Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Quiz der Woche: Spielen auf Setvalue

» QUIZ

 

Spielen auf Setvalue

von FES1337

Oft taucht in Coachings oder in Beispielhänden die Frage auf, ob man in dieser oder jener Situation sein Pocketpair noch sinnvoll auf Setvalue spielen kann. Deswegen zeige ich im folgenden Quiz ein paar Situationen auf, bei denen meiner Erfahrung nach Anfänger immer wieder auf Probleme stoßen.

Dieses Quiz richtet sich vornehmlich an Anfänger, was nicht bedeutet, dass der geneigte Platin- oder Diamondmember es nicht lesen darf, aber nicht böse sein, wenn ihr merkt, dass ihr nicht die Zielgruppe seid.

Alle Gegner sind übrigens vom Skilllevel aus gesehen auf den low Buy-ins anzusiedeln.

GRUNDSÄTZLICHES
Frage 1: Warum wollen wir überhaupt auf Setvalue spielen?

(1) Weil es so im SHC steht, da braucht man nichts mehr zu hinterfragen.

(2) Weil man im Falle eines Treffers oftmals sehr gut ausbezahlt wird, wenn die Gegner auch den Flop treffen. Sie können einen oftmals einfach nicht auf eine dermaßen starke Hand setzen, da sie gut verborgen ist. Außerdem machen gerade auf den niedrigen Buy-ins die durchschnittlichen Spieler alle möglichen komischen Plays mit noch komischeren Händen und für den Gegner sind wir einer von ihnen.

Auch wir gehen ja mit TPTK broke, da wir zwar wissen, dass der Gegner evtl. ein Set hat, aber mit TP ohne Kicker genauso spielen würde. Gegen die Range, mit der der durchschnittliche Gegner All-in geht, liegt man also mit TPTK vorne.

Ein weiterer Vorteil des Setminens liegt auch darin, dass man billig von der Hand wegkommt, sollte man sein Set nicht treffen. Denn man hat ja nur wenig bezahlt. Das Risk/Reward-Verhältnis ist also exzellent.

(3) Ich limpe sowieso alle Hände for Deception, da können Pocketpairs auch nicht schaden.

Frage 2: Bei welchem Verhältnis von zu callendem Betrag zu eigenem Stack kann man noch profitabel auf Setvalue spielen?

(1) Das hat mit dem Verhältnis nichts zu tun. Einfach in der frühen Phase limpen und ab der mittleren Phase nicht mehr.

(2) Das Verhältnis sollte bei ca. 1:16 liegen, um noch profitabel spielen zu können.

(3) Bis 1:10 kann man profitabel spielen.

 

HÄNDE

Frage 3. Mal etwas Einfaches zum Einstieg:

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t60 (9 handed)

UTG (t2510)
UTG+1 (t1490)
MP1 (t1220)
MP2 (t4540)
MP3 (t1870)
Hero (t1740) 7, 7
Button (t2380)
SB (t2330)
BB (t1920)


2 folds
, MP1 calls, 1 fold, MP3 calls, Hero ???

(1) wir können hier gut auf Setvalue limpen

(2) wir sollten lieber folden

(3) ein Raise wäre hier angebracht

Frage 4: Nun aber mal zumindest etwas Action vorher

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t60 (9 handed)

UTG (t2210)
UTG+1 (t1090)
MP1 (t1220)
MP2 (t4540)
MP3 (t1870)
Hero (t2440) 7, 7
Button (t2380)
SB (t2330)
BB (t1920)


2 folds
, MP1 raises to t125, MP2 calls, 1 fold, Hero ???

(1) wir können hier das Raise callen, um auf Setvalue zu spielen

(2) uh ein Raise! Da fold ich lieber…

(3) hmm… gibt es nicht irgendeinen fortgeschrittenen Move, der Squeezeplay oder so ähnlich heißt? Das mach ich hier mal.

Frage 5: A whole lotta action now.

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t40 (8 handed)

UTG+1 (t2210)
MP1 (t1090)
MP2 (t1220)
MP3 (t4540)
CO (t1870)
Hero is Button (t4820) 2, 2
SB (t2330)
BB (t1920)


1 fold
, MP1 raises to t100, MP2 calls, MP3 raises to t250, CO calls, Hero ???

(1) Viel Action = großer Pot = da bin ich dabei und calle mal…

(2) Ich liebe die low Buy-ins, da kann ich gut folden und alle kegeln sich gegenseitig raus

Frage 6: Blinds increase, while skill decreases

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t200 (8 handed)

UTG+1 (t2210)
MP1 (t1090)
MP2 (t1220)
MP3 (t4540)
CO (t1870)
Hero is Button (t4820) 3, 3
SB (t2330)
BB (t1920)


2 folds
, MP2 calls, 1 fold, CO calls, Hero ???

(1) mit meinen 24 BB bin ich hier noch deep genug, um mitzulimpen

(2) Ich folde mal besser

Frage 7: Blinds increase, while skill decreases II

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t200 (8 handed)

UTG+1 (t2210)
MP1 (t1090)
MP2 (t1220)
MP3 (t4540)
CO (t1870)
Hero is Button (t4820) 3, 3
SB (t2330)
BB (t1920)


2 folds
, MP2 calls, MP3 calls, 1 fold, Hero ???

(1) Ist doch das gleiche wie bei Aufgabe 4… Ich folde

(2) hier kann ich noch gut auf Setvalue callen

Frage 8: Angelehnt an eine immer wiederkehrende Beispielhandfrage

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t200 (8 handed)

Hero (t2410) T, T
MP1 (t1090)
MP2 (t1220)
MP3 (t4340)
CO (t1870)
Bu (t4820)
SB (t2330)
BB (t1920)

Hero ???

(1) Pocket Tens sind mir hier fast zu gut zum Folden. Wenn ich aber pushe, dann callen mich nur bessere Hände. Raisen will ich in der Phase nicht mehr, da ich dann jeden Push callen muss. Da bleibt wohl nur der Limp.

(2) Hier wird geballert

» QUIZ

Lösungen

Frage 1:

Derjenige, der etwas anderes als die ewig lange Antwort gewählt hat, liegt falsch.

Zu Antwort (1) muss man noch sagen, dass es prinzipiell am Anfang zwar richtig ist, das SHC zu befolgen. Ohne es jedoch zu hinterfragen, bzw. den Sinn zu verstehen, wirst du es wohl nicht auf höhere Buy-ins schaffen.

Frage 2:

Antwort (2) ist am ehesten richtig. Man trifft sein Set zwar öfter als in einem von 17 Fällen, jedoch muss ein Gewinnfall, bei dem man verdoppelt auch alle Fälle kompensieren, bei denen man preflop noch auf ein Raise folden muss, nachdem man schon gelimpt hat, oder bei denen man nicht voll ausbezahlt wird, weil der Gegner nichts getroffen hat, oder bei denen man trotz Monsterhand verliert.

In Cashgameforen liest man des Öfteren von einem Verhältnis von 1:14, jedoch denke ich, dass man bei SnGs das Verhältnis ein wenig höher ansetzen sollte, da man nicht einfach Chips nachkaufen kann und man als Anfänger außerdem immer noch Fehlerquellen im Play hat, die man zusätzlich kompensieren muss.

Frage 3:

Das ist wohl das Paradebeispiel einer Hand, bei der man gut auf Setvalue limpen kann. Alle Gegner und auch man selbst haben noch einen Stack, der ausreichend groß ist, um im Falle eines Treffers noch gut genug ausbezahlt werden zu können. Wir limpen hier!

Ein Raise mit 77 macht hier keinen Sinn, da wir erstens gegen zwei Gegner stehen und zweitens bei den allermeisten Flops auf Probleme stoßen, da Overcards liegen werden.

Ein Fold ist zu weak, da man oftmals gut ausbezahlt wird, wenn man sein Set trifft.

Frage 4:

Hier können wir trotz des Raises noch profitabel auf Setvalue callen, da zwar der Raiser nicht mehr genug Chips hat im Vergleich zur Größe des Raises, aber dafür der Caller. Das Verhältnis Stackgröße:Raise sollte hier immer mindestens ca. 16:1 betragen, da wir zwar unser Set öfter mal treffen, aber ab und zu auch noch auf ein Preflopreraise weglegen müssen, bzw. nicht immer maximal ausbezahlt werden. Dies muss ja durch den optimalen Payoff kompensiert werden.

Das angesprochene Squeezeplay würde ich als Anfänger auf den niedrigen Buy-ins nicht in mein Repertoire aufnehmen, da es einfach wegen den Gegnern nicht oft genug zum Erfolg führt, bzw. der Anfänger auch Probleme haben dürfte gute Spots auszuwählen.

Frage 5:

Wir könnten hier zwar rein nach den Stackgrößen (siehe Antwort Aufgabe 2) noch profitabel auf Setvalue callen, aber vor uns ist hier einfach zu viel Action passiert. Wir haben ein Raise, einen Coldcall, ein Reraise und noch einen Coldcall und werden, falls wir callen sollten, noch zwei Spieler nach uns haben, die schon angezeigt haben, dass sie eine gute Hand halten. Wir werden hier also oftmals den Flop nicht so billig sehen können, da evtl. noch ein Rereraise kommt. Außerdem halten wir nur 22, treffen also maximal Bottomset. Aus all den genannten Gründen würde ich hier einfach preflop folden.

Frage 6:

Von unserem Stack aus gesehen würde ein Call zwar noch in Ordnung gehen, jedoch hat keiner der bereits im Pot befindlichen Gegner einen ausreichend großen Stack (6BB und 9BB), um uns langfristig profitabel zu entlohnen. Deswegen bleibt nur der Fold.

Frage 7:

Im Endeffekt selbe Situation wie bei Aufgabe 4, jedoch ist nun zumindest ein Gegner im Pot, der uns auszahlen kann (über 20 BB). Deswegen ist es hier noch möglich, auf Setvalue zu callen. Mit welcher Handrange der Bigstack und der Shortstack bei den Blinds limpen, ist aufgrund der Undurchsichtigkeit von schlechten Gegnern sehr schwer zu definieren, jedoch würde ich die beiden auf kleine Pocketpairs, kleine Asse und optisch ansprechende Hände wie QJ etc. setzen. Gegner, die hier den Flop treffen, sind dann meistens auch gewillt, uns viele Chips zu überlassen, falls wir unser Set wirklich treffen.

Frage 8:

Da man in den Beispielhändeforen diese Situation so ähnlich immer wieder sieht und dabei von vielen Usern liest, dass sie das hier lieber limpen, da sie Angst haben hier zu pushen, weil sie nur von besseren Händen gecalled werden.

Das Zauberwort heißt hier Foldequity!!! Natürlich werden euch halbwegs normale Spieler hier nur mit sehr guten Händen callen, wenn ihr 12BB von UTG pusht. Aber wenn man ihnen hier eine Range von 99+, AKo, AQs+ gibt, dann halten sie eine dieser Hände mit ca. 4.5% Wahrscheinlichkeit.

Daraus folgt, dass in 73% der Fälle alle folden werden. Dies kombiniert damit, dass wir, sollten wir gecallt werden, immer noch in 40% der Fälle gewinnen, führt dazu, dass der Push hier hochprofitabel ist.

Der Call ist das nicht, er ist grauenhaft, denn mir fällt nicht ein, wie man die Hand dann sinnvoll weiterspielen soll. Call auf Setvalue bedeutet ja eigentlich, dass man foldet, wenn man sein Set nicht trifft und der Gegner bietet. Durch den Limp holt man aber Gegner in den Pot, die dann auch oft Hände anbieten, die man noch schlägt, man dann aber die bessere Hand foldet etc.

Deswegen rate ich hier ganz klar von einem Limp ab, sondern empfehle den Push. Man kann das hier natürlich auch raisen, aber als Anfänger will man ja schwierige Postflopsituationen vermeiden, da sie Fehlerquellen darstellen. Deswegen sollte der Push erste Wahl sein, das Raise zweite Wahl und der Rest überhaupt nicht in den Sinn kommen.