 einen einfachen Fold vorstellen?
Auch in der Equityanalyse siehst du, wie gut du mit KQ meistens noch dastehst. Hier bleiben dir im Grunde nur die Optionen Call oder 3-Bet, um diesen Spot wirst du nahezu niemals drum herum kommen.
Was machst du nach einer 4-Bet?
Genau dieser Aspekt ist einer der wenigen, der dir recht leicht fallen dürfte. Du hast hier nahezu immer einen Fold.
Es mag Situationen geben, in denen du auf solch loose und aggressive Zeitgenossen triffst, dass du dich mit einem 4-bet/call Play von Händen wie AJ/KQ tatsächlich vorne siehst. Dies stellt aber eine Ausnahme da.
Mit deinen suited Connectors hast du natürlich immer einen leichten Fold, es sei denn, du gibst dir noch viel Foldequity und entscheidest dich für einen Bluffshove.
Auch das wird nichts Neues für dich sein, aber es ist wichtig daran zu denken, wenn dein Gegner beispielsweise häufig moven sollte. Er hat somit die Möglichkeit, deine eventuell stärkere Hand (AJ/KQ) oder deine Hand mit einer guten Playability (suited Conncetors) durch eine Bluff-4-Bet aus dem Pot zu drängen. Diese Möglichkeit nimmst du ihm selbstverständlich durch einen passiven Preflopcall.
Postflopplay
Dies wird in den nächsten Teilen ausführlich behandelt:
- Blinddefense mit dominierten Händen - Button vs. Big Blind
- Blinddefense mit dominierten Händen - Button vs. Small Blind
Es soll dir nur klar sein, dass du gerade mit deinen dominierten Händen häufig in recht enge Spots kommen wirst. Du kannst einfach mal die Punkte aufzählen, die gegen einen Defend mit AJ/KQ sprechen.
Passiver Defend:
- Du protectest deine Hand nicht
- Es mangelt an möglichen Spielweisen postflop: Ein Checkraise ist overplayed. Es wird schwer auf diese Art und Weise schlechtere Hände zu stacken.
- Du musst quasi way ahead / way behind spielen.
- Jedoch verteilst du dabei Freecards, die weh tun können.
- Mit einer dominierten Hand möchtest du ungern drei Barrels callen.
- Andererseits gibst du Villain die Möglichkeit, gegen dich zu valuebetten. Er selbst kann sich jedoch Freecards bzw. den free Showdown gönnen.
Aktiver Defend:
- Du isolierst dich womöglich gegen bessere Hände.
- Hittest du ein Toppair, kommst du aus dem Pot nicht mehr heraus.
- Der Pot wird ziemlich groß.
- Spielst du hier way ahead / way behind, so protectest du ebenfalls nicht.
Wie du siehst, ist dies in keinem Fall ein Traum-Spot.
Mit den suited Connectors hingegen kannst du wie erwähnt dieser Problematik aus dem Weg gehen, indem du einfach foldest. Ansonsten besitzt du die Möglichkeit, hier hervorragend balancen zu können, je nachdem gegen wen du spielst und wie dein bisheriges Tableimage aussieht.
Dir muss nur klar sein, dass du bei einem aktiven Defend deinen Draw auch aggressiv spielen solltest und somit natürlich in einen sehr varianzreichen Bereich eintrittst.
Blind vs Blind
Diese Situation kommt nur vor, wenn der Small Blind first-in stealt und du im Big Blind sitzt.
Besondere Umstände:
- Du spielst in Position.
- Im Blindbattle kannst du looser broke gehen, auch postflop.
- Die SB-Openraiseranges sind bei vielen Spielern sehr unterschiedlich. Einige sind dort recht loose, andere sehr tight. Hier ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.
| » ZUSAMMENFASSUNG |
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Du sollst die grundsätzliche Vorgehensweise der Blinddefense verstanden haben. Wichtig für dich zu wissen ist, warum du deinen Blind defendest und wieso du gegen einen bestimmten Gegner auf eine bestimmte Aktion zurückgreifst. Was du dir preflop einbrockst, musst du postflop ausbaden. Behalte dies immer im Hinterkopf. Welche Möglichkeiten du postflop besitzt und wie diese konkret in das Preflopplay einfließen, wirst du in den beiden folgenden Teilen sehen. |
